Moderne westliche okkulte Tradition   Teil II

Durch Zufall bin ich Aaron vor einigen Jahren
im Netz begegnet und seine Essays haben mich so beeindruckt, dass ich ihn fragte, ob ich etwas davon übersetzen dürfte um es im WurzelWerk zugänglich zu machen. Dieser Essay ist zwar nicht mehr taufrisch (aus dem Jahre 1998) aber bringt derartig vieles an gesundem Menschenverstand und natürlich auch kontroverse Ansichten zu Tage, dass ich ihn als besonders wertvoll empfinde.

Dankenswerter Weise aber waren im Osten doch einige Türen offen. Unsere Vorväter in England wussten durchaus eine Menge über Männer in Indien oder in Fernost, die willentlich Wunder bewirken konnten. Viele davon waren denjenigen Wundern sehr ähnlich, die von den Texten der Ägypter oder Chaldäer angesprochen wurden oder sogar in einigen der Grimoires erwähnt waren. Zur selben Zeit waren die östlichen Meister von der Inquisition unangetastet geblieben und waren Willens, ihre Ideen von anderen adoptiert und so über den ganzen Erdball verbreitet zu sehen. Deshalb setzten sich unsere Vorväter in den späten 1800ern zum Ziel, ihre eigenen westlichen Ideen mit den Techniken und Philosophien ihrer östlichen Brüder zu verbinden.


Vorväter und Denkfehler

Es könnte gesagt werden, dass unser erster „Vorvater“ niemand anders als Madame Blavatsky selbst gewesen ist. Die Theosophie repräsentiert wahrscheinlich das erste Ergebnis des Denkens, das ich eben beschrieben habe. Einiges an östlichem Material wurde gerade heraus übernommen, wie die Tattwas, Chakras oder sogar die Idee des Karma. Aber vieles an östlichem Einfluss war wesentlich subtiler und wir finden das in den Basisannahmen ausgedrückt, die Theosophen über das Universum und seine Arbeitsweise machen. Diese aus dem Osten stammenden Konzepte überleben in unseren Systemen bis zum heutigen Tag. Solche Ideen wie der „wahre Wille“ (im Gegensatz zu Schicksal, Bestimmung oder sogar universeller Anarchie als eher atheistischem Konzept), der auf Meditation gelegte Schwerpunkt oder sogar das einfache Konzept der „universellen Einheit“, das wir alle zu teilen scheinen - all das kam zu uns aus dem Osten. Nichts davon findet sich in den Werken von Agrippa, in den unterschiedlichen Schlüsseln Salomonis, in den Enochischen Büchern oder den Schriften von John Dee. Sie finden sich auch nicht in den Schriften der Chaldäer oder Ägypter. Es gibt vereinzelt Beispiele in denen diese Quellen  mit den östlichen Weisheiten übereinstimmen, aber das sind eher Zufälle als direkte historische Verbindungen. Sie sind das Resultat von zwei unterschiedlichen Kulturen, die an den gleichen Basiszielen arbeiten. Von der Theosophie an können wir allerdings einen direkten Einfluss der östlichen Welt annehmen und eine Übernahme von Konzepten, die den westlichen Systemen völlig fremd gewesen waren.
Mein Punkt ist nun nicht der, zu sagen, dass die östlichen Konzepte falsch wären. Wohl kaum!! Es war wahrhaftig die göttliche Weisheit, die unsere zwei Kulturen zusammen brachte um Niederschriften zu vergleichen. Es ist schlichtweg mein Wunsch herauszustreichen, dass diese Ideen nicht schon von Anfang in den westlichen Traditionen zu finden gewesen waren. Ich und auch viele andere haben oftmals den Fehler gemacht, die Grimoires und andere westliche Texte unter dem Hinblick zu interpretieren, dass die Autoren genauso gedacht hätten, wie wir das heute tun. Der Autor der Goetia glaubte (wahrscheinlich) wörtlich, dass es drei Göttliche Wesenheiten geben würde, die Dreifaltigkeit, die von nirgends kam, geschaffen wurde und die Erde als Ihr Königreich regierte. Er glaubte, dass er von Ihnen geschaffen worden war und sein Geist nach seinem physischen Tod entweder für Himmel oder Hölle bestimmt war. Auf der anderen Seite glaube ich – ein Wicca – dass es zwei solche Wesenheiten gibt – den Gott und die Göttin – die das Universum aber nicht so sehr regieren als sie es verkörpern. Ich glaube daran, dass ich und alles Männliche jetzt gerade lebende Inkarnationen dessen sind, was ich „The Lord“ nenne und dass alles Weibliche lebende Inkarnationen der „Lady“ sind. Ich glaube daran, dass unser spirituelles Wesen ewig und dazu bestimmt ist sich wieder zu manifestieren (zu reinkarnieren) auf irgendeiner Ebene, in irgendeiner Form, für die Ewigkeit. Diese einfachen Unterschiede in grundlegenden Annahmen kann zu allen Arten an Missverständnissen führen, sofern ich versuche mit der Goetia zu arbeiten. Und das sind wahrscheinlich die geringsten Unterschiede zwischen meinem Denken und dem des Autors.

Kurz nach der Erschaffung der Theosophie kam die Hermetik mit dem Golden Dawn. Das war ein Orden, der von einer kleinen Gruppe Meisterfreimaurer gegründet worden war, natürlich Theosophen, die das Gefühl hatten, Madame Blavatsky hätte etwas zu wünschen übergelassen. Sie fokussierten noch mehr auf das traditionelle westliche Material (dessen Texte wir großteils Dank der Freimaurer immer noch haben), waren aber schon tief beeinflusst von ihrem Wissen aus der östlichen Philosophie. In der kurzen Zeit die der Orden existierte (er löste sich zehn Jahre nach seiner Gründung auf), zog er solche Leuchtfeuer wie A.E. Waite, Aleister Crowley, Dion Fortune und Israel Regardie an. Das sind bloß einige Namen unserer tatsächlichen Vorväter. Crowley selbst ist wohl bekannt dafür, dass er große Mengen an östlicher Praxis in unser System gebracht hat, Regardie und die meisten anderen folgten demselben Pfad.

Nun, wenn wir die, den Entscheidungen der Adepten des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zugrunde liegende Weisheit verstehen, fragen wir vielleicht, wo eventuell Widerspruch zu finden sein könnte. Da facto ist es nicht notwendiger Weise die Entscheidung östliche Konzepte zu übernehmen, die ich fehlerhaft finde. Jedoch gibt es eine Sache, die oftmals vorkommt, wenn Ideen von einem System in ein anderes übertragen werden, das ist, dass bestimmte wichtige Punkte vernachlässigt werden. Während wir viele östliche Philosophien und Techniken in unseren Basisannahmen finden, bemerke ich eine überwältigende Abwehr gegen Trainingstechniken, die für das System lebensnotwendig sind. Folgendes ist nur eine einfache Skizze einiger eher offensichtlicher Punkte.


Ende Teil II


Aaron Leitch


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