Ein Barde erzählt   Teil III

Damh der Barde besuchte Wien im Juli 08. Dieser Artikel ist die verschriftlichte Form des gemeinsamen Vortrags von Damh und seiner Partnerin Carrie über das Druidentum im Rahmen eines Pagan Federation Pubmoots. Transkribiert und übersetzt wurde das Interview von Shina Edea.

Carrie: Mir ist die vierte Richtung des Druidentums wieder eingefallen. Es gibt Menschen, die glauben, dass man nur ein Druide sein könnte, wenn man Kelte ist. Mit einer klaren keltischen Blutlinie also. Bei mir wäre das kein Problem, da ich eine irische Herkunft habe, vermischt mit allem möglichen anderen. Er würde da wahrscheinlich schon rausfallen, da er in Cornish geboren wurde. Diese Blutlinie kommt aus London. Es gibt also Leute, die also daran festhalten und absolut gemein zu Menschen sind, bei denen dies nicht zutrifft. Sie wollen einem das Recht verbieten sich seinen eigenen Weg selbst auszuwählen, aufgrund der Rasse. Ich finde das ziemlich unfair. Vielleicht ist der Grund warum wir diesen Weg vergessen haben, weil wir ihn nicht mögen.

Damh: Richtig. Gibt es soweit irgendwelche Fragen?

Zuhörer: Was passierte mit dem Ancient Druid Order?

Damh: Den gibt es noch immer. Der Ancient Druid Order nennt sich jetzt „The Druid Order“ weil sie so bescheiden sind und nicht für alles die Verantwortung tragen wollen. Den Ancient Order of Druids gibt es ebenfalls noch.

Carrie: Die sind zudem sehr fundamental. Es gibt dort zwölf Stämme, die alle sehr christlich sind und viel für die Wohltätigkeit tun. Eine andere Sache, die mir dazu noch einfällt ist, dass die Leute oft sagen, das Druidentum wäre nur etwas für Männer. Das stimmt aber nicht, man muss sich nur die Geschichten ansehen. Es gibt dort weibliche und männliche Druiden. Wenn man sich zum Beispiel den Untergang von Anglesey durchliest, entdeckt man dort auch weibliche Druiden, die in schwarzen Roben umherlaufen und Flüche auf die Eindringlinge werfen, genau wie die männlichen. Es war schon immer Multi-Gender.

Zuhörer: Ich würde gern mehr über die Colleges erfahren, könnt ihr mir erklären, was sie getan haben?

Damh: Ja, in den druidischen Colleges musste man 12 Jahre lang studieren. Ich erinnere mich nicht im Detail daran, aber glaube man musste sich hunderte von Geschichten merken. Poesie wurde dort sehr streng gehandhabt, und auch niedergeschrieben. Im „bardic sourcebook“ von John Matthews sind die Curricula angeführt.  Es ist viel Arbeit, wenn man sich das so ansieht, aber es war vom spirituellen Aspekt entkoppelt und war sehr akademisch in diesem Stadium. Aber die Bezeichnung der bardischen Colleges wurde weiterhin genutzt. Auch der Gorsedd hat seinen Namen behalten, im deutschen bedeutet das „hoher Stuhl“. Um das ein bisschen genauer abzustecken, werde ich nun etwas über die drei Grade erzählen.
Im OBOD nennt man sie Grade obwohl sie eher so etwas wie Schulen sind. Das Wort Grade kommt noch aus den 60ern, als OBOD gegründet wurde. In Wirklichkeit sind es also drei individuelle Schulen, die des Barden, des Ovaten und des Druiden. Wenn ich von einem Barden rede, so bin ich mir sicher, dass ihr ein relativ gutes Bild davon habt, was ein Barde ist. Wenn ich von einem Druiden rede, könnt ihr euch sicher auch gut einen Druiden vorstellen. Wenn man aber zu jemandem sagt, er solle sich einen Ovaten vorstellen, hätten die meisten keine Idee was das sein kann. Das kommt daher, weil der Ovate bis heute das kleine Geheimnis des Druidentum ist.

