Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen   Teil I

Als ich als 13-Jähriger das Buch „Himmelskunde für Jedermann“ verschlungen habe, hat mich – daran kann ich mich gut erinnern – ein Bild fasziniert, dass ich nie vergessen habe, an das ich in den darauf folgenden 40 Jahren immer wieder einmal denken musste.

And you who seek to know me,
know that the seeking and yearning
will avail you not,
unless you know the Mystery:
for if that which you seek,
you find not within yourself,
you will never find it without.
For behold,
I have been with you from the beginning,
and I am that which is attained
at the end of desire.
[i]

Wenn jene [...] zu euch sagen: „Siehe das Königreich ist im Himmel“,
so werden Euch die Vögel des Himmels zuvorkommen.
Sagen sie euch: „Es ist im Meer“, so werden Euch die Fische zuvor kommen.
Aber das Königreich ist innerhalb von Euch und außerhalb von Euch.
Wenn ihr euch erkennt, dann werdet ihr erkant werden;
und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid.
Wenn ihr Euch aber nicht erkennt, seid ihr in Armut, und ihr seid die Armut.
[ii]

The Kingdom of Heaven is within You and whoever knows Himself shall find it. Know Your Self.
[iii]

Gnothi Seauton
[iv]

Das Wesen des Geistes recht verstanden lässt sich durch Menschenwort nicht greifen noch vermitteln. Erleuchtung lässt sich nicht erlangen, und der sie findet sagt nicht, dass er weiß.
[v]

Abbildung 1: Camille Flammarion – L'Atmosphère [vi]


[i] Aus „The Charge of the Goddess“ (Wicca)
[ii] Thomas Evangelium, Vers (Logion) 3; siehe z.B. Lüdemann / Janssen, Bibel der Häretiker, Die gnostischen Schriften aus Nag Hammadi
[iii] Jesus, Oxyrhynchus Manuscript; e.g., New Sayings of Jesus and Fragment of a Lost Gospel from Oxyrhynchus, London 1904
[iv] Gnothi Seauton, altgriechisch; zu deutsch: Erkenne dich selbst; Inschrift an einer Säule der Vorhalle des Apollontempels in Delphi.
[v] Huang-Po, Der Geist des Zen, S.72
[vi] L'atmosphère météorologie populaire. Paris 1888. (dt.: Himmelskunde für das Volk.)
Die Schutzdauer für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es unterliegt daher keinem Urheberrecht mehr.

 

Als ich als 13-Jähriger das Buch „Himmelskunde für Jedermann“ verschlungen habe, hat mich – daran kann ich mich gut erinnern – ein Bild fasziniert, dass ich nie vergessen habe, an das ich in den darauf folgenden 40 Jahren immer wieder einmal denken musste. Es ist dort mit der Bildunterschrift „Durchbruch des Menschen durch das Himmelsgewölbe und Erkenntnis neuer Sphären (Holzschnitt um 1520)“ abgedruckt. [i]
Als ich ca. 40 Jahre später, nämlich vor wenigen Wochen Israel Regardies großartiges Buch „The Tree of Life, An Illustrated Study in Magic“ gelesen habe, habe ich dieses Bild wieder gefunden. Dort ist es mit der Bildunterschrift „The Experience of the Inner Worlds“ abgedruckt. [ii]
Heute weiß ich, dass beide Bildunterschriften dasselbe aussagen.

Gerade eben, habe ich gelernt, dass es sich bei diesem Bild um einen Holzschnitt des französischen Astronomen Nicolas Camille Flammarion handelt, den er im Stil des 15. Jahrhunderts anfertigte und in seinem 1888 erschienenen Buch „L'atmosphère météorologie populaire“, veröffentlichte; dass Flammarion sich darüber hinaus mit der Parapsychologie auseinandersetzte und die Auffassung vertrat, dass die Seele eine unabhängige Existenz vom Körper besitze und Fähigkeiten aufweise, die der Wissenschaft bislang unbekannt seien, dass er Mitbegründer und Mitglied der französischen Theosophischen Gesellschaft war und Präsident der „Society for Psychical Research“.

Heute, da ich letzte Hand an diesen Artikel lege, die Quellennachweise einfüge, die Tippfehler korrigiere, stoße ich auf der Suche nach einem ganz bestimmten Zitat beim Durchblättern einiger meiner Bücher erneut auf dieses Bild; diesmal finde ich es mit der Unterschrift „Dissolving the Membrane. The ancient alchemists sought ways to dissolve the barrier between the reality they believed was an illusion and the imaginal they thought was real“ bei F.A.Wolf, Mind into Matter. The new Alchemy of Science and Spirit [iii].

Als ich als junger Student der Physik am schwarzen Brett unseres Instituts einen Anschlag mit der Überschrift „Geist löst den Mythos der Materie auf“ vorfand, dachte ich mir „So ein Quatsch!“ Das ist nun mehr als 30 Jahre her.
Als ich vor einigen Wochen gefragt wurde, ob ich einen Artikel für die Gardnerian-Homepage zum Thema „Körper-Geist-Seele-Bewusstsein“ schreiben möchte, habe ich spontan zugestimmt.

