Betreut von Anufa
Moderne westliche okkulte Tradition   Teil VI

Durch Zufall bin ich Aaron vor einigen Jahren im Netz begegnet und seine Essays haben mich so beeindruckt, dass ich ihn fragte, ob ich etwas davon übersetzen dürfte um es im WurzelWerk zugänglich zu machen. Dieser Essay ist zwar nicht mehr taufrisch (aus dem Jahre 1998) aber bringt derartig vieles an gesundem Menschenverstand und natürlich auch kontroverse Ansichten zu Tage, dass ich ihn als besonders wertvoll empfinde.

Nach all dem möchte ich gerne noch ein paar Punkte anbieten, in denen, mit dem was ich herausgefunden habe, ich nicht konform gehe mit dem was andere in unserer modernen Zeit vorgeschlagen haben.

Zuerst und vor allem steht die oben zitierte Idee, dass Magick und Psychologie dasselbe wären. Alles andere entstammt dieser einen Behauptung. Sofern Magick nur Psychologie wäre und die Wesenheiten, die man auf der Astralebene trifft nur Bilder sind, die vom rationalen Verstand des Magiers selber hervorgerufen sind, dann setzt das so ziemlich alles außer Kraft, was seit den späten 1800 jemals über Magick geschrieben wurde. Es gibt dann keine Götter, keine Geister, keine anderen Formen des Bewusstseins im ganzen Universum neben dem menschlichen Geist (und, ganz platt, vielleicht sind wir nur Maschinen, die die unsinnige Vorstellung haben, am Leben zu sein). Viele der modernen Dokumenten, die ich in meinen Händen hatte, scheinen überein zu stimmen, dass die spirituellen Wesenheiten der Grimoires ganz einfach Jung´sche Archetypen wären.
Ein Jung´scher Archetyp ist einfach eine übersinnliche Vorlage auf der viele unserer tagtäglichen Ideen basieren. Beispielsweise ist die „Mutter“ einer dieser Archetypen, während der „Vater“ ein anderer ist. Wir haben den „Älteren Bruder“, den „Weisen alten Mann“ und das furchterregende „alte Weib“. Die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. Tatsächlich bewegen sich diese Archetypen in der Nähe von Stereotypen, bloß auf einer unbewussteren Ebene. Sie manifestieren sich in Kunst, Musik, Film und sogar in den Partnern, die wir aussuchen um unser Leben mit ihnen zu verbringen.

Der moderne Okkultismus baut zu einem hohen Grad auf diese Archetypen. Götter werden nun „Gottformen“ genannt und werden um der praktischen Anwendung Willen, als archetypische Bilder erklärt, die Menschen über eine gesichtslose Göttlichkeit (oder ein persönliches Höheres Selbst) legen. Der Beweis für diese Sichtweise liegt im Faktum, dass die gleichen grundlegenden archetypischen Themen weltweit in den Religionen und durch die Zeiten aufgetaucht sind.
Meine eigenen geschichtlichen Studien haben jedoch gezeigt, dass die Verehrung fast jedes antiken Gottes auf eine Art der Ahnenverehrung zurückgeführt werden kann (zumindest, wenn wir die Tierverehrung für einen Moment außer Acht lassen). Was das bedeutet ist, dass die meisten  - wenn nicht alle – der altertümlichen (menschlichen) Götter ursprünglich tatsächlich lebende Menschen waren, die nach ihrem Tod zu Gottheiten erhoben worden waren. Wir haben in der Geschichte, Beispiele dafür gefunden, die jung genug sind um als Beweis zu dienen: das geschah mit Buddha, mit Jesus und (in manchen Kreisen) geschieht das mit Aleister Crowley und anderen. Wir mögen diese Menschen auf der Basis der archetypischen Vorlagen mittels unseres Unterbewusstseins idealisieren, aber das negiert nicht die Tatsache, dass all jene objektiv betrachtet, lebendige Intelligenzen gewesen sind, die einen tiefgreifenden Eindruck auf die Welt um sie gemacht haben  - und das noch immer tun.

