Betreut von Anufa
Echtes Quellwasser
Wasser gilt oft als Quelle allen Lebens. Wasser ist eine Grundvoraussetzung unserer Existenz. Doch um Wasser ranken sich auch viele alte und neue Mythen. Wir wollen versuchen, das Wunder des Wassers ein klein wenig darzustellen und hoffentlich klar zu machen, warum Wasser an sich schon etwas besonderes ist, ohne dass man versucht, ihm alle möglichen wundersamen Eigenschaften zuzusprechen.

Als oben der Himmel noch nicht existierte
und unten die Erde noch nicht entstanden war –
gab es Apsu, den ersten, ihren Erzeuger,
und Schöpferin Tiamat, die sie alle gebar;
Sie hatten ihre Wasser miteinander vermischt,
ehe sich Weideland verband und Röhricht zu finden war –
als noch keiner der Götter geformt
oder entstanden war, die Schicksale nicht bestimmt waren,
da wurden die Götter in ihnen geschaffen:(1)


So beginnt das Enuma Elisch, die Schöpfungsgeschichte der Sumerer. Was hat das mit Wasser zu tun? Apsu verkörpert das Süßwasser, Tiamat hingegen den Ozean, also das Salzwasser. Am Anfang, bevor alles andere entstanden ist, existierte also das Wasser. Der sumerische Mythos ist damit nicht allein. Auch z.B. in finnischen, indischen und chinesischen Mythen existiert am Anfang das Wasser(2).


Was macht Wasser so besonders, dass es so hervorgehoben wird?
Nun, ohne Wasser können wir nicht leben. Unser Körper besteht zu etwa 60 % aus Wasser. Bei Kindern ist es sogar noch mehr. Ein Mensch kann etwa drei Tage ohne Wasser auskommen, bevor er verdurstet. Damit sind wir nicht allein: Alles Leben, wie wir es kennen, benötigt Wasser. Manche Lebewesen, z.B. Kamele, kommen länger ohne Wasser aus - aber nur, weil sie entsprechend viel Wasser gespeichert haben.

Am Anfang kam - so heutiger Stand der Wissenschaft - Wasser vor allem über Kometen und Material aus dem Sonnensystem auf die Erde. Erst als das Wasser vorhanden war, konnte die Entwicklung von Leben einsetzen. Es gibt verschiedene - naturwissenschaftliche - Theorien über den Ursprung und die Entstehung des Lebens. Doch nahezu alle davon gehen von einer Entstehung entweder im Wasser oder an einer Grenzfläche zum Wasser aus(3). Wasser ist elementar für die Stoffwechselprozesse, die in allen lebenden Organismen ablaufen. Nur ein kleines Beispiel: ein universaler Energielieferant in allen Zellen ist ATP, Adenosintriphosphat. Die Energie, die darin gespeichert wird, wird für sehr viele Reaktionen benutzt, indem das Molekül in Adenosindiphosphat, ADP, und Phosphat gespalten wird. Dafür ist aber ein Wassermolekül nötig, sonst kann diese Spaltung nicht erfolgen. Eine andere Form der Energiespeicherung ist der Aufbau eines pH-Gradienten über eine Membran hinweg. Auch dafür ist Wasser nötig.

Eine wichtige Voraussetzung für diese herausragende Rolle des Wassers sind die sogenannten Anomalien. "Anomalie" klingt jetzt so nach unnatürlich - die müssen spinnen, die Wissenschaftler. Nein, tatsächlich soll "Anomalie" nur ausdrücken, dass sich Wasser nicht so verhält, wie man es annehmen würde, wenn man davon ausgeht, dass jedes Molekül Wasser eine kleine Kugel ist, die keine Wechselwirkungen mit den anderen Molekülen eingeht. Dann spricht man von einer "einfachen" Flüssigkeit. Wasser ist jetzt aber keine kleine Kugel, ganz im Gegenteil. Wasser besteht aus einem Sauerstoffatom, das konvalent mit zwei Wasserstoffatomen verknüpft ist. Neben den Bindungen zum Wasserstoff hat jedes Sauerstoffmolekül noch zwei Elektronenpaare. Wenn man sich so ein Molekül genau anschaut, dann hat das Wasserstoffmolekül eine kleine positive Partialladung, weil der Sauerstoff die Elektronen stärker zu sich hinzieht. Der Sauerstoff hingegen hat freie Elektronenpaare und eine negative Partialladung. Das führt dazu, dass sich Wasserstoffbrücken ausbilden können - d.h. ein Wasserstoff eines Moleküls lagert sich an das Elektronenpaar eines Sauerstoffs eines zweiten Moleküls an. Jedes Wassermolekül kann bis zu vier dieser Wasserstoffbrücken aufbauen. Auf diese Weise können sich verschiedene Strukturen und ausgeprägte Netzwerke bilden. Diese Wasserstoffbrücken sind die Grundlage für das ungewöhnliche Verhalten von Wasser.

