Moderne westliche okkulte Tradition   Teil III

Durch Zufall bin ich Aaron vor einigen Jahren
im Netz begegnet und seine Essays haben mich so beeindruckt, dass ich ihn fragte, ob ich etwas davon übersetzen dürfte um es im WurzelWerk zugänglich zu machen. Dieser Essay ist zwar nicht mehr taufrisch (aus dem Jahre 1998) aber bringt derartig vieles an gesundem Menschenverstand und natürlich auch kontroverse Ansichten zu Tage, dass ich ihn als besonders wertvoll empfinde.

Viele Texte über Magie, die ich heute finde, scheinen voraus zu setzen, dass der Schüler die Fähigkeit besitzt, Kraft bereit zu stellen und zu lenken. Dabei beziehe ich mich nicht auf Texte die uns Dinge, wie die Mittlere Säule oder „vibrierte Formeln“ beibringen. Aber sogar diese erstrecken sich oft nicht weiter als zu den Übungen für rein technische „Hammer und Nagel“ Erklärungen für die Manipulation von Körperenergien. Manche Texte schlagen vor, während des Tanzes oder durch Musik die Energie im Selbst zu sammeln, aber sie bringen uns in keiner Weise bei, wie diese Energie dann zu lenken wäre.
Faktum ist, dass Sammeln und Lenken von reiner Energie ein östliches Konzept ist. Im Westen würde ein Zauberer oder Priester seine Wunder durch das Aussenden eines Familiars oder das Rufen seiner Helfer bewerkstelligen. Er arbeitete vornehmlich durch Opfer und das Anrufen von Namen, um die Geister zu überreden seinem Willen zu gehorchen. Es ist aus dem Osten, von wo wir von solchen Dingen wie der Lenkung des Chi oder dem Aufsteigen der Kundalini hören. Noch viel wichtiger ist, dass all das Techniken sind, die dem Studenten Jahre abverlangten, bis zur Meisterschaft; es wurde niemals einfach angenommen, dass diese Fähigkeiten einfach von Anfang an da wären. Ich habe das Gefühl, dass das einen Gutteil unserer modernen Techniken unwirksam macht. Aleister Crowley legte immer wieder Wert darauf, dass seine Studenten die Östlichen Trainingsmethoden studierten und praktizierten, aber nur wenige seiner Nachkommen waren seinem Rat gefolgt. Sicherlich findet sich das nicht ein einem Wiccabuch oder in den unterschiedlichen Neuheidnischen Traditionen.
Visualisierung ist noch ein Aspekt der modernen Magick, der aus dem Osten angenommen wurde. Das heisst nun nicht, dass kein westlicher Meister je etwas visualisiert hätte, sondern das soll ausdrücken, dass es kein grundlegender Aspekt unseres Erbes ist. Wieder, jeder der Autoren der Grimoires bis zu den Priestern des alten Ägypten arbeiteten statt dessen mit Geistern – und ein „Verbildlichen“ dieser Geister war nicht von Nöten. Visionen waren , natürlich, mehr als normal, aber diese wurden durch schamanischen Gebrauch von Drogen wie Cannabis oder heiliger Pilze oder sogar Belladonna hervorgerufen. Im Westen hingegen wurde extensives Gebet benutzt. Es findet sich kein handfester Hinweis auf Meditation und Visualisation.

Und auch das nahmen wir aus dem Osten an. Heute können wir wohl jedes Basiswerk über Magick oder Neuheidentum aufschlagen und dort Anleitungen finden, die uns beibringen zu visualisieren. Es wird Wert darauf gelegt zu betonen, dass einwandfreie Visualisierung für den Erfolg der präsentierten Technik nötig ist. Ich persönlich finde das für die Zeremonialmagie nichts weniger als nötig. (Don Kraig, in „Modern Magick“ lässt seine Studenten wenigstens wissen, dass einfach zu „wissen“, dass die Entitäten da sind, für den Anfänger mehr als genug wäre). Jedoch, für die meisten neuheidnischen Techniken ist es lebensnotwendig, wurde mir gesagt (wie z. B. für das Erstellen eines Kraftkegels). Ich habe sogar sagen hören, dass magisches Werkzeug unnötig wäre, solange man nur alles an seinem gewohnten Platz visualisieren könne.

Wie auch immer, nehmen wir einen Blick zur Quelle der Technik der Visualisation. Ein buddhistischer Mönch wird instruiert Stunde um Stunde damit zu verbringen – oder sogar Jahre – einfache geometrische Figuren zu visualisieren, ohne Ablenkung oder Verlust des Fokus. Wenn es diesen Meistern soviel Anstrengung abverlangt und soviel Zeit um diese Fertigkeit zu erlangen, was kann dann für diejenigen im Westen gesagt werden, die erwarten ganze Tempelset-ups ohne die kleinste Hilfe eines materiellen Ankers zu visualisieren? Ich zerstöre nicht den Nutzen der Visualisierung für die Magick (ich verwende sie zu einem Gutteil selbst), aber ich muss zugeben, dass meine Fähigkeiten in dieser Hinsicht nicht mal annähernd denen eines buddhistischen Mönches oder Zenmeisters gewachsen sind. Ich habe nicht ihr Training gehabt und ich glaube nicht, dass ich die Fähigkeit habe, etwas so zu visualisieren, dass es klar und perfekt genug wäre um das materielle Objekt unnötig zu machen.
Unter meinen Gleichgesinnten ist es bestens bekannt, dass ich einfach die älteren westlichen Techniken der Magick angenommen habe. Ich opfere und rufe Namen und ich arbeite indem ich Geistwesen binde und die Hilfe von Wächtern und himmlischen Intelligenzen anrufe. Persönlich habe ich keine Opferungen vorgenommen; trotzdem habe ich solche Riten unter meinen Lieben besucht, die Santeros und Poleras sind. Diese westlichen Techniken, nenne ich „aktiv“, während ich das östliche Konzept als „passiv“ ansehe. Meine Wahl war es bei den westlichen Techniken zu bleiben, wenn ich mit den klassischen westlichen Texten arbeite, wie den Grimoires oder Dee´s Enochischem Material. Ich kann nicht behaupten, dass sie östlichen Techniken mit dem westlichen Material nicht funktionieren würden, trotzdem kann ich sagen, dass ich daran ernstlich zweifle. Nur die Zeit wird weisen, welcher Weg der richtige ist, wenn mehr und mehr moderne Adepten damit beginnen das Training das mit dem Annehmen der östlichen Konzepte einhergeht, auch in vollem Umfang zu nutzen.


Moderne Psychologie

Die östliche Philosophie war nicht die einzige Hauptkomponente, die von unseren direkten Vorvätern in die westliche okkulte Tradition eingefügt wurde. Die Konzepte der Psychologie – speziell die von Jungianern präsentierten – wurden von den modernen Magiern fast mit offenen Armen angenommen. Die Gründe dafür sind etwas komplexer aber sie reduzieren sich doch zum selben Ansatz, den ich oben schon gezeichnet hatte – es war nötig um die Löcher zu füllen, die in den Schriften der alten Adepten offen geblieben waren.


Ende Teil III


Aaron Leitch


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