„Wilhelm Reich lebt!“   Teil I

Mit diesem Leitspruch fand am 10.11.2007 in der Mainzer Uni ein Symposium zum Gedenken an den 50. Todestag des Psychiaters und Orgonforschers statt. Veranstaltet wurde es vom
Arbeitskreis Wilhelm Reich, der im Übrigen auch Seminare und Vortragsreihen organisiert.

Wilhelm Reich ist bis heute eine umstrittene Figur geblieben. Wenngleich eine Vielzahl moderner körperorientierter Therapieformen bis auf seine Arbeiten zurückverweisen, finden sich doch vergleichsweise wenig Initiativen die sich direkt auf Reich beziehen. Ich war daher erfreut, dass dieses Symposium, das einen „allgemeinverständlichen Querschnitt“ seiner Arbeiten zu bieten versprach, zu arbeitsfreier Zeit und bei mir um die Ecke stattfinden würde.

Zum Frühaufstehen konnte ich mich dennoch nicht überwinden und verzichtete also auf den ersten Vortrag von Prof. Dr. Bernd Senf „Die Wiederentdeckung des Lebendigen - Ein Überblick über das Werk von Wilhelm Reich“. Ich will daher auch hier nicht weiter auf das Grundlegende eingehen, sondern verweise dazu einfach auf die Online-Seiten des ORF.

Rechtzeitig zur Pause treffe ich dann mit Teilen der Hörerschaft auf dem Raucherbalkon zusammen, wo mir eine junge Dame gleich ihre Begeisterung schildert. Sie ist so überwältigt von den Eindrücken des Vortrages, dass sie meint zu einem gepflegten Smalltalk grad gar nicht mehr imstande zu sein. Das verspricht gut zu werden... Mit ihrer Unterstützung finde ich noch einen freien Platz in dem von etwa 150 Besuchern gut gefüllten Hörsaal, und der nächste Vortrag beginnt:


Dr.med. Dorothea Fuckert: Psychiatrische Orgontherapie – Wilhelm Reichs Methode der Körperpsychotherapie

Als Frau Fuckert den Entschluss fasst, Psychotherapie zu studieren, befindet sie sich selbst in Therapie und hat den Eindruck, dass ihr bei der üblichen Therapie etwas wesentliches fehlt. Ihr zukünftiger Mann macht sie dann mit Walter Hoppe bekannt, einem Reichianer der ersten Linie, und dort findet sie das fehlende: während die klassische Psychotherapie in einem kühlen, distanzierten Setting verläuft, begegnet er ihr menschlich authentisch, Nähe kann stattfinden, und Berührungen sind möglich - in der Psychoanalyse gälten sie als Kunstfehler.

In diesem Rahmen wird dann die muskuläre Verpanzerung schichtweise und segmentweise von oben nach unten aufgelöst. Die Segmente gliedern sich etwa so (soweit ich es verstanden habe und Stichpunkte notieren konnte):

  • okulares Segment: Augen, Gehirn
    Die Augen zeigen Empfindungen - wenn ein Kind in einer emotional kalten Umgebung aufwächst, wo diese Empfindungen nicht beantwortet werden oder gar zu Bestrafung führen, dann kontrahiert der Bereich und der Ausdruck der Augen verschließt sich. Das kann später zur Psychose führen.
  • orales Segment: Mund, Hals, Nacken
    lustvolles Erfahren ursprünglich beim Saugen an der Mutterbrust. Beißen, Saugen, Lachen und Weinen, auch Brüllen als Ausdrucksweisen. Eine Verkrampfung im Nacken kann von Angst vor Bestrafung („Genickschläge“) herrühren.
  • Brustkorb, Armhaltung
    Ausgestreckte Arme als Ausdruck der Sehnsucht (nach dem geliebten Menschen oder dem Universum)
  • Zwerchfell-Segment
    hier sind Abscheu und Ekel basiert. Viele Menschen haben ihren Würgereflex unterdrückt, der eigentlich eine natürliche Reaktion ist, wenn man etwas geschluckt hat, was nicht gut ist oder nicht ins Verdauungssystem hineingehört. Aber auch Freude und Lachen haben hier ihre Basis.
  • Bauch
    Hier sind Angst und Wut basiert.
  • Becken
    dies ist die heikelste Zone, hier sitzt die tiefste Angst, die mit Schuldgefühlen zusammenhängt, mit einen „nicht in Ordnung sein“. Das kann zu einem angeknacksten Selbstwert führen, und zu unterdrückter Kreativität.
    Im analen Bereich des Beckens ist Wut über Unfreiheit und Zwänge lokalisiert, unterdrückte aggressive Reaktionen aus der Kindheit.
    Dieses Segment sollte vom Therapeuten behutsam angegangen werden, und erst wenn der Klient gefestigt ist.

Wenn man sich das so anschaut, dann fällt eine gewisse Ähnlichkeit mit
den Chakren der östlichen Lehren auf. (Wer mich kennt, weiß dass ich Esoteriker gern mit dem Statement ärgere, dass ich nicht an Chakren glaube. Mit der hier gegebenen Struktur läßt sich schon eher etwas anfangen - hier sind konkrete und fühlbare körperliche Funktionen betrachtet.)
Frau Fuckert erklärt, dass sie ihrerseits gern auf das Chakrenmodell zurückgreift, und zwar aus folgendem Grund: Reichs Konzept beruht auf Verpanzerungen, also auf Defiziten in Beweglichkeit und Ausdruck, mithin auf Krankheitsbildern. Die Chakren dagegen beschreiben die gesunden Qualitäten des jew. Segments; und wenn der Klient mit diesen gesunden Qualitäten in Kontakt kommt, findet er eher Zugang zur Heilung.

Es gibt dann ein Schaubild zu sehen, das diese gesunden Qualitäten auflistet, und dem gegenübergestellt die Auswirkungen der Verpanzerung - wobei diese Auswirkungen in der Nomenklatur der „Todsünden“ formuliert sind! Leider gibt es dieses Schaubild nicht als Handout. Ein weiteres Schaubild beschreibt ebenfalls die Tätigkeit aller sieben Chakren sowie ihre verpanzerte Pervertierung speziell im Zusammenhang der sexuellen Aktivität - eine umfassendere Beschreibung dessen, was erfüllte sexuelle Liebe idealerweise sein könnte, hab ich noch nicht gesehen! (Das war übrigens auch der einzige konkrete Bezug zum Sexualakt im ganzen Symposium.)

Zum Begriff der Verpanzerung sagt Frau Fuckert, dass ihre therapeutische Erfahrung eine deutliche Veränderung zeigt bei Menschen, die nach etwa 1970 geboren sind. Der Begriff ist da nicht mehr passend, weil anstelle einer durchgängige Panzerung vielmehr sog. dissoziative Störungen auftreten, d.h. Persönlichkeitsteile, die anerkannt und integriert werden müssen.
Es liegt da keine dicke sekundäre Panzerung vor, aber auch kein einheitliches Selbst. Die Therapie gestaltet sich dadurch weniger mühsam und langwierig, weil leichter ein Zugang zum inneren Kern gefunden werden kann.

Ende Teil I


PMc


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