Die Naturwissenschaft kennt mittlerweile über 40 solcher Anomalien(4). Einige davon - z. B. die Dichteanomalie bei ca. 4 Grad Celsius(5) - sind uns allen bekannt. Was aber schon weniger Leute wissen ist, dass die meisten Fakten die wir in der Schule über das Wasser lernen (Schmelzpunkt, Siedepunkt etc.) ebenfalls Anomalien dieser Flüssigkeit darstellen(6) und viele biologische Vorgänge erst aufgrund dieser Besonderheiten möglich werden. Fische würden zum Beispiel ohne die Dichteanomalie des Wassers den Winter in heimischen Gewässern nicht überleben.

Aufgrund dieser besonderen Eigenschaften und seiner Wichtigkeit als Träger des Lebens gehört Wasser zu den mittlerweile am intensivsten erforschten Verbindungen unseres Planeten. Wer sich noch genauer über die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Wassers informieren möchte ist eingeladen, dies z.B. anhand untenstehender Weblinks(4,5,6) tun.

Das eigenartige Verhalten des Wassers, das wir eben besprochen haben, gab aber auch seit jeher Anlass zu mannigfaltigen Spekulationen. So haben sich neben Naturwissenschaftlern auch zahlreiche Hobbyforscher, Naturphilosophen, Erfinder und Geschäftemacher mit dieser Substanz beschäftigt und versucht ihre Erkenntnisse zu verwerten.
Eine Aussage, welche in diesem Zusammenhang fast immer auftaucht lautet, dass Wasser in der Lage wäre “Informationen” zu speichern. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Behauptung zählen Masaru Emoto(7), Jacques Benveniste(8), Johann Grander(9) und Viktor Schauberger(10).
Diese Behauptungen hatten auch prompt Kritik seitens der Naturwissenschaft zur Folge(11). Egal ob man diesen Vermutungen Glauben schenken will oder nicht, die Diskussion darüber füllt Bände und so seid ihr auch hier, liebe Leser, angehalten euch eine eigene Meinung zu bilden.


Wasser ist auf jeden Fall auch ohne weitere Spekulationen eine sehr faszinierende Flüssigkeit. Sie ist Grundlage und Voraussetzung für Leben. Das ist es auch, was sich in dem sumerischen Schöpfungsmythos widerspiegelt. Wasser in all seinen Formen - als Nebel, als Regen, als Quelle und Fluß und Meer, hat durch alle Zeiten auch viele Künstler inspiriert. Das unten stehende Gedicht von Goethe ist nur ein Beispiel dafür.

Gesang der Geister über den Wassern (12)
von Johann Wolfgang von Goethe

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

 

(1) Von: http://www.uni-essen.de/Ev-Theologie/courses/course-stuff/meso-enuma.htm
(2) Helma Marx, Das Buch der Mythen aller Zeiten aller Völker, Bastei-Lübbe-Verlag, 2000
(3) J. T. Trevors, Early assembly of cellular life, Progress in Biophysics & Molecular Biology, 81, Seiten 201-217, 2003
(4) Aus: South Bank University London
http://www.lsbu.ac.uk/water/anmlies.html#1a
(5) Ebenda: http://www.lsbu.ac.uk/water/explan.html#density bzw.
http://www.vs-c.de
(6) Ebenda: http://www.lsbu.ac.uk/water/explan.html#Mpt
(7) http://www.masaru-emoto.net/
http://de.wikipedia.org/wiki/Masaru_Emoto
(8) http://www.digibio.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Benveniste
(9) http://www.grander.com/start_flash.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Grander#Grander
(10) http://members.aon.at/pks.or.at/index2.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Schauberger
(11) Aus: Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften
http://www.gwup.org/themen/texte/wasserbehandlung/index.html
(12) http://gutenberg.spiegel.de/goethe/gedichte/gesang.htm


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