Ein Barde erzählt   Teil VI

Damh der Barde besuchte Wien im Juli 08. Dieser Artikel ist die verschriftlichte Form des gemeinsamen Vortrags von Damh und seiner Partnerin Carrie über das Druidentum im Rahmen eines Pagan Federation Pubmoots. Transkribiert und übersetzt wurde das Interview von Shina Edea.

Damh: Die Druiden damals wurden etwa 19 Jahre lang unterrichtet soweit wir wissen. Das ist eine andere Sache, die man dem modernen Druiden heute gerne vorwirft. Es heißt oft: „Wie kannst du dich selbst einen Druiden nennen, wenn du einen siebenjährigen Kurs gemacht hast? Die damaligen Druiden haben 19 Jahre lang in ihren Colleges gelernt.“ Aber diese Druiden damals kamen schon als Kinder in die Lehre und vieles, was man ihnen beigebracht hat, haben wir schon in der Schule gelernt. Mathematik und Wissenschaft, Lesen, Schreiben, Buchstabieren und so weiter, das haben wir bereits gelernt, ein guter Teil dieser 19-jährigen Ausbildung sind also Standardlehren, die man bei uns in der Schule vermittelt bekommt. Das übrige Wissen, was man in der Schule nicht mitbekommt, das ist das was man in den modernen Druidenorden dann noch lernen muss.

Zuhörer: Weißt du etwas über die Herolde? Folgen die ähnlichen Regeln?

Andere Zuhörerin: Die Herolde haben wie die Barden oft Reisen unternommen. Sie haben das Waffengericht anerkannt und das war sehr wichtig, da sie sich auch oft bekämpft haben. Sie haben sich den verschiedenen Seiten eines Streits zugeordnet, je nachdem ob sie Freunde erkannt haben oder nicht.

Damh: Ja, das kann man dann als Ähnlichkeit annehmen.

Carrie: Man sieht deutlich, dass ein bestimmtes Gedankengut sich durch die Zeit weiter verbreitet.

Damh: Das erinnert mich an einiges, was ich bei den modernen Druiden in den 90ern gesehen habe. Damals hat die Britische Regierung viele Pläne zum Straßenbau in ganz England erlassen. Es gab große Protestaufmärsche. In ganz England wurden Protestlager errichtet um die Bauarbeiten zu behindern. Unter diesen Demonstranten waren auch viele Druiden. Die Regierung musste diese Pläne dann einstellen, weil sie nicht vorausgesehen hatten, dass es weit mehr kosten würde die Protestanten zu vertreiben, als nur die Straßen zu bauen. Die Demonstranten waren überall, in den Bäumen unter der Erde. Das zeigt uns, dass moderne Druiden noch immer ein Dorn im Auge der Regierung sein können.

Zuhörer: Man muss aber kein Druide sein, um das zu sein. Ich war hier in Österreich in den 80er Jahren. Wenn du es Ökokrieger oder was auch immer nennst – aber es ist nichts Schlechtes. So erreicht man, dass die Leute aufwachen.

Carrie: Ja, jemand muss damit anfangen.

Damh: Da kann ich noch eine Geschichte aus eigener Erfahrung erzählen. Ich war bei einem der Proteste in Newbury, wo auch eine Straße gebaut werden sollte. Es gab dort eine große Gegenbewegung. Die Menschen lebten in den Bäumen, es war wirklich erstaunlich. Jeder wusste, dass sie die Straße wahrscheinlich trotzdem bauen würden, aber sie wollten es so lange wie möglich herauszögern. Einer von den dortigen Druidenorden organisierte eine große Zeremonie um eine wundervolle Eiche, die Middle oak. Die Zeremonie wurde von einem Menschen bewacht, der oben im Baum lebte – er war echt ein cooler Typ. Andere Leute, die an dieser Zeremonie vorbeikamen, unterstützten und kamen hinzu. Als der Protest beendet wurde kam die Regierung mit Securities und großen Baumaschinen, sie zogen die Menschen mit den Kränen aus den Baumkronen und sie fiel der Widerstand. Die Eiche, an der die Zeremonie war steht aber immer noch. Sie steht auf der Verkehrsinsel inmitten eines großen Kreisverkehrs. Von allen Bäumen dort wurde dieser als einziger verschont. Man kann um ihn herum fahren und er lebt immer noch. Ich weiß nicht, ob das von Anfang an so geplant war, aber es ist ein wundervoller Baum und dieses Ereignis hat ein Lied inspiriert, dass ich euch vielleicht kommenden Samstag vortragen werde.

