Hexenkraft und Chaosmagie   Teil I
Ein Wochenende in der Wildnis

Workshop von WeHe und Lady Purple, August 2005, Seedcamp in Kautzen /Waldviertel


Zuerst war da nur eine Idee und dann kam die Realisierung. WeHe und ich wollten in Theorie und Praxis Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen unseren magischen Richtungen herausarbeiten. Um einerseits den Teilnehmern einen möglichen Zugang zur Magie zu vermitteln und andererseits um die große Frage: “Soll ich Hexe, oder Chaosmagier werden?” die immer wieder auftaucht zu klären. Um es Vorweg zu nehmen: Da gibt es zwar Unterschiede, jedoch nach dem Wochenende war doch den meisten klar, wie viele Gemeinsamkeiten es gibt und dass der Knackpunkt wohl in seiner eigenen spirituellen Entwicklung liegt. Wohin man sich bewegt und in welcher Richtung oder welcher Tradition man sich mehr zu Hause fühlt.

Am Donnerstag fuhr ich also mit den ersten Teilnehmern nach Kautzen, um alles vorzubereiten. Wir bauten auf der hinteren Wiese des Seedcamps unser Lager auf und sammelten Holz, richteten die Feuerstelle her und das wichtigste - wir bargen den Stierkopf aus dem Wasser.
Seit dem ich in Kautzen bin und das Seedcamp kenne, seitdem war der Stierkopf ein wichtiger Bestandteil. Meistens haben wir in seiner Nähe campiert und von Anfang an forderte er Blutopfer. Keine Angst, das klingt jetzt schlimmer als es ist. Aber Tatsache ist, dass ich mit dem Stierkopf schon einiges erlebt habe. Und so hängt auch seit fünf Jahren zusammen mit dem Stierkopf, von mir ein geschnitzter Stock am Baum. Dies war mein Blutopfer, denn ich schnitt mich damals beim Schnitzen und alles war voller Blut. Und von da an war klar: Das Blut gehört zum Stier und dies soll ab nun unser Altar sein, wann auch immer wir hier sind.
Wie gesagt, heuer war der Stierkopf nicht da, aber wir fanden ihn im Schlamm im Wasser und er wurde geborgen und wieder an seinen Baumstamm gebunden, damit dort unser Altar für das Wochenende entstehen konnte. (Und natürlich gab es die eine oder andere Wunde und der Schädel bekam wieder Blut!)


Unser magisches Wochenende hatte begonnen

Der erste Abend, die erste Nacht war für mich wichtig, um mich auf den Ort, die Energien hier, die Wesen, die Kraft ... auf das Seedcamp einzustimmen, ohne den Trubel der vielen Menschen, die ich morgen erwartete.
Am Freitag morgen kamen schon die ersten anderen Teilnehmer und je früher man kam, umso mehr musste man mitarbeiten. Unser Feldlager wuchs und wuchs und wurde wunderbar gestaltet mit Mobiles und hängenden Kräutern, Lampenkreationen, vielen Zelten, die unter Planen eine Kuppel bildeten und es einfach gemütlich werden ließ.

          

Freitag Nachmittag waren fast alle Teilnehmer und mein „Co-Worker“ WeHe eingetroffen und wir konnten vor Einbruch der Dunkelheit mit unserem Programm starten.

Nach einer Erdungsübung stellten wir gemeinsam eine Räuchermischung zusammen und begannen mit einem Willenssatz Energie aufzubauen. Wir kreierten eine Kraftkuppel, die uns für das Wochenende als unser „Space“ dienen sollte. Wir schickten natürlich einige Wünsche in diese Kuppel und siehe da alle wurden erfüllt. So hatten wir an dem Wochenende z.B. Sonnenschein während rundherum, sogar im Waldviertel, überall nur Regen war.
Als die letzten Teilnehmer des Abends endlich ankamen, begannen wir mit unserem ersten Theorieteil, ums Feuer sitzend und Sprechstab schnitzend. (Wobei mit wenigen Ausnahmen der Sprechstab nicht gebraucht wurde, da die Diskussionen durchaus gesittet vonstatten gingen und man sich zuhörte und sich zu Wort kommen ließ.)

