Ein Barde erzählt   Teil II

Damh der Barde besuchte Wien im Juli 08. Dieser Artikel ist die verschriftlichte Form des gemeinsamen Vortrags von Damh und seiner Partnerin Carrie über das Druidentum im Rahmen eines Pagan Federation Pubmoots. Transkribiert und übersetzt wurde das Interview von Shina Edea.

Damh: Wisst ihr die Rekonstruktionisten würden beide Bücher komplett weglassen. Denn das sind keine ursprünglichen Dinge. Es gibt darin aber trotzdem  Sachen, die sehr, sehr wichtig zum Arbeiten sein können. Ich persönlich finde es gut, dass das moderne Wicca seine Wurzeln in den 1950ern annimmt.

Aber greifen wir mal nicht voraus, wir sind im 17. Jahrhundert, oder nicht? Morganwg  war ein großer walisischer Nationalist, trotzdem proklamierte er die Wiedergeburt des Druidentum in London. Das ist schon etwas paradox. Kennt ihr außerdem das nationale walisische Eisteddfod? Jedes Jahr haben die Waliser einen netten bardischen Wahlkampf. Die Sprache dort ist streng walisisch und die Barden kämpfen um den bardischen Stuhl in Eisteddfod. Die Teilnehmer werden Gorsedd Druiden genannt. Zu Beginn der Veranstaltung kommen die Druiden nach vorne und bitten die vier Richtungen um Frieden. Dieses Gorsedd wurde von Iolo Morganwg ins Leben gerufen. Heute existiert es also bereits seit 300 Jahren.
Neben dem was um Iolo Morganwg passiert, gibt es zur gleichen Zeit in London eine Gruppe, die sich in der Appletree Taverne trifft und dort den „Ancient Druid Order“ ins Leben ruft. Grundsätzlich sind diese Menschen Freimaurer, die aus der Freimaurerei ausgestiegen sind und den Ancient Druid Order gegründet haben. Wenn man beispielsweise auf die Rituale schaut, findet man Tonnen von Freimaurer Symbolen. Das „an die Tür klopfen“ und dem Messer entgegentreten, ihr wisst schon, das „Es ist besser sich in dieses Messer zu werfen, als den Kreis mit Angst im Herzen zu betreten“ – all diese Dinge aus dem Ancient Druid Order stammen eigentlich von den Freimaurern. Es gibt also diese Gruppe und sie existiert bis es eine Spaltung gibt, die man eigentlich aus allen okkulten Gruppen kennt – erst ist alles friedlich und plötzlich gibt es eine Explosion. Und aus der einen Gruppe entstehen zwei neue. Aus dem Ancient Druid Order geht der Ancient Order of Druids hervor. Das alles klingt sehr nach Monthy Python, oder? Wir haben also den ADO, den Ancient Druid Order, der auf Freimaurerischem basiert und weiters den Ancient Order of Druids, der sich abspaltet und mehr auf die spirituellen Aspekte achten will. Und es ist der Ancient Order of Druids, denn man vom 19. Jahrhundert an mit weißen Bärten in Stonehenge antrifft. Aus diesem Orden gehen einige interessante Menschen hervor, wir haben dort McGregor Reed, der der Bruder von Mathers war, eben jener, der den Golden Dawn begründete. McGregor Reed war ein Universalist. Er ging in einer Robe nach Stonehenge, hatte einen Turban auf und begrüßte Merlin gemeinsam mit dem Buddha und all den anderen Gottheiten und Weisen. Er glaubte an den Universalismus. Ihr wisst schon, daran dass alles den gleichen Ursprung hat. Alle Steine auf einem Berg sind derselbe Berg. McGregor Reed starb 1964 und genau zur gleichen Zeit kam Gerald Gardner in den Ancient Order of Druids. Dieser begeisterte auch einen Freund von sich für den Orden, und zwar Ross Nichols. Grundsätzlich können wir also sagen, dass Gerald Gardner den Gründer von OBOD überhaupt erst zum Druidentum gebracht hat. Lustig, oder nicht?

