Magick   Teil I
Versuch einer Annäherung an den Begriff Magie über Aleister Crowley

Sucht man im Internet nach Magie oder fragt man magisch Interessierte, stellt man schnell fest, es gibt eine Vielzahl von Erklärungen und Unterbegriffen. Es wird in schwarze und weiße Magie unterschieden, es gibt die Magie der Taschenspielertricks, die Zauberkunst in Rollenspielen und so weiter. Aleister Crowley definierte den Begriff Magick, um eine Basis zu schaffen und um sich von der Magie der Taschenspielertricks und schwammiger Deutungen distanzieren zu können.

Aleister Crowley, der jedem, der sich mit Magie beschäftigt, früher oder später ein Begriff ist, definiert Magick wie folgt:

„Magick is the Science and Art of causing Change to occur in conformity with Will!“

Jede willentlich verursachte Veränderung wäre demnach bereits Magick. Somit wäre Magie nach dieser Definition mehr als „sich etwas zu wünschen und darauf zu hoffen oder zu warten, dass es dieser Wunsch von irgendeiner unsichtbaren Kraft im Universum erfüllt wird.“

Schreibe und veröffentliche ich zum Beispiel im WurzelWerk einen Artikel, um eine geistreiche Diskussion zu dem Begriff Magick anzubahnen und Leser zum Nachdenken anzuregen, wirke ich nach Crowleys Definition zufolge schon magisch, weil ich über meinen Willen eine Veränderung verursache.

Über den tatsächlichen Erfolg dieses magischen Aktes müsste man freilich diskutieren. Gewinnen viele Leser neue Einsichten und folgen zahlreiche geistreiche Diskussionen war ich mehr erfolgreich. Gelänge es mir aber nur einen oder zwei Leser dazu zu motivieren „mal kurz nachzudenken“, hätte mein Wirken einen geringeren Erfolg. Bin ich weniger erfolgreich sollte ich mir auch Gedanken darüber machen, ob mein Tun meinem „wahren Willen“ entspricht.

Wer Crowleys Definitionen und Postulate kennt, wird sich der Bedeutung des Begriffs „Will“ bewusst sein. Crowley unterscheidet zwischen „conscious will“(Ich nenne ihn in diesem Kontexte einen spontanen Wunsch, hervorgerufen durch das Verlangen primäre Lebensbedürfnisse zu decken) und dem „True Will“, ein tiefer liegender Willen, eine Art Bestimmung im Leben, die mich persönlich stark an das indische Dharma erinnert.

Der „True Will“ ist individuell und einzigartig. Abstrakte Wünsche, die vermutlich jeder hat, wie „gesund zu bleiben oder glücklich zu sein“ fallen demnach nicht in den Bereich des „True Will“.

Die Aufgabe des Menschen, seine Great Work, wäre es nach Crowley seinen „True Will“ zu erkennen und diesen in seinem Leben umzusetzen. Crowley geht dabei sogar so weit zu sagen, man hätte das Recht die zu töten, die einen darin hindern wollen, den Wahren Willen umzusetzen.

Sobald man den Einklang mit dieser Bestimmung gefunden hat, wird einem, so Crowley, das Universum unterstützen. Sein Postulat dazu lautet:

„A man who is doing his True Will has the inertia of the Universe to assist him“.

Für Crowley ist auch klar, dass jeder Mensch einzigartig ist und somit zwei Personen niemals einen identischen True Will haben können. Er begründet es mit “Every man and every woman is a star!”

Tritt der Fall ein, dass der conscious will dem True Will entgegenstehen, wird Kraft verschwendet, versucht man ersteren durchzusetzen. Sind die beiden Willen widersprüchlich, ist es wie wenn man gegen den Strom schwimmt4 und jedem wird wohl klar sein, dass man eine bedeutend weitere Strecke zurücklegen kann, wenn einem das Wasser vorantreibt.

In einem praktischen Beispiel bedeutet das: Sagen die Instinkte jemandem Maler werden, aber die Eltern und Freunde überreden ihn dazu Medizin zu studieren, wird diese Person als Arzt keine großen Erfolge erzielen. Bestenfalls wird aus ihm ein durchschnittlicher Mediziner, sicher jedoch keine Koryphäe auf seinem Gebiet. Würde die Person hingegen dem Instinkt folgen, hätte sie einen ganz anderen Horizont.