WeHe und ich hielten die ersten Vorträge über Inhalte der Chaosmagie und des Hexentums, Richtungen, Strömungen, den Pakt und Wicca. Die Diskussionen und Fragen dazu dauerten bis ein Uhr früh und es wurde eine lange Nacht.

Samstag Vormittag war für mich ein Knackpunkt des ganzen Wochenendes. Es ging um die Elemente und das erste spüren und eintauchen in diese Welt. Zu diesem Zwecke gingen wir in den Wald, zu einer Lehmhöhle, wo ich immer zwei Leute für fünf Minuten nackt in die Höhle, in die Dunkelheit gehen ließ, während die anderen in Grashütten und Baumhäusern die Erde riechen, schmecken und spüren konnten. Die Lehmhöhle war für mich der richtige Eintritt, die Pforte in unser Wochenende und beim Rauskommen bekamen die Teilnehmer den Segen von Gaia, der Mutter Erde, indem ich sie mit Lehm bestrich. Auch unsere tolle Lehmgöttin wurde hier geboren.

Und so passierte es, dass 13 Menschen, die sich großteils nicht kannten, sich am ersten Tag bereits so öffneten und vertraut machten, dass sie sich alle auszogen und nackt in der Höhle waren, nackt auf der Wiese mit dem Wind tanzten, nackt in den eiskalten Fluss stiegen und nackt in der Sonne und ums Feuer saßen.

Dies waren unglaublich bereichernde Augenblicke für mich. Denn Nacktheit ist oft ein Problem, da hier keine Masken mehr getragen werden können, kein Schutz durch die Kleidung noch etwas verhüllen kann. Und die 13 Menschen die Tags zuvor noch grinsend die nackten Hippies bei der Mühle beobachteten, spazierten nun selbst nackt und frei, sehr stolz und lustvoll durch das Seedcamp. Von da an war die Gruppe eine Gruppe und die Prüfung war bestanden!
Wir machten dann noch eine Trancereise zu den Elementen, um die Elemente in uns wahrzunehmen und ihnen auf einer anderen Ebene zu begegnen. Dies war für einige die erste „Reise“ und dennoch haben alle das eine oder andere mitbekommen und mitgenommen.

Samstag Nachmittag ging es weiter mit Ritualtheorie und der Basis eines Rituals, dazu natürlich die Thematik: „Was ist Magie und wie wirkt sie?“ Hier zeigten sich die Unterschiede zwischen Chaosmagie und Hexentum sehr stark. Ich schrieb mir die Finger fast wund an den Flipcharts und viele saßen immer wieder mit großen Augen da.

Nun ja, viel Stoff auf einmal und uns rauchten die Hirne vor lauter Willenssätzen, Sigillen, Bannungen, Anrufungen, magischen Gesetzen ... Aber ich gehe davon aus, dass jeder das verarbeitet und sich merkt, was für ihn gerade passt oder ansteht. Da ist ein Overflow an Informationen oft ganz gut!
Die Theorie ging natürlich in die Praxis über und wir kreierten ein gemeinsames Ritual, wo möglichst die Hauptaspekte der beiden Richtungen (Chaosmagie und modernes Hexentum) enthalten waren. Davor bastelten wir noch mühsamst unsere Kraftkerzen, die im Ritual aufgeladen werden sollten. Bis wir dann soweit waren war es spät - aber wir starteten unser Ritual und es funktionierte!

Sonntag nach einer langen, oder eher viel zu kurzen Nacht, starteten wir mit Körperarbeit um wieder in Schwung zu kommen. Danach beschäftigten wir uns mit Divinationstechniken. Danach leitete ich das Abschlussritual, in dem wir eine Form der Divination ausprobierten.

Ich glaube spätestens hier spürte jeder die Kraft dieses Wochenendes, die Energie der Gruppe und die Veränderung in uns. Jeder brach an diesem Sonntag schweren Herzens auf und verließ mit einer neuen Erfahrung unser „Hexenkraft und Chaosmagie Camp“.

Weiter machen hätten wir ja noch lange können - aber so ein Wochenende hat nun mal immer ein Ende!

Ende Teil I


Lady Purple


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