Der Atem des Drachen
Ein Vortrag von Christian Rätsch auf der Boku in Wien am 23.10.2005 im Rahmen der Tagung „Die Pflanzen der Schamanen“

Begonnen wird passend zum Thema natürlich mit einer kleinen Räuchersession. Faszinierend wie viele der Teilnehmer dies offensichtlich noch nie taten und erstaunt waren über Räucherkohle und wie Räuchern funktioniert. Rätsch erklärte daraufhin alles ganz genau und rückte das Wort „Räuchern“ etwas zurecht da es eigentlich kein Rauch sondern Nebel oder Dampf ist.
Gute Räucherstoffe brennen nicht sondern verdampfen auf Holzkohle. Würden sie verbrennen würden damit auch die Inhaltsstoffe verloren gehen die ihre Wirkung nicht entfalten können. Und so ließen wir Copal verdampfen, auf dass der Räucherkult in Wien neue Blüten treibt und unser Bewusstsein öffnet.

Copalharz wird z. B. bei schamanischen Heilzeremonien verwendet. Dabei wird die zu behandelnde Person völlig eingenebelt und mit dem Fächer facht man nicht nur die Kohle an sondern auch die negativen Energien aus dem Körper hinaus. Der Dampf lässt alles an negativen blockierenden Energien hinausquellen und dies wird mit dem Fächer hinfortgestrichen.


„Olfaktorische Konditionierung“ nennt Christian Rätsch das Räuchern.
Wir nehmen einen Geruch wahr und dieser wird in unserem Gedächtnis gespeichert. Gleichzeitig nehmen wir andere Dinge wahr wie zb. schöne Musik. Dadurch bilden die diversen Sinneseindrücke eine Einheit. Wird einer der Eindrücke angetastet wird der Gesamteindruck in uns wachgerufen. Für spezielle Zwecke wurden deswegen genau definierte Räucherstoffe benutzt damit man sich bewusst und unbewußt beim „Wiederriechen“ erinnert.

Doch woher stammt das Wort „Räuchern“ überhaupt und was können wir damit in Verbindung bringen? Weihrauch ist ein deutsches Wort welches seit dem frühen Mittelalter in Schriften zu finden ist. Wie alt es ist kann man nicht sagen. Aber was klar ist, ist das mit Rauch eigentlich Dampf oder Nebel gemeint ist. Das Weihen ist die rituelle Handlung, indem man seine eigene Bewußtheit über die Aktion die man tut wahrnimmt und erkennt wofür sie da ist. Weihrauch und Weihnachten haben somit die selbe Wurzel.

Von den Germanen weiß man , das sie viel geräuchert haben, denn man fand bei Ausgrabungen so genannte Räucherkuchen. Diese sind Klumpen aus verschiedenen Harzen, Kräutern und Bernstein, doch was genau darin war ist nicht bekannt, nur die Harze von Tanne, Kiefer und der Bernstein konnten analysiert werden.


Bernstein wurde auch Brennstein genannt
Steine brennen zwar nicht aber Bernstein ist ein fossiles Harz der Bernsteinkiefer! Die Kiefer produziert aus sich heraus Harz das aus der Rinde austritt. Der baltische Bernstein ist besonders geeignet, er ist sehr weich, leichter als Wasser, leicht aufladbar und wird leicht elektrisch. Daher kommt auch das Wort Elektrizität denn im Griechischen hieß Bernstein – Elektron- also „Strom erzeugen“.
Schon Plinius schrieb im 1. Jhd. ausführlich über den Baltischen Bernstein – das Gold des Nordens. Er schrieb, dass er vermutet das es ein Harz ist das von den Bäumen getropft ist und im Meer getrieben verbreitet wurde. Er schrieb auch von den Leuten im Bernsteinland – dem Baltikum und das diese den Bernstein zum Räuchern verwendet haben.
Ü berall auf der Welt wo Bernstein vorkommt wird er gleich benutzt. Man verwendet ihn zum Räuchern, aufgelöst als Lack zb. Für Boote, als Schnapsansatz oä.Essenz in Alkohol, gegen Erkältungskrankeiten, für die Lunge usw.

Kiefer – Das Fackelnde
Kie kommt in Kienspann vor, das ein verharztes Holzstück der Kiefer ist. Und Kien ist die Fackel

Tanne – Das alte Wort für Feuer
Tannhäuser ist zb. der Feuerträger. Der der in der Tanne haust, der Geist der Tanne.
Die Tanne heißt auch so weil sie lichterloh brennt und sehr heiß brennt im Gegensatz zu anderen Hölzern.
Die Tanne ist ebenfalls ein Harzlieferant der in den nordischen Gebieten der begehrteste Räucherstoff war so wie in anderen Ländern zB. Olibanum oder Copalharz.

Räuchern ist sicher genauso alt wie der Gebrauch des Feuers. Denn beim Feuer entfachen hatte man damals sicher schon gemerkt das jedes Holz ein eigenes Aroma hat. Harz ist das Blut der Bäume und das Harz verschließt die Wunde des Baumes wieder.
Im schamanischen Bewußtsein enthält jeder Baum eine Seele die sich als Person manifestiert. Dort wo man das Harz der Bäume gezapft hat sieht man auch die Wunden als äquivalent zum eigenen Blut das man seiner Gottheit opfert. Bei den Lakandonen in Mexiko heißt das Copalharz „das Gehirn des Himmels“. Sie räuchern Copal um zu ihren Göttern zu sprechen und um Heilung zu bitten.

„Das Gehirn des Himmels steigt zu euch auf und erfreut euch, die ihr seid das Bewußtsein des Himmels“

Räuchern ist eine Verbindung zur Welt des Göttlichen, zur mythologischen Welt. Der Rauch steigt auf und die Götter nehmen die Menschen auf der Erde und ihre Bitten war.
Bei den Lakandonen sagt man:
Als die Götter noch auf der Erde lebten haben sie den Copalbaum angepflanzt und zeigten den Menschen wie sie räuchern. „Wenn ihr räuchert“, sagten die Götter zu den Lakandonen, „dann steigt die Seele des Copal auf und ist für uns ein Nektar um gesund jung und fröhlich zu bleiben.
Denkt ihr nicht an uns und räuchert nicht mehr, dann werden wir alt und schwach und hören auf zu existieren!“
Denn die Götter existieren durch unsere Gedanken an sie und wenn die Götter lachen durch den Copalnektar dann ist die Welt in Ordnung. So wie auch wir Menschen in Ordnung sind wenn wir lachen können.

Mehr dazu war in „Witches on Air“ vom 30.2.2006 zu hören.
Vielen Dank an Thomas Rolin, der mir die Möglichkeit gab kostenlos am Vortrag teilnehmen zu können und natürlich an Christian Rätsch, der mir erlaubt hat Teile daraus hier im WurzelWerk zu veröffentlichen!


Lady Purple


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