Ein Barde erzählt   Teil I

Damh der Barde besuchte Wien im Juli 08. Dieser Artikel ist die verschriftlichte Form des gemeinsamen Vortrags von Damh und seiner Partnerin Carrie über das Druidentum im Rahmen eines Pagan Federation Pubmoots. Transkribiert und übersetzt wurde das Interview von Shina Edea.

Damh: Ich denke am Besten ist es, diesen Vortrag so anzugehen, als ob ihr nichts wüsstet. Wir werden durch die Geschichte gehen, durch alte wie neuere und wir sehen uns die drei Grade oder Schulen im Druidentum  genauer an. Dann schauen wir ein wenig in die Mythologie, lernen etwas über das Awen und das Ritual. Am Anfang denke ich, müssen noch einige Dinge geklärt werden. Das Erste ist: Wenn man 15 Druiden in einem Raum holt, und sie darum bittet das Druidentum zu definieren, wird man 15 verschiedene Antworten erhalten. So alles in allem ist alles was wir hier heute erzählen können unsere persönliche Sicht des Druidentums. Das Druidentum ist nämlich eine sehr eklektische Tradition und hat sich über die Jahre viel verändert. In den 80er Jahren war der Weg ein Druide zu werden ganz einfach der, dass man einem Orden beitrat und trainiert wurde, wie etwa im Order oft he Bards and Druids (OBOD), zu dem auch wir gehören. Aber durch die Jahre, ähnlich wie beim Wicca – dort war es zuerst ja auch so, dass man in die Craft initiiert werden musste, in die Gardnerian oder Alexandrian Tradition. Nun mit der medialen Präsenz und Selbstinitiation hat sich der Pfad verändert. Also, alles wovon wir erzählen sind die Dinge, die wir persönlich machen.

Es gibt etwa vier Zweige des modernen Druidentums. Da ist erstens die Art und Weise, wie OBOD es beispielsweise auch macht – sehr eklektisch und inspiriert, man holt sich Inspiration aus der Vergangenheit, aber man trägt es nicht herum wie einen dicken Rucksack, den man nicht mehr loslässt. Wir sind frei auch von anderen Traditionen zu nehmen, da es eine sehr offene Tradition ist.
Dann gibt es da noch die Rekonstruktionistischen Druiden, die in den USA sehr verbreitet sind, wie der ADF oder die „druid orders of america“. Sie halten sich vermehrt an ihren Inspirationen fest. Sie sehen sich die Vergangenheit an, ebenso Archäologie und Mythologie – wenn dort aber etwas nicht hineinpasst, ist es für sie nicht Druidentum und sie verwenden es nicht. Man wird also beispielsweise keinen Rekonstruktionisten finden, der über Chakren spricht, denn es kommt nicht aus dieser Tradition.
Dann gibt es als dritten Weg in Britannien – ich weiß nicht ob das hier auch bekannt ist – die Umwelt – Öko Krieger Druiden. Das sind meist Demonstranten für die Umwelt. Wenn also die Regierung ein Waldgebiet roden will, um dort eine Straße zu bauen, werden sie versuchen das zu verhindern. Sie bauen Untergrundtunnel, kampieren dort und blockieren die Straße. Sie ketten sich auch oft an alle möglichen grauenvollen Dinge, um den Straßenbau zu verhindern. Das ist also eine andere Möglichkeit Druidentum zu leben.
Und… was war nochmal die vierte? Okay, dann sind es wohl nur drei Traditionen.

Carrie: Natürlich findet man von allen Traditionen Vermischungen und Kreuzungen.

