Betreut von Anufa
Divination als Kommunikation zwischen Göttern und Menschen   Teil II

Manche holen sich divinatorischen Rat bei anderen, manche machen's lieber selbst — und wieder andere nutzen gar keine Divination in ihrer Praxis. Ich betreibe Divination selbst, und in ein paar ganz seltenen Fällen habe ich auch schon einmal andere befragt.

Und was, wenn die Gottheit will, dass ich nur unleserliches Zeug sehe?

Ah, der göttliche Troll... das kann passieren, wenn der Gott einfach nicht kooperieren will. Aber glaubst Du wirklich, dass die Lösung dafür ist, dem Divinationswerkzeug das Sprechen zu überlassen? Wenn man es mit einem göttlichen Troll zu tun hat, gibt es gar nichts, was man dagegen unternehmen kann. Man kann einen Gott nicht zwingen.

Das bedeutet auch, dass man letztlich allein dasteht mit der Verantwortung. Es ist Deine Verantwortung, zu wissen, wen Du fragst, und wonach Du fragst. Es bedeutet, dass Du eigenständig denken musst (und vielleicht nicht ausgerechnet Fenrir nach Heilungstipps fragst). Es bedeutet, dass man die gerade wichtigen Themen ansehen muss, und Fragen an die richtige Gott-Person heranträgt.

Manchmal bedeutet das offensichtliche Trollen auch, dass man von einer Idee Abschied nehmen muss. Speziell Loki ist dafür berüchtigt, einen Gedanken beiseite zu wischen, indem Er in der Divination Unsinn erzählt. Kein Grund zur Panik! Sauer ist Er wahrscheinlich nicht, denn das würde Er eher in großer Leuchtschrift ausbuchstabieren.


Es sieht aus wie Tarot, ist es aber nicht

Das, was ich mache, sieht ein bisschen aus wie Tarot, aber das ist es nicht.

Das Tarot-System selbst entwickelte sich im 15. Jh. in Italien, wo die Karten, die später als "Große Arkana" bezeichnet wurden, zunächst als trionfi (Trümpfe) bekannt waren. Erst im 18. Jh. wurden rudimentäre divinatorische Bedeutungen für die trionfi erdacht, die seitdem interpretiert, geändert, reinterpretiert und mystifiziert wurden. Der Okkultismus als vorrangiges Ziel der Tarot-Legung kam im späteren 18. Jh. auf; zuvor wurden Tarot-Karten hauptsächlich zum Spielen benutzt (wobei ich aber glaube, dass die Übergänge da eher fließend waren). Von dort aus kam Tarot unter den Einfluss der hermetischen Qabalah, und noch später, den des Hermetic Order of the Golden Dawn (in Person von Aleister Crowley).

Mein eigener Gebrauch von Tarot-Karten zu Divinationszwecken rührt eher daher, dass das spezielle Kartendeck, was ich für Divination mit Loki benütze, mir auf Sein Anstupsen hin von jemand anderem geschenkt wurde. Es ist ein wunderschönes Deck voller Katzen in barocker Kleidung, was für mich als ausgesprochenen Katzenmensch und Barockfan natürlich ein Augenschmaus ist.

Wenn man mich bei der Divination von außen beobachtet, passiert dabei das Folgende: Ich mische die Karten, dann lege ich eine Anzahl von Karten vor mir aus -- Anzahl und Muster kann variieren -- und drehe die Karten um, sodass sie mit der Bilderseite nach oben zeigen. Daraufhin konsultiere ich ein "kleines schwarzes Buch", das für jede Karte Assoziationen enthält. Dann schreibe ich das Ergebnis der divinatorischen Legung in mein Tagebuch.


Von Versuch und Fehlschlag, und davon, nicht auf Formalitäten zu bestehen

Die obige Beschreibung ist natürlich grässlich generisch, und die Frage ist: wie kommt man zu etwas Greifbarem? Das Problem damit, ein Divinationswerkzeug als Kommunikationswerkzeug zu benutzen, liegt darin, dass man für jede Gottheit, mit der man Divination betreibt, zunächst lernen muss, wie die Gottheit das Werkzeug benutzt. Das heißt, es führt einfach kein Weg daran vorbei, ganz viel zu üben (mit jeder Gottheit von vorn...)

Die Antwort, die ich auf die Frage geben kann, ist: Versuch und Fehlschlag -- was auch nicht unbedingt gerade spezifischer ist. Es gibt aber einen Hinweis, den ich mit einiger Zuversicht in Bezug auf Loki geben kann (aber ich denke, das würde auch mit anderen Göttern funktionieren): nicht auf Formalitäten bestehen.

Konkret jetzt mal, heißt das:


Die Gottheit wählt die Form

Ich arbeite zum Beispiel komplett ohne Legemuster (also bspw. "keltisches Kreuz" oder "Baum des Lebens" oder so). Wenn ich die Karten so vor mir hinlege, gibt es kein festes Kartenmuster, und auch keine vordefinierten Bedeutungspositionen ("diese Karte ist für die Vergangenheit, diese für die Gegenwart", etc.). Nicht einmal die Anzahl der Karten ist festgelegt; ich würde aber für den Anfang, wenn die Gottheit einverstanden ist, eine geringe Anzahl empfehlen, damit es überhaupt noch überschaubar bleibt. Weniger als drei Karten kommen bei mir aber nicht zum Einsatz.

Als ich angefangen habe, mit Loki auf diese Art Divination zu betreiben, hatte sich zwischen Ihm und mir bereits ein Rapport eingestellt: ich war also einigermaßen zuversichtlich, dass ich "Hinweise" von Ihm empfangen und verstehen konnte. Als es also daran ging, ganz konkret zu "divinieren", habe ich schlicht die Anzahl Karten in dem Muster vor mir ausgelegt, das Er mir suggerierte -- meist in Form von Bildern vor dem inneren Auge. Beispielsweise erhalte ich Eindrücke von fünf Karten, in einem Bogen ausgelegt, oder als X, oder zwei Reihen... und genau diese Eindrücke setze ich dan physisch um.

Wenn das Muster und die Anzahl der Karten feststeht, lasse ich Loki aussuchen, welche Karten Er will. Das Aussuchen von Karten ist etwas speziell, und jeder wird vermutlich seine eigene Methode entwickeln, aber so funktioniert es für mich: Die Karten liegen zunächst als sauberer Stapel aufeinander. Dann beginne ich, den Stapel nach rechts zu "neigen", indem ich die Karten seitwärts schiebe. Die Karte, die sich als erstes vom unteren Stapelteil löst, ist die Karte, die ich benutze. Das ist ein rein physischer Prozess und beinhaltet keinerlei intuitive Abschätzung meinerseits. Ich halte den Stapel einfach in der linken Hand und schiebe mit der Rechten die Karten langsam seitwärts. Irgendwann wird es eine Karte geben, die sich vom unteren Teil des Stapels trennt. Diese nehme ich dann.

Zusammenfassung: die Gottheit die Form bestimmen zu lassen, bedeutet, dass Du Sie entscheiden lässt, wie Sie sprechen will -- in meinem "Tarot"-Fall bedeutet das, dass Loki entscheidet, vieviele Karten zum Einsatz kommen, wie sie liegen werden, und welche Karten es sind, die ich benutzen werde.


Ende Teil II


Myriad Hallaug Lokadís


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