Betreuung gesucht für WurzelWerk's
Open Pipe

Kalt ist es und die Nacht zieht sich über Wien zusammen. Hinter den bunten Vorhängen des Seminarraums, wird in gemütlich plaudernder Runde die erste Salbei-Räucherung für die bevorstehende Pipe Ceremony entzündet.

Ein gemütlicher Seminarraum mit Küche, aus der frischer Tee duftet. Eine fröhlich plaudernde Runde an Menschen, die es sich auf dem Boden des Zimmers mit Polstern bequem machen. Vor einigen der Personen liegen dicke Bündel auf dem Boden, die eigentlichen Stars des heutigen Abends. Heute findet nämlich wieder einmal die monatliche Open Pipe Ceremony statt. Mit dabei die Ceremonial Pipe SeaHawk, Großmutter Moon-Pipe, welche sich ganz besonders an Frauen während ihrer Menstruation richtet, sowie einige Persönliche Pipes mit ihren „Trägern/Hütern“.


Was ist eine Pipe Ceremony?

Im Zentrum der Zeremonie steht das Gebet, sowohl der persönliche Wunsch als auch der gemeinsame Gedanke. Wie eine solche Zeremonie ist, kann man nicht erklären, man sollte es erleben und selbst erfahren. Genauso-wenig kann man erklären, was eine Pipe ist. Sie ist in jedem Fall ein eigenes Wesen, ein weiser Spirit, ein Kontaktweg zu den Göttern. Bei einer Pipe Ceremony wird eine Ceremonial Pipe mit Tabak bzw. „Kinnick Kinnick“ (besonderen pipeKräutermischungen) und Gebeten beladen, bevor sie angezündet wird. Der Rauch, den man aus-bläst, wenn man an ihr zieht, stellt eine Verbindung zum göttlichen her und kann als Transport für Segenswünsche und wie gesagt Gebete genutzt werden. Diese Kommunikation findet aber nicht nur in eine Richtung statt, sondern in beide. Durch die Pipe kommunizieren die Spirits auch mit dem Menschen.


Wie läuft so etwas ab?

Wir sitzen in einer Runde und Changing Man, welcher die Zeremonie leitet, scherzt mit den Anwesenden, während er sein Pipe-Bündel entrollt und seine wichtigen Gegenstände fürsorglich platziert. In einer Muschel entzündet er eine Räucherung aus Salbei, die im Kreis weitergereicht wird, damit jeder sich reinigen kann. Das Thema der heutigen Ceremony ist das neue Jahr. Was wünschen wir uns? Was brauchen wir? Ein Mädchen aus der Runde hat ein Anliegen, sie denkt an die Menschen, die in Australien an den Überschwemmungen leiden. Wir sprechen über die Natur, was sie uns sagen möchte. Changing Man erzählt uns, dass der Nordpol sich von seinem ursprünglichen Ort wegbewegt hat – ein deutliches Zeichen, dass die Welt sich verändert und im Umbruch befindet. Wir Menschen nehmen die Erde als etwas festes, konstantes wahr – das ist sie aber nicht. Sie lebt und verändert sich, wie jeder von uns, und dem müssen wir uns alle gewahr werden. Wir diskutieren darüber, dass man, wenn man in starker Verbindung mit der Natur lebt, gewisse Zeichen deuten lernt. Wenn Gefahr näher rückt. Ein wichtiges Zeichen sind die Tiere, denn sie bemerken als Erste, wenn etwas nicht in Ordnung ist und verhalten sich dementsprechend. Deshalb ist es wichtig, sich der Welt, in der man lebt nicht abzugrenzen, sondern sich ihr anzunähern. Die Natur kennen lernen und sie achten, denn sie lehrt einen sehr viel, wenn man zuhören will.

Und so werden wir heute für das Gute beten – für die Menschen 2011. Während Changing Man seine Pipe über den Kopf erhebt, sie vereint und in Cherokee sagt, dass wir alle miteinander verbunden sind, wird das plaudern allmählich weniger, bis alle sich auf das Ritual eingestimmt haben. Dann beginnen die Pipe Carriers ihre Pfeifen mit Tabak und Gebeten zu beladen. Jede Prise Tabak wird in eine andere der sieben Richtungen gehalten und mit einem Gebet besprochen, bevor sie in die Pipe kommt.

Wichtig und spannend ist hierbei zu bemerken, dass es nicht ein generelles Tempo gibt. Jeder von den „Trägern“, der seine Pipe heute lädt und entzündet, tut dies in einem anderen Tempo, genauso wie es für ihn richtig und passend erscheint. Als Besucher kann man dabei zusehen und die Wünsche, die man selbst im Herzen trägt in die Ceremonial Pipe geben, während sie geladen wird.

  handgefertigte Pipe von Changing Man
handgefertigte Pipe von Changing Man

Das Feuer entzünden

Die erste Pipe wird entzündet. Changing Man bläst den Rauch in die Himmelsrichtungen und beginnt dann mit der Pipe den Kreis abzuschreiten. Jeder Anwesende darf an der Pipe ziehen, sofern er möchte – alternativ kann man sich von ihr auch die Schultern berühren lassen. Auch die anderen anwesenden Pipes gehen die Runde, gehalten von ihren Hütern.

