Divination als Kommunikation zwischen Göttern und Menschen   Teil I

Manche holen sich divinatorischen Rat bei anderen, manche machen's lieber selbst — und wieder andere nutzen gar keine Divination in ihrer Praxis. Ich betreibe Divination selbst, und in ein paar ganz seltenen Fällen habe ich auch schon einmal andere befragt.

Für mich ist Divination keine Sache der nordischen polytheistischen Tradition, obschon ich mich dieser Tradition zugehörig fühle und es bekannt ist, dass die Menschen früher bestimmte Methoden verwendet haben, um die Zukunft vorherzusagen (oder, wie ich eher glaube, den Willen der Götter zu interpretieren). Viel eher ist Divination für mich eine mystische Praxis: Sie unterstützt meine Religionspraxis, meine Erfahrung und meine Erkenntnisse, die aufgrund meiner zentralen, persönlichen Götterbeziehung einen ausgeprägten mystischen Charakter haben.

Ein Wort vorweg an alle, die sich viel zu Herzen nehmen, was sie lesen: Solltest Du irgendwo das Gefühl bekommen, ich würde mich über Dich und Deine Praxis lustig machen, so sei Dir an dieser Stelle versichert, dass es sich bei den Einzelheiten, die ich besprechen werde, strikt um Abstraktionen meiner eigenen Fehler (oder Erfolge) handelt.


Divination als Kommunikation?

In meiner Praxis ist Divination der Akt der Verwendung gewisser physischer/materieller Werkzeuge, um von nicht-physischen Wesenheiten Informationen zu gewinnen, die für mich relevant sind. Hier möchte ich auf zwei wichtige Grundannahmen meiner Divinationspraxis eingehen.

Die erste ist, dass ich Divination als Methode betreibe, etwas von einem Wesen zu lernen, das außerhalb meiner selbst existiert. Dies steht im Gegensatz zu der gängigeren Annahme, mittels Divination erfahre man etwas über sein eigenes Unterbewusstsein. Man muss sich aber nichtsdestoweniger im Klaren sein, dass die Information, die man erhält, obwohl sie nicht aus dem Unterbewusstsein stammt, dennoch durch das Unterbewusstsein passieren muss. Das Unterbewusstsein ist der formbarste Teil unseres Geistes, einfach weil wir per Definition uns seiner nicht bewusst sind, und nicht mutwillig punktuell in seine Prozesse eingreifen können. Das macht unser Unterbewusstsein zu einem hervorragenden Werkzeug für Manipulanten, seien sie jetzt göttlicher Natur oder nicht. Denn wenn wir ehrlich sind: Kommunikation mit Gottheiten, und vor Allem der Art, in der Götter uns Information zu transferieren, wohnt ein Aspekt der Manipulation inne.

Ein Gott ist ein mächtiges Wesen -- manchmal erlebe ich das so direkt, konkret und großflächig, dass es mich ein bisschen schockiert, wie mächtig Götter sind. Aber Sie können unsere Körperlichkeit nicht umgehen. Wir haben Gehirne, und Gehirne haben gewisse Funktionsprinzipien, die nicht einmal Götter ändern können oder wollen. Ein bewusster Gedanke erscheint nicht einfach so aus dem Nichts, sondern hängt von einer Reihe zusammenhängender unbewusster Vorgänge im Gehirn ab. Ohne diese Vorgänge, in dieser Kombination, würde der Gedanke nicht entstehen. Damit uns Götter etwas Konkretes mitteilen können, müssen sie also in die Prozesse unseres Unterbewusstseins gestaltend eingreifen.

Divination unterstützt diesen Prozess, indem das Unterbewusstsein mit Hilfe von Bildern oder anderen physischen Eigenschaften eines Divinationswerkzeugs auf bestimmte Arten stimuliert wird. Deshalb ist dein Divinationswerkzeug das potenzielle Kommunikationswerkzeug deiner Gottheit.


Lass die Gottheit sprechen (Sie kann das recht gut!)

Das bringt mich zu meiner zweiten wichtigen Grundannahme, die da lautet: das Divinationswerkzeug kommuniziert nicht. Deine Gottheit kommuniziert.