Gardner arbeitet zu dieser Zeit gerade an Wicca, und geriet in eine Diskussion mit Cecile Williamson, die das Witchcraft Museum in Boscastle führte. Wenn man nach Boscastle geht, kann man sich die Briefe ansehen, die zu dieser Zeit hin und her gingen. In den Briefen stehen Dinge wie: „Kannst du vielleicht ein paar Frauen auftreiben, die sich nicht dafür schämen am Sonntag für die Presse nackt um ein Lagerfeuer zu tanzen?“ Ja, es sind damals sehr seltsame Dinge passiert. Aber Gerald Gardner und Ross Nichols waren beide Nudisten, sie waren beide Mitglied in einem Nudistencamp in Alband, wohin sie gingen um über verschiedene Dinge zu philosophieren. Und es ist ein beeindruckendes Bild, wenn man sich diese zwei Begründer moderner heidnischer Bewegungen vorstellt, wie sie da sitzen und das Leben, das Universum und den ganzen Rest diskutieren.
Eine weitere interessante Sache ist hier jene mit den Festen. Gerald Gardners Coven feierte zu dieser Zeit nur die Feuerfeste. Beltane, Imbolc, Samhain, Lughnasad. Und die Druidenorden feierten nur Sommersonnwende, sowie die Äquinoktien. Die Wintersonnwende wurde zu der Zeit gar nicht gefeiert. Was ist passiert? Gardner hat diese Sonnenfeste ins Wicca übernommen, und damit das moderne Jahresrad geschaffen, das wir alle kennen. Das Druidentum wartete damit noch bis 1964, bis McGregor Reed gestorben war und es einen weiteren Aufruhr im Ancient Order of Druids gab. Viele wollten Ross Nichols als neuen Chief, jedoch wurde ein anderer gewählt und Ross Nichols verließ den Orden, nahm seine Leute mit und gründete den Order of Bards, Ovates and Druids – den OBOD. 1964 nahm das Druidentum dann die restlichen Feste ebenso mit an Bord. Um das Ganze ein bisschen mehr zu verdeutlichen: Ross Nichols starb 1974/1975 und der Orden wurde ziemlich ruhig. Es passierte gar nichts.

Niemand wollte seinen Job übernehmen. Er hatte aber jedoch einen jungen Freund namens Phillip Carr-Gomm, der 1972 etwa initiiert worden war. Er war Fotograf und hatte eine Erscheinung von Ross Nichols im Traum. Das klingt nun wieder sehr nach Iolo Morganwg, aber wir glauben ja an Magie, oder nicht? Okay, die meisten von uns zumindest. Um ehrlich zu sein findet man in Britannien kaum noch Menschen, die an die Magie glauben, wir aber glauben daran. Also Ross Nichols erschien Phillip Carr-Gomm im Traum und sagte: „Es wird bald ein gesteigertes Interesse am Druidentum geben. Die Welt braucht die Spiritualität heute mehr denn je. Die Umwelt wird eine Krise erleben, und dies kann Halt geben. Du kannst dich nicht mehr auf das Lehrer – Schüler System verlassen. Du musst da hinaus gehen und einen Weg finden schneller mehr Leute zu erreichen. Mach das Druidentum den Massen zugänglich, so vielen Leuten wie es Interessierte gibt.“
Und so erarbeitete er den dunkelsten, bösesten Plan…. Wenn Cäsar das eingefallen wäre, wären die Römer heute noch unter uns. Er entwickelte den Fernkurs.  Das bedeutet, dass man das Ego komplett aus der Gleichung nehmen kann. Es gibt keine Person mehr, die Wissen an eine andere weitergibt. Es war offen für jeden, jeden, der es lernen wollte, es gab keine Grenzen. Es gab damit kein menschliches Wesen mehr, das über spirituelles Wachstum verfügte. Das große Geheimnis an einer Ausbildung ist – es gibt keine Geheimnisse. Alles ist da, im großen Buch der Natur selbst. Und was der Fernkurs macht ist eine ganz einfache Sache – er gibt einen Fokus vor. Wenn man das Heidentum als eine Art Schrotflinte sieht, gibt der Kurs das Visier vor.

Carrie: Es ist eine Struktur, an die man alles anlehnen kann.

Damh: Und nun sind wir im Heute angekommen. Also zusammenfassend kann man wohl sagen, dass wenn dich jemand fragt: „Wie kannst du dich heute Druide nennen?“ – naja, wie lang hat die Definition nun gedauert? Eine halbe Stunde? Also sag am Besten: „Weil ich kann.“


Ende Teil II


Shina Edea


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