Betreuung gesucht für WurzelWerk's
The Dark Side
Großes Getümmel im Käuzchen, ein Haufen Heiden fanden sich ein, um gemeinsam das Naturhistorische Museum im dunkeln der Nacht zu durchwandern, nur in Begleitung einer Führerin (allseits bekannt unter Frau Viehberger) und einer von ihr mitgeführten Taschenlampe.

Um 20 Uhr fanden wir uns vorm Seiteneingang des Naturhistorischen Museums ein. Es wurde bereits gewarnt, im Dunkel des Museums und seinen alten Einwohnern nah beisammen zu bleiben.


Expeditionsstart
Der Weg führte uns durch den Innenhof und einen kleinen Eingang in die Eingangshalle des Museums. Kaum die ersten Stiegen aufwärts, hielten wir schon inne, und bewunderten eine Spinne die den seltsamen Namen „Bananenkartonspinne“ trägt. Wie kommt sie nach Europa? Na no na – als blinder Passagier im Bananenkarton.

Der Weg führte uns weiter zu sagenumwobenen, wunderschönen, aber auch gleichzeitig gefürchteten Tieren – den Wölfen. Im Rudel jagend waren sie früher von vielen Menschen gefürchtet. Der Wolf wurde verteufelt und gejagt. Mit ein Grund war einfach, dass der Wolf ein „Futterkonkurrent“ des Menschen in der früheren Zeit war. Grundsätzlich halten sie sich von Menschen fern, doch wenn das frei zu jagende Futter ausgeht, haben sie sich sicherlich auch mal an Bauers Schafen vergriffen, und das machte sie nicht sonderlich beliebt.

Weiter gings zu den nachtaktiven Kuscheltierchen mit den Krallen – den Katzen. Vor langer Zeit im alten Ägypten wurden die Katzen als heilig und göttlich verehrt. Mensch erkannte damals, dass dort, wo sich Katzen aufhielten, keine Mäuse anwesend waren - besonders in den Vorratskammern. Im Mittelalter – wie sollte es anders sein – kam die Katze wieder in Verruf. Die Hexenkatze, die der alten Hexe auf der Schulter sitzt – vorzugsweise schwarz, mit grünen Augen und höchstens einen weissen Fleck. Wer kennt die einzige Ausnahme – Gobolino? Oder die schwarze Katze die Unglück bringt, wenn sie einem den Weg kreuzt.
Warum hatten die Menschen damals so Angst vor diesen Tieren, bzw. warum wurde es verteufelt? Weil es die besondere Gabe hatte, sich geräuschlos fortzubewegen? Oder weil ihre Sinne die unseren weit übertreffen?

Im Vorbeigehen hielten wir noch kurz bei Rudolph dem Rentier. Zu ihm mit seinem mächtigen Geweih gesellten sich noch weitere Hirscharten. Wobei das Rentier das einzige hirschartige Tier ist, wo die Weibchen auch ein Geweih tragen.

Im nächsten Saal begegneten wir dem ältesten im Naturhistorischen Museum beheimateten Tier – dem Babynashorn aus dem Schloss Schönbrunn mit stolzen 200 Jahren auf dem Buckel. Wer schon öfters im Naturhistorischen Museum unterwegs war, kennt das besondere Jungtier, dass dort fast jedem Menschen ein Grinsen übers Gesicht zaubert – das Eselzebroid. Wer es nicht kennt, selber schuld, hingehen und staunen!

 

Gruselig?
Unter Begleitung von merkwürdigen Geheul und nächtlichen Geräuschen schlichen wir zu den Mysterien eines ganz besonderen Tieres – dem Einhorn. Natürlich gabs hier kein weisses Pferd mit einem Horn am Kopf zu besichtigen, sondern nur das Horn, denn ein Einhorn fangen ist unmöglich, wisst ihr dass denn nicht?
Und sie verschwanden von allen Strassen… Wir erfuhren, dass das Einhorn als Beschützer vom Baum des Lebens galt. Auch gibt es viele weitere Geschichten über sie, nur niemals hatte je jemand eines gesehen oder gar gezähmt. Es zeugten immer nur die Hörner von ihrer Existenz.
Aber moment mal… gibt es doch in den großen Gewässern Fische, ähm nein Wale, Narwale heißen sie, mit diesen begehrten, geraden Hörnern? Warum sie diese tragen, weiß niemand. Aber es wird gemunkelt, dass die weiblichen Narwale einen besonderen Fetisch haben…

