Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen   Teil XIV

Als ich als 13-Jähriger das Buch „Himmelskunde für Jedermann“ verschlungen habe, hat mich – daran kann ich mich gut erinnern – ein Bild fasziniert, dass ich nie vergessen habe, an das ich in den darauf folgenden 40 Jahren immer wieder einmal denken musste.

Okkulte Anatomie

 
Abbildung 5 okkulte Anatomie und Physiologie - Dreierklassifikation

Die okkulte Anatomie befasst sich mit der Untersuchung der inneren Struktur des Menschen. Dabei hat sie mehrere Klassifikationsschemata entwickelt, die ich in Abbildung 5, Abbildung 6, Abbildung 7, Abbildung 8 und Abbildung 9 dargestellt habe.

Das einfachste Klassifikationsschema ist die Dreierklassifikation, die den nichtkörperlichen Bereich in Seele und Geist unterteilt. Sie wird insbesondere im christlichen Kontext verwendet, wobei des Öfteren auch lediglich von Seele – Körper die Rede ist, was heißt, dass der Geist in den seelischen (psychischen) Bereich mit einbezogen wird. Ich habe sie in Abbildung 5 tabellarisch wiedergegeben. Da die Dreierklassifikation nach meinem Dafürhalten zu einfach ist, möchte ich nicht weiter darauf eingehen. Ich halte die Vierer- und die Siebenerklassifikation für wesentlich interessanter. Ich habe ja bereits in der Einleitung ganz bewusst nicht einfach nur vom Seele-Körper-Problem gesprochen.

Bei der Viererklassifikation, die ich in Abbildung 6 dargestellt habe, handelt es sich um eine praktische Unterteilung, die das Nichtkörperliche in die drei Kategorien Gefühle, Verstand und Geist unterteilt und damit Parallelen zur modernen Psychologie aufweist. Gefühle und Verstand werden in dieser Klassifikation als die beiden Konstituenten der Seele gesehen. Der Geist steht über der Seele. Mit Verstand ist dabei sowohl unser konkreter logischer Verstand als auch unser abstrakter Verstand gemeint. Was genau unter konkretem und unter abstraktem Verstand zu verstehen ist, wird deutlicher, wenn man sich die so genannte Siebenerklassifikation anschaut, die ich in Abbildung 7 dargestellt habe.

Die Siebenerklassifikation knüpft direkt an das an, was ich bereits über den „Großen Zyklus“ gesagt habe; sie entspricht nämlich den sieben Ebenen des Universums (die nicht mit den vier kabbalistischen Welten verwechselt werden sollten) und somit auch den sieben Körpern, die wir im Laufe der Evolution annehmen. Außerdem weist diese Klassifikation Parallelen zur Psychologie Carl Gustav Jungs auf, der an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben darf.

 
Abbildung 6 okkulte Anatomie und Physiologie - Viererklassifikation

Überhaupt ist, das sei hier kurz die eingeflochten, die Sieben die Heiligste aller Heiligen Zahlen. Man denke an die sieben kabbalistischen Ebenen, an die sieben planetarischen bzw. astrologischen Zuordnungen der Sephiroth, wobei diese den sieben in der Antike bekannten Himmelskörpern entsprechen (wenn man das geozentrische Weltbild zugrunde legt und den Zodiac nicht mitzählt, weil es sich dabei ja nicht wirklich um einen Himmelskörper handelt), die hier beschriebenen sieben Inneren Schichten (Ebenen) des Menschen, die sieben Schleier der Salome, die sieben Dämonen, die Jesus der Maria Magdalena austreibt, die sieben Siegel an Jesu Grab im apokryphen Petrus-Evangelium, an die sieben Himmel und insbesondere an den Siebenten Himmel und nicht ganz zu letzt auch an die sieben Geißlein, deswegen nicht ganz zu letzt, weil ich mir sicher bin, dass der Leser noch die eine oder andere Assoziation haben wird. Ich möchte es auch dem Leser überlassen, sich Gedanken über die Zusammenhänge zu machen.

Hatte Freud das Unbewusste in die Psychologie eingeführt, so ist Jungs berühmteste Tat die Entdeckung des kollektiven Unbewussten und der Archetypen. Jung stellte die These auf, es gebe ein universelles allen Menschen gemeinsames Unbewusstes, aus dem bestimmte Bilder stammen würden – eben das berühmte kollektive Unbewusste. Wichtig ist dabei nicht das Bild selbst sondern das dahinter stehende Symbol, die ihm immanente Grundfigur, und diese Grundfigur nennt Jung den Archetypus. Das Bild kann in unterschiedlichen Gesellschaften, unterschiedlichen Kulturkreisen zu unterschiedlichen Zeiten verschieden sein, es ist dem jeweiligen Zeitgeist angepasst, aber die Bedeutung des Archetyps ist für alle Individuen in allen Gesellschaften aller Kulturen zu allen Zeiten der selbe.

Abbildung 7 okkulte Anatomie und Physiologie - Siebenerklassifikation

Die Siebenerklassifikation zeigt uns ja ganz deutlich – und das geht auch aus Abbildung 7 hervor – dass sechs Siebentel eines Menschen zur Welt des Unbewussten gehören und dass unser Bewusstsein, auf das wir so viel geben, lediglich „die Spitze eines Eisbergs darstellt“, „der aus dem Meer des Unbewussten herausragt“, wie es Charles Fielding so schön formuliert [i]. Diese Spitze ist unser (falsches – davon später mehr) Ego, das Ich. Alles was das Ich in seiner Funktion als Fokus unseres Alltagsbewusstseins aus welchem Grund auch immer nicht im Bewusstsein behalten, nicht erinnern will, verdrängt es in den Bereich des Unbewussten, wobei man nach Jung zwischen Verdrängung und Unterdrückung unterscheiden muss [ii]. Unterdrückung bedeutet für Jung den an sich ganz normalen Vorgang der Verlagerung des Schwerpunkts unserer Aufmerksamkeit von einem Thema oder von einem Aspekt zu einem anderen und das absichtliche gewollte Vergessen (Ich will mich mit einem Thema nicht weiter beschäftigen, weil es mir uninteressant oder unwichtig erscheint. Ich habe irgendwelche Fakten zur Kenntnis genommen, will sie mir aber nicht unbedingt für den Rest meines Lebens merken.). Verdrängung geschieht hingegen unbeabsichtigt. Was unterdrückt wurde, kann wieder bewusst werden, was verdrängt wurde hingegen nicht – jedenfalls nicht so ohne weiteres. Außerdem, so Jung, werden auch Sinneseindrücke, die unterhalb einer bestimmten Schwelle liegen (man sagt „subliminal sind“), ins Unbewusste verdrängt. Diesen Bereich unserer Psyche, der alles Verdrängte sowie das subliminale Material enthält, nennt Jung das persönliche Unbewusste; „persönlich“ deshalb, weil es das Unbewusste einer ganz bestimmten Person, eines ganz bestimmten Individuums ist.


[i] Ch.Fielding, Die praktische Kabbala; S.132
[ii] Ch.Fielding, Die praktische Kabbala; S.132


Ende Teil XIV


Questing Wolf


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