Die Zahl der Meisterwerke, die der Menschheit schon verloren gegangen sind, da manchen der Mut gefehlt hat, sich einer Sache mit voller Leidenschaft widmen und sie stattdessen auf Sicherheit gespielt haben, muss enorm sein.

Aleister Crowley fügt in seinem Buch „Magick without Tears“ und „Magick in Theory and Praxis“ (Anmerkung: Beide behandeln die im Artikel zitierten Postulate) noch viel mehr Grundaussagen an, auf die ich in diesem Artikel nicht eingehen will, da eine vollständige Diskussion seiner Postulate den Rahmen sprengen würde. Ich empfehle aber jedem, der sich mit Magie beschäftigt und sie noch nicht kennt, sie genau zu studieren, da viele magische Systeme darauf aufbauen.

Was könnten seine bisher angesprochenen Aussagen im Konkreten bedeuten? Es könnte bedeuten, dass es gleichgültig ist, wie man ein Ritual gestaltet, weil es nur darum ginge, den „True Will“ zu erkennen und die richtigen Aktionen zu setzen, um ihn zu verwirklichen. Selbst ein stümperhaftes Ritual, dessen Ziel aber im Einklang mit dem wahren Willen ist, wäre demnach effektiver als eine ausgeklügelte Zeremonie, die aber nicht die Umsetzung der Great Work zum Ziel hat5.


1 Crowley führte den Begriff Magick ein, um Magie von der Magie der Taschenspielertricks zu abzugrenzen. Im Deutschen gibt es leider keinen entsprechenden Begriff zur Unterscheidung.
2 Siehe auch seine Bücher “Magick without Tears“ und „Magick in Theory and Praxis“. Ich empfehle die englischsprachige Literatur, da die Übersetzungen oft schlampig und ungenau sind.
3 In Liber Os schreibt er dazu: „Everybody has the right to kill those, who want to hinder them to fulfill their True Will
4 In diesem Sinne meine ich es wörtlich und nicht als Metapher für etwas tun, was die Masse der Menschen anders macht.
5 Einige Systeme der Magie widersprechen dem, wie z.B. die Chaosmagie. Wenngleich man darüber philosophieren kann, ob die Nichteinklang mit dem wahren Willen den unbewussten Widerstand fördern könnte, der ja nach der Chaosmagie um ein Ritual möglichst effektiv zu gestalten möglichst gering sein sollte


