Beltane-Festival in Edinburgh

Ein Gespräch mit der Beltane Fire Society wurde uns in Artikelform von Jessica Eikmann als Artikelspende fürs WurzelWerk überlassen. Herzlichen Dank dafür!!

Jedes Jahr in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai spielen sich skurrile Szenen auf dem Calton Hill in Edinburgh ab: Menschen in schauerlichen Kostümen schleichen durch die Dunkelheit, Trommelschläge hallen über den Berg, hier und da sieht man Feuer aufleuchten. So wird jährlich der Sommerbeginn beim Beltane Festival gefeiert. Das Festival geht auf eine alte schottische/ irisch-gälische Tradition zurück. Hierbei wurde nicht nur der Sommeranfang, sondern auch die Fruchtbarkeit des Landes und der Tiere zelebriert.

Hierbei wurde nicht nur der Sommeranfang, sondern auch die Fruchtbarkeit des Landes und der Tiere zelebriert. Ein wichtiger Bestandteil des Festes ist das Element Feuer, von welchem auch das keltische Wort „Beltane“ (helles/heiliges Feuer) abgeleitet ist. In der modernen Auflage des Festes in Edinburgh, welches von der Beltane Fire Society ausgerichtet wird, stellen zahlreiche Künstlergruppen Akte nach, die auf einigen Aspekten des traditionellen Beltanes, aber auch auf anderen Mythologien basieren.


Die Beltane Fire Society und das Festival

Um mehr über den Ablauf und die Hintergründe des Festivals zu erfahren, fragt man am besten Matthew Richardson. Er ist der amtierende Vorsitzende der Beltane Fire Society, dem Veranstalter des Festivals, und gehört außerdem zu den „Blue Men“. Matthew ist einer der erfahreneren Performer, die für die Wahrung der Rituale und der Geschichte des Festivals und der Beltane Fire Society zuständig sind. Darüber hinaus kümmert er sich um das Veranstaltungsmanagement und die Abwicklung des Festivals.

„Das Festival wurde 1988 ins Leben gerufen und hatte drei Hauptziele. Zunächst wurde es gegründet, um die Traditionen der keltischen Kultur und die jahreszeitlichen Feste des Sonnenkalenders neu zu entdecken. Zweitens sollte ein Markt für Performance und Straßentheater mithilfe der Community von Edinburgh und Schottland geschaffen werden. Und schließlich sollten einige politische Angelegenheiten thematisiert werden, wie die Gesetze bezüglich Feiern, Demonstration und Aktivismus, die in den späten 1980er Jahren im politischen Rahmen des Vereinigten Königreichs existierten. Während dieses Ziel keine große Rolle mehr spielt, sind die ersten beiden auch heute noch von zentraler Bedeutung.“

Matthew beschreibt die Entwicklung des Festivals und der Beltane Fire Society wie folgt:

„Die Veranstaltung begann mit ungefähr fünf Performern und einem Publikum von etwa 30 Leuten. Heutzutage sind über 300 Performer beteiligt sowie ein Publikum von vielen tausend Menschen. Sowohl unsere Performer als auch der Vorstand der Beltane Fire Society sind Freiwillige. Wir sind eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel das Festival und seine Geschichte innerhalb der Stadt zu fördern.“


Das Fest des keltischen Sommerbeginns

Aber nicht nur die Geschichte der Beltane Fire Society spielt eine Rolle. Wichtig ist auch der geschichtliche bzw. mythologische Hintergrund dieser Tradition. Vor der Einführung des Kalenders wurde Beltane gefeiert, wenn im Frühling der Weißdorn zu blühen anfing. Alle Feuer im Dorf wurden gelöscht und durch ein neues, heiliges Feuer ersetzt. Dieses Feuer sollte sowohl den Dorfbewohnern als auch dem Vieh Schutz im kommenden Jahr gewähren. Das Beltane läutet im keltischen Kalender den Beginn des Sommers ein und wird als Fest der Fruchtbarkeit und des Lebens bezeichnet. Im Kontrast dazu steht das Samhuinn, welches den Anfang der kalten Jahreszeit kennzeichnet und mit dem Tod und den Verstorbenen assoziiert wird.

Beim Beltane Fire Festival in Edinburgh wird diese keltische Tradition aufgegriffen und mit modernen Elementen versehen. Die Akteure tragen skurrile Kostüme, die teilweise mehr zeigen, als verhüllen. Neben den Hauptcharakteren, der „May Queen“ und dem „Green Man“ sind die übrigen Performer in Gruppen unterteilt, die verschiedene Eigenschaften und Elemente des Brauchtums darstellen. Es gibt unter anderem „Blue Men“, „White Women“ sowie die Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft. Die Geschichte, die in der Beltane-Nacht aufgeführt wird, ist jedes Jahr die gleiche, die Performance sowie kleine Details variieren jährlich.