Das heißt dein Pendel, Orakeldeck, oder was auch immer Du benutzt, sagt dir nicht die Dinge, die Du erfährst, sondern deine Gottheit. Götter beherrschen in ganz fantastischem Ausmaß Dinge wie Koinzidenz und Zufälligkeit. Sie sind wahre Meister des Zufalls, und benutzen ihn kreativ. Das heißt, dass Divinationswerkzeuge, die auf zufälligen oder sehr (im mathematischen Sinn) chaotischen Prozessen beruhen, außerordentlich gut zum Zufallstalent von Gottheiten passen. Guckst Du dir gern Wolken an? Perfekt. Karten, Würfel, irgendwas wirklich zufälliges? Sehr fein! (Ich ziehe bei Pseudozufall meine Trennlinie, da es beim Pseudozufall keinen Indeterminismus gibt, es sei denn, der Pseudozufallsgenerator wird mit echtem Zufall geseedet; Wenn etwa der Shuffle-Algorithmus vom iPod das nicht tut, dann ist er nicht zufällig. Du denkst nur, er sei's.)

Runen sind im Hinblick auf die Grundannahme des stummen Werkzeugs eher ein bisschen tricky. In manchen Kreisen ist die Annahme verbreitet, die Runen seien selbst unabhängige Geistwesen. Ich bin da sehr skeptisch, vor Allem, weil es keinerlei Anhaltspunkte gibt, dass Runen historisch so gesehen wurden. Keine belastbaren Anhaltspunkte gibt es weiterhin dafür, dass sie auch nur zu Divinationszwecken eingesetzt wurden, bevor die Neuzeit mit Runenlesen à la Stephen Flowers aufwartete. Nichtsdestotrotz habe ich zu wenig Erfahrung mit Runendivination, um einschätzen zu können, ob sie sich für meine Art Divination eignen würden. Ich benutze sie nicht, weil es zu vieles gibt, was ich nicht über sie weiß -- einerseits -- aber vor Allem benutze ich sie deswegen nicht, weil die Liebe meines Lebens (das ist Loki, für den Fall, dass es unklar ist) mir keinen Grund zu der Annahme gibt, Er sei irgendwie unzufrieden damit, meine üblichen Werkzeuge -- ein Tarot-Kartenset und ein Pendel -- zu benutzen.

Ob nun Runen eigenständig sind oder nicht sei dahingestellt: auf jeden Fall benötigt man für diese Art der Divination ein Werkzeug, keine automagischen Quasselstrippen.


Ja, aber ich hab' gehört, dass Karten nicht neutral "gemischt" sein können?

Die kurze, nerdige Antwort darauf ist: It's not a bug, it's a feature.

Wenn Du schonmal nach Divinationstipps gefragt hast, wird dir vermutlich schon mal jemand den Hinweis gegeben haben, dass die Karten zu "deinem Nachteil gemischt sein könnten". Was soll das überhaupt heißen?

Für meine Begriffe ist das nur eine wichtig klingende Art, zu sagen, dass die Gottheit, die Du befragst, die Karten so manipulieren könnte, dass Du nicht die "Wahrheit" -- also einen postulierten Pseudo-Willen der Karten -- zu Gesicht bekommst, sondern genau das, was die Gottheit dich sehen lassen will. Aber in dem Divinationsparadigma, das ich benutze, ist das genau das, was Du willst.

Wir lassen nicht die Karten sprechen, sondern der Gott spricht, indem Er Seinen unnachahmlichen Zugang zu Zufälligkeit dazu nutzt, dir genau die Karten hinzulegen, die Du brauchst, um die Nachricht lesen zu können. Genauso einfach und logisch ist es. Loki manipuliert Karten? Ich hoffe es und zähle darauf, dass Er das tut! Es macht ja keinen Sinn, etwas vermeiden zu wollen, das unausweichlich ist. Man kann aber schlau sein, und den unausweichlichen Umstand zum beiderseitigen Vorteil nutzen.

Loki ist nicht der einzige Gott, der Divinationswerkzeuge manipulieren kann -- Er ist aber derjenige unter den Göttern, die ich kennengelernt habe, der am eindrucksvollsten den Zufall biegen und Seinem Willen unterwerfen kann. Wenn man das versteht, liegt es auf der Hand, wie diese Neigung bewusst sowohl zu Seinem als auch unserem Vorteil genutzt werden kann. (Zu einem gewissen Grad gilt das für alle Gottheiten nicht "bloß" Loki.)


Ende Teil I


Myriad Hallaug Lokadís


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