Eine religionsübergreifende Erfahrung

Wieder einmal hat uns Damh, the Bard von einer Veranstaltung berichtet, die es in dieser Art hier bei uns in Österreich nicht gibt. Deshalb hat Anufa, diesen Artikel umso lieber übersetzt - als Anregung, wie es auch sein könnte ...

Plakat
Gestern gab ich beim religionsübergreifenden Gottesdienst der „Brighton and Hove Interfaith Contact Group“ eine Lesung. Vor über einem Monat wurde ich gebeten, dort zu lesen und war sehr erfreut, dass sie dort das Druiden- und Heidentum in ihr Spektrum der spirituellen Wege aufgenommen haben. Der Bürgermeister von Brighton uind Hove, Caroline Lucas (MP für Brighton Pavillion und vormalige Vorsitzende der Grünen), Repräsentanten der jüdischen, islamischen, christlichen, buddhistischen, Bahai- und Hindu- Gemeinschaften waren anwesend, und ich.

Es gab eine Mischung aus Lesungen und Musik und es war auch eine richtige Hochschaubahn der Gefühle. Mein Lieblingsteil war das islamische Gebet, das von einem Moslem aus der Türkei geleitet wurde. Er sang seine Andacht, und irgendwie verstand ich jedes Wort. Es sprach von schrankenloser Liebe für seinen Gott, gesungen in Freiheit und mit Hingabe. Als Musiker, der selber Musik, die in meiner Tradition heilig ist, schreibt und singt konnte ich das vollkommen verstehen. Kein Wunder, dass Cat Stevens, ein tiefspiritueller Mensch, seine Heimat dort als Yusuf Islam gefunden hat.

Das Thema des Gottesdienstes war „Eine Hoffnung für die Zukunft – Ein Wunsch nach Frieden“. Meine Lesung war gegen Ende und als meine Zeit gekommen war, ging der Leiter des Gottesdienstes zum Mikrofon und sagte: „Diese Treffen sind immer aufregend. Als nächstes haben wir einen Heiden und ich weiß nichteinmal ob er wirklich hier ist.“ Ich hob meine Hand und wurde nach oben ans Rednerpult geholt. Das Mikrofon hatte während einiger der Gespräche Rückkopplungen geliefert und als ich mich näherte fragte sie mich, welches der Mikorfone ich bevorzugen würde. Ich sagte: „Ich nehm dieses – Ich mag Heavy Metal und habe deshalb nichts gegen ein wenig Rückkopplung“. Gelächter aus dem Publikum.

Ich sag zu den Politikern, den Leuten unterschiedlichen Glaubens und sagte, wie glücklich ich wäre, dort sein zu dürfen, ein Teil dieses Treffens und für das Druidentum zum Thema „Frieden“ sprechen durfte Dann begann ich meine Lesung.

Hier ist sie, damit ihr sie lesen könnt. Es war ein wirklich wunderschöner Nachmittag und die Gespräche nachher, bei Tee und Kuchen waren anregend.


Religionsübergreifende Lesung

Frieden. Das ist ein Wort, dessen Bedeutung ziemlich überfrachtet sein kann. Für mache mag es Ruhe bedeuten, Meditation, der Friede der Berge und Wälder. Das Wort „Druide“ bedeutet „einer der das Wissen der Eiche hat“, der Waldweise. Was könnte friedvoller sein als das?

Die klassischen Autoren wie Julius Caesar und Diodorus Siculus, sprachen davon, dass in den alten Zeiten die Druiden vom Militärdienst ausgenommen waren und keinen Waffen trugen und davon, dass sie öfters kriegführende Stämme befriedeten, indem sie zwischen den zusammengeballten Reihen der sich entgegenstehenden Kräften hin und her wechselten und den Frieden urgierten.

