Vom Wesen der Mythen   Teil I

Auf meiner Reise durch´s Netz bin ich, einmal mehr in einem Forum - dem Panpagan.de - auf einen Artikel gestoßen, der mir ein paar neue Denkanstöße vermittelt hat. Das möchte ich natürlich mit euch teilen und Dank Swanhildja, der Autorin des Textes, ist mir das auch möglich gemacht worden.

Einleitung

In allen Kulturen und Religionen dieser Welt finden wir Mythen – auch in der Christlichen. Zu allen Zeiten wurden Mythen erschaffen und erzählt. Sie waren jederzeit so wichtig, dass sie an die nächste Generation weiter tradiert wurden. Oft sind Tiere und Pflanzen die Handelnden, aber auch Götter, göttliche Wesen und Helden. Wer nun glaubt bestimmte Bücher als heilig erklären zu müssen tut den jeweiligen Mythen keinen guten Dienst. Mythen sind Symbole, die nicht einfach unreflektiert geglaubt werden können. Sie sind Metaphern, gewaltige Bilder, keine Naturwissenschaft.

Schaun wir uns doch im Christentum um was geschieht, wenn so gehandelt wird. Bis ins zweite Jahrhundert unserer Zeit war das Neue Testament der Bibel, die ja ein Buch der Mythen um Jesus und den Seinen ist, alles andere als ein heiliges Buch. Es wurde geändert, ergänzt, umgestellt, um die Worte von Jesus wurden Geschichten geschrieben, denn mehr als „Herrenworte“ wurden nicht überliefert.
Irgendwann kam die Kurie auf die Idee die gesamte Bibel als heilig zu erklären, als Wort Gottes, das so verstanden und geglaubt werden muss wie es dasteht. Damit wurde das Sigel der Unübersetzbarkeit, Unauslegbarkeit über sie gelegt. Die Aushöhlung des Glaubens an sich begann, denn auch der christliche Glaube lebt durch die Mythen und deren Verständlichkeit durch Auslegung. Nur noch die Kurie, nicht mehr der Skalde/Barde, der Einzelne, hatte das Recht darüber zu befinden. Eine Folge davon war sicher die Gründung der evangelischen Kirche und die Zeit der Aufklärung, die an den Festen der katholischen Kirche rüttelte. Bis heute ist sie zwar die Kirche in der Symbole noch am besten gepflegt werden. Aber die eigene Entscheidung zeitigt heute Folgen.
Der christliche Glaube sollte mit dieser Entscheidung fest zementiert werden, unwiderlegbar werden. Keiner hat zu widersprechen. Doch alles hat seinen Preis. Die Mythen wurden ausgehöhlt und waren letztendlich unverständlich.

Heute wird allenorten darüber geklagt, dass die Symbole der Christenheit nicht mehr verstanden werden. Allen voran in der evangelischen Kirche, denn die Verantwortlichen, angefangen bei Luther, gedachten die Symbole auszuschalten. Keine gute Entscheidung. Es gibt zwar Erklärungen, aber keine Auslegungen. Mythen sind nun einmal Symbole. Dieses Terrain muss wieder neu erobert werden.

Bemerkenswertes hat auch Martin Luther gesagt:

„Und so lange solche weissagunge ungedeut bleibet / und keine gewisse auslegung krigt / ists eine verborgene / stumme weissagung / und noch nicht zu irem nutz und frucht kommen / den sie der Christenheit geben soll / wie denn auch diesem Buch bisher gegangen.“
– Martin Luther: Biblia 1534, Vorrede der Offenbarung des Johannes

Das heißt also, dass erst eine gewisse Auslegung dem Gläubigen von Nutzen sein kann – vorher nicht!

Die Juden waren an diesem Punkt klüger. Es gibt nicht nur den Teil des Talmuds, der anhand von Geschichten die Bibel erklärt. Der Talmud enthält auch Kommentare und Kommentare zu den Kommentaren, Gemarah genannt. Von den Kommentaren gibt es nicht nur einen, es gibt deren viere. Diese Kommentare sind Teil des Gottesdienstes in der Synagoge. Ein Jude hat mir einmal erzählt, dass es zuweilen sehr heftig dabei zugeht. Dann bittet der Rabbi die Kontrahenten doch in der Vorhalle weiter zu diskutieren, damit der Gottesdienst weiter fortgesetzt werden kann.
Wir sehen also: Andere Kulturen, andere Sitten. Das Judentum hat an Lebendigkeit nichts verloren, trotz heftigster Verfolgung durch die Jahrhunderte hindurch. Klar ist auch Eines: Die Bibel kann und soll diskutiert und ausgelegt werden – auch und gerade von den Gläubigen.

Wir als Heiden sollten uns besser dieses Verhalten als Beispiel nehmen anstatt das der Christen. Lassen wir uns unseren Glauben von unseren Göttern nicht dadurch aushöhlen indem wir sie wortwörtlich nehmen und die Edda auch noch als „heilig“ erklären. Großmütterchen will erklärt und nicht durch Schweigen geglaubt werden.

Im 19ten Jahrhundert begann die Hinwendung an heidnische Religionen und deren Mythen, die nicht der Heiligkeit und Unauslegbarkeit unterliegen. Kein Wunder bei der Abstinenz gegenüber einer Ausdeutung der christlichen Kirchen. Sie werden heute auch im psychologischen Sinne, auf der persönlichen Ebene, gedeutet. Der Bezug zu einer geschlossenen religiösen Gemeinschaft fehlt heute – noch, was so nicht unbedingt bleiben muss. Die alten Mythen sind aber wiedererstanden und beginnen sich ihren Platz in der Gesellschaft wieder zu erobern. Freun wir uns doch drüber.


Was bedeuten Mythen?

Zunächst bedeutet das Wort „Mythos“ Erzählung - eine Geschichte, auch in Versform. Besondere Geschichten, die in Zeit und Raum einer Kultur entstehen, im Kontext mit der jeweiligen Kultur, die sich mit der Änderung einer Kultur mit ändern. Aber sie haben auch zeitlose Elemente, die auch uns Heutigen etwas sagen können.
Ein Beispiel wie sich Mythen durch die Änderung einer Kultur verändern, will ich hier aufzeigen:

Die beiden Nibelungenlieder der Edda (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Nibelungenlied!)
Das ältere Lied endet damit, dass Etzel, der Hunnenkönig und zweite Mann von Gudrun/Krimhild die Nibelungenfamilie aus Geldgier umbringt. Gudrun rächt den Tod ihrer Familie/Sippe, nicht den des ersten Ehemannes.
Im jüngeren Nibelungenlied, auch im deutschen, rächt Krimhild mittels ihres zweiten Ehemanns und dessen Sippe ihren ersten Mann und strahlenden Helden Siegfried. Mit der eigenen Sippe zerstört sie auch die Sippe ihres zweiten Ehemanns.
Wir sehen also, dass ein Wandel in der Gesellschaft statt gefunden hat. Die Ursprungssippe ist zweitrangig, der Ehemann hat an Wichtigkeit diese überholt. Er ist es der den Bezug der Ehefrau darstellt, nicht die eigene Sippe, die den Germanen heilig war. Auf sie war man in Notfällen angewiesen. Das alles gilt nur noch für den Ehemann und die Söhne. Die Ehefrau hat sich in die Familie des Mannes einzugliedern und ist auf das Wohlwollen dieser angewiesen. Ihre Stellung in der Hierarchie der angeheirateten Sippe liegt unterhalb der der Töchter.


Ende Teil I


Swanhildja


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