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Betreut von Anufa
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen   Teil XIII

Als ich als 13-Jähriger das Buch „Himmelskunde für Jedermann“ verschlungen habe, hat mich – daran kann ich mich gut erinnern – ein Bild fasziniert, dass ich nie vergessen habe, an das ich in den darauf folgenden 40 Jahren immer wieder einmal denken musste.

In jeder der vier Welten „erschafft“ sich das Universelle Bewusstsein in einem evolutiven Prozess jeweils einen Körper. Durch den jeweiligen Körper in der jeweiligen Welt erlebt und erfährt es seine eigene Projektion und erlangt dadurch Kenntnis seiner selbst. Paradoxerweise benötigt es in seinem Aspekt als Gott den Körper, also einen Teil seiner feinstofflichen und materiellen Manifestwerdung, um die Welt mit Hilfe der Psyche, also einer seiner unzähligen Inkarnationen, erfahren zu können. In Wirklichkeit“ ist die Trennung zwischen Innenwelt und Außenwelt – das „Ich in meinem Körper“ und die „anderen Ichs in ihren jeweiligen Körpern“ eine Illusion, denn alles ist Eines. Es handelt sich um eine sehr hartnäckige Illusion, aber auch um eine notwendige, denn ohne die Illusion des Ichs und der Getrenntheit von Innenwelt und Außenwelt, ohne die Illusion Bewusstseinsinseln zu sein, ohne die Illusion der Getrenntheit von Subjekt (das Beobachtende, Erkennende, Wissende, Handelnde, ...) und Objekt (das Beobachtete, Zuerkennende bzw. Erkannte, Gewusste, Behandelte, ...) könnten wir uns in der dualen Welt, zumindest in der materiellen Welt (Malkuth), nicht zurecht finden und nicht als Subjekt die Erfahrung der vermeintlich objektiven (Außen-) Welt machen. Letzteres ist aber nötig, um den „Großen Zyklus“ zu vollenden. Davon später mehr.

Diese Sichtweise stellt einen wesentlichen Unterschied zum Buddhismus dar, der die Dichotomie Innenwelt-Außenwelt aufzulösen versucht, indem er die Außenwelt (die materielle Welt) gewissermaßen per definitionem zu Maya (Illusion) erklärt. Hier geht es – das sei ausdrücklich betont – nicht darum diese Dichotomie aufzulösen, indem ein Teil von ihr wegdiskutiert wird. Stattdessen sollte hier deutlich werden, dass die Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt eine Illusion ist, weil Innenwelt und Außenwelt eins sind. Nicht nur „wie oben so unten“, sondern auch „wie außen so innen“.

Für mich haben die scheinbaren Paradoxien der Quantenmechanik, ihre Dialektik, große Ähnlichkeit mit denen des Gnostischen Großen Zyklus und der ihm eigenen Dialektik.

Der bereits erwähnte Beobachtereffekt der Quantenmechanik lehrt uns wie ich schon darzulegen versucht habe, ebenfalls, dass es keine Trennung zwischen Subjekt und Objekt geben kann und dass das Bewusstsein des Experimentators maßgeblich am Ausgang des Experiments beteiligt ist, führt also letztendlich das Ideal der objektiven Naturbeschreibung, der objektiven Formulierung von Naturgesetzen ad absurdum. Ja noch viel mehr! In letzter Konsequenz lehrt uns die Quantenmechanik, auch das sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass die materielle Welt bewusste Beobachter benötigt um überhaupt existieren zu können, jedenfalls wenn wir unter „existieren“ das verstehen wollen, was wir gemeinhin Realität nennen. Ohne bewusste Beobachter ist die materielle Welt allenfalls in Form einer res potentia, soll heißen in Form von Überlagerungen aller Möglichkeiten „vorhanden“, sofern man überhaupt von „vorhanden“ sprechen kann; erst die Bewusste Beobachtung respektive Wahrnehmung lässt eine dieser Möglichkeit manifest werden. Hier geschieht nämlich unten im Kleinen was oben im Großen geschieht: Bewusstsein erzeugt und manipuliert die materielle Welt. Materie ist kristallisiertes Bewusstsein; Bewusstsein, das die höchste Stufe der Verdichtung angenommen hat. Alles, was es „gibt“ – auch jedes Materieteilchen, jedes Quant – ist ein Teil, ist eine Instanz, eine Inkarnation des Universellen Bewusstseins und Alles ist mit allem verflochten und im Grunde eins. In dieser Sichtweise lösen sich auch die vermeintlichen logischen Widersprüche und Paradoxien der Quantenmechanik im wahrsten Sinn des Wortes in Wohlgefallen auf.

