Betreut von Anufa
Moderne westliche okkulte Tradition   Teil IX

Durch Zufall bin ich Aaron vor einigen Jahren im Netz begegnet und seine Essays haben mich so beeindruckt, dass ich ihn fragte, ob ich etwas davon übersetzen dürfte um es im WurzelWerk zugänglich zu machen. Dieser Essay ist zwar nicht mehr taufrisch (aus dem Jahre 1998) aber bringt derartig vieles an gesundem Menschenverstand und natürlich auch kontroverse Ansichten zu Tage, dass ich ihn als besonders wertvoll empfinde.

Von diesem Standpunkt ausgehend ist es vielleicht verständlich, warum ich die Idee, einfach alles was benötigt wird zu visualisieren, nicht kaufe. Sicherlich bin ich nicht darauf beschränkt in einem materiellen Tempel zu arbeiten. Sofern ich jedoch keinen Zugang zum Tempel habe, dann starte ich auch nicht den Versuch in Tempelmanier zu arbeiten. Das ist ein anderer Punkt meiner Sichtweise der Magick, der oftmals schwierig in einfachen Begriffen zu umreißen ist. Jeder wahre Magier sollte fähig sein, Magick ohne Rücksicht auf physische Beschränkungen durchzuführen. Wie in jeder andere Branche auch sollte man bedenken, dass hinter der Phrase „verwende das passende Werkzeug für den jeweiligen Job“ Weisheit steckt.

Dafür werde ich noch ein Beispiel geben. Wir haben schon gesehen, dass ich keinen Versuch mehr starten kann, Engel der Wachtürme zu rufen, bis ich alle Werkzeuge etc. beisammen habe. Sollten wir also annehmen, dass ich bezüglich der Enochischen Hierarchien hilflos wäre? Habe ich mit Ihnen überhaupt keinen Kontakt? Natürlich habe ich den! Wenn ich bei der Wahrheit bleibe, dann strebe ich jeden einzelnen Moment meines Lebens danach eine Kommunikationsleitung mit Ihnen offen zu haben. Es ist nur mein Fokus, der sich verschiebt. Von Tag zu Tag, es sind Sie, die zu mir kommen, wann immer Sie das wollen. Das passiert besonders häufig, wenn ich „Engelmaterial“ studiere und Sie schauen von Zeit zu Zeit vorbei um mich auf etwas aufmerksam zu machen, das ich übersehen oder noch nicht verstanden habe. Einmal kontaktierten sie sogar einen anderen Magier – viele Kilometer weit weg – und informierten ihn, dass ich sofort von ihm zu hören hätte. Er sprang aus dem Bett, schaltete seinen Computer ein um mir zu mailen und fand dabei einen Brief von mir an ihn, der ihm mitteilte, dass ich seine Hilfe in einer persönlichen Krise benötigen würde.


Die Definition von „Magick“

Ich lag einige Zeit damit in den Wehen eine einfache Möglichkeit zu finden,  denjenigen das Obengenannte auf einfache Art und Weise zu erklären, die mir zuhören, wie ich den Bedarf an Werkzeugen und dazugehörigem Vorgehen herausstreiche. Ich habe danach gesucht, einen Weg zu finden darauf hinzuweisen, dass ich weder Einschränkungen noch Abhängigkeiten vorschlage. In aller Ausführlichkeit habe ich mich dazu entschieden einfach zu vertreten, dass man nicht „Zeremonialmagie“ oder „Zauberei“ denken sollte, wenn man daran denkt, was ich schreibe. Stattdessen versteht, dass ich über Schamanismus schreibe. Das war, worum sich Magick immer schon gedreht hat und die Grimoires sind nichts anderes als die Native Amerikanischen oder  schamanische Praktiken durch die Zeiten. Der technische und psychologische Blickwinkel auf Magick mit dem wir am meisten vertraut sind ist – was ich hoffe hier gezeigt zu haben – extrem modern.

Meine Erfahrungen mit Magick waren nicht reine Psychologie oder Metaphern. Glücklicherweise bin ich in dieser Angelegenheit nicht weit von meinen Vorgängern entfernt; das Reprogrammieren meines Geistes und meines Selbst war der Schwerpunkt mit der größten Wichtigkeit in meinem Leben. Und, wie ich oben vorgeschlagen habe, war Magick das einzig wichtige Werkzeug, das ich in diesem Prozess verwendet habe. Trotzdem betrachte ich Magick immer noch als Kunst und Wissenschaft in sich selber. In einem vorherigen Artikel (Die alten Götter und Neuheidentum, Paradigmenwechsel, Herbst 1998) habe ich die Tatsache umrissen,  dass Magick historisch als ein Prozess der Arbeit mit Geistwesen angesehen wurde. Wieder – das ist genauso wie Schamanismus. Theurgie, die magische Praxis einschließt – aber nicht von ihr definiert wird – war die Kunst der Reinigung, des Aufstieges und der Vereinigung mit dem Göttlichen. Damit will ich sagen, dass das der passende Ausdruck für die Kunst ist, die die meisten Autoren heute als „Magick“ bezeichnen.

Wenn wir im „New Concise Webster`s Dicktionary“ (1987) unter „Magie“ nachsehen, dann finden wir:

Magie: die Kunst Resulate durch die Hilfe übermenschlicher Wesen oder der okkulten Naturkräfte, Zauberei oder Hexerei zu erzielen.

Über den Schamanen sagt es uns:

Schamane: Ein Priester von dem angenommen wird, dass er mit Göttern und Dämonen in Verbindung steht

Und über einen Hexe hat es zu sagen:

Hexe: Eine Frau (ebendort) von der angenommen wird, dass sie mit bösen Geistern (ebendort) in Kontakt wäre und übernatürliche Kräfte besäße.