Manche von den Pfeifen werden heute geraucht, andere nicht. Während die Ceremonial Pipes sich den Menschen und Gruppen widmen und deshalb meist auch nach großen Zeremonien streben, gibt es im Wiener Kreis auch persönliche Pfeifen. Diese haben zu einer bestimmten Person gefunden, welche sie unterstützen wollen und mit welcher sie gemeinsam lernen möchten. Diese Menschen nennt man Träger, so wie auch die Zeremonienleiter Träger oder „Pipe Carrier“ sind. Im Kreise einer Pipe Ceremonie können solche Träger den richtigen Umgang mit ihrer Pipe lernen und die Pipes zusammen wirken. Eine persönliche Pipe ist jedoch ein wenig anders. Es kann sein, dass jemand sein Bündel nicht entpackt und die Pipe nicht raucht, sondern einfach mit ihr anwesend ist. Es kann auch sein, dass eine Personal Pipe entzündet wird, aber nicht in die Runde geht, oder nur von bestimmten Personen geraucht werden möchte. In einem solchen Fall darf man sich nicht beleidigt fühlen oder ausgegrenzt. Es ist nichts persönliches und vor allem keine Beleidigung.

Nachdem alle ihre Runde beendet haben, rauchen die Pipe Träger meist gegenseitig an den Pfeifen der anderen und beatmen diese mit Rauch um sie zu ehren. Manche Pfeifen sind auf dem Weg durch die Runde vielleicht schon ausgegangen, manche müssen noch fertig geraucht werden. Eine Pipe wird nicht nach gestopft. Wenn der Tabak aus ist, ist die Zeremonie zu Ende. Manchmal geht das sehr schnell, manchmal geht es sehr langsam – und natürlich kann es sein, dass nicht jeder in der Runde mehr dazu kommt zu rauchen.

Nachdem die Runde beendet ist und die Pipe ausgeraucht, hält Changer seine Pipe wieder über den Kopf und sagt auf Cherokee, dass wir alle miteinander verbunden/verwandt sind. Er trennt die beiden Teile der Pipe und macht sich daran diese zu reinigen. Die Reste des Tabaks werden in ein Stoffbeutelchen gegeben und oftmals jemandem übergeben, der sie dann in die Natur bringen soll – oder wo auch immer er sonst das Gefühl hat sie hinbringen zu müssen. Die Pipes werden wieder in ihre Bündel eingewickelt und manche der Anwesenden beginnen bereits damit eine Decke aus zu rollen und Essen in der Küche aufzuwärmen.

Nach einer kurzen Koch- und Zigarettenpause (ja, die gibt’s sogar nach einer Pfeifenzeremonie noch) wird dann gemeinsam gegessen. Jeder, der hier ist, hat etwas mitgebracht – das ist wichtig, denn jeder hat so etwas beigetragen und teilt mit den anderen. Natürlich wird schon wieder rege geplaudert und gescherzt, sowie gegessen bis alle satt sind und das Ganze dann natürlich auch wieder aufgeräumt ist – denn wir wollen den Raum so verlassen, wie wir ihn zuvor aufgefunden haben. Und so machen wir uns satt und schon ein bisschen müde auf den Heimweg – eine große Gruppe an Menschen wandert Richtung Straßenbahn. Und mit ihr, die Pipes. Heute Nacht und die kommenden drei Nächte, werden wir alle auf unsere Träume acht geben. Denn diese sind nach einer solchen Zeremonie besonders aussagekräftig und können Einblick in die Zukunft geben.

 
Pipes auf der
Sitting Bull Ausstellung


Zum Abschluss noch ein bisschen Informatives

Natürlich kann jeder, der gerne einmal eine solche Ceremony erleben möchte dazukommen und dabei sein. Über www.goodmedicine.at erfährt man den monatlichen Termin der Ceremony, sowie einige wichtige Hintergrundinformationen zur Pipe. Die Ceremony kostet nichts, außer Zeit und Widmung, ein klein wenig Essen als Mitbringsel für die Tafel und einem freiwilligen Obulus für die Raummiete.

Es gibt außerdem ein paar Dinge, die man beachten sollte, wenn man kommt. So sollte man beispielsweise einen Tag vor und nach der Ceremony keinen Alkohol zu sich genommen haben und auch keine Drogen, um sich auf das Ritual gut einzustimmen und persönlich Widmung zu zeigen.

Wie am Anfang schon angesprochen gibt es eine eigene Moon-Pipe in Wien. Ist diese Pipe anwesend, ist sie diejenige, die man als Frau während der Menstruation rauchen darf. Während der Mens ist die Frau nämlich von einer so starken Reinigungskraft durchdrungen, dass es vorkommen kann – sollte sie eine „normale“ Pipe rauchen – dass sie den innewohnenden Spirit heraus reinigen könnte. Die Moon Pipe jedoch ist stark genug dieser Reinigungskraft standzuhalten und mit einem sehr mütterlichen Feeling Halt zu geben. Es ist auf jeden Fall eine sehr schöne Sache und natürlich gibt es auch die Chance einen reine Mens-Ceremony zu machen, wenn mehrere Frauen in ihrer Menses dort anwesend sind. Das ist auch der Grund, warum vor jeder Ceremony die vielleicht einschüchternde Frage gestellt wird, ob jefrau gerade ihre Menstruation oder „Moon-Time“ hat.

Wie bereits gesagt sollte man etwas mitbringen, um mit den anderen zu teilen, wenn es ans Essen geht. Es ist aber auch üblich, dass man dem Veranstaltenden der Zeremonie einen Dank entgegenbringt – wie auch immer dieser aussehen mag. Ob es ein Wort, eine Geste oder ein physisches Geschenk ist. Für all jene, die ein bestimmtes persönliches Anliegen haben und dies dort bearbeiten möchten, sollte dies als „Gegenleistung“ für die Fürbitte beim Schöpfer gemacht werden, und ebenso für die Pipe, die sich dieses Wunsches annimmt.


Weitere Informationen, Beantwortung von Fragen oder persönliche Terminvereinbarung unter
www.goodmedicine.at– oder über facebook bzw. pipe[ät]goodmedicine.at, moonpipe[ät]goodmedicine.at


Shina Edea


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