Die Erschaffung einer Welt

Wie erschafft man ein komplettes fiktionales Universum ohne Budget oder vorhandenes Equipment? Ganz klar: mit Magie! Bernhard (der auch schon Vortragender auf den ehemals vom WurzelWerk organisierten MerryMeet Festivals war) hat uns einen Einblick in die Produktion DES österreichischen privatinitiativen Filmprojekts geschrieben - vielen Dank dafür!

Der Größenwahn

Wenn der Pilotfilm zur ersten österreichischen Mystery-Serie mit dem Titel PANTHERION – Reality Is Debatable am 29. März 2012 in Graz seine Premiere feiert, sind ganze zweieinhalb Jahre seit meiner ersten Idee dazu vergangen. Und keiner hätte sich damals auch nur träumen lassen, was wir da auf die Welt und uns selbst loslassen würden! Ursprünglich wollten wir in ein paar Wochen einen simplen viertelstündigen Kurzfilm fürs Internet drehen, um a) eine Geschichte zur Abwechslung mal in Graz spielen zu lassen und b) das Genre der Phantastik bei uns wiederzubeleben.
Als wäre das nicht schon hochgegriffen genug, wuchs das Ganze jedoch innerhalb kurzer Zeit zu einem multimedialen Großprojekt an, das mittlerweile folgende Früchte getragen hat: ein 160minütiger Pilotfilm, fertige Drehbücher für die erste Staffel, ein Hörspiel, mehrere Groschenromane, Konzepte für Spin-Offs, Comics und ein Pen&Paper-Rollenspielsystem sowie ein gut besuchter Blog über die Hintergründe.
Wenn mir jemand aus der Branche erzählt hätte, daß er all dies ausschließlich mit Laien verwirklichen will, hätte ich ihm … sagen wir mal, freundlich empfohlen, etwas Realistischeres zu unternehmen. Daß es dennoch geklappt hat, verblüfft mich also selbst jeden Tag aufs Neue und ist der Anlaß, einmal aus dem Nähkästchen einer Produktion zu plaudern, die’s so garantiert noch nie gegeben hat!

 
Die Dreharbeiten erforderten ständige Bereitschaft zur Improvisation

 

Der Entwurf

Von Anfang an war klar, daß wir uns stark auf lokale Eigenheiten konzentrieren wollten: Historische Ereignisse in Graz würden eine ebenso große Rolle spielen wie literarische Bezüge. Und als Liebhaber klassischer Horror-, SF- und Conspiracy-Themenkomplexe war es daher nur folgerichtig, uns der Aktivitäten jener geheimen Organisation namens PANTHERION anzunehmen, die in der steirischen Landeshauptstadt seit Jahrhunderten paranormale Vorfälle untersucht und die Menschheit vor dem Zusammenbruch der Realität beschützt.
Der Name der Gruppierung leitet sich, wie wir herausfinden konnten, von unserem Wappentier ab, dem Panther, dessen heidnische Symbolik in der Etymologie zu finden ist: Ursprünglich war es nämlich ein aus mehreren Tieren zusammengesetztes, bocksähnliches und gehörntes Mischwesen, ein All-Tier, griechisch: Pan Therion.
Ich übernahm Gesamtkonzept und Drehbuch (für das sich mit Lilo Wachter bald eine geniale Co-Autorin fand), der Grazer Künstler und Graphic Novelist Jörg Vogeltanz die Regie. Dazu konnten wir gleich zwei befreundete Komponisten für Soundtrack und Score gewinnen. Aufgrund der Tatsache, daß wir keine Profi-Schauspieler für das verrückte Vorhaben auftreiben, geschweige denn bezahlen können würden, beschlossen wir, die Rollen ganz unverschämt einfach selbst zu spielen und aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sowie der Magie- und Heidenszene zu besetzen (aus der übrigens viele vom Start weg Feuer und Flamme waren)! Darüber hinaus entschieden wir uns auch – wie in britischen oder amerikanischen Serien üblich –, unseren normalen Dialekt zu sprechen.
Und noch eines war von vornherein klar und überaus wichtig – ein Motto, an das wir uns die ganze Zeit über so gut wie möglich gehalten haben: „Jeder tut nur das, was ihm Spaß macht … und wenn nichts draus wird, haben wir halt ein paar Wochen lang Spaß gehabt.“

