Moderne westliche okkulte Tradition   Teil VIII

Durch Zufall bin ich Aaron vor einigen Jahren im Netz begegnet und seine Essays haben mich so beeindruckt, dass ich ihn fragte, ob ich etwas davon übersetzen dürfte um es im WurzelWerk zugänglich zu machen. Dieser Essay ist zwar nicht mehr taufrisch (aus dem Jahre 1998) aber bringt derartig vieles an gesundem Menschenverstand und natürlich auch kontroverse Ansichten zu Tage, dass ich ihn als besonders wertvoll empfinde.

Es war meine Wahl ganz einfach den Anweisungen genauso zu folgen, wie sie in den Grimoires gegeben waren, damit ich nicht möglicherweise etwas Lebensnotwendiges auslasse, nur weil ich es nicht verstanden habe. Wenn einmal der Einstiegskontakt mit den Wesenheiten hergestellt ist, bin ich mehr als glücklich damit, den ganzen Vorgang dann zu hinterfragen und mit ihrer Hilfe, wenn nötig Änderungen zu machen. Das weiter oben beschriebene Beispiel der Enochischen Werkzeuge ist ein hervorragendes Beispiel. Ich bin dazu übergegangen derartige Anweisungen genauso anzusehen wie Blaupausen, von einem superfortschrittlichen Kommunikationssystem für uns hier auf der Erde, die von einer außerirdischen Rasse an uns übermittelt wurden. Wenn wir bereits die Entscheidung getroffen haben, diesen Wesen zu vertrauen und dieses Radio zu bauen, dann ist der einzig logische Schritt der gegangen werden muss der, nach besten Kräften genau den Spezifikationen folgend zu agieren. Zumindest für den Anfang einmal …


Sollte meine Basisannahme richtig sein, dann gibt es auch noch andere Überlegungen

Wie ich am Anfang dieses Artikels aufgezeigt habe, ist es für Studenten üblich angeschafft zu bekommen, „Energie zu leiten“, genauso wie wenn derartiges für jeden ganz einfach wäre. Diese Situation verschärft sich noch, sobald ganze Zeremonien angestrebt werden, bei denen von einem erwartet wird zu invozieren, aufrecht zu erhalten, zu befehlen und alle Arten der unterschiedlichsten Kräfte zur selben Zeit zu lenken. Die Werkzeuge sind nicht wichtig, so wird uns gelehrt, solange wir alles visualisieren können (sofern sogar das nötig ist) und wir wissen, wie Energien zu lenken sind.
Entgegengesetzt zu dieser Sichtweise, ist mein Gefühl, dass Werkzeuge (und anderes) ein wichtiger Teil zur Aufrechterhaltung der Struktur eines Rituals sind. Wenn wir in die Technik der Weihe eines Talismans hineinschauen, dann ist es mehr als offensichtlich, dass diese auf der Struktur einer Einweihung aufgebaut ist. Bezugnehmend auf die Golden Dawn Z Dokumente, betreff des magischen Gebrauchs der Neophytenformel beispielsweise. Sogar die älteren Texte, wie der Key of Solomon, zeigen die Weihe des Talismans auf die selbe Art und Weise wie eine Taufe durchgeführt werden würde. Das ist das einzige große Geheimnis der Arbeit mit Talimanen, das ich aus den meisten Quellen vermisse: Bei der Weihe eines Talismans entspricht die Weihe eines Objekts genau der Initiation eines menschlichen Wesens.

