Moderne westliche okkulte Tradition   Teil IV

Durch Zufall bin ich Aaron vor einigen Jahren
im Netz begegnet und seine Essays haben mich so beeindruckt, dass ich ihn fragte, ob ich etwas davon übersetzen dürfte um es im WurzelWerk zugänglich zu machen. Dieser Essay ist zwar nicht mehr taufrisch (aus dem Jahre 1998) aber bringt derartig vieles an gesundem Menschenverstand und natürlich auch kontroverse Ansichten zu Tage, dass ich ihn als besonders wertvoll empfinde.

Unsere eigenen modernen Adepten lernten schnell, dass es betreffend Magick einen einzigen wirklich wichtigen Punkt gibt: veränderte Bewusstseinszustände. Robert Anton Wilson beschreibt das in „Prometheus Rising“ für uns sehr klar. Es gibt acht Hauptaspekte in unserem Geist – jeder das Resultat des Evolutionsprozesses und in jedem Einzelnen zu bestimmten Lebenszeiten (wie Pubertät, in der die meisten unserer Sexualtriebe fixiert werden) programmiert. Der erste und primitivste „Schaltkreis“ in unserem Geist ist derjenige, der den Überlebenstrieb steuert. Der weitverbreitetste Schaltkreis auf dem Menschen heute funktionieren ist der vierte, oder der „moralische“ Schaltkreis. Schaut euch einfach all die Verfechter von Familienwerten oder von „falsch und richtig“ in Bezug auf andere rund um euch an. Ich würde sogar meinen, dass die meisten von uns von diesen Konzepten geradezu besessen sind – und sie alle befinden sich im vierten Schaltkreis, R. A. Wilson folgend.

Der fünfte Schaltkreis ist weniger häufig und er regelt alles was wir heute als Spiritualität bezeichnen. Er findet sich nur in einer kleinen Anzahl von Menschen, relativ gesprochen. Historisch wurden diese Menschen zu Schamanen oder heiligen Männern gemacht. Heute werden sie verachtet, oftmals verfolgt oder generell gefürchtet. In jedem Falle kann Magick nur aus einem Zustand in diesem fünften Schaltkreis heraus gewirkt werden. Dort ist es, wo die astrale Ebene existiert, wo Geister, Engel und Götter leben, etc. Das meint nicht notwendiger Weise, dass diese Dinge nu in unserem Geist existieren. Es meint, dass man diese Wesenheiten weder verstehen, mit ihnen kommunizieren noch Arbeit auf der Astralebene verrichten kann, bis der Geist auf diesem fünften Schaltkreis schwingt. Diese Dinge sind bei „normalem“ (dritter oder vierter Schaltkreis) Geisteszustand nicht wahrnehmbar oder verständlich genauso wenig wie ein Haustier nicht begreifen kann, warum sein Besitzer diese steilen Dinge tut im Namen von „falsch und richtig“.
Der fünfte Schaltkreis selber kann nur durch das erreicht werden, was wir „Ekstase“ nennen. Es gibt die unterschiedlichsten Methoden um einen ekstatischen Zustand zu erreichen; intensives Gebet, Fasten und (vielleicht am wichtigsten) äußerste Hingabe, wie sie im judäo-christlichen Traditionsbereich in Verwendung ist. Die östlichen Methoden sind ähnlich – Meditation und Kontemplation finden Verwendung. Ihre Idee ist es, eine derartig perfekte Beherrschung über die unterschiedlichen Aspekte der eigenen mentalen Prozesse zu erlangen, dass jeder Geisteszustand – einschließlich der Ekstase des fünften Schaltkreises – willentlich erreicht werden kann. Unsere modernen Evangelisten können ekstatische Zustände in anderen durch Charisma, Gesänge, Tänze oder Chants hervorrufen. In den alten westlichen Traditionen war eine gebräuchliche Methode das zu tun in der schamanischen Verwendung von Drogen zu finden.
Natürlich wäre solch eine Droge Mathers und den anderen, die in die alten Grimoirs eingetaucht waren, nie in den Sinn gekommen. Wenn sie vom heiligen Öl lasen, das vom Beschwörer in der Goetia verwendet werden sollte, dann errieten sie nie, was wirklich gelehrt wurde. Oder vielleicht kannten oder vermuteten sie die Wahrheit, aber wurden durch die moderne Inquisition gegen solche Praktiken, abgehalten diese Fakten auch zu publizieren. Aleister Crowley verwendete in seinen Ritualen ganz sicher erfolgreich, offen und unbestreitbar Drogen. Das schockiert und ängstigt Möchte-Gern-Aspiranten bis zum heutigen Tag.