Damh: Eine andere Frage die sich stellt ist: Wie kann man sich ernsthaft Druide nennen, wenn wir alle wissen, dass die Druiden 1000 Jahre früher ausgestorben sind? Es gibt keine ungebrochene Linie die 1000 Jahre zurück geht- wie kann sich also jemand Druide nennen? Eine gute und auch berechtigte Frage.
Es gibt viele Wege sie zu beantworten. Der erste ist, so weit zurückzublicken bis sie gelebt haben. Das meiste an verschriftlichem Wissen, das wir besitzen ist von Julius Cäsar. Er hat gesagt, dass das Druidentum ausgerottet wurde, die Tradition zerstört wurde, um 300 AD in Britannien. Wir wussten also dass zu dieser Zeit Römer in Britannien waren, denn das war genau die Zeit, als viele mythologische Geschichten entstanden. Die Geschichte von Taliesin, Merlin stammen aber von 600 AD, zur Blütezeit des Druidentums. Das war 300 Jahre nachdem die Römer bereits wieder abgezogen waren. Also muss es zu dieser Zeit doch noch Druiden gegeben haben.  Das bringt uns also in die Zeit, als diese Mythen niedergeschrieben wurden und zwar von den Christen. Und ihr wisst… - segnet sie und liebt sie, denn die Christen haben uns einen großen Gefallen getan. Hätten sie es damals nicht niedergeschrieben, hätten wir heute diese Mythen nicht. Das alles passierte nur deshalb, weil ihre Religion eine auf Schriften basierte Religion ist. Wir wissen heute nicht, wie viel verloren gegangen ist, aber sollten dankbar für alles sein, was gerettet wurde.

In dieser Zeitperiode also haben wir noch immer die Tradition der Barden, der Geschichtenerzähler. Wenn man sich die Geschichten näher ansieht, sind sie immer noch Teil der Tradition. Und die Bardencolleges in Wales, Irland und Schottland haben erst im 17 Jahrhundert geschlossen. Richtig. Die Bardische Tradition hatte sich dermaßen verändert, dass sie kaum mehr zu erkennen war, aber war noch immer da. Die Bardische Tradition war noch immer dort, wo Menschen der Wert der Dichtung gelehrt wurde als ein Grundpfeiler der Bildung. Im 17. Jahrhundert wurden diese Colleges dann aber geschlossen. Fast zur gleichen Zeit haben wir aber die Lyrik von William Blake und der Antiquare, die begannen ein Interesse an den Mythen zu zeigen und sie in den Hinterzimmern von Pubs aufzuschreiben. Ebenfalls um die gleiche Zeit, 1792, kam ein walisischer Typ mit dem Namen Iolo Morganwg ins Parlament nach London und rief den Order of Druids ins Leben, der sich bis zum 12. Jahrhundert zurückverfolgen ließe.
Es gibt also viele, viele Drähte die hier zusammenlaufen, und die sind sehr wichtig. Iolo Morganwg ist außerdem der Punkt, an dem das moderne Druidentum begann. Iolo war ein walisischer Herr wie Edward Williams, komplett exzentrisch, komplett Lordunum (Opium) abhängig, so wie die meisten von ihnen zu der Zeit.  Viel von ihrer Arbeit war „inspiriert“ – meistens von Drogen. Edward Williams war ein phantastischer Historiker, ein genialer Linguist und exzellenter Fälscher. Er sagte damals, dass er die originalen verschriftlichen Werke der damaligen Druiden gefunden hätte. Er schrieb dann an einem Buch, das „the Barddas“ heißt und die authentischen Werke der Druiden beinhaltet. Es beinhaltet zudem noch Tonnen von seinem eigenen Mist. Wir würden heute vielleicht sagen, dass er diese Dinge „gechannelt“ hat, ein Historiker würde sagen, er hat sie gefälscht. Das schlimme an der Sache ist, dass seine Sprache so gut ist, und so perfekt mit den druidischen Weisheiten verflochten ist, dass keiner mehr sagen kann, welches welches ist. Wirklich, das war wohl das schlimmste, was er für das moderne Druidentum tun konnte. Wenn man heute nämlich in die Barddas schaut, gibt es keinen Zweifel, dass da drin keltische Weisheit ist, aber man weiß nicht wo. Man kann es nicht sagen. Egal, das war also 1792. Heute, 300 Jahre später wird die Barddas von Druidenorden von Britannien bis Wales als Inspirationsquelle für das moderne Druidentum genutzt. Obwohl also das moderne Druidentum auf Iolo Morganwg´s Arbeit basiert und man nicht unterscheiden kann, was real ist und was nicht, es sind seitdem bereits 300 Jahre vergangen. Und für eine spirituelle Tradition ist das nicht schlecht.

Carrie: Aber es ist nicht nur sein Zeug. Er hat auch Fakten aufgeschrieben, und die sind echt. Ebenso ist die Inspiration echt. Man kann also nicht sagen, dass darin kein Funke Wahrheit steckt. Man muss nur ein bisschen suchen, denn es ist da. 


Ende Teil I


Shina Edea


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