Ritterspiele Ehrenberg

Dieses Jahr vom 27. bis 29. Juli waren die Ritterspiele wieder zu Besuch auf Ehrenberg, und ich mit dabei, weshalb ich euch mit folgendem Artikel am Fest teilhaben lassen möchte.

Ehrenberg – eine kleine Einführung

Die Ruine Ehrenberg war einst einmal eine mittelalterliche Mautstation, sie wurde als Grenzgang zur Salzstraße geführt und musste deshalb den Durchlass weitreichend absperren, weshalb man ihre Rest heute auf bis zu vier Berggipfeln sehen kann und natürlich auch in den Tälern dazwischen. Heute ist sie nur noch eine Ruine, durch die vielen Kriege fast gänzlicher zerstört, und doch bietet sie einen wunderschönen Anblick vom Tal aus und wird auch Nachts beleuchtet. Früher war nur der vordere Teil der Ruine zu sehen, inzwischen wurde dieser gründlich renoviert und auch die anderen Teile freigelegt, damit man sie auch vom Tal aus bewundern kann.

Als ehemalige Klause gewann Ehrenberg besonderes Ansehen durch die vielen Besuche von Kaiser Maximilian dem Ersten, der sie bis zu 30-mal besuchte, und als Ferienjagdgebiet nutzte. Er richtete sich in einer Taverne auf Ehrenberg eine Kammer für bis zu 30 Besucher ein, die mit ihm auf die Jagd gingen.



Die Eroberung von Ehrenberg


Die Geschichte dieses Krieges wurde während der Ritterspiele täglich nachgestellt. Dazu konnten sich all jene als Schauspieler melden, die am Lagerleben teilnahmen, sich früh morgens einer kurzen Musterung unterzogen und sich in die Abläufe einweisen ließen. Natürlich ist dort alles, was geschieht nur gestellt, man versucht niemanden zu verletzen und die Kämpfer sprechen sich untereinander ab. Dennoch zeigt diese Schlacht einen blutigen Kampf von vor langer Zeit, dass hier auch kurz abgebildet werden soll:
Die Schmalkalden drohten damals über Ehrenberg einzufallen. 1546 besetzen sie das nahe gelegene Füssen. Auf Ehrenberg weiß man davon jedoch nichts, weil die kaiserlichen Truppen, die dort stationiert waren, nach Bayern geflohen sind. 2 Tage nach der feindlichen Besetzung setzen sich Truppen von Füssen Richtung Reutte in Marsch, die des Nachts über Ehrenberg einfallen wollen. Mit einem Überraschungsangriff gelingt ihnen das im Nu, und sie fordern den Pfleger der Klause zur Übergabe auf. Dieser ergibt sich kampflos und bekommt freies Geleit. Balthasar Fieger wird auf Ehrenberg von den Schmalkalden eingesetzt, die sich weiter nach Innsbruck vorkämpfen wollen, jedoch bald geschlagen werden und sich zurückziehen. Die Ehrenberger Klause jedoch bleibt besetzt.

Balthasar Fieger ist Protestant, zur Verhandlung mit ihm wird ein katholischer Vertreter geschickt: Melchior Fieger. Wie sich herausstellt, sind diese beiden Brüder, weshalb man die Schlacht auch „Bruderzwist“ nennt. Zwei Verhandlungen der Brüder sind erfolglos und die Fronten rüsten sich zum Kampf. Die kaiserliche Armee schafft es bis zum Falkenberg, gegenüber der Ehrenberg vorzudringen und zwingt Balthasar nun nochmals Ehrenberg aufzugeben. Balthasar jedoch gibt nicht auf, verspottet die kaiserliche Armee und weigert sich, worauf Ehrenberg in der Nacht vom 4. September beschossen wird. Die kaiserliche Armee schafft es Ehrenberg zu erstürmen, jedoch finden sie dort niemanden mehr vor, die schmalkaldischen Besetzer sind getürmt. Natürlich ist dies nicht die ganze Geschichte Ehrenbergs, aber wie gesagt jener Teile, der in der Schlacht um Ehrenberg versucht wird nachzustellen.


