Unser erstes großes Beltane-Gruppenritual

Seit 2008 lädt „Mondelfe“ zum Beltanefest in die Burg. Bis heuer gab es immer jede Menge Workshops und Vorträge. Aber so ein großes, gemeinsames Ritual, bei dem alle mitmachen und vielleicht auch noch um den Maibaum tanzen, gab es noch nie. Da Doris und meine Wenigkeit fanden, dass sich so etwas für so ein Treffen wie dieses gehört, machten wir uns an die Planung.

Wir rechneten mit ca. fünfzig Besuchern. Jeder der wollte, sollte beim Ritual mitmachen können. Deswegen entschlossen wir uns, die Teilnehmer in vier Gruppen zu teilen. Um die Gruppen koordinieren und das Ritual steuern zu können, sollte es Gruppenleiter geben. Ihnen oblag die grobe Planung des Rituals. Die Teilnehmer sollten sich um die Details kümmern.

Bubblebeltane_2010_039Die allerherrlichste Mondelfe, in ihrer Funktion als Organisatorin des Treffens, zog Gyan, Anisai, Wolf und Phoenix in ihr Vertrauen, die gerne die weitere Ausführung des Rituals übernahmen. Die Vier gaben dem Ritual das Thema „die fünf menschlichen Sinne“. Die Teilnehmer des Beltane-Rituals sollten eine Reise durch ihre eigene Wahrnehmung machen und sozusagen mit all ihren Sinnen genießen und erfahren.

Die Sinne wurden den Elementen zugeordnet:

Norden – Erde – Fühlen
Osten – Luft – Hören
Süden – Feuer – Sehen
Westen – Wasser – Schmecken und Riechen

Beim alljährlichen Eröffnungsritual des Festes wurden die Teilnehmer über unser Vorhaben informiert. Die, die am geplanten Ritual teilnehmen wollten, durften sich eine der vier Gruppen wählen und bekamen ein Holzscheibchen mit dem eingebrannten Symbol ihrer Gruppe in die Hand gedrückt. Nach dem Eröffnungsritual ging es für die Gruppen in ein getrenntes Brainstorming. Jede Gruppe war zwischen sechs und zehn Personen stark. Insgesamt waren in die Vorbereitungen geschätzte 35 Personen involviert. Jeder so tief und fleißig, wie er oder sie wollte. Zwischen den Arbeiten an dem Ritual blieb für jeden genug Zeit für andere Beschäftigungen. Der soziale Teil des Treffens sollte ja auch nicht zu kurz kommen.

Baum2beltane_2010_043Um das Ritual auszugestalten bekam jede Gruppe eine Aufgabe,
die zu ihrem Element passte

Der Norden hatte die Aufgabe, einen Barfuß-Pfad zu bauen. Der Pfad führte entlang des Kreises und jeder Teilnehmer musste ihn im Uhrzeigersinn einmal komplett durchschreiten um in den Innenkreis zu gelangen, in dem das Ritual stattfand. Auf diese Weise wurde sozusagen der Schutzkreis von den Besuchern selbst gezogen. Auf diesem Barfußpfad wurden verschiedene Dinge aufgelegt, die sich alle verschieden anfühlten: Trockene Blätter, frische pelzige Blätter, Löwenzahnblüten, Labkraut, Blütenstaubwürstchen, eine Decke, „Wiese“, Sägespäne, Steine, Sand, Schlamm, Wasser, Äste mit Blättern und trockene Äste, Fichtenäste, ein dicker Baumstamm und zum Schluss morsches Holz. Es gab auch zwei Stationen zum Fühlen mit den Händen, dort konnte empfindliches Moos und in Sägespäne verstecktes Gemüse betastet werden. Auf diese Weise wurde die Erde „erfühlt“.

Die Gruppe des Ostens, des Hörsinns, hatte die Aufgabe, Musikinstrumente aus Naturmaterialien zu bauen. So gab es ein riesengroßes Baumstammxylophon, Astratschen, Blattpfeifen, Steinklappern, und ein nicht ganz so natürliches Dosenschlagzeug mit Dosenrassel. Die Gruppe war auch für die musikalische Untermalung des Rituals zuständig. Sie machten die Natur hörbar und den Hörsinn er-fühlbar.

Der Süden, das Sehen, hatte eine wahrhaft phallische Aufgabe. Ihnen oblag es, den Maibaum zu errichten (mit etwas Hilfe von außen) und den dazugehörigen Bändertanz einzustudieren. Sie banden zudem den zum Baum gehörenden Kranz und schneiderten gelbe und rote Bänder – passend zum Element Feuer.

Der Westen, der aus einfachen Gründen neben dem Geruchs- auch den Geschmackssinn verkörperte, war für die lukullische Ausstattung des Rituals zuständig. Gyan tobte sich mit der Gruppe so richtig aus. Es gab: Stöckchenbrot, in das Früchte und Kräuter eingebacken waren und  Topfenaufstrich mit frisch gesammelten Kräutern, selbst gemachten Löwenzahnhonig, Waldmeisterbowle, und als Krönung: penisförmige Kuchen mit weißem Pudding gefüllt. Bis auf den Kuchen wurden alle Sachen vor Ort am Lagerfeuer zubereitet, sogar der Pudding. Und ich muss sagen: Es war ein Genuss!

