Witchfest International 2005   Teil I
Fledermaus und Asten berichten vom heurigen Witchfest

Es begann an einem Novembernachmittag. Zwei Gestalten, noch etwas verschlafen (keiner lacht bitte ja?!) machten sich auf den Weg in eine ferne Welt. Ihr Ziel waren die Fairfield Halls, Croydon, Großbritannien. Was sich an den darauf folgenden zwei Tagen abspielte, wollen wir euch nun näher erzählen:

Wir kamen am Freitag den 4. November nach langer, anstrengender Reise in Croydon an.
Schon kurz nach unserer Ankunft fiel uns auf, dass mit diesem Ort etwas nicht stimmte. Inmitten des Londoner Stadtteils mit der größten Einwohnerzahl mischten sich etwa 5000 Hexen für ein Wochenende voll von Vorträgen, Geselligkeit, Musik und guter Laune.
Nach unserer Ankunft hieß es erst einmal in unserem Hotel einzuchecken. Das Jurys Inn ist ungefähr fünf Minuten Fußweg von der Bahnstation entfernt und beherbergte den Großteil der Wesen, die diese Veranstaltung zu dem machen was sie ist. Nachdem wir kaum Zeit hatten unser Zimmer zu besiedeln, da wir bereits stürmisch empfangen wurden (von wem sagen wir euch nicht), verbrachten wir einen geselligen Abend mit Freunden im Hotel. Später am Abend trieb uns der Hunger in die Kälte hinaus. Einheimische Jugendliche zogen durch leere Einkaufsstraßen gen einer angesagten Party. Geschlossene Geschäfte. Hunger. Eine einsame Fastfood Filiale, in der uns noch Essen gegeben wurde. Erfroren kamen wir im Hotel wieder an. Mit uns unzählige Witchfest-Besucher, die den nächtlichen Circus of Horrors besucht hatten (ein Theaterstück, welches am Abend vor dem Witchfest stattfand).

Am nächsten Morgen quälten wir uns aus den Federn und trotteten verschlafenen Blickes zum Starbuck’s. Kaffee war unser einziges Ziel. Nachdem wir uns den Muntermacher einverleibt hatten, begaben wir uns auf den Weg zu den Fairfield Halls, um uns in die Warteschlange davor zu werfen.

Innerhalb der nächsten Stunde traten die Vixen Morris Dancers vor versammelter Menge mehrmals auf, um den wartenden Menschen etwas die Zeit zu vertreiben. Ja, Ihr habt richtig gelesen: Wir haben uns eine Stunde anstellen müssen bevor wir in das Gebäude konnten.
Die Stimmung während dieser Zeit war erfüllt von aufgeregter Spannung und Zuversicht was uns an diesem Tage wohl erwarten würde und uns erging es nicht alleine so. Überall ergaben sich nette Gespräche mit den anderen, und man tauschte sich kurz aus, über die Programmwünsche oder andere Infos wie „Wow, tolles Kleid - wo hast Du das her?“ oder „Von wo seid ihr?“ oder „Zum wievielten Male seid Ihr am Festival?“

Nach etwas über einer Stunde war es dann endlich soweit und wir konnten in die heiligen Hallen eintreten. Die Luft war von einem magischen Duft erfüllt; und wir begaben uns in die Concert Hall um dem Opening Ritual, geleitet von Kate West, beizuwohnen. Mit Hilfe von vier weiteren Hexen rief Kate die vier Elemente an und erbat von den Göttern Friede und Inspiration, Freude und die Möglichkeit zu Lernen für das Witchfest.
Im Anschluss daran begann der erste Vortrag, von Frederic Lamond, mit dem Thema “Do Spells Work?” Freds Vortrag war voll von Geschichten – teils sehr persönlicher Natur – wie er das Wirken von Magie in seinem Leben und dem seiner Liebsten empfand. Fred konnte auf eine sehr direkte und klare Art deutlich machen, worum es bei Magie geht und wie man auf eine sehr intuitive Art und Weise herangehen kann, ohne dabei Details von irgendwelchen Ritualen zu erwähnen.
So schnell der Vortrag begonnen hatte, war er auch wieder vorbei und es war plötzlich Kate West auf der Bühne. Kate versuchte in Ihrem Vortrag “Crafting Real Magic” zu verdeutlichen, dass wahre Magie ohne jegliche Hilfsmittel auskommen sollte (wenn es denn notwendig ist) und dass es bei einem Zauber um weit mehr als nur um das geschriebene Rezept geht, welches man heutzutage in so vielen Esoterik-Büchern findet. Ein weiteres Thema welches Sie anschnitt, war das der alleine arbeitenden Hexen, welche ja nur Bücher und kein persönliches Training haben. Woher sollten Sie herauslesen, worum es denn nun wirklich geht?