 
Steirischer Panther, wie er sein sollte


Die Durchführung

Da ahnte jedoch noch keiner, wie sehr die Sache an Umfang zunehmen und unsere Zeit und Energie beanspruchen sollte. Und das war auch ganz gut so! Ich nehme an, wenn wir gewußt hätten, was da auf uns zukommen würde, hätten wir’s gleich bleiben lassen.
So aber machten wir uns eifrig an die Arbeit, getrieben von einer Begeisterung, die bis heute anhält und inzwischen immer mehr Menschen angesteckt hat. Ich saß nächtelang vorm PC, um die erhaltenen Informationen über Charaktere und Begebenheiten zu einem dramaturgischen Ganzen zu weben. Daraus wurden Wochen und Monate des Drehbuchschreibens und gleichzeitigen Planens und Organisierens: Foto-Shootings, Location-Scouting, Leseproben, Schauspiel- und Kampf-Training, Drehplanerstellung, Einholen von Dreherlaubnissen, Set Decoration, Requisiten, Maske, Kostüme … wofür es normalerweise ganze Preproduction-Abteilungen gibt, mußte allein vom Kernproduktionsteam koordiniert werden, das man zu diesem Zeitpunkt gerade mal an einer Hand abzählen konnte.
Doch auch alle anderen Beteiligten brachten sich auf bewundernswerte Weise ein und sowohl Behörden als auch Ansprechpartner vor Ort unterstützten das idealistische Projekt mit einer Bereitschaft, die uns schon fast unheimlich erschien. Ein besonderer Geist schien so gut wie alle ergriffen zu haben. Und das meine ich wörtlich.
Fast alle im Team praktizieren auf die eine oder andere Weise Magie; es lag also nichts näher, als ein gemeinsames Ritual zu begehen, bevor es in die „heiße“ Phase ging. Wir riefen Pan Therion an und baten um seinen Segen für die Produktion. Und was soll ich sagen? Es ergaben sich an nahezu jedem Drehtag Fügungen und Synchronizitäten, die uns nur demütig „Danke Pan Therion!“ sagen ließen.
Trotzdem gab’s natürlich mehrere teils massive Schwellenhüter, die auf den Plan traten und unsere Flexibilität und Bereitschaft, loszulassen, auf strenge Weise einforderten. Mehr als einmal schien es, daß wir die Sache komplett vergessen konnten. Eine Woche vor Drehbeginn war das Haupt-Set beispielsweise nicht einmal ansatzweise hergerichtet, wir hatten weder Kamera noch sonstiges Equipment, und als es richtig losging, noch keinen Kameramann! Dafür tauchten dann bei Drehbeginn gleich zwei auf. So war es häufig: In allerletzter Minute ergaben sich neue Wege oder Kontakte, die ein Weitermachen überhaupt erst ermöglichten.
Die Story an die Gegebenheiten und quasi nicht vorhandenen finanziellen Möglichkeiten anzupassen und ihr dennoch treu zu bleiben, war eine andere große Herausforderung. So existierte etwa ein fertig geschriebener Comic, dessen Szenen unserem Regisseur aber so gut gefielen, daß er sie stattdessen als Rückblenden ins Drehbuch eingearbeitet haben wollte.
Die immense Eigeninitiative, die das Ganze von Beginn an getragen hatte, sollte Programm werden – bald merkten wir nämlich, daß nichts mehr funktionierte, wenn wir versuchten, mit Profis zusammenzuarbeiten. So entstand ein Werk, das praktisch ausschließlich von Liebhabern gestaltet wurde. Bis auf zwei Ausnahmen wurden alle Szenen in Graz und direkter Umgebung gedreht. Und wer schon einmal bei so einem  Independent-Film mitgemacht hat, wird es kaum glauben können, daß wir es geschafft haben, sage und schreibe 50 Drehtage ohne Streit und Verletzungen über die Bühne zu bringen. Dafür kann ich mich bei unserem verläßlichen Team, allen Darstellern (es waren insgesamt über 90!) und natürlich Pan Therion nur aus tiefstem Herzen bedanken.

 
Sonnenaufgang über Graz: Viele Stunden Dreh
für ein paar Sekunden Zeitrafferaufnahme
am Beginn des Films


Das Wagnis

Wir hatten für alles nur eine Kamera, zwei Scheinwerfer und ein Mikro … im Grunde genommen ein Witz. Manchmal wußten wir am Tag vor einem aufwendigen Dreh noch gar nicht, wo dieser überhaupt gemacht werden sollte. Und so weiter. Nach Abschluß der Dreharbeiten war ich an der Grenze zum Burn-Out.
Man wird dem Pilotfilm natürlich ständig ansehen, daß es ein Amateur-Projekt ist; aber vielleicht macht gerade das (neben den vielen Referenzen und popkulturellen Anspielungen) seinen Charme aus … wir werden sehen, wie er letztlich ankommt. Gedacht ist er jedenfalls als Visitenkarte: Wir wollen zeigen, was uns ohne nennenswertes Budget möglich war – und hoffen, daß sich ein Produzent findet, der uns dabei unterstützt, die Geschichte der Organisation sowie ihrer Partner in anderen europäischen Städten weiter zu erzählen.
Abgesehen davon gibt’s ja noch eine weitere Schiene innerhalb des PANTHERION-Universums! Mit der edition preQuel > grotesque findet gerade die Wiederbelebung des guten alten Romanhefts statt. Melchior v.•. Wahnstein schreibt die Reihe OMEN über die Ereignisse vor dem Pilotfilm und Zoë Angel & Charly Blood starten MORBUS, das in Wien in den 80ern spielt. So. Wenn jetzt noch jemand wissen möchte, weshalb in allen Welten ich mir das alles zumute, dann kann ich nur sagen: It’s magic.

Näheres über die Präsentation des Pilots in Wien findet Ihr hier!


Bernhard


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