Eine Gedenktafel für Gerald B. Gardner

Vor einer Woche konnte ich etwas sehr Erstaunliches beobachten. Von außen betrachtet mag das sehr weltlich aussehen, nicht sehr beeindruckend sein, ein gesellschaftliches Ereignis von der Stange. Nur die Enthüllung einer weiteren Gedenktafel auf einer Häuserwand in der Nähe von Christchurch. Übersetzt von Anufa.

Übers ganze Land verteilt gibt es Massen und Mengen dieser blauen Gedenktafeln, immer dort, wo bemerkenswerte Persönlichkeiten einmal gelebt haben. Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, sie alle haben bemerkenswerte Leistungen um ihre Kunst volbracht. Soweit ist das nichts Ungewöhliches.
Was letzten Feitag so erstaunlich machte war, dass diese Tafel auf einem Haus enthüllt wurde, in dem ein eher wohlsituierter Englischer Gentleman einmal gelebt hat, genannt Gerald Gardner. Ein Mann, der seine letzten Lebensjahre der Wiederbelebung undWiedererschaffung dessen gewidmet hat, was anfänglich Hexenkult benannt war und später dann das Wort „Wicca“ prägte. Etwas, das Professor Ronald Hutton als „die einzige Religion, die England der Welt geschenkt hat“ bezeichnete.

Das mag sich wieder ein bisschen gewöhnlich anhören, aber lasst uns zwanzig Jahre zurück gehen. In den frühen 90er Jahren, war des öfteren zu hören, dass die Häuser von magisch Arbeitenden von der Polizei durchsucht wurden, die nach Spuren und Beweisen für „rituellen satanischen Missbrauch“ suchten. Ein befreundetes Pärchen wurden beim Sozialdienst gemeldet und wurden danach von der Behörde visitiert, aus Sorge um das Wohl der Kinder, nachdem Nachbarn gemeldet hatten, dass in ihren Bücherschränken Bücher über Hexentum zu finden sein. Reporter von Zeitungen, besonders diejenigen, der „News of the World“, versuchten in heidnische Gruppen und Camps zu gelangen um die „Verderbtheit“, „Sex“ und „Nacktheit“ an die Öffentlichkeit zu bringen, die dort herrschen sollten. Einigen gelang das und die müssten sich das ausgedacht haben (oder ich war bloß zu diesen Camps nie eingeladen …).
Gehen wir noch ein paar Jahre weiter zurück und da wurden Leute wie Alex und Maxine Sanders wortwörtlich in den Straßen mit Steinen beworfen, es wurde ihnen das Haus angezündet oder Alteingesessene versuchten sie durch Mobbing und offene Gewalt dazu zu bringen, aus ihrer Gegend wegzuziehen. Ihr braucht Euch nur das Interview mit Maxine anzuhören und ihr werdet erfahren, was sie alles ertragen mussten, nur weil sie einem magischen Lebensweg folgten.

Damh, the Bard Podcast

Vor einem Jahr wurde eine Gedanketafel auf dem Haus der renommierten, modernen Hexe, Doreen Valiente, enthüllt. Nehmen wir da die Gedanketafel für Gerald dazu und die öffentliche Meinung im Bezug zum Hexentum ändert sich ganz offensichtlich.
Also ist das was letzte Woche passiert ist sogar sehr bemerkenswert. Es hat über zwanzig Jahre gedauert, aber das Hexentum und Wicca haben sich von weiterentwickelt – vom geschmäht Werden bis zur Ehrung von zwei Gründern durch Gedenktafeln.

Nun lasst uns aber nicht in die Falle treten, Hexentum und Wicca als gesellschaftskonform anzusehen, sich vor dem Willen des Gewöhnlichen verbeugend, zahnlos geworden in diesem Prozess. Es hat durch diese Anerkennung als valider und wichtiger spiritueller Weg seine Magie trotzdem nicht an die Muggles abgetreten.
Für mich schaut es so aus, als ob dieses Unbehagen daher stammt, dass die Geheimnisse geheim bleiben sollten, im Schatten, versteckt, occult bleiben sollten.


Das größte Geheimnis ist aber, dass es keine Geheimnisse gibt.

Mit der Publikation so vieler Bücher, der Erreichbarkeit durch Google, ist die Geheimhaltungskatze einfach aus dem Sack.

Aber …

… das was bleibt sind die Mysterien.
Es ist wahr, jeder kann alles lesen, überall. Aber wie jeder, der wirklichen Kontakt mit Magie gehabt hat, weiß, es geschieht nicht durch Lesen, dass die Mysterien sich enthüllen. Es ist das TUN, in den Arbeiten, in der Praxis des Hexentums. Es gschieht durch das tiefe Graben nach den Tiefen des Verborgenen. Also obwohl die „Geheimnisse“ überall in Google zu finden sind, müssen die Mysterien doch selbst entdeckt werden.

Magie wird immer ein Mysterium bleiben, weil nur einen kleine Minderheit sich selbst so weit hineinwerfen will, Adept zu werden.

Also gibt es keinen Grund, warum wir uns verstecken und eine missverstande Untergruppe der Gesellschaft bleiben sollten. Was Gerald getan hat war, einen kraftvollen spirituellen Weg vor die Augen der Öffentlichkeit zu bringen. An einen Platz, durch den die Suchenden wussten wie sie ihn nennen sollten und wo er zu finden wäre. Während all dieser Jahre haben Organisationen wie die Pagan Federation, die Children auf Artemis gegen die Verleumdungen der Presse gearbeitet und jetzt hat das Center for Pagan Studies ein fortlaufendes Gedenktafelthema. Für mich hat das das Heidentum, das Hexentum oder Wicca in den Mainstream gebracht (Buff und Charmed haben das nur sehr unzureichend zustande gebracht!). Aber es hat und auch in eine Positon gebracht, in der wir von den Medien (meistens) ernst genommen und nicht automatisch wegen unseres Glaubens abgelehnt werden.

Meiner Ansicht nach ist diese Veränderung eine gute Sache. Ich hoffe, dass es noch viele Gedenktafeln geben wird. Ich hoffe, dass wir unsere offenen Rituale weiter in Frieden abhalten können. Ich hoffe, dass wir uns weiter im Geheimen, unter dem vollen Mond treffen, zu den Göttern chanten und unser magisches Handwerk ausüben werden.

Ich erhebe mein Glas auf die heidnischen Wege!


Damh, the Bard


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