Im Pfadfinderhaus an der PFI Konferenz Helvetia

Am 6. und 7. Oktober nahm ich an der Pagan Federation International Switzerland Konferenz teil. Als Besucher aber auch als Vortragender.

Zwar musste ich Samstag früh sehr zeitig aus den Federn und auf den Zug, aber die anfängliche Müdigkeit und der begleitende Unmut waren denn auch rasch aus den Knochen und dem Kopf. Der Event fand in einem Pfadfinderhaus in Biel statt, das einen interessanten Charme versprühte. Der riesen Kamin mit dem grossen Geweih darüber schuf einen beeindruckenden Charakter im “Vortrags- und Workshop Raum”. Und es war ein schönes, aber auch ein bisschen anstrengendes Wochenende bei dem sich praktizierende Heiden (Pagans) und Interessierte trafen und Erfahrungen austauschten oder einfach lauschten.

Von Asatru bis Wicca waren verschiedene spirituelle Wege vertreten und die rund 50 Teilnehmer waren ein gemischtes Völkchen. Die Vorträge und Workshops waren sehr interessant und inspirierend und Flexibilität zeigte sich, als einWorkshop kurzerhand improvisiert wurde, da die eigentliche Verantwortliche einen bielanders thematisierten Workshop kurzfristig absagen musste. Marco Nektan – praktizierender und lehrender Künstler lokaler Bräuche in Serbien – sprang spontan mit einem aufbauenden Tanz-.und Runenmagie Workshop ein, der auch mir gute Impulse und Ideen gab. Und der uns ins Schwitzen brachte. Das machte Spass und ging tief. Darum geht es ja bei so einer Konferenz: Inspiration und Erfahrungsaustausch – und das ist durchaus gelungen. Dixyane – verantwortlich für den eigenständigen, Schweizer Bereich der Pagan Federation International – zeigte sich als hervorragende Organisatorin und alle Beteiligten halfen fleissig mit um diesen Anlass zu einem Erfolg zu machen.

Aber mal der Reihe nach:

Die Konferenz begann mit der Gründerin der PFI

Morgana, Wicca-High Priestess dritten Grades, die die Organisation und ihre Geschichte vorstellte, nicht ohne einige Anekdoten aus ihrem Leben und von ihrem Pfad zu erzählen. Dabei betonte sie die neue Offenheit dem Eklektizismus gegenüber und auch die Unabhängigkeit der einzelnen Länderbereiche des PFI, die autark unter dem grossen Schirm der Organisation walten können und dürfen. Es war spannend über die Anfänge Wicca’s aus erster Hand zu erfahren und auch den Beginn der organisierten, paganen Szene in Europa mitzuverfolgen, der alles andere als glatt lief und auf einige Widerstände stiess, auch von Seiten der Medien und Politik her.

Der anschliessend eigentlich geplante Workshop von Erdeule musste abgesagt werden, da die Verantwortliche mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte. Flugs wurde jedoch von Dyxiane und Marco Nektan ein Ersatz Workshop auf die Beine gestellt der mit Tanz und Gesang zu tun hatte und auf der Runenlehre basierte. Marko erwies sich als kompetenter Animateur der alle zum mitmachen verführte und interessante, künstlerische magische Praktiken mit den Runen vorstellte und sicher einige, darunter auch mich, in ihrer Praxis inspirierte. Es war ein lebendiger und dynamischer Workshop und nicht nur bei mir zeigten sich Schweissperlen auf der Stirn als wir ziemlich auf Trab gehalten wurden und ebenso einen kleinen Runenzauber darstellten. Dazu wurden einige Runenstadhas mit einbezogen. Doch besonders die Zeichenpraxis “in der Blase” hatte es mir angetan und hinterliess gute Ideen für die eigene Praxis…

Nach dem Lunch war er gleich wieder an der Reihe mit seinem eigentlichen Vortrag über die alte, europäische Hexerei und ihren Ursprung. Es war eine sehr interessante Reise durch die Anfänge des sogenannten Heidentums, die Völkerwanderung, die Rolle des Balkans innerhalb der Hexerei und ihrer Entwicklung sowie die relevanten Gottheiten und ihre Rolle auch in der heutigen Zeit. Gut dokumentiert mit einer Präsentation und durchaus fesselnd gestaltet.

keltischekostbarkeitenEs gab ein reiches Nachtmahl und eine Pause, die viele zur Kommunikation und zum Austausch nutzten.

Das Abendritual zu Ehren der – auch in der Schweiz bekannten – Bärengöttin war ein gelungener Höhepunkt mit Tanz, Chant und Feuer, dessen Magie sicher so manches Herz berührte. Etwas schade war, das einige wenige nicht daran teilnahmen und somit nicht alle dabei waren, aber für jene die an der Kraft dieses speziellen Aktes beteiligt waren, eröffnete sich ein kraftvoller Raum der Inspiration und der Gemeinsamkeit der von elfenhaften Stimmen und vokaler Mystik in die Nacht getragen wurde.

Danach liess man den Abend leise ausklingen.Die Nacht war speziell, aber das Schlafen im Schlafsack auf der Galerie des grossen Raumes stellte sich als witzig heraus. Vor allem da das Haus lebte und jeder Schritt unten im Raum ein Gewitter an Geräuschen hervorrief (Holzboden). Aber es erschien mir sehr “romantisch”, auch weil dann die ersten Regentropfen gegen das Dach plätscherten und die Nacht begleiteten.

