Betreuung gesucht für WurzelWerk's
Der heilige Hain
Vortrag und Workshop von Christian Rätsch am Schamanenkongress 2005 in Wien

"Das ist echte Schamanenmusik...", beginnt Christian Rätsch, denn wir haben unsere eigenen Traditionen. "Leider...", so meint er, "wurde diese Musik für manche Personen entstellt". Damit ist Wagner und sein Walkürenritt aus dem Ring des Nibelungen gemeint. Für Rätsch das größte schamanische Kunstwerk. Mit 16 Stunden Musik und Stabreimtexten, die Essenz des Germanentums. Das das Zentrum der germanischen Mythologie darstellt nämlich die Entstehung und das Ende der Welt.
Der Weg zu unseren Wurzeln sollte uns über den Ring der Nibelungen führen in dem wir die Essenz der germanischen Weltsicht finden werden.


Also ran an die Texte und auf zu unseren Wurzeln!
Es wird darin laut Rätsch gezeigt, dass es zwei Wege gibt. Den für die Liebe oder jenen die Liebe zu verfluchen und die Macht des Goldes zur Weltherrschaft zu gewinnen. Der Ring der Nibelungen zeigt uns eine Verstrickung wie in unserer heutigen Zeit wo alle besessen sind nach Macht und dem Fluch des Goldes, der Gier die uns auch bestimmt.

Die Walküren sind acht Schwestern. Die erste Walküre als Tochter von Wotan und Erda (Himmel und Erde) ist Brunnhilde. Sie konnte uneigennützig lieben und hat durch ihre nicht zielgerichtete Liebe die Macht des Goldes überwinden können. So wurde sie zur wissenden Göttin die Ragnarök heraufbeschwor. Denn die Götterdämmerung ist nicht das schreckliche Ende der Welt sondern das Ende der Verstrickungen und Probleme die durch die Gier und Macht entstanden ist.
Wotan ist der Gott der Wut im Sinne von göttlichem Wahnsinn der zur Freiheit führt. Er lässt die Wut, ein altes Wort für Ekstase, frei. Gleichzeitig ist er der Wanderer zwischen den Welten der versucht zu erforschen, zu ergründen und zu verstehen und durch sein Wissen als ein ordnender Gott zu verstehen ist.

Im Workshop wurde dies noch näher ausgeführt. Ich hatte als Christian Rätsch darüber erzählte einen Wotan im Kopf der als Spacecowboy durch das Universum reist und auf der Suche nach Erkenntnis alle Wesen kennen lernte. Und sicher mit manchen auch Lust und Leidenschaft auslebte! Wotan der erste Forscher und Entdecker? Denn er traf auf den Weltenbaum und bei dem fand er auch den Brunnen. Quasi ein Brunnen gefüllt mit einem Zaubertrank. Neugierig wie Wotan war wollte er natürlich aus dem Brunnen trinken. Doch natürlich musste er dafür ein Opfer bringen. Und er gab sein Auge dafür um aus dem Brunnen der Erinnerung und Erkenntnis zu trinken. Der Zauber war, dass er das Universum verstand – das All Eins Sein! Doch das war nicht alles denn mit der Erkenntnis bekam er noch einen Job aufgebrummt. Von nun an war es seine Aufgabe kosmische Ordnung zu schaffen. Aus dem Weltenbaum bastelte er einen Speer, der ein Symbol für den geordneten Kosmos wurde. Aber die Ordnung von der hier geredet wird sind nicht Regeln und starre Systeme sondern bedeutet, dass alles seinen Platz hat ohne einander zu stören.
Wotan lebt im Norden als Weihnachtsmann weiter – was Rätsch sehr erfreulich findet und wir Heiden wohl auch ! Wotan ist auch ein Krieger. Ein Gott der den Kriegern beisteht. Echte Krieger sind Pazifisten. Denn ein Krieger ist kein Aggressor oder Angreifer, sondern ein Beschützer und Bewahrer. Er mischt sich nicht ein um sich auf eine Seite zu schlagen sondern schützt das Leben das durch die Göttin geschaffen wurde.

