Eine Einführung in die traditionelle Astrologie   Teil I

Das WurzelWerk bedankt sich bei Kim herzlich für die Spende dieses Artikels über traditionelle Astrologie, bei Peter für die Vermittlung und bei Keela für die Übersetzung. Nur durch viele Wurzeln kann unser Baum überleben und ausreichend Blätter wachsen lassen!!

Eine kurze Geschichte der traditionellen Astrologie

Heutzutage werden viele verschiedene Formen von Astrologie praktiziert. Das Spektrum reicht von Sonnenzeichen-Astrologie, wie sie in Tageszeitungen zu finden ist, über komplizierte Systeme, die hypothetische Planeten, Asteroiden oder Sabische Symbole verwenden, bis zu psychologischer Astrologie, die von ausgebildeten Psychologen praktiziert wird.
Doch all das hat nicht viel mit traditioneller Astrologie, wie sie im 17. Jahrhundert praktiziert wurde, zu tun.  Teil 1 dieser Einführung ist eine kurze und unvollständige Geschichte der traditionellen Astrologie. Im 2. Teil werde ich versuchen, die wichtigsten Unterschiede zwischen den alten, traditionellen Wegen der klassischen Astrologie und den neuen, modernen Herangehensweisen zu erklären.

Traditionelle westliche Astrologie nahm ihren Anfang ca. 2.000 v. Chr. Ihre Ursprünge können bis zu den antiken Zivilisationen von Chaldea und Babylon zurückverfolgt werden.
Die dortigen Astrologen waren nicht am Schicksal des einzelnen Menschen interessiert, sondern beschäftigten sich hauptsächlich mit Prophezeiungen, die das ganz Imperium, oder den König betrafen. Heute würden wir diesen Ansatz „Mundane Astrologie“ nennen.

Von dort aus gelangte die Astrologie nach Griechenland. Die Griechen begrüßten das Wissen, das ihnen weitergegeben wurde und verwendeten es bald, als wäre es immer schon das ihre gewesen. Pythagoras‘ Ansätze in Richtung Geometrie und Mathematik wurden übernommen und nahtlos in die Techniken der griechischen Astrologen des 6. Jahrhunderts v. Chr. integriert.
Im 2. Jahrhundert n. Chr. schrieb der griechische Geograph und Mathematiker Claudius Ptolemäus eines der berühmtesten Bücher über Astrologie, „Tetrabiblos“. Dieses Buch wird heute immer noch gedruckt und von vielen Praktizierenden gelesen.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. begannen sich die Gebildeten Roms für die Ideen des Pythagoras und damit auch für Astrologie zu interessieren. In den folgenden Jahrzehnten wuchs dieses Interesse und wurde zu einer Art Sucht. Ein Kritiker dieser Zeit schrieb: „Es gibt Leute, die nicht in der Öffentlichkeit erscheinen, speisen oder baden können, ohne vorher vorsichtig die Ephemeriden zu konsultieren, um z.B. zu wissen, wo Merkur steht, oder welchen Teil des Krebses der Mond auf seinem Weg über den Himmel durchläuft.“

Nach dem Fall des römischen Imperiums blieb die Astrologie im Vorderen Orient erhalten, von wo aus sie im 12. Jahrhundert n. Chr. ins mittelalterliche Europa zurückkehrte.
Wir finden z.B. Kommentare zur Astrologie von Adelard von Bath in der Bibliothek des 12. Jahrhunderts der Kathedrale von Chartres.
Albertus Magnus, der große Philosoph des 13. Jahrhunderts förderte die Astrologie und wurde einer der namhaften Weisen des Mittelalters.
In England war es Roger Bacon, der die Weisheit der Sterne verbreitete. Er wurde, kurz nachdem er „Speculum Astronomiae“, eine astrologische Arbeit veröffentlichte, von den Franziskanern, einem Orden römisch-katholischer Mönche, eingekerkert.

Zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert florierte die Astrologie in Europa. Zur Zeit der Tudors konnte sich England rühmen, zwei Hof-Astrologen zu haben. Aber einer der hervorragendsten königlichen Astrologen des 16. Jahrhunderts muss wohl Dr. John Dee gewesen sein. Er war der Ratgeber von Könige Elisabeth I., arbeitete unter der Schirmherrschaft der Herzogin von Northumberland, berechnete Mary Tudor’s Horoskop, als sie zur Königin ausgerufen wurde und erhielt eine jährliche königliche Rente von Edward VI.

London Fire  
Das große Feuer von London

Das 17. Jahrhundert sah einen nie dagewesenen Anstieg in der Anzahl der Astrologen. Bekannte Namen sind u.a. Elias Ashmole, der Mann der die Schriften von Dr. John Dee erbte, Jeremy Coley und John Gadbury. Ashmole, der große Altertumsforscher, war ein lebenslanger Freund von Englands berühmtestem Astrologen William Lilly.
Lilly, der im Alter von 65 Jahren seine eigene Lebensgeschichte niederschrieb, behauptete, dass König Charles ihn während des Bürgerkriegs konsultiert habe, aber seinen Ratschlag nicht angenommen hätte. 1644 veröffentlichte er seinen ersten Almanach „Merlinus Anglicus Junior“, welcher sofort ein Bestseller wurde. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der verkauften Kopien von Lillys Almanach immer weiter an. Im Jahr 1649 verkaufte er etwa 30.000 Kopien seines „Merlinus Anglicus 1649“.
1652 prophezeite Lilly das große Feuer von London in Form der nebenstehend abgebildeten Hieroglyphe.

Sein wichtigstes Buch „Christian Astrology“ (die religiöse Anspielung in Titel war nur dazu gedacht, Probleme zu vermeiden), wird als das hervorragendste astrologische Buch in englischer Sprache bejubelt. Die Geschichte seines Drucks ist außergewöhnlich. Es wurde erstmals 1647 publiziert; eine zweite Auflage erschien 1659. 1980 erwarb eine Astrologin namens Olivia Barclay eine Kopie des Originals von 1647 und erkannte dessen enormen Wert für die astrologische Gemeinschaft. Sie erstellte 1985 eine originalgetreue Ausgabe und druckte 2.000 Stück davon, die bis ca. 1998 ausverkauft waren. Sowohl das Original wie auch die 1985 erschienene, sogenannte „Regulus Edition“ sind viel begehrte Bücher, die sehr hohe Preise am antiquarischen Buchmarkt erzielen. Seit damals wurden andere Ausgaben herausgebracht, um die Nachfrage der Schüler der traditionellen Astrologie zu befriedigen.

Leider war William Lilly nicht nur der berühmteste Praktiker der traditionellen Astrologie, sondern auch einer der letzten Meister dieser Kunst. Aufgrund des sich verändernden Weltbildes in eine mehr mechanistische und materialistische Richtung, sank das Interesse an der Astrologie konstant und rasch.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Astrologie wieder zum Vorschein. Sie war mit Lehren der Kabbala verflochten worden. Autoren schrieben unter Pseudonymen, vorwiegend die planetarischer Engel. So gab es z.B. sechs „Raphaels“, drei „Zadkiels“ usw.

Im 20. Jahrhundert übernahmen dann die Theosophen die astrologische Szene, und von diesem Moment an war Astrologie nicht mehr wiederzuerkennen.


Teil 2 folgt...

Danke an Kim für diese ArtikelSpende (ursprünglich in Deosil Dance – Ausgabe 46, Sommersonnwend 2010 veröffentlicht).
Übersetzt von Keela


Kim


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