Moderne westliche okkulte Tradition   Teil I
Durch Zufall bin ich Aaron vor einigen Jahren
im Netz begegnet und seine Essays haben mich so beeindruckt, dass ich ihn fragte, ob ich etwas davon übersetzen dürfte um es im WurzelWerk zugänglich zu machen. Dieser Essay ist zwar nicht mehr taufrisch (aus dem Jahre 1998) aber bringt derartig vieles an gesundem Menschenverstand und natürlich auch kontroverse Ansichten zu Tage, dass ich ihn als besonders wertvoll empfinde.

Man könnte ja nicht gerade sagen, dass Aaron Leitch jemals hätte beschuldigt werden können, mit dem Strom zu schwimmen. Ganz im Gegenteil – mein Ansatz war immer so tiefgreifend rebellisch, dass sogar die wahrhaft Verrückten dieser Welt (zu denen ich mich stolz zähle) mich als „seltsam“ ansehen. Aus diesem Grund widme ich diesen Essay meinen Kollegen Hexen und Zauberern, deren Techniken und Philosophien scheinbar so selten den meinen entsprechen.

Tatsächlich habe ich mich selbst in manch erhitzter Debatte zum Thema „Magick“ wiedergefunden und bin sogar der Kernpunkt mehr als eines gerechtfertigten Flamewars gewesen. (Streitigkeiten, die von sinnvollen Debatten ausgehend, sich in kleinlichen Beleidigungen und lächerlichen Anschuldigungen verwandelt hatten.) Viel davon war meine eigene Schuld. Ich hatte meine Ideen ständig an den falschen Plätzen den falschen Menschen präsentiert und (noch viel wichtiger) das auch noch auf die falsche Art und Weise getan. Ich wurde als von autoritär bezeichnet, als verbittert und noch als vieles andere, das – bei aller Ehrlichkeit – sicherlich gepasst hat. Meine Art der Erklärung hat anderen generell den Eindruck vermittelt, dass ich sie falsifizieren wollte, oder ihnen aufzeigen wollte, dass ihr Werk (dem sie ihre Leben genauso gewidmet hatten wie ich meines meinem Werk) wertlos wäre. Auf den Punkt gebracht – ich war gekommen um Widerspruch zu meinen Gedanken zu finden. Das spiegelte sich im Ton meines Geschriebenen wieder und so erhielt ich genau das, was ich ausgezogen war zu finden.

Das war aber nicht im Mindesten meine Intention gewesen – nicht einmal in den Fällen, in denen ich explizit mit den Arbeitsmethoden anderer oder ihrer Philosophie über Magick nicht übereinstimmte. Diese Flamewars haben mich immer traurig und verwirrt zurückgelassen, weil ich nicht sehen konnte, warum gegen meine Ideen mit derartiger Gewalt vorgegangen werden musste. In vielen Fällen, erholte ich mich nach so einer Schlacht, um sofort jemand anders zu erleben, der genau dieselben Ideen wie ich selbst präsentierte; ohne auch nur eine feindliche Reaktion der anderen! Die endgültige Antwort auf all das ist einfach – keiner von uns ist perfekt. Das macht uns zu dem, was wir sind – menschlich – wir können unsere vergangenen Taten analysieren und rationale Entscheidungen treffen ob diese effektiv waren oder nicht. Wenn wir damit unzufrieden sind, können wir uns entscheiden den Kurs zu verändern und die Dinge von diesem Punkt an besser zum Laufen zu bekommen.
Natürlich bin ich so stur wie jeder andere Krebs (noch dazu mit Steinbock im Aszendenten!) nur hoffen könnte zu sein. Ich komme nicht blind zu meinen Ideen, noch lasse ich sie so einfach wieder ziehen, wenn ich sie als durch die Erfahrung bestätigt gefunden habe. Dankenswerter Weise, weiß ich allerdings sehr wohl, dass auch ich fehlerhaft bin und ich widme mich unbarmherzig dem Ausmerzen solcher Fehler, wenn sie sich als Hindernisse auf meinem Weg entpuppen. Das ist der Grund für diesen Aufsatz. Ich widme ihn all jenen, die von meiner radikale Weltsicht, einen falschen Eindruck bekommen haben. Ich will meine Ansichten auf eine Art präsentieren, die weder als autoritär, noch als verbittert oder unfehlbar empfunden wird. Was ich möchte ist einfach meine Gedanken zu teilen, was Magick wirklich ist, wo sie (historisch) herkommt, wie sie funktioniert und wie sie bei all dem angewendet wird, was wir in der modernen Welt tun. In kurzen Worten möchte ich meinen Zugang zur modernen westlichen okkulten Tradition beschreiben.