Ich hatte mich schon seit längerer Zeit mit diesem Thema befasst und glaubte über genügend Material zu verfügen, um es aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten zu können. Als ich dann aber an meinem Schreibtisch saß und loslegen wollte, war mein Kopf plötzlich ziemlich leer und ich wusste nicht wo und wie ich anfangen sollte. Einige Stunden später hatte ich dann doch eine umfangreiche Stoffsammlung zusammengetragen, aber es fehlte nicht nur der berühmte rote Faden, viel schlimmer noch gab es keinerlei vernünftige Reihenfolge; es war ein Kraut-und-Rüben-Manuskript.

Die Aufgabe, den Wirrwarr irgendwie sortieren zu müssen, stellte mich erneut vor die Frage womit ich eigentlich anfangen solle, und so habe ich mich schließlich dafür entschieden bei den alten Griechen, die bei diesem Thema natürlich nicht gänzlich fehlen dürfen zu beginnen, und anschließend erst einmal auf die naturwissenschaftliche Sichtweise einzugehen, nicht zuallerletzt auch deshalb, weil die Frage wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen und mit ihr interagieren, in welcher Beziehung unser Bewusstsein zu unserem Körper und zur materiellen Welt steht und umgekehrt in einem Essay zum Thema „Geist – Seele – Bewusstsein – Körper“ nicht ausgeklammert werden kann. Zudem enthält das Thema auch explizit das Wort Körper. Körper impliziert Materie und materielle Welt und die Welt, in der wir leben, die uns zu umgeben scheint, ist ja augenscheinlich materieller Natur. Die Untersuchung der Materie und das Verstehen ihrer Gesetze wird als klassisches Themengebiet der Naturwissenschaften gesehen, so wie Bewusstsein, Geist und Seele als klassische Themen der Geisteswissenschaften gesehen werden, und auch der Religionen, zumindest dann, wenn es um die Unsterblichkeit der Seele oder etwas abstrakter um den unsterblichen Anteil des Menschen geht. Aber keine Angst! Ich werde jetzt keine naturwissenschaftliche Abhandlung verfassen und auch nicht mit mathematischen Formeln um mich werfen. Ich werde die Mystik ausgiebig zu Wort kommen lassen und manchmal sind ja zeitgenössische naturwissenschaftliche Denkweisen und jahrtausende alte mystische Vorstellungen gar nicht so weit voneinander entfernt.

Vorweg noch eine Anmerkung: Bezüglich der Begriffe Geist, Seele, Psyche und Bewusstsein herrscht babylonische Sprachverwirrung. Ich habe beschlossen, an dieser Stelle auf Definitionen dieser Begriffe zu verzichten sondern diese stattdessen im Laufe diese Essays zu entwickeln.

Ich werde also im Folgenden versuchen (die Betonung liegt auf versuchen) zu klären was wir unter Bewusstsein, Geist und Seele verstehen können und in welcher Beziehung Bewusstsein, Geist und Seele zueinander und zur Materie stehen.

Wenn man Leute fragt was sie sich unter der Seele vorstellen, bekommt man meistens zu hören, „etwas Nicht-Materielles“, „der spirituelle oder der geistige Anteil des Menschen“ oder schlicht und einfach „daran glaube ich nicht“ bzw. „das gibt es nicht“. Wenn man diejenigen, die an das Vorhandensein der Seele glauben, fragt, wo diese denn ihren Sitz habe, erhält man keine konkreten Antworten. Am häufigsten hört man wohl noch, „na ja, irgendwo in uns, denn beim Tod verlässt sie ja den Körper“. Die Seele als der körperlose Geist des verstorbenen Menschen, eine Vorstellung die besonders im Christentum weit verbreitet ist: nach dem physischen Tod verlässt die Seele den Körper und kehrt heim zu Gott. Die Seele wird auch immer wieder einmal mit der Aura oder gar mit dem Bewusstsein gleichgesetzt bzw. verwechselt – cogito ergo animam habeo? (frei nach René Descartes). Auch viele Menschen, die nicht daran glauben, dass die Seele nach dem Tod weiterlebt, heimkehrt zu Gott etc., stimmen zumindest zu, wenn man sagt, die Seele sei der Sitz unserer Gefühle. Woher kommt es, dass ein ganzer Musikstil als Soul etikettiert wird?

Der Physiker Fred Allan Wolf, im Internet auch bekannt als Dr. Quantum [iv], berichtet, er habe einmal im Rahmen eines Seminars, bei dem es um das Thema Bewusstsein ging, Studenten gefragt, was für sie der Unterschied zwischen Seele, Geist und dem Selbst sei, und die meisten gaben zur Antwort, die Seele habe mit Fühlen und Gefühlen zu tun, der Geist sei irgendetwas, das auf einem höheren Level existiert, und das Selbst sei in unserem Körper lokalisiert [v].

Auffallend ist, dass in vielen antiken Sprachen die Begriffe für Seele weiblich sind (psyche, pneuma, anima, alma, shakti) und dass sie im Laufe der Geschichte immer wieder mit Göttinnen assoziiert wurde (Sophia, Achamoth, Kore, Metis, Sapientia, Juno).

[i] Krause & Fischer, Himmelskunde für jedermann, Abb. 209, Seite 287
[ii] Israel Regardie, The Tree of Life, An Illustrated Study in Magic; Abb. 80, Seite 224
[iii] S.19, Abbildung 1.1. Siehe auch Literaturverzeichnis.
[iv] http://www.fredalanwolf.com/
[v] Fred Alan Wolf, The Spiritual Universe


Ende Teil I


Questing Wolf


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