Betreut von Anufa
Schöpfungsabfolge durch die vier Welten   Teil II

Wir haben einen GastArtikel von der Damhain Alla gespendet bekommen. Vielen Dank fürs Gustostückerl für unser FeinStoffliches
. Sichelwiesel wirft einen grundlegenden Blick auf die kabbalistische Weltsicht und lässt uns daran teilhaben.

FORM-ation durch die vier Welten

Unser Unwissen ist so gravierend, dass unsere Fragen nie aufhören (die Götter lachen gewiss – einige hämisch – andere mitleidig – Weise üben sich in Geduld...). Gewiefte Kabbalisten sind dabei besonders hartnäckig. Sie fragen: Wer hat die vier Welten geschaffen? Wer hat das AIN SOPH OR, das Grenzenlose Licht, das die Spitze von Atziluth bildet, eingesetzt? Sie wollen wissen wer hinter Gott steht. Nach Jahrhunderten der Forschung sind sie untereinander auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner gekommen: Den PUNKT. Über diesen uranfänglichen PUNKT wird in vielen gelehrten Büchern des Langen und Breiten debattiert. Aber vermutlich bedeutet er einfach: Da war was (oder wer) – wir haben keine Ahnung – aber von DEM muss die ganze Schöpfung ausgegangen sein, sonst wäre sie schlichtweg nicht da. Natürlich sehen wir sie nicht, wie sie wirklich ist, aber – irgendetwas nehmen wir "da draußen" definitiv wahr. Die Reichweite der menschlichen Logik wird so gewissermaßen auf den PUNKT gebracht. Hypothetisch kann dieser Punkt als ein weit entferntes Schwarzes (oder Weißes!) Loch gedeutet werden... immerhin. Den Punkt als Öffnung zu bezeichnen, mag nicht mal so abwegig sein. Ihn mit einem Auge in Verbindung zu setzen, darüber wird sich eine Untersuchung lohnen.

Von diesem PUNKT muss nun zwingend ein IMPULS ausgehen und die Spekulation geht dahin, dass in der ABSICHT des Vor-Vaters, die noch ungeschaffenen IDEEN (Vor-Gedanken) bereits angelegt waren. Das wird als Göttliches Denken bezeichnet. In der Sophia-Gnosis wird es Erstes Mysterium oder das Unaussprechliche genannt.

Nicht ganz zufällig bringt die Kabbala nun ein Alphabet ins Spiel (siehe auch DA 20-23). Ein Alphabet ist im Unterschied zu einer Bilderschrift per Definition ein System, das durch Gruppieren von Zeichen und Symbolen Gedanken darstellt. Die Kabbala geht davon aus, dass durch dieses Schöpfungsalphabet WORTE gebildet und die Schöpfung formuliert wird. Die hebräischen Zeichen werden Feuerbuchstaben genannt, weil jeder der 22 Buchstaben – von oben nach unten geschrieben – vom Ausgangs-PUNKT einer projizierten Flamme ausgeht. Die hebräische Schrift ist also eine Feuer-, eine Lichtschrift. Die Natur dieser Flammenprojektionen wird im zweiten Teil der Untersuchung noch näher beleuchtet sein.

Dem Buchstaben Jod (י), der als auch bildlich eine Flamme darstellt, wird die Kraft des weihenden Impulses beigemessen und so, wie das Jod der erste Buchstabe von JHWH, dem Tetragramm des Heiligen Schöpfer-Namens bilden (יחזהwird das doppelte Jod (יי) zum Synonym für das Formulieren des Tetragramms, dessen vier Buchstaben den vier Welten uranfänglich zugrunde liegen.


Bild 4): Schema des abgestuften Weges der Gedankenimpulse in die materielle Schöpfung.

Das schwarz eingefärbte Dreieck in Assiah beinhaltet unser sichtbares Universum – eine von vielen Raumzeit-Zonen. Es sind nicht nur die östlichen Religionen, die veranschlagen, dass das Aussen nur in unserem Bewusstsein existiert, sondern auch die Quantenphysik postuliert gewissermassen solcherart. Insofern ist der Ausdruck Bewusstseins-Zeitzone bezüglich Assiah gar nicht so weit hergeholt, umso mehr das Erlangen des Bewusstseins und der Fall des Menschen (in die Assiah Welt) eng zusammenhängen (AT 1. Buch Mose).