Außerdem liegt sowohl der mythologischen Beschreibung des Involutionsprozesses, der, wenn man so will, gnostische „Weltentstehungsgeschichte“, genauso wie auch der kabbalistische Kosmogonie, so wie ich sie beide hier beschrieben habe, die Idee zugrunde, das Bewusstsein und Materie ursprünglich Eins sind; etwas moderner ausgedrückt: dass beiden eine gemeinsame Entität zugrunde liegt. So betrachtet haben wir es mit einem Syzygy zu tun, dessen einer Pol das Bewusstsein und dessen anderer Pol die Materie ist. Analog zur Komplementarität von Welle und Teilchen haben wir es hier auf einer höheren Ebene mit einer Komplementarität von Bewusstsein und Materie zu tun. Genauso wie sich uns Materie je nachdem wie wir unser Experiment gestalten, welche Frage wir an die Natur stellen, einmal als Teilchen und ein anderes mal als Welle präsentiert, so präsentiert sich uns die Welt einmal als Bewusstsein und einmal als Materie. In unserem normalen Alltagsbewusstsein nehmen wir sie als Materie war. In anderen (nicht alltäglichen) Bewusstseinszuständen, z.B. in tiefer Meditation, können wir sie als reines Bewusstsein wahrnehmen, dass nicht von uns separiert ist.


Zurück zum Großen Zyklus

In a recent meditation, these words came from the Goddess:
”Death/Life, Life/Death. I’ve always wondered why you have two different words.”

Ellen Cannon Reed  [i]

Fleischlich inkarnierte Lebewesen (spiritus in carne) müssen sterblich sein. Ihr Tod ist Notwendigkeit. Die Notwendigkeit ihres Todes und ihrer Reinkarnation müssen in der Idee und im Plan bereits enthalten sein. Sie müssen sterblich sein, weil sonst das nicht-duale Bewusstsein (Kether), keine Kenntnis seiner Manifestation und damit letztendlich keine Kenntnis seiner selbst erlangen könnte.

Erst aus der Polarität von Leben und Tod entstehen zusehends komplexere Lebensformen bis hin zu Lebewesen, die zur Selbstreflexion und zur gestalterischen Einflussnahme fähig sind; Lebewesen, die mit stricken können am großen Netz, das Alles mit Allem verbindet und die in der materiellen Manifestation vorhanden sein müssen, damit diese Manifestation überhaupt stattfinden kann.

Sie müssen etliche Zyklen von Tod und Wiedergeburt in materiellen Körpern durchlaufen, um sich in der materiellen Welt Kenntnisse anzueignen, die sie im Prozess der Rückkehr zum Mysterium mit sich tragen. Die Lebewesen sind gewissermaßen die Späher des Mysteriums, die versehen mit entsprechenden „Aufgaben“ in die materielle Welt „geschickt werden“. Vielleicht gehen ja ihre Gedanken („Erinnerungen“) in der Gesamtheit aller mentalen Konstrukte auf, wenn sie sterben; so entsteht ein Pool an Kenntnissen und Fähigkeiten. Nur so kann der Involutionsprozess nahtlos in den so genannten Rückkehrprozess übergehen. [ii]


Evolution als Rückkehrprozess

Wenn nämlich die Involution voranschreitet entsteht irgendwann das, was die Naturwissenschaften „belebte Materie“ oder Leben oder Lebewesen nennen. Inkarnation = Spiritus in Carne! Der Geist (Nous) respektive das Bewusstsein hat sich in seiner eigenen Projektion bzw. deren Immanenz, nämlich Materie verfangen. Mit dieser Materialisation beginnt die Evolution, der zweite Teil des großen Zyklus. Diesen möchte ich nun beschreiben indem ich etwas näher auf die so genannte esoterische bzw. okkulte Anatomie und auf die esoterische bzw. okkulte Physiologie eingehe, zwei Punkte, die beim Thema Körper-Geist-Seele-Bewusstsein sowie nicht fehlen dürfen. Mir persönlich gefällt der Begriff „okkult“ in diesem Zusammenhang wesentlich besser als „esoterisch“, denn „esoterisch“ hat eine landläufige Konnotation, die ich unbedingt vermeiden möchte. Was ich hier beschreiben möchte, hat mit der weit verbreiteten „Eso-Sauce“ nichts zu tun. Bezüglich des Begriffs „okkult“ möge das gelten, was ich im Anhang zum Begriff „Okkultismus“ sage.


[i] Ellen Cannon Reed, The Witches Tarot
[ii] Zitat aus dem Blue Moon Coven Forum

Ende Teil XIII


Questing Wolf


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