Das Pendant zu Wotan ist deswegen Freya die Liebesgöttin. Die beiden gehören zusammen wie Ostern und Weihnachten. Ostara ist ein anderer Name von Freya als Fruchtbarkeitsbringende. Weihnachten sind die geweihten Nächte um sich an die Ahnen zu erinnern. Die 12 Tage der Rauhnächte! Weihnachten wird nach dem Sonnenkalender bestimmt und steht für den Sonnengott Wotan.
Ostern wird nach dem Mond ausgerichtet der die Weiblichkeit repräsentiert. Freya hat wie alle Götter heilige Tiere und Pflanzen. Ihre sind die Katze und der Hase. Die Katze als Symbol der Erotik und Sinnlichkeit und der Hase als sexuell potenter Rammler. Eier sind das was dabei rauskommt. Und im Weltenei ist alles vorhanden um ein vollständiges Leben wachsen zu lassen.
Das traditionelle Ostergetränk ist das Hanfbier. Kein Wunder, denn die heiligen Pflanzen der Freya sind Flachs und Hanf und Hanf ist ein geschätztes Aphrodisiaka.
Der älteste Fund von Cannabis stammt übrigens aus einer Grotte in Thüringen. Der Hanf ist eine klassische weibliche Pflanze da auch nur die weiblichen Blüten die Essenz enthalten, die Seele der Pflanze – den Wirkstoff.
Nur durch die Vereinigung der Geschlechter entsteht das fantastischste was wir haben – Leben! Wir entstanden durch Lust und Liebe unserer Eltern und genau das wird zu Ostern gefeiert. „Es geht um Befriedigung - ein Prozess um Frieden zu stiften“– „Deutsch ist eine wunderbare Sprache“ demonstriert uns Christian Rätsch.


„Germanien – das sind auch wir!“
Sprichst du Deutsch? Na dann willkommen auch du hast vielleicht germanische Wurzeln bzw. ist die germanische Kultur hier zu spüren und auf jeden Fall Grund genug sich damit zu beschäftigen. Wenn wir nicht erinnern was war und erzählt wurde und noch immer da ist, dann sind wir entwurzelt. Sich heute wieder zu verwurzeln bedeutet also auf Spuren suche zu sein.
Stabreime, die Edda, Runen, germanische Mythologie und vor allem nach-denken führte uns zu unseren germanischen Wurzeln im Workshop.
Ich erinnere mich daran wie Christian Rätsch uns im Workshop klar machte wie sinnlos es ist darüber zu diskutieren, wie es leider viele Heiden tun, ob der Weltenbaum eine Esche oder Eibe ist. Denn wenn man weiß was der Weltenbaum ist, ist es nicht relevant. Denn es geht ja nicht um einen biologischen Baum sondern es um den Bewußtseinszustand des Weltenbaumes und was dieser verkörpert. Und da befanden wir Teilnehmer uns schon im nächsten Dilemma. Denn was ist Bewußtsein überhaupt? Wir sollten definieren was Bewußtsein ist. Nunja wir grübelten und versuchten unsere möglichen Annahmen darüber zu definieren. Und wir kamen zu dem Schluß das man Bewußtsein nicht so einfach definieren kann obwohl ja alle davon reden – ich nehme mich dabei gar nicht aus !
Über die Begrifflichkeit des Seins, des „ich bin“ näherten wir uns ethymologisch an unser Bewußtsein. "Vom Sein zu wissen“ - also wir wissen darüber das wir sind. Eben Bewußtsein!