Ende Teil I


Freyjatru


NATuQuTAN - Teil VIII 30.09.2017
NATuQuTAN - Teil VII 09.09.2017
NATuQuTAN - Teil VI 26.08.2017
NATuQuTAN - Teil V 05.08.2017
NATuQuTAN - Teil IV 24.06.2017
NATuQuTAN - Teil III 03.06.2017
NATuQuTAN - Teil II 08.04.2017
NATuQuTAN - Teil I 25.03.2017
Julfest - Teil II 14.01.2017
Julfest - Teil I 31.12.2016
Thelemitische Ethik 101 - Teil II 17.09.2016
Thelemitische Ethik 101 - Teil I 10.09.2016
Schöpfungsabfolge durch die vier Welten - Teil IV 21.05.2016
Schöpfungsabfolge durch die vier Welten - Teil III 23.04.2016
Schöpfungsabfolge durch die vier Welten - Teil II 02.04.2016
Schöpfungsabfolge durch die vier Welten - Teil I 19.03.2016
"Fallow time" oder: Wenn die Götter nicht mehr antworten… 19.12.2015
Divination als Kommunikation zwischen Göttern und Menschen - Teil III 10.10.2015
Divination als Kommunikation zwischen Göttern und Menschen - Teil II 19.09.2015
Divination als Kommunikation zwischen Göttern und Menschen - Teil I 12.09.2015
Vergeltung für die Luchse 27.06.2015
Eines Frage des ... Schutzes?! - Teil I 06.06.2015
Götter und der Umgang mit Ihnen - Teil II 21.04.2015
Götter und der Umgang mit Ihnen - Teil I 04.04.2015
Eine kurze Argumentation für Magie über den Weg der modernen Quantenmechanik - Teil II 04.01.2015
Putzen wir die Brillen Verstorbener?? 14.09.2014
Der ethische Gebrauch von Energie in Magie und Heilung 23.08.2014
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XX 01.03.2014
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XIX 21.12.2013
Amulette, Talismane und Schutzgegenstände 07.09.2013
Heka - Magische Praxis auf ägyptisch 24.08.2013
Zauberei und Wissenschaft 14.07.2013
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XVIII 25.05.2013
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XVII 16.03.2013
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XVI 29.12.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XV 10.11.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XIV 25.08.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XIII 30.06.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XII 26.05.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil XI 05.05.2012
Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ist ein Ozean 24.03.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil X 10.03.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil IX 07.01.2012
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil VIII 10.12.2011
Karmische Verbindungen - Wie sie unsere Beziehungen und unser Leben beeinflussen 26.11.2011
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil VII 22.10.2011
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil VI 24.09.2011
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil V 20.08.2011
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil IV 17.07.2011
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil III 21.05.2011
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil II 07.05.2011
Geist – Seele – Bewusstsein – Körper oder Das Eine und die Vielen - Teil I 09.04.2011
Eine Einführung in die traditionelle Astrologie - Teil II 23.01.2011
Eine Einführung in die traditionelle Astrologie - Teil I 15.01.2011
Eine kurze Argumentation für Magie über den Weg der modernen Quantenmechanik - Teil I 06.11.2010
Wir erschaffen die Götter und die Leere - Teil III 07.08.2010
Wir erschaffen die Götter und die Leere - Teil II 10.07.2010
Wir erschaffen die Götter und die Leere - Teil I 26.06.2010
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil IX 13.03.2010
Raumreinigung: ein neuer Ansatz für eine althergebrachte Tradition - Teil II 02.01.2010
Raumreinigung: ein neuer Ansatz für eine althergebrachte Tradition - Teil I 26.12.2009
Ritual-Rückkreuzung - Teil II 03.10.2009
Ritual-Rückkreuzung - Teil I 26.09.2009
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil VIII 22.08.2009
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil VII 30.05.2009
Vom Wesen der Mythen - Teil II 28.03.2009
Vom Wesen der Mythen - Teil I 14.03.2009
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil VI 14.02.2009
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil V 20.12.2008
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil IV 13.09.2008
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil III 28.06.2008
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil II 16.03.2008
Moderne westliche okkulte Tradition - Teil I 29.12.2007
The Gods made Heavy Metal and they saw it was good - Teil II 22.09.2007
The Gods made Heavy Metal and they saw it was good Teil I 01.09.2007
Heidnische und magische Elemente in Science Fiction 12.05.2007
Magick - Teil II 17.02.2007
Magick - Teil I 10.02.2007
Der Weg des Pflanzers – ein kryptischer Ansatz 18.11.2006
Initiation 12.08.2006
Wohin gehen wir? Leben nach dem Tod 20.05.2006
Die Macht der Symbole - Teil II 18.03.2006
Echtes Quellwasser 10.12.2005
Gedanken, nah am Wasser 19.11.2005
„Spagyrik, Hermetik, Alchemie“ 17.09.2005
Die Macht der Symbole - Teil I 09.07.2005
Sie heilen Menschen 23.04.2005
Magie – was ist das? 22.01.2005
Ritual und Sprache 01.01.2005
Swingin´ Nature - alles schwingt?! 23.10.2004
´Wer bin denn du´?? WAHRgenommenes und das Ich 07.08.2004
Nagualismus 22.05.2004
Wohin mit dem Graffl? 21.02.2004
Vorgaben in Büchern 14.02.2004
Spirituelle Übungen 20.12.2003
Bach-Blüten-Therapie 04.10.2003
Wie werd´ ich den Schmarren bloß los? 31.05.2003
Üben, üben, üben - Die Energie und ich, Teil III 11.01.2003
Magie, ein irreführender Begriff 09.11.2002
Die Energie und ich - Teil II 28.09.2002
Trance und Hypnose 14.09.2002
Der Stoff aus dem Magie gewebt wird 15.06.2002
Die Energie und ich - Teil I 16.03.2002
Sinnlich oder über-sinnlich?! 13.09.2001






              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017