Drogen oder keine Drogen, für diese Männer war ein völlig neues Feld für Studien erschlossen, das etwas Ähnliches versprach, als das was Drogen anbieten konnten. De facto schaute es so aus, als ob alles mit Bewusstsein und veränderten Bewusstseinszuständen erklärt werden konnte; sowohl im Osten als auch im Westen. Das war das Reich der Psychologie. Warum sollte man mit toxischen oder illegalen Substanzen experimentieren, wenn man in den Ritualen schlichtweg einfache Methoden zur Selbsthypnose anwenden konnte?
Heute ist es sehr verbreitet Buchregale zu finden, mit Texten überfüllt, die all die psychologischen Aspekte der Magick – von hypnotischen Effekten gesprochener Invokationen bis zur vollkommenen Neuprogrammierung der eigenen mentalen Prozesse im Zeichen der Suche nach dem „wahren Willen“ – aufs Genaueste beschreiben. Jedoch war im frühen zwanzigsten Jahrhundert sogar schon der Vorschlag, dass Psychologie auch nur irgendeine Verbindung zum Okkulten haben könnte, mehr als lachhaft. Genau gesagt, es war für die Psychologen lachhaft, und das ist für den Großteil von ihnen immer noch so. Es war Crowley der erstmals eine derartig lachhafte Idee vorschlug und Israel Regardie (DR. der Psychologie), der sie in seinen unterschiedlichen Büchern in den Mainstream brachte. Hier ist ein Beispiel von Regardie´s „The Middle Pillar“ publiziert 1938

„Die Psychologie der Vergangenheit mag unter der Verwendung der Worte „Yoga“ und „Magie“ zusammengefasst werden. (…) so beinhalten einander Magie und Psychologie … ein einziges System, dessen Ziel die Integration der menschlichen Persönlichkeit ist. (…) Es wird dann offensichtlich, dass wir unter Magie nicht … mittelalterlichen Aberglauben, als Kind der Ignoranz, in die Welt gesetzt von Angst und Unterdrückung, verstehen. Diese Definitionen sollten aus unserem Denken getilgt werden.“

So war der definitive „offizielle Standpunkt“ dieser Zeit – genauso wie heute – uns selbst völlig von den Glaubensvorstellungen und Weltsichten unserer Vorfahren zu distanzieren. Jedoch biete ich hier den Fakt an, dass Regardie diese Worte in einer Zeit geschrieben hat, bevor wer auch nur irgend etwas von diesen „mittelalterlichen Aberglauben“ wussten, die herabsetzt. In dieser Zeit glaubte man noch daran, dass die Ägypter die Urväter der Quabbalah und quasi christlich in ihrem Blick aufs Universum wären. Von den Canaaiten (Phönizier) wurde immer noch angenommen, dass sie hunderte Babies an ihren „heidnischen Gott“ Moloch geopfert hätten. Und man glaubte, dass jeder, der von solchen Dämonen, wie in der Goetia präsentiert, Gebrauch machen würde, ein „Schwarzmagier“ wäre, der ausschließlich darin erfolgreich sein könnte sich selbst und andere zu verletzen.


Ende Teil IV


Aaron Leitch


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