Fangen wir mal beim Barden an. Es mag wirklich schwer fallen, aber stellt euch mal eine Welt ohne iPods vor. Ich weiß, das ist hart. Aber nicht nur eine Welt ohne iPod, sondern auch eine Welt ohne CD´s, Cd-Player, sogar ohne Elektrizität. Eine Welt ohne Zeitungen und ohne Medien. Eine Welt in der 20 Kilometer eine ebenso aufwendige Reise bedeuten, wie wenn wir beide von Britannien nach Österreich reisen. Es wäre ein ganz anderes Land. Wovon wir nun sprechen, das ist die Eisenzeit in Britannien. Ich kann nur über Britannien reden, denn das ist alles, was ich kenne. Wenn man die Landkarte in Stammesland einteilt, hat man Sussex, das zwischen den Regnitiae und den Aetribateas geteilt wurde. Dann hat man die Dibuni, in Bristol hat man die Cornovi, die Demnonia, die Silereans, the Canteoci und all die kleinen Stämme in den kleinen Arealen. Wenn man bereits 20 bis 30 Kilometer reist, durchquert man zwangsläufig das Land eines anderen Stammes. Und die meisten von diesen Stämmen befanden sich permanent im Krieg miteinander. Wo man das so ähnlich sehen kann ist bei den Indianern von Nordamerika. Man hat verschiedene Traditionen, sogar verschiedene Sprachen bis zu einem gewissen Grad und das einzige was all diese Stämme miteinander vereint, ist der Druide. Jeder Stamm hatte einen oder mehrere Druiden. Natürlich hatten sie auch Barden. Die Barden waren die Zeitung. Dem Barden war es erlaubt zwischen den Stämmen zu wandern und Neuigkeiten herumzutragen. Sie haben Geschichten erzählt. Wenn der Stammesführer freundlich war, gutes Essen gab, und eine nette Unterkunft, dann wurde er in die Geschichten als ein guter König aufgenommen. Wenn er aber sagte: „Nein, vergiss es, das Essen ist knapp“ – wurde er trotzdem in Geschichten erwähnt, aber die Barden benützten Satire. Und sie konnten die Gesichter der Könige in Falten legen. Sie konnten ein Königreich damit ruinieren, dass sie Gerüchte in Umlauf brachten. Das war also der Barde – der Entertainer und heilige Poet, der auch in die Anderswelt reiste. Die Poesie war in Britannien damals eine Kunstform. Wenn man heute sagt, dass man Poet ist, glauben die Leute man sei überempfindlich und sanft. Poesie war damals aber da, um ausgesprochen zu werden. Ihre Kraft liegt in der Sprache. Kann ich euch eine Geschichte erzählen? Vielleicht kennt ihr sie schon, es ist die typische Geschichte die man in Irland und Wales erzählt, wenn es um den Werdegang eines Barden geht. Schön, dass es draußen gerade donnert.

Carrie: Und die Wände verschwinden, im Zentrum der Menschenmenge glüht ein Lagerfeuer, als der Barde zu erzählen beginnt…