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Nach dem Frühstück war ich als erster Vortrag dran

Das Thema: “Progressives Wicca” und so vertrat ich vor allem den eklektischen Pfad und referierte über die Entwicklung dieser Strömung und die Tiefe die sich hinter einem solchen Ansatz verbergen kann. Das ich bewusst den – bei Traditionalisten nicht immer beliebten – Scott Cunningham und seine Rolle mit einbezog erwies sich als guter Muntermacher. Doch etwaige Bedenken an einer Oberflächlichkeit eklektischer Hexen konnte ich ganz gut zerstreuen. Die Basis eines in Tiefe gelebten, modernen Wiccas und die Wichtigkeit der Initiation, die Sicht auf die Priesterschaft innerhalb eklektisch orientierter Zirkel sowie die Ethik an der sich auch die “freien Wiccas” orientieren liessen, wie mir die Reaktionen zeigten, auch so manche der Traditionellen ein wenig über die Sicht auf diesen Zweig innerhalb des Wicca-Baumes nachdenken und ich freute mich über die vielen Fragen und das wirklich gute Feedback. Das eine sehr sympathische Asatruar eine Anekdote freudvoll begrüsste, in der ich von Erfahrungen mit der Göttin Freyja erzählte, und sie diese Erfahrung mit jenen innerhalb Asatrus bestätigte und verglich, ehrte mich. Ich denke es ist in der heutigen Zeit, in der die pagane Szene ein wenig unter Auflösungsanzeichen und Unstimmigkeiten leidet, wichtig das man Brücken baut und zusammenhält denn weder ein eklektischer Pfad noch die Tradition ist vor Oberflächlichkeit und Motivationslosigkeit gefeit.

Nach einer kurzen Pause ging es  weiter mit Lily vom OBOD (Order of Bards, Ovates und Druids) und ihrem Vortrag über Ritual und die Strukturen dahinter. Mit einer “analogen Powerpoint Präsentation” (Insider) führte sie die Schritte und Elemente erfolgreicher Ritualarbeit vor und regte mit einigen Fragen zum Nachdenken an. Es war ein toller Vortrag der sich stimmig schloss und zum Schluss eine Verbindung erfolgreichen Rituals zum Jahreskreis zog, der sicher nicht jedem bewusst war und für bei manchem – auch bei mir – für ein Aha-Erlebnis sorgte.

pagan federation eventNach einem ebenso reichen Mittagmahl bei dem man sich noch einmal ausgiebig unterhielt und austauschte machte Nepthis (eineehemalige Covenschwester von mir im “Enchanted Forest Coven”) ihren fast schon akademisch präsentierten und vorgeführten Vortrag über die Göttin in der Schweiz, ihre Spuren, ihre Verehrung innerhalb anderer Religionen und den wieder erwachten Göttinnenkult. Sehr spannend präsentiert und aufschlussreich, vor allem auch sehr bodenständig und auf Fakten beruhend. So kamen wir alle wieder gut an und der Kreis schloss sich.

Das Aufräumen ging super vonstatten, da alle die noch anwesend waren – einige mussten sich aufgrund ihrer weiten Rückreise bereits früher verabschieden – super zusammenarbeiteten und flott putzten, wischten, Müll entsorgten und alles wieder in Ordnung brachten, damit die Räume in alter frische wieder übergeben werden konnten. Für das Gruppenfoto standen dann leider nicht alle zur Verfügung was aufzeigte, das der heidnische Weg immer noch von manchen im Verborgenen gelebt werden muss da man Konsequenzen fürchtet. (Quelle Bild: http://www.ch.paganfederation.org)

Die Küche leistete im Übrigen eine super Arbeit. Hungern musste niemand, im Gegenteil, und die keltisch inspirierten Gerichte labten Fleischesser und machten auch Vegetarier wie mich mehr als satt. Lecker waren sie ebenso! Es war eine Freude alte Freunde und Bekannte zu treffen, neue Freunde zu gewinnen und gleich- oder ähnlich Gesinnte kennenzulernen.

sheepLustig war, das ich als jemand der es an Seminaren gewöhnt ist viel und durchgehend reden zu müssen durch die Übersetzung immer Pausen machen musste. Ich hab es dennoch geschafft den Faden kaum zu verlieren. Und auch alle anderen – wie die Übersetzer selbst – leisteten diesbezüglich einen hervorragenden Job. Übersetzen ist nämlich ziemlich anstrengend und Dixyane leistete hier auch nonstop Arbeit und fand dann sogar noch die Kraft mich vor meinem Vortrag zu motivieren (fühl Dich umarmt, falls Du das hier lesen solltest)…

Ich finde es waren tolle Leute, ein super Team und ein wunderschöner, energetisierender Anlass… Gleichwohl war ich Montags dann etwas erschöpft. Fehlt halt doch einmal länger und einmal ausschlafen… Aber das war es in jedem Fall wert. Danke noch einmal an alle für die Arbeit und den tollen Anlass. Die Göttinnen und Götter leben. In und durch jede/n Einzelne/n und jene die sich für die alten Pfade in einer modernen Welt engagieren …


Dreamdancer


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