Betreut von Anufa
Magie, ein irreführender Begriff
Nach den Regeln der allgemein anerkannten Logik kann eine Definition nur dann stattfinden, wenn wir das gesamte zur Verfügung stehende Material in zwei Kategorien aufteilen - in diesem Fall also in "Magie" und "Nicht-Magie" oder "magisch" und "mondän". Solch primäre Aufteilungen gelten natürlich auch für andere verwandte Begriffe unseres esoterischen Wortschatzes, so wie z.B. "normal" und "paranormal" oder "weltlich" und "übersinnlich".
von Dan T. Felber

Um einen Begriff definieren zu können müssen wir zuerst eine Anzahl von Kriterien festsetzen, nach denen die gesamte Information der einen oder anderen Kategorie zugewiesen werden kann. Im Fall der Magie ist das Hauptkriterium sicher die Frage, ob das zu bewertende Phänomen nach Meinung der modernen Wissenschaften im Rahmen erkannter Naturgesetze abläuft oder nicht.
An dieser Stelle sei nur kurz erwähnt dass ein riesiger Teil dessen, was in der Vergangenheit noch als Magie oder magisch aufgefasst wurde, in der heutigen Zeit längst als entmystifiziert oder normal angesehen wird. Zusätzlich tragen fortgeschrittene naturwissenschaftliche Kenntnisse ihr eigenes dazu bei, dass sogar verschiedene Menschen derselben Zeitperiode ein und dasselbe Geschehen als magisch oder nicht-magisch bezeichnen würden; dies eben äbhängig von ihrem individuellen Wissensstand.
Dieser Umstand lässt eindeutig erkennen, dass es sich bei Magie nicht um ein Gebiet jenseits einer von der Natur oder dem Universum selbst festgesetzten Grenze handelt, sondern lediglich um eine subjektive menschliche Definition mit fliessendem und zeitlich wandelbarem Wahrheitsgehalt.

Magische Handlungen finden deshalb stets auf einer individuellen, beweglichen Ebene statt; auf einer sich ständig verändernden Linie zwischen dem Gewöhnlichen und dem Unmöglichen. Dieser Grenzbereich verlagert und verkleinert sich stetig mit Wissen, Erfahrung und dem ausgeprägten Talent von uns Menschen, sich in Denken und Handeln neuen Gegebenheiten und Regeln anzupassen. Die persönliche Auffassung von 'übernatürlichen' Ereignissen verwandelt sich mit angemessener Zeit und entsprechender Übung in die blosse Einsicht, momentan noch als unentdeckt geltende Naturgesetze erkannt und angewandt zu haben.

Die Arten von 'Magie' von denen heutzutage meist geredet und geschrieben wird, haben allgemein bekannte und benennbare Wurzeln. Bekannte Untergruppen sind: [mit herzlichem Dank an Dr. Rauer für die 'rohen' Beschreibungen der Kategorien, auf welche ich meine hier aufbaue

Theurgie - von verschiedenen Gruppierungen auch auch 'Weisse Magie' oder 'Hohe Magie' genannt. Die Theurgie hat ihren Ursprung in der griechischen Zivilisation der Zeitenwende (BCE/CE), während hierin auf weit ältere Überlieferungen der Perser verwiesen wurde, welche als Quelle des Wissens griechischer Priester und Philosophen genannt wurde.


Sekundäre Definitionen:

Weisse Magie: Magische Praktiken, die in spiritueller, heilender oder sonstwie positiver Absicht ausgeübt werden. Diese Definition kann allerdings nur angewendet werden, wenn die magische Arbeit bewusst oder unterbewusst auf einer dualistisch-religiösen Grundhaltung beruht; d.h. dem Glauben an objektiv existierende 'gute' und 'böse' Mächte in der Ordnung des Universums.
Hohe Magie: Magische Praxis, die die spirituelle Transformation des Ausübenden herbeiführen soll. Sie soll das Bewusstsein des Magiers auf das heilige Licht im Inneren lenken, das sich häufig in Hochgöttern aus verschiedenen Kosmologien manifestiert. In der hohen Magie wird die Kommunikation mit dem persönlichen Schutzengel oder höheren Selbst angestrebt.

Vertreter der Theurgie waren u.a. der Neuplatonist Plutarchos von Chaironeia (~45 bis ~120) und seine Tochter, die Philosophin Asklepigeneia . Plutarchos wollte einen möglichst reinen Gottesbegriff entwickeln, welcher Gott selbst ohne Eigenschaften, moralisch neutral und über alles Böse erhaben darzustellen suchte. Hier sind bereits eindeutige Parallelen zur Definition zu erkennen, welche auch vom jüdischen Glauben und dem darauf abstützenden Christentum offeriert wird. Plutarchos misdeutete jedoch alle ihm bekannten Glaubenssysteme als blosse verschiedene Gesichter einer einzigen 'wahren' Religion.