Shina Edea


Die lange Nacht der Religionen - Teil II 15.10.2016
Die lange Nacht der Religionen - Teil I 01.10.2016
Zauber und Sprüche 24.09.2016
Das Römerfest in Mayen 06.08.2016
Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich - Teil II 03.10.2015
Hilfe. Lebensrisiken – Lebenschancen – Soziale Sicherung in Österreich - Teil I 29.08.2015
Die Weiße Eule - Teil II 30.05.2015
Die Weiße Eule - Teil I 23.05.2015
Wasser – Wälder – Wölfe. Das Comeback der Wildnis in Europa 25.04.2015
"All together now" frei nach den Beatles ... 28.02.2015
Eine religionsübergreifende Erfahrung 27.12.2014
Eine Gedenktafel für Gerald B. Gardner 26.07.2014
Mammuz 26.04.2014
Die Eibe singt die Runen 23.11.2013
Ganesh Chaturthi - Teil II 05.10.2013
Ganesh Chaturthi - Teil I 21.09.2013
Mittsommerbräuche 31.08.2013
Baba Jaga Festival 2013 22.06.2013
Was ist dieses Beltane überhaupt? 18.05.2013
Hallo NachBar – Wiens alter/neuer Hexen und Heidenstammtisch 19.01.2013
The Pagan Piper Project 17.11.2012
Im Pfadfinderhaus an der PFI Konferenz Helvetia 03.11.2012
Interview mit Shónydép zum "Making of Shiránia" - Teil II 25.08.2012
Interview mit Shónydép zum "Making of Shiránia" - Teil I 30.06.2012
Beltane-Festival in Edinburgh 07.04.2012
Kerzen-Workshop 18.02.2012
Die Erschaffung einer Welt 04.02.2012
Gedankenreise einer Museumstour 03.12.2011
Pagan Pride Day und 1. Wiener Pagan Poetry 29.10.2011
Beltane @Burg11 – Trommlermilieu 04.06.2011
Club Bacchanalia 30.04.2011
Open Pipe 05.02.2011
Das BBnC - die Geschichte 06.11.2010
Baba Jaga 2010 - Teil II 28.08.2010
Baba Jaga 2010 - Teil I 31.07.2010
Asatru-Stammtisch 10.07.2010
Unser erstes großes Beltane-Gruppenritual 22.05.2010
Pagan Federation International Pub Moots in Wien 27.02.2010
Der Wiener Pagan Stammtisch 02.01.2010
Ein Barde erzählt - Teil VIII 19.09.2009
Ein Barde erzählt - Teil VII 12.09.2009
Ein Barde erzählt - Teil VI 26.07.2009
Ein Barde erzählt - Teil V 03.05.2009
Mittelalter in Linz und in der Steiermark 12.04.2009
Ein Barde erzählt - Teil IV 28.02.2009
Ein Barde erzählt - Teil III 27.12.2008
Ein Barde erzählt - Teil II 20.12.2008
Ein Barde erzählt - Teil I 13.12.2008
Ausflug in die Welt der Kelten 30.08.2008
Wikinger-Ausstellung Leoben 12.07.2008
Die Churburg - Ritterspiele in Südtirol 16.03.2008
„Wilhelm Reich lebt!“ - Teil II 08.12.2007
„Wilhelm Reich lebt!“ - Teil I 01.12.2007
Ritterspiele Ehrenberg 29.09.2007
MerryMeet, the Others and Me 18.08.2007
Das Wave Gotik Treffen (WGT) 21.07.2007
WurzelWerk's SommerFest 2007 - Teil III 14.07.2007
WurzelWerk's SommerFest 2007 - Teil II 07.07.2007
WurzelWerk's SommerFest 2007 - Teil I 23.06.2007
Göttertanz und Schneckenschleim - Teil III 02.06.2007
Göttertanz und Schneckenschleim - Teil II 26.05.2007
Göttertanz und Schneckenschleim - Teil I 12.05.2007
WurzelWerk's YuleMarkt 2006 17.03.2007
Das 5-JahresFest 17.02.2007
The Dark Side 23.12.2006
WuWe Burgentour 25.11.2006
Die Magie der Masse - Teil II 04.11.2006
Die Magie der Masse - Teil I 28.10.2006
Das BBnC 2006 - Teil II 22.07.2006
Das BBnC 2006 - Teil I 15.07.2006
Der Atem des Drachen 20.05.2006
Der geschmiedete Himmel - Die Himmelsscheibe von Nebra 18.03.2006
Alpenschamanismus 04.02.2006
Witchfest International 2005 - Teil II 26.11.2005
Witchfest International 2005 - Teil 1 19.11.2005
Der heilige Hain 05.11.2005
Hexenkraft und Chaosmagie - Teil II 08.10.2005
Hexenkraft und Chaosmagie - Teil I 01.10.2005
Das erste Mal im Westen 20.08.2005
Kritische Reflexion zum Schamanenkongress in Wien 23.07.2005
Gesundheit und Spiritualität 02.07.2005
Das war das MerryMeet Festival 2005 21.05.2005
Riharc Smiles 26.03.2005
Göttin - Hexe - Heilerin 15.01.2005
WurzelWerk's YuleMarkt 2004 01.01.2005
Das 4. Parlament der Religionen der Welt 02.10.2004
Daya Putih - Ein Besuch beim Workshop 04.07.2004
Es gibt auch ein Heidentum jenseits von "Rechts"! 08.05.2004
WurzelWerk´s HexenWochenende 13.12.2003
Festival of Live in Vbrov Log Slovenien - Celtic Samhain 06.12.2003
Mittelalter-Spektakel auf der Burg Albrechtsberg 27.09.2003
Als Hexen eine Reise nach Slowenien machten... - Teil II 02.08.2003
Ein WurzelWerk-WanderTag ins Paradies 14.06.2003
WurzelWerk´s Merry Meet Festival 2003 17.05.2003
Als Hexen eine Reise nach Slowenien machten... - Teil I 10.05.2003
Witchfest UK 2002 - Interview mit Children of Artemis 04.01.2003
Witchfest UK 2002 - Die Vortragenden 28.12.2002






              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017