Vorbei an den riesigen Stoßzähnen, die von der Größe der dazugehörigen Einhörner einen nur so staunen lassen, war unser nächster Halt bei den einheimischen Nachtschwärmern – den Eulen. Um sie ranken verschiedene Geschichten. Sie sollen der Todesbringer sein. Wenn vor einem Haus ein Käuzchen rief, dann starb im Haus ein Mensch… Diese Tatsache wurde prompt des-mystifiziert, denn nachweislich sterben die meisten Menschen nachts, und das Käuzchen ruft auch nur nachts…
Aber die Eule galt nicht nur als Todesbringer, sondern auch als Vogel der Weisheit. Soviel weltliches lastet auf den Flügeln des lautlosen nachtaktiven Vogels…Warum sie sich so lautlos in die Lüfte erheben können, wurde uns anhand einer Feder genau erklärt… Ein Seufzen ging durch die Runde – wie gerne würden wir das auch können…

Weiter schlich die mutige Gruppe durch das verlassene Gebäude mit seinen toten Einwohnern zu den nächsten fliegenden Nachtschwärmern – den Fledermäusen. Diese ganz besonderen Tierchen haben eine große Last zu tragen – die Geschichte Graf Dracula´s. Soll es ihn ja wirklich gegeben haben, diesen gefürchteten Grafen aus Südrumänien. Er galt als grausamer Graf mit einem Hang seine Opfer zu pfählen. Von hier kam auch die Annahme, dass ein Vampir – ein bluttrinkender, unsterblicher Mensch – nur mit einem Pfahl durchs Herz zu töten sei (natürlich gibt’s da noch verschiedene andere Möglichkeiten, die je nach Beliebigkeit variieren können – mal sind sie allergisch gegen Knoblauch, dann vertragen sie Silber nicht, Kreuze, und natürlich Feuer und Sonne)
Aber die Fledermäuse mit ihrem fantastischen Gehör dass sich von unserem so stark unterscheidet sind in unseren Breiten sehr nützliche Tierchen – und wir Menschen haben sie zu schätzen gelernt, denn heute in der modernen Zeit nähren sie sich nicht mehr vom Blut des Menschen (haben sie das je getan?)


Friedhofsbesuch inklusive
Gebannt von den Geschichten des Graf Draculas stürmten wir das Dachgeschoss des Museums. Ein gefährliches Pflaster, denn hier oben erwartete uns der zweitgrößte Friedhofs Wiens mit seinen über 40.000 Skeletten – die Schädelsammlung. Sie liegen hier sehr anonym, erkennen von wo sie kamen kann man nur an den Etiketten die Ortsnamen tragen. Die Häufigkeit mancher Ortschaften gibt zu denken.
Auch wurden wir informiert, dass ein ganz berühmter hier kurz zu Besuch war. Mozart! Um eben herauszufinden, ob er es wirklich ist, wurde er hierher gebracht. Denn der Schädel spricht nicht mehr mit uns. Sicher wird man es nie wissen, ob er es wirklich ist, aber alles deutet darauf hin. Aber wer weiss…vielleicht führt hier uns wer hinters Licht, und ein unbekannter Toter genießt momentan den Rummel und das Ansehen und erquickt sich an den ratlosen Menschen, denen er so scheinbar große Rätsel aufgibt.

Nach dem beeindruckenden Gang durch diese Sammlung, aus der uns 40.000 Tote durch die schwarzen Löcher ihrer Schädel anstarrten und angrinsten (warum sieht es immer so aus als würden die Schädel grinsen?) huschten wir weiter, um auf das Dach zu steigen.


Frischluft und Wiener Blut mit Aussicht
Bevor es durch das Fenster ab in die dunkle Kälte ging, erhielten wir als Stärkung noch ein besonderes Gemisch aus dem Schnapsmuseum, dass sich „Wiener Blut“ nennt – na das kann ja für uns Bluttrinker nur gut sein. Mit dem Glas bewaffnet stiegen wir durch das Fenster und genossen in der eisigen Kälte den Blick über Wiens Dächer. Der Mond erstrahlte auch schon in seiner fast ganzen prallen Fülle. Als Draufgabe wurden noch Methörner in die Runde gereicht.

Auch wurden wir über den einzigen Unterschied vom Gebäude des naturhistorischen zum kunsthistorischen Museum aufgeklärt, und dann war alles klar – die Statue auf dem naturhistorischen thront im Gegensatz zur Statue des kunsthistorischen Museums nackt über den Dächern Wiens. Unter Geleitschutz von Frau Viehberger wurden wir die ganzen Stockwerke wieder runtergeleitet auf das schützende Pflaster der lebenden Öffentlichkeit. Um uns vor den Vampiren zu schützen, erhielten wir für den Heimweg jeder noch eine Knoblauchzehe.

Aber wie das bei uns so ist, fanden noch viele den Weg ins schützende Käuzchen, dass uns nicht nur Schutz bot, sondern uns Speis und Trank bot. Somit war ein wunderschöner Abend in toller Begleitung wieder vorbei, und wir freuen uns alle schon auf unserem nächsten Besuch im Museum.


Cinis


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