Julius Caesar schrieb: „Denn sie (die Druiden) beseitigen alle Streitigkeiten, sowohl öffentliche als auch private … Die Druiden bleiben für gewöhnlich dem Krieg fern, sie haben die Befreihung vom Kriegsdienst. „

Diodorus Siculus schrieb: „ Oftmal, wenn die Gegner sich Kopf an Kopf gegenüber standen, die Schwerter gezogen wurden und die Speere aufgerichtet waren, kamen diese Männer und ließen die Schlacht verstummen, genauso wie wilde Tiere manchmal ruhig gehalten werden. So verwandelt sich sogar bei den wildesten Barbaren der Zorn in Weisheit und Mars wird vor den Musen beschämt. „

Am Beginn druidischer Zeremonien, bevor etwas anderes geschieht, gibt es einen Ruf nach Frieden. Der Druide geht nach Norden, dann in den Süden, Westen und Osten und hält in jeder Richtung seine Arme zum Gruß gehoben, im Gefühl, dass Frieden nach außen ausstrahlt und sagt, „Möge Frieden sein im Norden/Süden/Westen/Osten“. Nach der Rückkehr in den Osten stimmt der ganze Kreis mit der Antwort ein, „Möge da Frieden in der ganzen Welt sein.“

Aber man wird auch Druiden in der vordersten Front der 90er Proteste in Twyford Down und Newbury gesehen haben. Ihr werdet Druiden bei den Anti-Fracking-Protesten in Balcombe und Barton Moss gesehen haben. Das Druidentum beinhaltetet den Frieden des heilgen Haines, die Magie der grünen Wälder, aber auch dass friedvolle Demonstranten freudig unter zivilem Ungehorsam aufstehen für die Dinge, die ihnen wichtig sind.

So ist es immer schon gewesen.

Das moderne Druidentum sieht seine Wurzeln um 1700 bei Edward Williams, besser bekannt unter seinem Druidennamen Iolo Morgannwg . Sein druidischer Orden wurde 15 Jahre lang von bewaffneten Tory Bürgerwehren verprügelt, nur weil sie sich trafen, nur weil sie Druiden waren. Sie gaben bekannt, dass sie einen Kreis in Pontypridd abhalten würden, bei den Wackelsteinen, würde die druidische Zeremonie stattfinden. Die Information wurde ihnen weitergeleitet, dass die ansässigen Grundbesitzer mit Schwertern und Gewehren ebenfalls dort sein würden. Sollten sie ihre Zeremonie trotzdem abhalten, würden sie getötet werden. Aber sie trafen sich, barfuß und ohne Kopfbedeckungen um zu zeigen, dass sie unbewaffnet waren und da wurden die Worte des Gorsedd Gebetes zum ersten Mal gesprochen.

Grant, oh God/Goddess/Spirit your protection,

And in protection, strength,

And in strength, understanding,

And in understanding, knowledge,

And in knowledge, the knowledge of justice,

And in the knowledge of justice, the love of it,

And in the love of it, the love of all existences,

And in the love of all existences, the love of God/Goddess/Spirit and of all goodness.

Die letzte Zeile beschwört „die Liebe allen Existenten“ und das schloss auch die Reihe der Reiter mit ein, die vor ihnen stand. Diese Reihe an Reitern drehte um, ritt zurück und kam nie wieder.

1792, in Primrose Hill in London proklamierte Iolo den Gorsedd of Bards der britischen Insel und wiederholte dieses Gebet. Das wurde dann nachfolgend das Walisische Nationale Eisteddfod und das Gorsedd Gebet wird bis heute immer noch während der druidischen Eröffnungsfeier gesprochen.

So fließt dieses Blut immer noch durch die Adern des modernen Druidentums im friedvollen Protest, dem moralischen Widerstand. Sobald die Erde solchen Bedrohungen wie Fracking und globaler Erwärmung gegenüber steht, wäre es inkongruent, wenn die Menschen, für die diese Erde heilig ist nicht für ihren Planeten sprechen würden, für ihre Heimat, die keine Stimme zu haben scheint immitten der Firmensprachen die viele Politiker sprechen.

Ja, möge da Frieden sein in der ganzen Welt.
Und möge dieser Frieden für alles Leben da sein, für alles, das existiert.


Damh, the Bard


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