Im Gespräch mit Maria Gonzalez – Perfomerin der Reds

Zu einer dieser Gruppen gehört auch Maria Gonzalez. Die gebürtige Spanierin ist Performerin bei den „Reds“, kommt ursprünglich aus Madrid und lebt seit einigen Jahren in Edinburgh. „Ich liebe es hier!“, sagt sie über ihr Leben in der schottischen Hauptstadt. Ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft in der schottischen Hauptstadt lernt sie ein Mitglied der Beltane Fire Society kennen.
Beeindruckt vom Festival und den Performern ist sie zwei Jahre später schließlich selbst mit dabei. Maria, die wie die 15 anderen Gruppenmitglieder in der Beltane-Nacht nur mit roter Farbe und einem Tanga bedeckt auftritt, beschreibt die Eigenschaften bzw. Besonderheiten und ihren Part bei den „Reds“ wie folgt:

„Wir sind die sprühende Energie und die Fruchtbarkeit, die alles zum Leben erweckt, wenn der Frühling kommt. Die Roten sind chaotisch, freiheitsliebend und frech. Wir bilden menschliche Pyramiden und treiben Unfug. ;)“

Auf die Frage, ob sie sich selbst mit diesen Eigenschaften identifizieren kann, antwortet sie mit einem klaren „Ja“: „Es ist so viel von den Roten in mir. :-) Wenn man einmal mitgemacht hat, bleibt es an einem haften.“ Gleichzeitig fügt sie aber hinzu, dass das Beltane Festival und die Teilnahme daran für jeden eine andere Bedeutung habe und dass man ihre Erfahrungen nicht verallgemeinern könne. Auf jeden Fall sei es ein überwältigendes Ereignis, welches einen verändert. Als besondere Erfahrung beschreibt sie hierbei die Interaktion mit dem Publikum.

„Die Performance ist das, was man sieht, aber es die Reise, um die es beim Beltane wirklich geht.“

Aber nicht nur für Maria, die erst seit zwei Jahren bei dem Festival mitwirkt, ist es ein unvergleichliches Erlebnis, auch Matthew ist nach langjähriger Erfahrung immer noch begeistert vom Spirit des Festivals: „Seit ca. 14 Jahren wirke ich schon als Performer bei der Beltane Fire Society mit und ich hoffe, dass ich noch viele weitere Jahre dabei sein kann!“

Einen wesentlichen Faktor des Beltane-Spirits machen für Maria die Vorbereitungen aus:

„Unsere Vorbereitung besteht aus zwei Monaten intensiven Training, physisch sowie mental. Auch eine Verbindung untereinander muss geknüpft werden. Die Beltane-Nacht ist sowohl körperlich als auch mental eine Herausforderung: Die Bemalung, das Feuer und der Rest der Gruppe, das alles fesselt einen auf magische Weise. Zwei Monate so eng mit 15 anderen Leuten zusammen arbeiten, das bedeutet sich selbst und andere zu fordern und daran zu wachsen. Und dann, in der Nacht des Festivals, macht man die überwältigende Erfahrung zu den Roten zu gehören und den Keim des Lebens zu verkörpern. Akrobatik ist ein wichtiger Teil davon, es ist die Ordnung im Chaos. Außerdem bedarf es Vertrauen in sich selbst und in die Gruppe.“


Ein Blick in die Zukunft

Aber nicht nur die Vorbereitungen der Gruppen, sondern auch die Organisation des Festivals nimmt viel Arbeit in Anspruch, denn die Beltane Fire Society ist sowohl für das Beltane- als auch für das dazugehörige Samhuinn-Festival verantwortlich. Matthew spricht über die Finanzierung der beiden Veranstaltungen:

„Als gemeinnützige Organisation sind wir natürlich nicht auf Profit aus, um aber die die Kosten für beide Festivals und die jährlichen Ausgaben der Beltane Fire Society zu decken, müssen wir inzwischen einen zweigleisigen Weg fahren: Während Samhuinn eine Gratis-Veranstaltung ist, nehmen wir für Beltane Eintritt. Auf diese Weise sind die Finanzierung beider Festivals, die jährlichen Verwaltungsgebühren und die Kosten für Öffentlichkeitsarbeit gedeckt.“

Etwaige Pläne, Beltane in Zukunft auch in anderen Ländern oder Städten aufzuführen gibt es derzeit nicht. Matthew berichtet, dass die Veranstaltung im Moment noch fest in Edinburgh verwurzelt ist. Er verweist jedoch auch darauf, dass viele ehemalige Beltane-Performer aus Edinburgh weggezogen sind, die Ideen und Rituale des Festivals mitgenommen haben und diese inzwischen auch bei anderen Gruppen und Veranstaltungen einfließen lassen.

Als zukünftiges Ziel hat sich die Beltane Fire Society jedoch gesetzt auch mit anderen Standorten zusammen zu arbeiten, um den kulturellen Austausch zu fördern. „Hierzu könnte man andere Gruppen einladen und in unser Festival einbinden im Gegenzug könnten sich unsere Performer an ihren Events beteiligen“, schlägt Matthew vor.


(…) anstatt der berühmt-berüchtigten letzten Worte

Zum Schluss gibt Maria noch einen Tipp, was man als Zuschauer beim Festival beachten sollte:

„Das Festival ist auf jeden Fall beeindruckend, aber wenn man nicht weiß, was genau vor sich geht, ist es sehr wahrscheinlich, dass man viel verpasst. Dort sind 12.000 Zuschauer und 300 Performer auf einem Hügel. Wenn man kommt, sollte man sich vorher informieren wann man an welchem Schauplatz sein sollte.“


Weitere Infos zum Beltane-Festival:

Wer plant, sich das Beltane in Edinburgh vor Ort anzuschauen, sollte dafür unbedingt die Feierlichkeiten im nächsten Jahr in Betracht ziehen. Denn 2012 feiert man das 25-jährige Bestehen des Festivals:
Offizielle Website der Beltane Fire Society
Flickr Fotostream der Beltane Fire Society
Interview Maria Gonzalez (englisch) als PDF-Dokument
Interview Matthew Richardson (englisch) als PDF-Dokument


Jessica Eickmann


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