Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen   Teil X

Als ich als 13-Jähriger das Buch „Himmelskunde für Jedermann“ verschlungen habe, hat mich – daran kann ich mich gut erinnern – ein Bild fasziniert, dass ich nie vergessen habe, an das ich in den darauf folgenden 40 Jahren immer wieder einmal denken musste.

Wir sind die Konstrukteure unserer Wirklichkeit. Bewusstsein lässt das Universum manifest werden!

Die andere Sprache
Hatte das Universum wirklich einen Anfang?
Entspricht die Theorie vom Urknall der Wahrheit?
Das sind keine Fragen, obwohl es den Anschein hat.
Ist die Logik, die einen Anfang, Entwicklungen
und ein Ende als Darlegung von Fakten verlangt,
die einzige bestehende Logik?
Das ist die eigentliche Frage.
Es gibt mehr als eine Logik.
Es gibt zum Beispiel eine, die verlangt, dass man eine
Vielfalt von Intensitäten als Fakten anerkennen muss.
Nach dieser Logik beginnt nichts und endet nichts.
So gesehen, ist die Geburt kein klares eindeutiges Ereignis,
sondern eine besondere Art der Intensität.
Das gilt auch für das Heranreifen und für den Tod.
Ein Mann mit dieser Logik stell fest, wenn er seine Gleichungen betrachtet,
dass er genug unterschiedliche Intensitäten berechnet hat,
um glaubwürdig sagen zu können,
dass Universum hatte keinen Anfang,
und es wir niemals enden,
aber es durchlief, es durchläuft und wir in Zukunft
endlose Veränderungen der Intensität durchlaufen.
Dieser Mann könnte sehr wohl zu dem Schluss kommen
und sagen:
Das Universum ist das Vehikel der Intensität.
Man kann es benutzen,
um sich endlos lange durch Veränderungen zu begeben.
All das und noch viel mehr wird er erkennen,
ohne vielleicht jemals zu begreifen,
dass er bloß die Logik seiner Muttersprache bekräftigt.


Carlos Castaneda [i]

Schauen wir also, was die Mystik zu dieser Thematik sagt.

Zur Mystik gehören Mythen und natürlich der Schöpfungsmythos, auch wenn vielleicht nicht sofort verständlich ist, was denn der Schöpfungsmythos mit dem Thema „Körper-Geist-Seele-Bewusstsein“ zu tun haben könnte. Aber schließlich sind wir ja schon bei unserer Erörterung der quantenmechanischen Implikationen darauf gestoßen, dass das Bewusstsein – unser Bewusstsein – an der Manifestwerdung der materiellen Welt beteiligt ist. Genau genommen möchte ich nicht einfach nur einen Schöpfungsmythos beschreiben, sondern die erste Hälfte eines Prozessen, welchen ich gerne den „Großen Zyklus“ nenne; und außerdem handelt es sich nicht um eine Schöpfung in dem Sinne wie die monotheistischen Religionen diesen Begriff verwenden. Zudem glaube ich, dass es notwendig ist, diesen „Großen Zyklus“ zu kennen, um verstehen zu können, in welchem Zusammenhang menschlicher Geist, menschliche Psyche und menschlicher Körper stehen und welche Rolle wir tatsächlich in der Welt „spielen“. Da es sich um einen Zyklus handelt, könnte ich genauso gut an einer ganz anderen Stelle einsetzen; in einem Zyklus gibt es keinen wirklichen Anfang und kein wirkliches Ende, vielmehr fallen Anfangspunkt und Endpunkt zusammen; aber es liegt nun mal in der Natur des menschlichen Denkens, stets nach einem Anfang zu suchen.

Mit dem „Großen Zyklus“ meine ich den Zyklus von Manifestation respektive Inkarnation und Rückkehr, vom Entstehen und Wiedervergehen der Welt. Man kann diesen Zyklus sehr gut kabbalistisch beschreiben und verstehen, aber vermutlich nicht, ohne wenigstens über Grundkenntnisse der Kabbala zu verfügen und mit deren Terminologie vertraut zu sein. Es würde aber den Rahmen dieses Essays bei Weitem sprengen, wenn ich hier im Detail auf die Kabbala eingehen würde. Es gibt viele gute Bücher zu diesem Thema, auf die ich den Leser hier verweisen möchte. Daher werde ich hier primär etwas andere Metaphern verwenden, die aus der Gnostik stammen und meiner Meinung nach genauso gut geeignet sind, um das zu verdeutlichen, was ich zum Ausdruck bringen will. Ich werde aber wenigstens ein bisschen auf die Kabbala eingehen, nicht zuletzt deswegen, um den nicht kabbalistisch vorbelasteten Leser dazu anzuregen sich selbst Gedanken zu machen oder damit zu beginnen sich mit der Kabbala zu beschäftigen (Es lohnt sich). Im Anhang gebe ich eine wenn auch zugegebenermaßen sehr grobe Übersicht über die Kabbala und den Baum des Lebens und erläutere einige Grundbegriffe, die zum Verständnis des Weiteren nötig sind. Außerdem werde ich mit meiner Beschreibung an die Ideen des griechischen Philosophen Plotin anlehnen (siehe auch Personenverzeichnis).