Es stimmt, dass wir bis jetzt kein einziges greifbares Beweisstück haben, dass Götter und Engel im objektiven Sinne existieren. Wohl eher werden wir nie ein derartiges Ziel erreichen. Haben wir allerdings zur selben Zeit einen realen Beweis für das Gegenteil? Können wir auf irgendeine Weise wissen, dass ein Engel nur eine zeitliche begrenzte Ausdrucksweise für den Willen oder die Begierden einer Person ist? Ich für meinen Teil, ich schlage nicht vor, dass das tatsächliche Vorhandensein von Göttern und Engeln die Jung´sche Psychologie ad absurdum führt. Ich bitte jedoch die Idee an, dass die Wahrheiten der Jung´schen Psychologie die Existenz von Göttern und Engeln nicht verneinen. Wir können über die Jahre, die da kommen werden, Theorien austauschen, aber nur wenige davon werden jemals als belegbare Fakten angesehen werden. Das Geheimnis all diesen Wahnsinnes ist, fähig zu sein, die ursprüngliche Hypothese zu hinterfragen. Mit der Zeit bin ich in den meisten meiner ursprünglichen und besonders leidenschaftlich festgehaltenen Glaubensfragen falsifiziert worden. Aber ich könnte für das was ich gefunden habe nicht mehr Beweise liefern als ich in Worten meinen ersten Orgasmus beschreiben könnte (noch ein Aktivator des fünften Kreises).

Deshalb teilen wir uns selbst auf zwischen den unterschiedlichsten Hypothesen und arbeiten von dort aus. Jemand muss Recht haben. Für viele gibt es keine Götter, Engel oder Geister und es wird sie nie geben. Sie fokussieren ausschließlich auf ihren eigenen Geist, und sie scheinen damit Ergebnisse zu erzielen, die zumindest sie selber zufrieden stellen.
Ich, auf der anderen Seite, weiß, dass es solche Wesen dort draußen gibt, die auf den astralen Strömungen reiten. Ich weiß, dass sie existieren, mir gegenüber stehen und dass ich bestimmten Vorgehensweisen folgen muss um sie anzuziehen und zu überzeugen, mit mir zu arbeiten. Ich verwende das Wort „weiß“ nicht um autoritär zu erscheinen, sondern um meinen Standpunkt zu untermauern. Wenn ich diese Dinge nicht tief im Grunde meines Herzens wissen würde, dann würde ich in der Art der schamanischen Art der Magick, die ich praktiziere, völlig ineffektiv sein. Wenn ich „an sie glauben“ würde, dann brächte mich das in die Gegend der Mainstream-Christen, die nur in Bewegung sind, weil sie hoffen am Ende doch richtig zu liegen. Ein Hängen am Unglauben würde mich in eine Ecke stellen mit jenen, die meinen, dass Psychologie und Magick eine Einheit sind, was dann bedeuten würde, dass ich meine Arbeitsmethoden geändert hätte. Nein, ich weiß, dass diese Wesenheiten existieren und dass sie mir gerade soviele Dinge anbieten können wie die Autoren des Schlüssel Salomonis oder ein Schamane jemals gewusst haben.

Natürlich ist Psychologie ein großer Teil der Methoden durch die ich mit diesen Wesenheiten in Kontakt trete. Meinen Bewusstseinszustand in die eine oder andere Form zu verändern ist für meine Arbeit lebensnotwendig. Zu wissen, welche Methoden zu verwenden, mich selber so zu verändern um genau die richtigen Wesenheiten zu kontaktieren, ist ein Muss. Darauf können wir uns einigen. Aber, was ist mit all diesen „Glocken und Flöten“ die mit einigen Traditionen daherkommen? Wieder und wieder wird uns gesagt, dass magische Werkzeuge nicht wichtig wären. Tatsächlich sind sie für diejenigen nicht so von Interesse, die ausschließlich daran interessiert sind, in ihrer eigenen Psyche zu arbeiten. Da sind sie nur mentale Anker; schöne Möbelstücke, die für uns „etwas“ darstellen und uns helfen sollen bei schwierigen Aufgaben die richtige Einstellung zu bekommen. Wie uns Timothy Leary und R. A. Wilson (ganz richtig) sagen, geht es immer um „Set und Setting“. Die richtige Einstellung und die richtige Umgebung, das sind die zwei großen Variablen in der Gleichung der mystischen Erfahrungen.


Ende Teil VI


Aaron Leitch


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Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil IV     Questing Wolf, 17.07.2011
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