Betreut von Anufa
Eine Einführung in die traditionelle Astrologie    Teil II

Das WurzelWerk bedankt sich bei Kim herzlich für die Spende dieses Artikels über traditionelle Astrologie, bei Peter für die Vermittlung und bei Keela für die Übersetzung.
Nur durch viele Wurzeln kann unser Baum überleben und ausreichend Blätter wachsen lassen!!

Im ersten Teil dieser Einführung haben wir einiges über die Geschichte der traditionellen Astrologie herausgefunden. Diesmal möchte ich zeigen, was meiner Meinung nach, die wichtigsten Unterschiede zwischen traditioneller und moderner Astrologie sind.

Der beachtlichste und sichtbarste Unterschied zwischen alter und neuer Astrologie ist sicherlich die Anzahl der Planeten, mit der sie sich beschäftigt.  Die traditionelle Astrologie verwendet die folgenden 7 Planeten:

  • Saturn
  • Jupiter
  • Mars
  • Sonne
  • Venus
  • Merkur
  • Mond

Das heißt, dass die meisten Planeten über zwei Tierkreiszeichen herrschen:

Mars herrscht über Widder und Skorpion.
Venus herrscht über Stier und Waage.
Merkur herrscht über Zwillinge und Jungfrau.
Jupiter herrscht über Schütze und Fische.
Saturn herrscht über Steinbock und Wassermann.
Der Löwe wird von der Sonne regiert, der Krebs vom Mond.

Diese 7 Planeten sind die Hauptakteure im Horoskop. Abgesehen von ihnen, verwenden wir nur die Mondknoten und Fixsterne, die nahe an einer Achse liegen. Traditionelle Astrologie erkennt hypothetische Körper, die äußeren Planeten oder irgendwelche Trümmer, die durch den Raum treiben, nicht an!

Eine Erklärung dafür könnte die Tatsache sein, dass die alte Astrologie sich nur mit Planeten beschäftigte, die Licht ausstrahlen konnten, d.h. die mit freiem Auge sichtbar waren. Ich werde hier nicht ausführlicher auf die esoterische Bedeutung von Strahlen eingehen, weil uns das zu weit vom Hauptthema dieses Artikel wegführen würde. Für den besonders interessierten Leser empfehle ich für weiterführende Studien Alkindis „De Radiis Stellicis“, oder John Dees „Propaedeumata aphoristica“.

Um das Argument betreffend Licht zu belegen, braucht man sich nur daran zu erinnern, dass in der Astrologie die Gestirne, wenn sie sich verfinstern, eine Schwäche anzeigen.

Ein anderer wichtiger Umstand, der von modernen Astrologen vergessen wurde, ist das Konzept der „Essenz“. Essenz kann man als das definieren, was übrig bleibt, wenn man alles Materielle entfernt. Aristoteles definiert Essenz folgendermaßen: „Die Essenz der Sache an sich, ist das wofür sie gehalten wird.“
Wir erkennen, dass im Grunde, und auf der höchsten Ebene gesehen, alle Essenz eins ist. Wenn wir den Weg der Manifestation weiter hinab in Richtung Materie gehen, werden wir entdecken, dass die Essenz sich in Teile aufsplittert, wie Licht, das durch ein Prisma fällt.

Die sieben Planeten können als eine Art von Prisma gesehen werden, die sich Stück für Stück mit einem anderen Teil der Essenz beschäftigen. Zum Beispiel haben alle Dinge, die die Essenz von Mars teilen, ihre „Mars-heit“ gemeinsam. Das würde unter anderem Eigenschaften wie Mut, Selbstvertrauen, die Liebe zum Krieg, Abenteuerlichkeit, usw. beinhalten.
Alles, was diese Essenz teilt, egal wo es sich befindet, ist irgendwie eins. Wenn also Mars seine Position am Firmament verändert, wird sich in allem, das Mars-Essenz in sich trägt, etwas verändern.