Kommen wir aber wieder zum Kessel zurück, in dem das Awen in der Geschichte von Taliesin gebraut wurde. Wie kann man als moderner Druide diesen Inspirationsfluss nutzen? Wie bekommt man Zugang dazu und was kann man damit machen? Wenn die Leute an die moderne druidische Tradition denken werden sie als erstes mit dem Barden konfrontiert und sagen: „Aber ich bin kein Poet. Ich kann weder singen noch ein Instrument spielen. Weißt du, kann ich nicht einfach ein Ovate sein? Warum muss ich das ganze bardische Zeug mitmachen? Ich will aber wissen wie das mit der Magie geht.” Wie ich vorhin schon gesagt habe, gibt die bardische Tradition das ganze Fundament für alle magische Arbeit vor. Der Punkt in der bardischen Tradition ist Kreativität und das ganze Drumherum. Es geht in erster Linie bei Magie nicht um den Outcome, sondern darum etwas zu erschaffen. Und beim modernen Druiden muss dazu das Awen frei fließen können, vor allem ins Leben des einzelnen. Wenn man zum Beispiel Vater oder Mutter ist, kann der Fluss des Awen einem dabei helfen kreative Wege zur Kindererziehung zu finden. Wenn man Koch ist, kann man die Kreativität dort einfließen lassen. Awen ist heilige Inspiration und es kann auch im heutigen Leben auf jede mögliche Weise zu uns kommen. Und deshalb möchte ich mit euch den folgenden Chant machen.
Eine Möglichkeit diese Energie in unser Leben zu bringen ist das Wort Awen zu intonieren. Man gliedert es dazu in drei Silben. A – U – En. Lasst uns das mal eine Minute lang machen. Die Visualisierung, die man sich dabei meist vorstellt, um zu spüren, wo es herkommt ist folgende: Das A bringt die Energie aus dem Himmel herunter. Von der Sonne, der oberen Welt. Das U holt die Kraft aus der Erde heraus, der Muttergöttin, der Unterwelt.  Das En vermischt diese beiden in uns und schickt es nach außen in die Welt um uns.
Carrie: Das Wort ist walisisch, das A wird ah ausgesprochen. Das ist kein schlechtes Englisch sondern walisisch.
Damh: Im walisischen wird das W als U ausgesprochen. Ich weiß ja nicht, wie das bei euch so ist, aber wenn wir das bei Ritualen in England machen, schließen die Leute dabei meist die Augen, weil man sich dann nicht zu schämen braucht und sich nicht beobachtet fühlt. Wir werden es nun dreimal chanten und ich gebe euch den Einsatz. Seid euch der Stille zwischen den einzelnen Intentionen bewusst, denn in dieser Stille liegen die Mysterien. Wenn man es alleine macht, versteht man das vielleicht nicht so gut, aber in einer großen Gruppe ist es eindeutig. Wenn man das Wort ausgesprochen hat, ist da die Stille, und diese Stille kann oft viele der Gefühle enthalten, die dabei mitkommen. Seid ihr bereit? Dann schließt die Augen und werdet euch eurer Mitte bewusst.

Damh: Eine andere Möglichkeit den Chant zu benutzen ist die Cascade. Das ist das, was wir normalerweise in einem Raum wie diesem machen. Für mich ist das eine Variante mit der Hand den Kreis um den Raum zu ziehen, und wenn meine Hand auf euch zeigt, beginnt ihr mit dem Chant. Ihr beginnt, tretet ein in den Klang und spürt. So beginnt einer nach dem anderen und man erhält einen steten Klang. Wenn die eine Seite des Raumes fertig ist, ist die andere noch mittendrin. Wenn ihr fertig seid, startet ihr wieder von neuem, damit das ganze nicht aufhört und weitergeht. Wenn jemand hier ein Sänger ist, dann könnt ihr natürlich Harmonien mit ein bringen. Ich weiß nicht ob ihr es gespürt habt, aber beim letzten Mal vorhin hat es sich so angehört, als ob alles stoppt. Ein Geräusch hört aber nicht einfach so auf, er fließt weiter. Ich fange jetzt an und wir machen eine Cascading Runde, okay?


Ende Teil VI


Shina Edea


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