„An Götter muß und kann man nicht glauben – denn sie existieren!“
Schön war auch als er erzählte dass früher das Wort Gott sowohl männlich als auch weiblich war, oder viele Gott. Es gab keine Mehrzahl, das kam erst mit den Missionaren die nicht verstanden was die Germanen mit Gott meinten. Das Glauben meint Rätsch ist eine moderne Erfindung da man früher nicht glaubte sondern vertraute. Die Germanen, meinte er, hatten keine Tempel oder genauen Götterbilder. Deswegen waren sie für die Römer die Barbaren – das ein Wort genau für das war.
Die Germanen amüsierten sich wohl darüber, das sie plötzlich an einen Gott glauben sollten der jenseits der Welt existiert und alleine agiert. Religion war verbunden mit Gottesfürchtigkeit und Furcht hatten die Germanen nicht vor Gott denn er war Teil von ihnen.


„Der Met der Begeisterung“
Das ist das Bilsenkraut das ins Bier oder in den Met gebraut. Und es waren die Frauen die wußten zu brauen. Das Nachtschattengewächs mit seinen halluzinogenen Kräften ist auch ein Aphrodisiakum und hat stark visionäre Tendenzen das alle Wahnsinnszustände dieser Welt auslösen kann. Aber es gibt kein Gift sondern die Menge macht es aus!
Pilsen-Bier kommt vom Ort Pilsen in Böhmen - aber woher hat der Ort seinen Namen? Natürlich vom Bilsenkraut das sie ins Bier taten! Das Bilsenbier wurde dann von Mönchen verboten sowie auch Hanfbier. Kein Wunder, denn die Mönche tranken viel Bier und führten Hopfen ein da dieser nicht high machte und aufgeilte was für sie kontraproduktiv gewesen wäre. Hopfen macht anscheinend impotent und ist ein Anaphrodisiakum meint Rätsch.
Das bayrische Reinheitsgebot wurde 1560 ausgerufen. In einer Zeit des absoluten Hexenwahns ist also das erste Drogenverbot der deutschen Geschichte eingeführt worden. Es verbot Bilsenkraut und Hanf und es durfte nur noch Bier mit Hopfen gebraut werden.

Schamane heißt auf deutsch Zauberer oder Zauberin. Bei den Germanen gab es die Seherinnen. Als Tacitus, der Römer, bei den Germanen auftauchte um seine Aufzeichnungen zu beginnen, war er verwundert. Denn Frauen als Gleichberechtigt und wurden verehrt von den Männern und ihr Rat wurde befolgt.Die Gabe der Seher ist vielleicht das was wir heute Intuition nennen.
Darauf, meint Rätsch, könnten wir germanisch stämmige Menschen stolz sein, wir hatten zumindest mal partnerschaftliche Beziehungen und so etwas wie Gleichberechtigung. Einige Frauen waren Spezialistinnen und sie hießen Alruna und im nordgermanischen Bereich Seidr- die die alles weiß. Daher stammt der Name der Pflanze Alraune. Und es enthält auch das Wort Rune. Die magischen Zeichen die Odin empfangen hat als er 9 Nächte und Tage am Weltenbaum hing. Runa das Geheimnis.
Alruna oder Seidr sind beschrieben als Frauen mit einem langen blauen Mantel der innen mit Katzenfell gefüttert war. Sie trugen ihre langen Haare offen und hatten einen Lederbeutel umgebunden in dem ihr Zauber war. Was dieser Zauber war blieb lange Zeit ein Rätsel.
In einem Wikingergrab fanden Forscher jedoch ein Skelett einer Frau mit genau so einem Mantel und einem Lederbeutel und darin fand man den möglichen Zauber – nämlich Bilsenkrautsamen. Wahrscheinlich wurden sie geräuchert so wie man aus vielen Kulturen das Räuchern kennt um in einen Zustand zu geraten in dem das Alltagsbewußtsein ausgeschalten ist.
In diesem Zustand wo die Welten und Zeiten auf einen Punkt zusammenfallen kann man alles erkennen - ein Aufblitzen in dem man erkennt das es eine Götterdämmerung geben wird die der Neuanfang wird. Ein Neuanfang wo wir vielleicht beginnen können nicht der Gier zu verfallen sondern zurückkehren zu unserem Ursprung und unserer Existenz – nämlich der Liebe!

Mehr gibt es nicht zu sagen, im Rausch der Begeisterung!


Lady Purple


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