Wir können sagen, dass ein Siebentel aller Dinge im Grunde Mars-Charakteristika aufweist, ein Siebentel Jupiter-Charakteristika, usw.
Wenn wir uns z.B. den Zustand von Mars zu irgendeinem festgelegten Zeitpunkt ansehen, können wir daraus erkennen wie gut (oder nicht so gut) es etwas gerade geht, das Mars-Essenz an sich hat.

Traditionelle Astrologen verwenden eine Tabelle genannt „Essentielle Würden der Planeten“, die es ermöglicht, genau zu berechnen, wie gut es einem Planeten geht.

Table of Essential DignitiesEin weiterer Unterschied zwischen traditioneller und moderner Astrologie ist die Verwendung von Aspekten. Traditionelle Astrologen erkennen nur fünf Aspekte, die sogenannten Ptolemäischen Aspekte, an. Diese sind:

      • Trigon (120°)
      • Sextil (60°)
      • Quadrat (90°)
      • Opposition (180°)
      • Konjunktion (0°)

Obwohl die Konjunktion technisch gesehen keinen Aspekt darstellt, wird sie meistens als solche behandelt.

Die Nebenaspekte, die vom Astronomen Kepler erfunden wurden und erschöpfend in der modernen Astrologie verwendet werden, haben keinen Platz in der traditionellen Astrologie.

Im Großen und Ganzen kann man die traditionelle Astrologie in vier Gebiete unterteilen:

Stundenastrologie:

Diese spezielle Form der Astrologie beschäftigt sich mit einfachen Fragen. Die fragende Person muss dafür keine persönlichen Angaben machen. Typische Fragen sind:
Werde/wird ich/sie/er heiraten?
Werde/wird ich/sie/er einen Job bekommen?
Werde/wird ich/sie/er die Prüfung bestehen?
Werde/wird ich/sie/er die Operation überleben?

Elektion / astrologische Terminwahl:
Hierbei versucht der Astrologe den bestmöglichen Zeitpunkt für den Beginn einer Aktivität zu finden. Das kann z.B. sein:
Wann sollte ich meinen Betrieb eröffnen?
Wann sollte ich mit meiner Homepage online gehen?
Wann sollte ich heiraten?

Man sagt, dass John Dee, Hofastrologe von Königin Elisabeth I. diese Methode verwendete, um den besten Zeitpunkt für ihre Krönung zu berechnen (nebenbei: 15. Jänner 1559, 12:14 Uhr, London)

Geburtsastrologie:

Eine Geburtsdeutung liefert der Person eine Analyse ihres Geburtshoroskops und gibt Einblick in ihre Lebensmuster. Die Techniken der traditionellen Astrologie werden verwendet, um dem Geborenen präzise Informationene über seine/ihre Lebensmuster und Zyklen während seines/ihres Lebens zu geben.  Die betreffende Person bekommt Informationen über:
grundlegende Charakterzüge,
Temperament,
angeborene Veranlagungen bezüglich Gesundheit, Karriere, Einkommen, Heirat, usw.,
offensichtliche Stärken und Schwächen.

Mundanastrologie:

Dieser Teil der Astrologie beschäftigt sich mit der Untersuchung der Geschehnisse auf der Welt. Das können politische Ereignisse, das Studium der Zyklen der Natur, Wettervorhersagen, usw. sein.


Zum Autor:
Peter Stockinger ist der Hausastrologe des Desosil Dance Magazins. Er hat mehr als 20 Jahre lang Astrologie in deutschen und englischen Traditionen studiert und ist praktizierender traditioneller Astrologe. Du kannst Peter per E-mail kontaktieren (Peter@stars-and-stones.co.uk), oder seinen web log unter http://starsandstones.wordpress.com besuchen.

Danke an Kim für diese ArtikelSpende (ursprünglich in Deosil Dance – Ausgabe 46, Sommersonnwend 2010 veröffentlicht),
übersetzt von Keela.


Kim

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