Dämonologie - von verschiedenen Gruppierungen auch 'Schwarze Magie' genannt, gilt auch als 'Destruktive Magie, da sie zum Ziel haben soll, Menschen, Besitztümer oder Ernten zu zerstören und das Leben anderer in irgendeiner schädlichen Weise zu beeinträchtigen. Der Glaube an eine dualistisch-religiös definierte Macht-Ordnung innerhalb des Universums nach Art der jüdischen, christlichen, islamischen und bedingt auch buddhistischen Lehre ist auch hier, wie bei der 'weissen' Magie, Bedingung für die Anwendbarkeit der Definition.

Kontagiöse- oder Kontakt-Magie - der Glaube, dass zwischen Dingen, die miteinander in Kontakt gestanden haben, weiterhin eine Verbindung besteht, und dass daraus durch magische Zauberkünste Schaden erwachsen kann, zum Beispiel durch magische Rituale mit Fingernägeln, Haarspangen oder anderen Gegenständen. [Abgeschlagene Diebeshände gefällig? *ggg*]

Niedere Magie - auf praktische oder häusliche Belange ausgerichtet. Sie soll beispielsweise zu plötzlichen Reichtum, einer neuen Geliebten, einem besseren Arbeitsplatz oder einer Glückssträhne verhelfen.

Zeremonielle/Rituelle Magie - Magie, die sich des Rituals, der Symbole und Zeremonien bedient, um übernatürliche mystische, Universum und Menschheit verbindende Kräfte darzustellen. Die rituelle Magie ist ein Genuss für die Sinne - für Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Gefühl - denn sie lebt durch ihre feierlichen Gewänder, bühnenreifen Beschwörungsformeln für Götter, Geister oder Dämonen, stark duftenden Substanzen und magischen Sakramente. "Höchstes" Ziel des Ritualmagiers ist das Erlebnis der Transzendenz, des Hinweggetragenwerdens über die Grenzen des Geistes hinaus zur mystischen Wirklichkeit.
Der Begriff der rituellen Magie wird jedoch auch mit mittelalterlichen magischen Grimoires in Zusammenhang gebracht, in denen die Anrufung von Geistern beschrieben ist. Durch Zauberbücher soll der Magier zu Macht statt zu Transzendenz kommen; solche Bücher sind u.a. "der Schlüssel Salomos", "Grimoire des Papstes Honorius" und "Grosse Grimoire". Templer, Rosenkreuzer und Freimaurer sind nur die bekanntesten dieser Untergruppe. Das umfangreichste System der rituellen Magie in neuerer Zeit praktiziert der Hermetische Orden der goldenen Dämmerung (Golden Dawn)
Anm: Wer sich wundern sollte, welche 'mysteriös archaisch' spirituellen Grundsätze fast ohne Ausnahme hinter zeremonieller- & ritueller Magie stehen, sehe sich doch mal das 'Vereins-Wappen' der Berliner Golden Dawnler an. Noch irgendwelche Fragen?

Magie war schon immer - und ist auch heute noch - überall dort zu finden, wo wir aufmerksam genug beobachten und zuhören und damit willentlich die künstliche Abgrenzung aufheben oder mindestens verlagern, die wir uns im Alltag selbst zwischen dem Rationellen und dem Unfassbaren aufgebaut haben. Dann tut sich plötzlich eine viel grössere Welt auf; nicht eine entfernte, abgetrennte, sondern eine unsere Realität in unzähligen Formen durchziehende und bereichernde Welt; voll von kaum wahrnehmbare Energien, subtilen Intuitionen, Dialog mit nicht-menschlichen oder gar körperlosen Wesen, kleinsten Erkenntnissen bezüglich Ursache und Wirkung und dies alles verbunden mit der äusserst wertvollen Einsicht, dass weder wir Menschen noch irgend ein von uns definiertes Gottverständnis im Zentrum allen Geschehens stehen.
Diese tief erfahrene und von da an gelebte Erkenntnis ist denn auch der grundlegende Unterschied zwischen den vorher beschriebenen Definitionen und einer Art Magie, wie sie von einem System angewendet würde, welches als 'keltische Natur-Spiritualität' bezeichnet werden könnte.

In diesem Sinn ist Magie für mich denn heute immer noch (um nur drei Beispiele zu nennen):
- wenn ich nachts in den Sternenhimmel blicke und mir wieder mal verinnerliche, dass all das da 'draussen' so reell ist wie der Boden auf dem ich stehe, während zahllose 'Augen' garantiert im selben Moment auf den Lichtfunken unserer eigenen Sonne auf ihren eigenen dunklen Firmamenten deuten und genau dasselbe denken,
- wenn ich im Traum durch eine 'fiktive' Landschaft reise, deren Klima und topographische Gegebenheiten mir total unbekannt sind und ich dann am nächsten Morgen mit ein wenig Recherche herausfinde, dass dieser Ort tätsächlich irgendwo auf dem Globus existiert; Gebirgszüge und Küstenlinien, menschliche Siedlungszentren, Verkehrswege, Wetter und Umrisslinie auf der Karte - alles inklusive, oder auch
- wenn moderne Wissenschaftler (primitiv erklärt) subatomare Partikel durch eine Röhre schiessen und diese dann zeitlich messbar früher zum andern Ende rauskommen, als sie zum einen reingingen.

Magie ist einfach... magisch... und magisch einfach dazu.

Dan T. Felber, Europäisch Keltische Gemeinschaft


Dan T. Felber


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