Essenbeltane_2010_042

Die letzte Besprechung und los geht´s

Am Samstag Nachmittag fanden sich die Gruppen zu einer letzten Besprechung zusammen. Das Ritual wurde durchbesprochen und letzte Abstimmungsarbeiten am Ablauf und Aufräumarbeiten am Ritualplatz durchgeführt. Gleich im Anschluss daran ging es an die energetische Reinigung des Platzes. Der wurde während der gesamten Zeit des Festes genutzt und sollte nun auf seine Aufgabe vorbereitet werden. Der Maibaum stand bereits in der Mitte, rund um ihn am Boden ein dreißig Meter langes Seil, welches den Innenkreis markierte.

Die Reinigung war ebenfalls Aufgabe der vier Gruppen. Jede erledigte dies auf ihre Art und Weise. Das Wasser ging entlang des Kreises und bespritze diesen mit seinem Element. Luft benutzte die selbst gebauten Instrumente und vertrieb mit möglichst großem Lärm alle unerwünschten Energien. Feuer verbrannte selbst gemachtes Räucherwerk und nebelte uns so richtig ein. Und für die Erde jagten und peitschten die Gruppenteilnehmer sowohl den Platz als auch sich gegenseitig in wildem Chaos mit Buchenzweigen.

Dann begann die Gruppe des Fühlens, Erde mit aufwendigen Aufbauarbeiten: Vier „Steinmandeln“ markierten die vier Eingänge in den Barfuß-Fühl-Parcours. Die vier Eingänge waren den vier Gruppen zugeordnet. Die Teilnehmer des Rituals durften sich einen der vier Eingänge aussuchen. Die Gruppe am jeweiligen Eingang reinigte die Teilnehmer wiederum nach ihrer spezifischen Methode. Zwischen den Eingängen wurden die oben beschriebenen Fühlstationen eingerichtet. Im Norden gab es noch einen kleinen Erdaltar. Zwei Fackeln markierten den Eingang des Feuers im Süden, wo auch noch ein Kessel mit brennendem Beltane-Feuer bereitgestellt wurde. Im Westen wurde das reichliche Buffet aufgetragen, während im Osten die Musikinstrumente spielbereit gemacht wurden. Dann ging‘s los.

Die Teilnehmer versammelten sich bei den Eingängen, drehten eine Runde im Kreis, fühlten und nahmen im Inneren Platz. Zuletzt wurden die Speisen unter den Baum gestellt. Dann begann der Osten mit seiner Darbietung – welche, vielleicht geplant oder auch nicht, mit ein paar Minuten angenehmer Stille begann. Den Höhepunkt erreichte die musikalische Darbietung als sich die Hören-Gruppe an ihren Instrumenten so verausgabte, dass die Dosenrassel wie auch zwei der Steinklappern beinahe im selben Moment zerbrachen. Dann wurden die Köstlichkeiten verteilt und verspeist. Jeder Teilnehmer hatte hier auch die Möglichkeit, einen Teil davon oder etwas Mitgebrachtes in ein spezielles Gefäß zu opfern, das nach dem Ritual den Wesen des Waldes dargebracht wurde. Mit einigen klebrigen Fingern wurden dann die Bänder für den nun folgenden Bändertanz gefasst. Die dazu gehörige Musik wurde wieder von der Hören-Gruppe geliefert. Wer wollte, konnte sich bei einem der Feuer-Element-Tänzern „anhängen“ und mittanzen. Das taten natürliche viele. Je länger der Tanz dauerte, desto mehr Band wurde um den Baumstamm gewunden und geflochten. Dadurch wurden die Bänder natürlich kürzer und das Gewusel unter dem Baum enger. Zum Schluss wurde noch getanzt und gejubelt, ehe ein Teilnehmer nach dem anderen über das Beltane – Feuer sprang und einen Zettel mit einem Wunsch in den brennenden Kessel warf. So manches Pärchen sprang auch Hand in Hand.

Blumebeltane_2010_035Vielleicht mag es ungewöhnlich erscheinen, dass vor dem Tanz die Speisen verzehrt wurden. Doch war die Überlegung der Gruppenleiter folgende: Die Energie vom Tanz sollte aus dem Kreis zum Beltanefeuer mitgenommen werden, wo die Zettel mit den Wünschen verbrannt und weggeschickt wurden. Hätte man nach dem Tanzen gegessen, wäre der Schwung weg gewesen.

Zu bedenken wäre da, dass das gesamte Ritual ohne Anrufungen ausgekommen ist. Die Energie, die entstanden ist, ist durch das Mitleben entstanden – das bewusste Erleben der Sinne. Ich bin mir auch sicher, dass das Einbringen der Leistungen der einzelnen Teilnehmer dazu beigetragen hat. Dreißig Leute bewegen nun mal mehr, als vier oder sechs Beschwörungen von Einzelpersonen. Und das war auch Sinn der Sache.

Ich persönliche denke, dass mit diesem Ritual ein Grundstein für Weiteres gelegt wurde. Ideen dazu gibt es bereits viele. Man darf sich also auf weitere Beltanerituale auf der Burg freuen.


James Vermont


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