Bei der ersten Welt, Atziluth, handelt es sich vollumfänglich um eine Welt der Gedankenformen. Und doch befindet sich auf der obersten Leitersprosse gewissermaßen ihr Gegenpart – das AIN SOPH OR, das grenzenlose Licht, welches als Grundlage aller Schöpfung die Formlosigkeit bereithält. AIN wird als eine Ausschüttung des reinen Geistes, jenseits aller Begrifflichkeit und Personifizierung definiert. AIN SOPH heißt grenzenlos. Es ist unendliche Energie ohne Anfang und Ende, ein Reaktives purster Potenzialität. Das AIN SOPH OR ist seine unfassbare Ausstrahlung und wird in der Gnosis Das allgegenwärtige Licht des Unendlichen genannt. In diese Matrize nun, gießt – als Akt der Schöpfung – der Göttliche Vater JHWH, das NARTUMID, das Ewige (Ideen-)Licht seiner Gedanken, die schließlich durch das Ain Soph Or in die Schöpfung ausgestrahlt werden.

Ein höchstes, sich ergänzendes Schöpferpaar tritt hier in Erscheinung: Ein unendlicher geistiger Schoß-Raum birgt den ersten zeitlosen Gedanken des Vaters. Formlosigkeit macht sich Form zu Eigen. "Väterliche" Gedankenemanationen prägen eine "mütterliche" allgegenwärtige Matrix: Ein Zusammenspiel, wie es in allen Welten zu finden ist – wahrlich: Wie oben so unten. Die Ausstrahlungen des Ain Soph Or erstrecken sich denn auch, abgestuft zu verschiedenen (Farb)-Lichtspektren, durch alle Welten, von den rein geistigen bis in die materiellen, von den makroskopischen der Sternenhaufen bis hin zu den mikroskopischen der Schechina-Universen, wie die inneren Welten der Schöpfung genannt werden.

Nun findet sich in Atziluth das "Viele und das Eine", das EINE, das sich im Vielen offenbart und das VIELE, das gleichzeitig im Einen – JHWH – eins ist. Es spielen Permutation, Trinitisation und innigste Koordination auf allen Ebenen eine tragende Rolle. Diese Myriaden von uranfänglichen, unveränderlichen Ideen bilden die große Schatzkammer des Lichts, eine unendliche Vielfalt von perfekten Bauplänen, welche die Thora Bildnisse und Gleichnisse (Zelem und D‘mut) nennt. Atziluth ist eine Meisterschöpfung. JaHWeH offenbart sich da als verwaltender HERR (ADONAI), auch seine Erzengel haben dort ihren Sitz, unter anderem METATRON, MICHAEL und – zentral – URIEL, der Erzengel des Inneren Lichtes (Ur/Or = Licht, El = Gott). Auch die ELOHIM, als geoffenbarte Schöpfer-Gottheit(en) und – zu ihrer Rechten – die ADONIM gehören noch Atziluth an. An dieser Schwelle zu Briah ist die ganze Erste Welt ausnahmslos in Anbetung seines HEILIGEN NAMENS (HA SHEM) – innigst mit dem Vater eins.

Atziluth ist – einfach gesprochen – der entfaltete Geist der Gottheit.

An dieser Stelle müssen nun Überlegungen zu dem, was in den orientalischen Religionen der Fall genannt wird, einfließen. Von vielen Kabbalisten wird Atziluth als absolut perfekt und ungetrübt betrachtet. Andere stellen das – auch in Berufung auf das wie oben so unten – in Abrede. Auch die Legende vom gefallenen Erzengel (in der Thora nicht belegt) würde dem widersprechen. Die Gnosis urteilt ähnlich. Sie wertet das getrennt vom unaussprechlichen Ersten Mysterium in Erscheinung Treten der Gedankenformen streng als Fall aus der Einheit. Zudem wird, ausgehend von Atziluth und angrenzend an Briah, den Elohim schöpferische Kompetenz zugestanden. Das impliziert eine gewisse Eigenständigkeit. Der Gedanke des Eigenwillens, des freien Willens, muss daher im Keim in den höchsten Welten schon angelegt gewesen sein. Übt ihn nicht gewissermaßen der schöpfende Genius selbst aus? Eine absurde Unterstellung, gewiss, trotzdem gilt: Je größer der Spielraum, desto kreativer die Schöpfungen; je größer die Abweichung, desto höher das Risiko einer Trübung des Ursprünglichen. Interessanterweise wird auch im Buddhismus weniger vom Bösen als solchem, sondern eher vom Abgetrennt sein durch Unwissen gesprochen – zwischen allen Welten fallen eben Schleier.


Ende Teil II


Sichelwiesel


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