Danach eine kurze Verschnaufpause. Wir haben uns am Markt im Witchfest ein wenig umgesehen. Es gab neben Bücher- und Tarotständen, Stände wo Mieder, Athames (wahlweise aus Glas oder Metall) angeboten wurden. Diverse Stecken und natürlich jede Menge an Gewand konnte man auch kaufen.

Was uns bei einer kurzen Rauchpause auffiel, war ein Menschenschlange vor den Fairfield Halls (und das obwohl bereits jeder sein Ticket hatte!). Wohin sie führte? Zu einem grünen Eisenkäfig keine 50 Meter vom Eingang entfernt. Darin befanden sich zwei gräuliche, anmutige Wesen der Nacht. Der UK Wolf Trust charity hatte die Idee, durch die Präsenz von Wölfen am Witchfest Heiden auf die Arbeit dieses Vereins aufmerksam zu machen. Diese Leute setzen sich für ein Wiedereinsiedlungsprojekt von Wölfen in Schottland ein und unterstützen andere Länder wie Rumänien, die zu wenig finanzielle Mitteln für Arterhaltende Maßnahmen haben. Zurzeit besitzt der Verein neun Wölfe in Gefangenschaft in England.

Man kann für die Tiere eine Patenschaft übernehmen; Langfristig ist die Freisetzung der Tiere geplant. Neben Fanartikeln zu kaufen war das Highlight der Organisation dass man zwei echte Wölfe streicheln durfte und so endlich einen Wolf aus der Nähe beschnuppern durfte.

Um 13 Uhr sah ich mir ein hervorragendes Konzert von Heather Alexander an. Diese Frau schaffte es nur mit Ihrer Stimme alleine und einer Fidel oder wahlweise einer Gitarre eine mitreißende Performance zu bieten, die es in sich hatte. Doch davon werdet Ihr in einem anderen Artikel mehr erfahren.

Das andere Ich begab sich währenddessen in die Concert Hall um Prof. Ronald Hutton’s Vortrag über „Wicca and Druidry“ zu lauschen, dessen Werke es euch allen wirklich näher legen möchte. Eigentlich wollte es ja zu Kate West’s Chants Workshop, aber da ist es leider aufgrund zu reger Beteiligung nicht mehr in den Vortragssaal gekommen. Prof. Hutton hatte eine sehr witzige, offene Art über die Geschichte und die Unterschiede zwischen Wicca und dem Druidentum zu erzählen. Aber dazu später mehr in einem eigenem Artikel. Informatives, Brisantes, Witziges und Überraschendes erwartet euch.

Unsere beiden Ich’s trafen sich um 16 Uhr in der Concert Hall wieder, um Terry Pratchett zu lauschen, der uns leider kein Interview geben konnte, weil er ständig von Leuten wie uns belagert wurde, die ihre Bücher signiert haben wollten und er noch am selben Tag, kurz nach seinem Vortrag und der offiziellen Autogrammstunde einen Flug zu erwischen hatte. Vor seinem Vortag nahm er sich aber auch schon Zeit für seine Fans und gab Autogramme und hatte auch die eine oder andere witzige Anekdote oder auch ein bissiges Kommentar zu bieten.
Terry’s darauf folgender Vortrag gliederte sich in zwei Teile; zuerst erzählte er ein bisschen aus dem Nähkästchen, wie denn einzelne Charaktere aus der Scheibenwelt ins Leben kamen, erzählte von seiner Art zu parodieren in dem er einfach Stereotypen als solche zum Leben erweckt auf der Scheibenwelt und berichtete von seiner Grundidee, warum er die Scheibenwelt überhaupt schrieb. Damals nämlich war gerade die Zeit, als der Büchermarkt mit schlechten Fantasy-Büchern überschwemmt wurde. Die Discworld sollte eine Parodie der schlechten Fantasy-Bücher und ein Tribut an die gehobeneren werden. Und ich denke, das ist Terry Pratchett auch gelungen. Im zweiten Teil seines Vortragen durften Leute aus dem Publikum Fragen stellen, was letztendlich auch auf Geschichten rund um die Geschichte der Scheibenwelt hinauslief.
Die darauf folgende Autogrammstunde war weit besser besucht als sich das die Veranstalter ausgedacht haben; schon nach 20 Minuten mussten Mitarbeiter des Witchfest Staffs Leute, die sich dann noch anstellen wollten, fortschicken; die Schlange reichte bereits einmal der Länge nach durch das Gebäude.

Um 17:30 fand im Hauptsaal der Wettbewerb der best gekleidetsten Hexe statt. Auch Österreich war mit dem – meiner Meinung nach – besten Outfit vertreten, musste sich jedoch gegen eine Mutter im roten Kleid und ihrem siebenjährigen Kind im Partner-Look geschlagen geben.

 


Ende Teil I


Asten & Fledermaus


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