Wie zu sehen ist, geht es pauschal gesprochen in der Magick letztendlich immer um das Kontaktieren und die Arbeit mit spirituellen Wesenheiten in der einen oder anderen Form. Das ist es, was die Worte im herkömmlichen Gebrauch der Englischen Sprache, wörtlich bedeuten. Heute gibt es jedoch eine starke Bewegung dorthin, all diese Begriffe aus den unterschiedlichsten Gründen umzudefinieren. Zuallererst unter diesen Versuchen steht die neue Definition des Wortes „Magick“ von Aleister Crowley:

Magick ist die Wissenschaft und Kunst Veränderung zu bewirken, die in Einklang mit dem Willen erscheint.

Das ist nicht ganz dasselbe wie die traditionelle Sicht  auf das Verständnis des Wortes. Crowley selbst spricht über dieses Thema in seinem Werk „Magick in Theorie und Praxis“:

Lassen sie mich in ein paar Worten erklären, wie es kam, dass ich das Wort „Magick“ auf das Banner eingebrannt habe, das ich mein ganzes Leben lang vor mir hergetragen habe.
In meinem dritten Jahr in Cambridge, habe ich mich selbst dem Großen Werk verpflichtet, worunter ich die Arbeit verstanden habe, ein spirituelles Wesen zu werden, frei von den Beschränkungen, Unfällen und Täuschungen der materiellen Existenz. Ich fand mich selber in der Lage, einen Namen zu entbehren für mein erstrebtes Werk, genauso wie H. P. Blavatsky einige Jahre früher. „Theosophie“, „Spiritualismus“, „Okkultismus“, „Mystizismus“ alle enthielten sie nicht gewollte Verbindungen. Deshalb habe ich den Namen „Magick“ gewählt, tatsächlich der großartigste und eigentlich der am meisten diskreditierte von allen verfügbaren Begriffen. Ich habe geschworen Magick zu rehabilitieren, es mit meiner eigenen Laufbahn zu verknüpfen; und von der Menschheit Respekt zu fordern, Liebe und Vertrauen für das was sie verleumdeten, hassten und fürchteten. Ich habe mein Wort gehalten.“

Crowley definiert in seinem Werk Magick weiter, wie ich oben schon aufgelistet habe und schlägt dann eine lange Liste ovn Postulaten vor und gibt auch Beispiele für seine Definition. Kein seiner Postulate sind per se schlecht. Ich finde in Aleister Crowleys Philosophie überhaupt sehr wenig, womit ich nicht unter seinen Bedingungen mit ihm übereinstimme. Trotzdem sehen wir aus dem Obigen, dass Magick – als ein Name für das was er beschreibt – nur eine Wahl aus mehreren Optionen war, die Crowley machte. Ihm stand das Wort „Theurgie“ offen, aber das scheint er nicht in Betracht gezogen zu haben.

Es ist meine ehrliche Meinung, dass Crowley einfach die falsche Wahl an Worten getroffen hat um sein System zu beschreiben, was zu schwerwiegenden Fehlern in der Kommunikation unter den Praktikern sowohl  von alten als auch neuen Systemen führt. Auf der anderen Seite ist es unwahr, dass ich mit Crowleys System selbst nicht einverstanden wäre. Meine Erfahrung in der Magick liegt mehr auf der Linie der Wörterbuchdefinitionen die ich oben angegeben habe, obwohl es genauso wahr ist, dass ich darauf abgezielt habe, mit meinem Wahren Willen so vollkommen in Einklang zu sein, wie Crowley darauf bestand, dass ein wahrer Magier das sollte.

Wie immer ist der härteste Punkt der Auseinandersetzung unter ernsthaften Magiern nur eine Frage der Semantik. Und deshalb bezüglich Theurgie – die Wissenschaft und Kunst Veränderungen zu bewirken, die in Übereinstimmung mit dem Willen auftreten. Und bezüglich Magick – die Methode mit der ich Engelkräfte kontaktiere, die mir auf meinem Weg weiter helfen. Oder vice versa…  Wir schauen sowieso alle in dieselbe Richtung. Vielleicht sollten wir uns alle mit Autoaufklebern zurücklehnen „Erleuchtung oder Explodieren“!

Und so endet ein Beispiel meines Rundumschlages in Bezug auf die westliche okkulte Tradition. Wahrscheinlich ist es nicht nötig zu erwähnen, dass ich mit einem derartig kurzen Essay kaum an der Oberfläche gekratzt habe. Es gibt noch viel, was ich dem Thema „Grimoires“, Geistwesen, Göttern, dem schamanischen Gebrauch von Drogen etc. hinzufügen hätte können. Aber ich fühle, dass ich das Basisziel hier erreicht habe – das ist schlicht und ergreifend ein paar meiner Gedanken auszubreiten, damit andere sie sehen können. In Maillisten oder öffentlichen Foren ist es unmöglich jedes Mal all das auszuführen, wenn ich einen Querverweis zur Realität der Engel oder der Lebensnotwendigkeit von passenden Werkzeugen und zeremonieller Vorgehensweise mache. Indem ich diesen Essay geschrieben habe, kann ich sagen, dass du lieber Leser, zumindest jetzt wissen kannst, aus welchem verrückten Eck ich kommen mag. Seid gesegnet.


Wie immer ergeht für die Erlaubnis, seine Artikelserie ins Deutsche zu übertragen, der herzliche Dank der Redaktion WurzelWerk nochmals an Aaron, blessed be!!


Aaron Leitch


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