Der geschmiedete Himmel - Die Himmelsscheibe von Nebra
Eine ganz neue Erfahrung: mit dem WurzelWerk zu einer speziell für uns arrangierten Führung ins Naturhistorische Museum

Der Himmel war klar und blau an diesem Sonntag. Somit war es mit ein wenig Wind auch zu kalt um draußen zu bleiben. Darum trafen sich gut 16 Menschen in der Eingangshalle des Naturhistorischen Museums der Stadt Wien um sich einen weitaus älteren Himmel anzusehen. Die Himmelsscheibe von Nebra war das Objekt des Interesses, das uns hier in diesem 1871 bis 1889 von Gottfried Semper und Carl Hasenauer erbauten wundervollen Gebäude zusammen kommen ließ. In diesem tollen Museum, das sich sehr viel Mühe gibt, im Schatten seines vielbesuchten großen Bruders dem Kunsthistorischem Museum zu bestehen. Klar wird man sich nicht dreimal im Jahr hier einfinden, um sich den Elefanten oder die Dinos anzusehen. Aber wenn man es mit den Worten des Generaldirektors des Museums ausdrückt, fallen die meisten Besucher in ein klares Schema. Er meint, der erwachsene Mensch von heute war genau dreimal im Naturhistorischen Museum. Einmal als Enkerl, einmal mit der Schule auf Exkursion und einmal als älterer Mensch mit den eigenen Enkelkindern an der Hand. Schade eigentlich, denn dieses Haus hat viel zu bieten. Besonders Dinge, die auf den ersten Blick gar nicht so ersichtlich sind. Das Naturhistorische Museum sowie das Kunsthistorische Museum sind ja einige der wenigen Museen die rund um eine bereits bestehende Sammlung erbaut wurden.


Es beginnt
Mit dem „Zauberwort“ einer Hexe (Name der Redaktion bekannt) wurde das Getratsche und Getuschel eingestellt und Frau Ingrid Viehberger vom Naturhistorischem Museum konnte sich vorstellen und mit unserer Reise durch Museum und Himmel beginnen. Vielleicht verrate ich das Zauberwort noch.
Der Anfang der Führung brachte uns flugs in die Mineralogische Abteilung des NHM. Konkret gesagt, in den Raum mit den Meteoriten. Dort angekommen wurde uns anschaulich erklärt, dass die Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums eine der größten der Welt ist und auf jeden Fall die Älteste überhaupt. Ein Stück Mond, das von einer Apollo-Mission stammt und von dem damaligen Präsidenten der USA, Richard Nixon als Geschenk überbracht wurde. Kleiner Brocken in einer Kunstharzkugel eingegossen aber immerhin ein Stück Mond. Gleich daneben steht eine sonderbar anmutende Apparatur, die wie unsere Begleitung erklärt eine der ersten „Planetenmaschinen“ ist und sogar noch funktioniert. Das letzte Mal war sie 1987 in Betrieb. Da dieses Meisterwerk der Uhrmacherkunst aber ein bisschen fragil läuft, lässt man es nicht alleine werkeln, da sich sonst einige Zahnrädchen verhaken und das Teil ruinieren könnten.
Weiter geht´s wieder durch die mineralogische Sammlung zur großen Eingangshalle. Vorbei an wunderbaren Mineralien und pompös gestalteten Decken mit vielerlei Stuckwerk, das die Sammlung perfekt unterstreicht. Ein vom Finanzamt gestifteter Obelisk aus Salz bringt uns noch richtig ins Schmunzeln und schon sind wir am Eingang zu den Räumen in denen wir die sagenhafte Himmelsdarstellung aus der Bronzezeit wähnen.


Ja also so sieht es aus. Die Scheibe wurde im Sommer 1999 am Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt von zwei Grabräubern gefunden die das Kunstwerk erst mal für den Deckel einer Mülltonne hielten und beiseite legten, sich aber nach dem Fund der zwei Bronzeschwerter und einiger Beile und Reifen, die drunter lagen doch entschlossen das Deckelding näher zu inspizieren. Recht behutsam gingen sie ja nicht damit um, drum hat die Scheibe ein ziemlich unübersehbares „Cut“ am Rand und ein Teil der Goldauflage war auch abgegangen. Damals verkauften sie den gesamten Fund für 32.000 DM an den nächstbesten Hehler. Später wurde die Scheibe auch Harald Meller angeboten, dem Direktor des „Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt“ in Halle an der Saale. Zu diesem Zeitpunkt war der Preis aber schon auf stolze 700.000 DM geklettert.
Frau Viehberger erzählte uns, dass Meller sich zu einem Geheimtreffen mit den Hehlern aufmachte mit einem „Zauberkasten“ seines Haus-Chemikers um eine „Show“ abzuziehen bis die verständigte Polizei zur Stelle sei. Also traf er nach einigen Umwegen, die ihn glauben ließen, die Polizei hätte nun endgültig seine Spur verloren, in einem Basler Hotel die Hehler. Die Polizei war aber da. Ein blutjunges Mädchen und ein gebrechlich wirkender älterer Herr waren weiterhin auf seiner Spur. Nur die Beiden hätte er nie für Polizisten gehalten. Meller packte also seine Fläschchen aus und tropfte die Lösungen auf die ihm angebotenen Funde. Zuerst auf ein Bronzebeil. Nichts passierte. Danach über eines der beiden Bronzeschwerter. Auch hier passierte gar nichts. Erst bei der Scheibe zischte und brodelte die aufgetropfte Mischung. Für die „Show“ war also die Scheibe echt und der Rest nicht. Meller hatte nur nicht ganz aufgepasst und den Rat seines Chemikers die Lösungen in einer ganz bestimmten Reihenfolge zu verwenden vergessen, aber just bei der Himmelsscheibe stimmte die Mischung. Das mag ein Zeichen gewesen sein oder nicht, witzig klingt es allemal da die einschreitende Polizei zudem gleich alle, also auch Harald Meller festnahmen. Zur Vorsicht, wie ein Polizeisprecher später meinte. Meller kam natürlich kurz danach frei und brachte stolz den geschmiedeten Himmel zurück nach Sachsen-Anhalt.


Krimireif gehts weiter
Nach diesem furiosen Auftakt, der einem Hollywoodfilm entsprungen zu sein scheint war die Kriminalgeschichte der Himmelsscheibe aber noch lange nicht zu Ende. Die Hehler versuchten sich mit der Aussage die Scheibe sei sowieso nicht echt, aus der Affäre zu ziehen. Ihr Pech aber war, dass die ebenfalls verhafteten Grabräuber den großen Fehler machten und ziemlich genaue Angaben zu Fundort und den Umständen machten. So konnte durch kriminaltechnische Untersuchungen einwandfrei bewiesen werden, dass die Scheibe echt und aus Nebra stammt. Dumm gelaufen. Hätten die Grabräuber zum Beispiel Bayern und nicht Sachsen-Anhalt genannt, wären sie fast unbehelligt davongekommen, denn in Sachsen-Anhalt gilt ähnlich wie bei uns in Österreich, dass Kulturschätze dem Staat gehören und nicht wie zum Beispiel in Bayern dem Finder.

Wir waren mit unserer Führung aber erst am Anfang einer umfangreichen Austellung angelangt und die echte Scheibe war noch nicht in Sicht.


Fortsetzung folgt


Dunkler_Clown


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