Sonstige Erlebnisse bei den Ritterspielen


Nun wissen wir, wie es zu der Schlacht kam, die täglich nachgestellt wird und auch, wie man sie organisiert. Was gibt es sonst noch auf dem Mittelalterfest zu sehen? Natürlich, wie es sich für ein großes Fest gehört, gibt es zahlreiche Stände, also einen Marktplatz und viele kulinarische Köstlichkeiten. Der Markt war einer der größten, die ich bisher auf Mittelalterfesten gesehen habe, es gab diverseste Dinge zu erwerben, von Bauchtanzkleidern bis zu Fellen, von Kinderspielzeug und Holzwaffen, hin zu einem Pois, Kleiderständen, Waffenschmieden und sogar einer echten Esse. Zudem gab es ein mittelalterliches Kinder Karussell, das aus einem großen Mühlrad bestand, an dem vier Gondeln angebracht waren.


So wie früher...

Inmitten der vielen Stände gab es die Arena, in der über den Tag verteilt immer wieder Interessantes aufgeführt wurde. Teils von professionellen Schauspielern, teils wieder von Schaustellern aus dem anliegenden Lager. Das Lager ist nicht nur eine Ansammlung von Übernachtungsplätzen der Schaustellern, dort findet man auch richtige Reenactmentgruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Leben so wie es im Mittelalter war, möglichst genau nachzubilden. Normalerweise findet man hier keine Handys und Zigarettenschachteln, wenn ja, dann nur gut versteckt. Wer sich das in Ruhe ansehen möchte, kann vieles aus erster Hand lernen, etwa wie man Geschirr ohne Wasserhahn spült und wie man Zelte aufbaut, die keine Plastikstecken haben. Außerdem findet man im Lager auch viele kleinere Beschäftigungen wie oft Bogenschießstände, Gaukler, oder Musiker, die nicht auf der großen Bühne auftreten.




Das Spießgericht

Da ich von den anderen Veranstaltungen nicht sehr viel gesehen habe, etwas zum Spießgericht, wo wie in der Schlacht auch Schausteller mitmischen durften. Zuallererst wird historisches zum Spießgericht erklärt, danach wird ein Landsknecht aufgeführt, der gegen den Fähnleinkodex verstoßen hat und der nun befragt wird, wie es in der Situation aussah. Das Spießgericht endet immer entweder mit einer Freisprechung oder mit dem Tod des Schuldigen um die Ehre der anderen wieder rein zu waschen.


Die Landsknechte


Erst vor kurzem bin ich in die Landsknechtgeschichte wirklich eingestiegen und habe dort die verschiedensten Leute kennen gelernt. So auch Taberna Musica, eine kleine Landsknecht – Musikantentruppe, die mir auf Ehrenberg und einigen anderen Festen Obdach gegeben haben und die ich hier darum noch mal erwähnen will, natürlich auch mit einem Link am Ende des Artikels. Ebenso war das, obwohl ich in Reutte zur Schule gegangen bin, mein erstes Ritterspiel zu Ehrenberg (Schande über mich) und es hat mir absolut gefallen. Ich kann jedem, den solche Dinge interessieren einen Besuch raten, natürlich gibt es wie immer einen kleinen Haken an der Sache und der besteht bei Ehrenberg im etwas sehr überhöhten Eintrittspreis. Natürlich kann sich nicht jeder so viel leisten, deshalb hier mein Rat: Die Ruine schaut auch ohne Ritterspiele wunderschön aus, und eine kleine Wanderung fern der Stoßzeiten lohnt sich immer. Viel mehr als Steinmauern sieht man dort jedoch nicht, und darum, wer sich eher für die Geschichte und Schätze der Ruine interessiert, sollte lieber das Reuttener Heimatmuseum besuchen, wo man all dies finden kann.


Zusammenfassend...

kann gesagt werden: Die Ritterspiele Ehrenberg sind ein technisch sehr gut aufbereitetes, sehr gut gemachtes Spektakel, das sicher viele Actionliebhaber und Kinderherzen höher schlagen lässt. Wer sich jedoch 18 Euro Eintritt nicht leisten kann, von Kanonenschüssen leicht zu entnerven ist, Mittelalterfeste lieber in ruhiger, nicht zu aufreißerischer Atmosphäre genießt und findet, dass die Musik von Fluch der Karibik auch dort bleiben sollte, für den ist der ist der Besuch der Ritterspiele wohl doch eher weniger spannend.

Weitere Information zur Ruine: http://www.ehrenberg.at/
Informationen zu den Ritterspielen: http://www.burgehrenberg.com/
Homepage von Taberna Musica: http://taberna-musica.de/
Das Bild der Ruine stammt von hier: http://www.bluatschink.at/ritterruediger/ehrenberg_foto_ruine.jpg


Shina Edea


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