Was ist eine Einweihungszeremonie wenn nicht ein Geburtsritus? Dieser Aspekt kann in allen Einweihungen von der modernen Neophytenzeremonie des Golden Dawn, den traditionellen Wicca 1° Einweihungen, den ganzen Weg zurück bis zu den ursprünglichen Stammesriten die im Golden Bough beschrieben sind gefunden werden. Indem eine Person durch das Ritual geht, wird sie tatsächlich einen (Wieder)Geburtsprozess durchschreiten. Das ist die wahre Bedeutung von „Wiedergeburt“. In vielen Systemen ist es üblich und traditionell, einen neuen „Geburtstag“ zu feiern um solch eines besonderen Tages wie dem der spirituellen Einweihung zu gedenken.
Sofern das alles stimmt, dann sollten wir ernsthaft überdenken, warum das alles nur einen geringen Effekt auf einen „toten“ Gegenstand wie einen Talisman haben sollte. Der Grund dafür wird sofort sichtbar, wenn wir uns der spirituellen Intelligenzen bewusst sind (Wesenheiten).

Während des Vorgangs der Zeremonie, greifen besonders drei Dinge
Eines ist, dass der Talisman selbst eine eigene Intelligenz haben mag (einen eigenen Daemon, Genius oder Engelspräsenz). Einfach nur deshalb, weil ein Gegenstand keine Sprache oder Bewegungsfähigkeit oder sonst eines der üblichen „Lebenszeichen“ wie wir sie kennen hat, heißt das noch lange nicht, dass er nicht auf einer bestimmten Ebene Bewusstsein hätte. Da ich selbst Pantheist bin, finde ich das nicht besonders unwahrscheinlich. Alles entstammt derselben Göttlichen Quelle – die sich ihrer selbst sehr wohl bewusst ist. Beim Studium der Engel findet man Aussagen wie „Jeder Grashalm hat über sich einen Engel, der ihn auffordert zu wachsen“. Das soll bedeuten, dass sogar wenn der Gegenstand selbst tot ist, das noch lange nicht heißt, dass er nicht sehr eng mit etwas verbunden wäre, das sehr wohl am Leben ist.
Nummer Zwei wäre, dass das Ritual selbst möglicherweise nahe freifließende Wesenheiten oder Elementale anzieht, die dann in die physische Materie der Talismane eingebunden werden. Daraus und davon stammen wohl die alten Legenden die von Djinnen erzählen, die in oder an Ringe, Lampen oder Bronzeobjekte gebunden wären. Es erinnert auch an heidnische Praktiken, die Götter in Statuen oder andere heilige Gegenstände einladen um mit ihnen auf einer physischen Ebene zu interagieren.
Schlussendlich die dritte Möglichkeit ist, dass der Magier, über das Ritual, eine bestimmte Menge seiner eigenen astralen Substanz in die Talismane projiziert. Der Talisman würde dann dazu dienen dieser Substanz eine Form zu geben, die rituellen Anrufungen würden dazu dienen, sie zu erwecken und für den gewünschten Grund zu programmieren. Wir könnten sagen, dass das als „Astralroboter“ gesehen werden könnte. Diese Theorie spielt weitgehend hinein in was andere über die Praxis der Talismanformung oder der Herstellung von Gedankenformen oder „Egregoren“ geschrieben haben.

All das ist möglich und ich habe keine Zweifel dass jeder Magier sich aussuchen kann, in einem dieser Felder erfolgreich zu arbeiten. Was sie allerdings gemeinsam haben ist, dass sie alle von der Idee abhängen, sie würden für den Zweck eines Talismans eine lebendige und objektiv bestehende Wesenheit nützen (oder erschaffen). Magische Werkzeuge selbst sind Talismane und in meinem Verständnis ist jedes Werkezeug, das ich weihe, ein lebendiges Wesen. Deshalb habe ich keinen Bedarf das Tun meiner Werkzeuge, sofern ich sie und meine sonstigen Paraphernalien auf ihren angestammten Platz lege, zu visualisieren oder willentlich ihre Anwesenheit aufrecht zu erhalten. Nachdem er gebaut ist, ist der gesamte Tempel lebendig – jedes Teil im Wissen, was es aus sich heraus zu tun hat und ich selbst als der Dirigent der Symphonie. Die Vorteile des psychologischen Ankerns sind sicherlich präsent, aber sie sind doch zweitrangig.


Ende Teil VIII


Aaron Leitch


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