Und nun zum „Großen Zyklus“

Worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen.
Ludwig Wittgenstein [ii]

Der Meister sagte zu mir: Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Dieser Geist, der ohne Anfang ist, ist ungeboren und unzerstörbar. Er ist weder grün noch gelb, hat weder Form noch Erscheinung. Er gehört nicht zu der Kategorie von Dingen, die existieren oder nicht existieren. Auch kann man nicht in Ausdrücken wie alt oder neu von ihm denken. Er ist weder lang noch kurz, weder groß noch klein, denn er überschreitet alle Grenzen, Maße, Namen, Zeichen und Vergleiche. Du siehst ihn stets vor dir, doch sobald du über ihn nachdenkst, verfällst du dem Irrtum. Er gleicht der unbegrenzten Leere, die weder zu ergründen noch zu bemessen ist.

Huang-Po [iii]

Bei dem Großen Zyklus handelt es sich um einen Mythos, der sich um die drei großen Ws rankt, der beschreibt woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen. Er beschreibt, wie aus Nichts Etwas entstehen konnte, die Entwicklung des Kosmos und seinen Sinn und Zweck. Es ist ein Mythos, der (zunächst) vom Primat des Bewusstseins ausgeht und nicht – wie die Naturwissenschaften und bis zu einem gewissen Grad auch die Psychologie, die Medizin und sogar die Geisteswissenschaften - vom Primat der Materie.

Eigentlich sollte es natürlich erscheinen, dass Bewusst-Sein die Voraussetzung für Sein schlechthin ist; denn wenn kein Bewusstsein ist, das wahrnimmt, welchen Sinn sollte es dann machen, davon zu sprechen, dass etwas ist? Dennoch kann Bewusstsein nicht die Quelle alles Seins sein, denn solange nichts als Bewusstsein ist, hat das Bewusstsein nichts, dessen es sich bewusst sein kann, also ist es sich über nichts bewusst, folglich ist es nicht bewusst sondern unbewusst, wenn nicht gar bewusst-(seins)-los. Bewusstsein braucht etwas, dessen es sich bewusst sein kann, und mit diesem Etwas ist es untrennbar verbunden. Dem Begriff des Bewusstseins ist ein Dualismus immanent, den wir nicht umgehen können. Wenn wir die Quelle alles Seins suchen, müssen wir nach etwas suchen, was jenseits aller Dualität liegt und damit auch jenseits aller Begrifflichkeit und das vor allem nicht Etwas sein kann, denn sonst wäre es begrifflich und dual (komplementär zu Nichts), und aus dem gleichen Grund kann es auch nicht Nichts sein.

Da ich schlechterdings nicht umhin kann, für dieses Weder-Etwas-Noch-Nichts jenseits der Begrifflichkeit eben doch einen Begriff einzuführen, möchte ich es das Mysterium nennen. Würde ich darauf verzichten, an dieser Stelle einen Begriff einzuführen, wohl wissend, dass es sich nur um eine Metapher handeln kann, so müsste ich in Anlehnung an Siddharta Gautama mit einem donnernden Schweigen fortfahren, aber das lässt sich ebenso schwer zu Papier bringen wie die weiter oben zitierte Empfehlung Ludwig Wittgensteins; und ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass ich mich – zumindest semantisch – in der gleichen Situation befinde wie der Physiker, der das zu beschreiben versucht, was einmal als Welle und ein anderes Mal als Teilchen erscheint und doch keines von beiden ist. Das Mysterium existiert außerhalb – jenseits – der Dualität von Wissendem und Gewusstem, von Beobachter und Beobachtetem etc. Genau genommen dürfte ich gar nicht schreiben, „das Mysterium existiert“, denn es „ist“ jenseits der Dualität der Existenz. Es sollte vor allem nicht mit dem Schöpfer-Gott der monotheistischen Religionen verwechselt werden; mit dieser Vorstellung hat es nichts gemein.

Die Toten kamen zurück von Jerusalem, wo sie nicht fanden, was sie suchten.
Sie begehrten bei mir Einlass und verlangten bei mir Lehre und so lehrte ich sie:
Höret, ich beginne beim Nichts. Das Nichts ist dasselbe wie die Fülle.
In der Unendlichkeit ist voll so gut wie leer.
Das Nichts ist leer und voll.
Ihr könnt auch ebenso gut etwas anderes vom Nichts sagen, zum Beispiel es sei weiß oder schwarz
oder es sei nicht, oder es sei.
Ein Unendliches und Ewiges hat keine Eigenschaften, weil es alle Eigenschaften hat.
Das Nichts oder die Fülle nennen wir das PLEROMA.
Dort drin hört Denken und Sein auf, denn das Ewige und Unendliche hat keine Eigenschaften.
In ihm ist keiner, denn er wäre dann vom Pleroma unterschieden und hätte Eigenschaften,
die ihn als etwas vom Pleroma unterschieden.
Im Pleroma ist nichts und alles:
Es lohnt sich nicht über das Pleroma nachzudenken, denn das hieße: Sich selber auflösen.

C.G.Jung [iv]


[i] Carlos Castaneda, Das Wirken der Unendlichkeit
[ii] Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus, 1921
[iii] Huang-Po, Der Geist des Zen
[iv] C.G.Jung: Die sieben Predigten an die Toten (Septem Sermones ad Mortuos); aus der ersten Predigt


Ende Teil X


Questing Wolf


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