Westen trifft Osten

Was wir als „westliche okkulte Tradition“ beschreiben, ist keine alte Sache. Natürlich aber erstrecken sich ihre Wurzeln weit zurück in die Geschichte; zurück bis ins alten Ägypten oder Sumer. Wahrscheinlich können wir mit dem Wiederaufleben des Interesses an Heidentum und Schamanismus sagen, dass unsere Wurzeln sogar noch etwas weiter zurück reichen. Allerdings sind diese Wurzeln nicht so ganz unsere eigenen. Man könnte sie richtiger als die Wurzeln des Baumes bezeichnen, von dem unser Samen gefallen ist. Dank der mittelalterlichen Kirche, können wir keine direkte und ununterbrochene Verbindung zu den Römern oder Ägyptern genießen, ja nicht einmal zu den Autoren der Renaissance oder der mittelalterlichen klassischen Grimoires. Stattdessen waren unsere Vorväter (von den späten 1800ertern an) gezwungen, die Bruchstücke der alten Traditionen in der Dunkelheit der Verwirrungen aufzuspüren und sie langsam und so gut sie es eben konnten zusammenzufügen. Das war – und ist noch – eine Frage von Versuch und Irrtum. Es ist heute gar nicht so unüblich für uns, zurück zu schauen und zu spötteln. Wir vergessen vielleicht, wie wenig sie in ihrer Zeit hatten um damit überhaupt arbeiten zu können. Wir glauben allzu sehr an ihre Ansprüche, die „alte Kunst“ zu praktizieren und haben an ihren eher offensichtlichen Fehlern und Vorurteilen wesentlich mehr auszusetzen.
Wie wir heute, hatten auch unsere Vorväter bereits eine völlig andere Weltsicht als sie die alten Vorfahren hatten. Es fehlen Informationen aus den Grimoires, die sie dadurch für unsere modernen Konzepte fast unverständlich werden lassen. Oftmals wird das als Tarnung  oder Code interpretiert. Manchmal mag es das auch sein, aber viel öfter waren es einfach Unterlassungen des Autors, weil der das Konzept als gegeben angesehen hatte. Wenn uns der Autor der Goetia anweist, unsere Augen und Schläfen mit Öl zu salben, dann sah er keine Notwendigkeit den Fakt zu inkludieren, dass das Öl aus Pflanzen wie Belladonna gemacht zu sein hatte. Natürlich wurde angenommen, dass es solche Pflanzen beinhalten würde. Jeder Novize in diesen Tagen wusste das! Und für diejenigen, die das nicht herausbekommen konnten, würde es dabei helfen, das System lahm zu legen und sie vor ärgerem Schaden zu bewahren.
Ein paar hundert Jahre später, als diejenigen mit einem mystischen Einschlag beschlossen, diese alten Schriften nach Hinweisen zum Göttlichen zu durchsuchen, hatten sie schlicht und ergreifend keine Möglichkeit derartige Dinge zu erraten. Sie waren sicherlich nicht dumm und waren sich vollkommen bewusst, dass da Fehlstellen im Material waren. Zusätzlich waren sie mystisch genug um zu erahnen, dass das Material, das sie lasen mehr als wirklich war, auch wenn es so wie es geschrieben war nicht „arbeitbar“ wäre. Deshalb taten sie das, was jedes vernunftbegabte menschliche Wesen getan hätte – sie wandten sich an ihre zeitgenössischen Systeme des Mystizismus um Hinweise zu bekommen. Trauriger Weise wurden die wenigen noch existierenden Systeme mit rein westlichem Ursprung von Adepten mit inquisitorischem Eifer unter Verschluss gehalten. Unsere Vorväter hatten keinerlei Rückhalt durch die Diskussion von Sachverhalten mit einheimischen Schamanen, Santeros oder Voodoopriestern. Bei dem damaligen sozialen Klima wäre eine derartige Vorgehensweise undenkbar gewesen, sogar wenn diese Menschen bereit gewesen wären, eine Kontaktaufnahme zuzulassen; was sie nicht waren.


Ende Teil I


Aaron Leitch


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