Kritische Reflexion zum Schamanenkongress in Wien
Warum Menschen lieber bei Schamanen aus fernen Ländern suchen, was sie hier nicht zu finden glauben.

Der Schamanenkongress ist vorüber und mit ihm verblassen langsam die Eindrücke. Doch vieles ist geblieben und hat Wurzeln geschlagen, Anufa hat ja schon dazu einen Beitrag geschrieben. So verbrachte ich vier Tage am Kongress mit viel Input und versuche jetzt, euch einen Teil dessen zu vermitteln, was ich dort erlebt habe – mein Output.


Meine Kritik
Der Verein Pacha Mama de den Kongress ausrichtete, sprach davon wie wichtig unsere Wurzeln wären, wie wichtig es ist sich zu vernetzen und neues Bewusstsein zu schaffen. Wie viele wissen, sind wir vom Verein WurzelWerk als Plattform zur Erhaltung und Ausübung spirituellen Brauchtums und magischer Traditionen bereits seit 2001 offiziell damit beschäftigt unentgeltlich genau dies zu tun. Wie unser Name schon sagt, reden wir nicht nur von unseren Wurzeln oder Vernetzung, sondern praktizieren dies auch seit mittlerweile vier Jahren. So war es für uns eine große Freude, dass der Kongress in Wien stattfand und wir dachten, dass dies eine schöne Möglichkeit wäre Pacha-Mama zu unterstützen und sich auszutauschen. Wir hätten gerne in Form von Radiosendungen und Artikeln das Event vorgestellt. Oder hätten ehrenamtlich über die Wurzeln und das Brauchtum in Österreich erzählt, da dies ja eines unserer Ziele ist – über spirituelle Traditionen und Brauchtum hier aufzuklären. Außerdem bieten wir auch reale Vernetzung an und hätten einige Vortragende zum Kongress mitgebracht. Denn an Wurzeln fehlt es uns hier in Österreich ja nicht ! Durch unsere langjährige Tätigkeit im WurzelWerk haben auch wir wundervolle internationale Kontakte (Babalawos aus Afrika oder Kuba, Druiden aus England, Hexen aus Irland, Keltische Schamanen aus Slovenien, Geomanten, Native Americans usw.) und hätten uns generell über ein gemeinsames an einem Strang ziehen hier in Österreich gefreut.
Leider blieb meine Kontaktaufnahme erfolglos und der Verein Pacha Mama ermöglichte uns nicht Tonaufzeichnungen zu machen um damit Radiosendungen über den Kongress zu gestalten. Vernetzung gab es somit keine, da alle Rechte an eine Filmfirma verkauft wurden. Auch unsere Flyer waren nicht wirklich erwünscht und ich war froh darüber mit Kurt Lussi und Christian Rätsch privat ein Interview für die Heiden und naturreligiösen Menschen hier in Österreich mitnehmen zu können. So entstand für mich wieder einmal der bittere Beigeschmack, dass man lieber sein eigenes Süppchen kochen anstatt sich mit den Menschen an einen Tisch zu setzen wollte, die vor Ort schon in dieser Richtung tätig sind. Ich war natürlich enttäuscht wieder einmal zu sehen, wie schwer es anscheinend ist, sich untereinander auszutauschen. Dieser Austausch wäre meiner Meinung nach eines der wichtigsten Potentiale, um nach außen Bewusstsein für ein ganzheitliches, spirituelles Leben zu schaffen.
Was gäbe es Besseres als verschiedenste Vereine oder Gruppen mit ähnlichen Zielen, die sich gegenseitig unterstützen - anstatt sich auszuklammern, die tatsächlich mit ihren Wurzeln arbeiten und Verbindungen und Bewusstsein schaffen anstatt Konkurrenz entstehen zu lassen?
Schade, dass es nicht möglich ist abseits vom Konkurrenzgedanken ein Miteinander anzustreben.


Mein Kompliment
Dennoch: trotz meiner Kritik, ein großes Lob an den Kongress der vor Ort sehr gut organisiert war, viele Inputs brachte und tolle Gespräche in den Pausen mit Gästen und Vortragenden. Auch der Ort im „Otto Wagner“ Spital (unserer Psychiatrie in Wien) war gut gewählt. Schade war, dass einige Workshops leider keine waren, sondern nur die Fortsetzung der Vorträge, was an manchen Tagen wahrlich sehr anstrengend wurde. Denn unter Workshop verstehe ich mehr als eine weitere Power Point Präsentation mit Übersetzung.
Das Abendprogramm war zum Entspannen und Ausklang des Abends immer sehr erfrischend. Besonders die mongolische Gruppe „Hosoo Transmongolian“ hatte es mir angetan. Es ist wahrlich ein Wunder, welche Töne aus einer menschlichen Kehle bzw. einem Körper klingen können.
Die ausgewählten Vortragenden am Kongress von Pacha-Mama waren wirklich sehens- und hörenswert und boten ein tolles Programm.
Doch unter all den alten Traditionen aus fernen Ländern stachen für mich zwei Vortragende besonders heraus, die genau das brachten was wir vom WurzelWerk leben und worauf wie aufbauen wollen: nämlich Wiederbelebung unseres Brauchtums und unserer Wurzeln – herzlichen Dank an Kurt Lussi und Christian Rätsch! Durch diese zwei wurde ein kleiner aber wichtiger Gegenpol gebildet, um zu verdeutlichen, dass wir hier im deutschsprachigen Raum so vieles haben, das wiedererweckt werden kann und das dem ähnlich ist, was wir aus Nepal oder Tibet hörten. In diesen zwei Vorträgen fand ich mich wirklich wieder, denn was nützt uns das Wissen aus Peru oder warum sollte ich tibetischer Mönch werden wollen, wenn meine Wurzeln hier sind und es brauchen würden genauso wertgeschätzt zu werden und wiederbelebt werden sollten. Wir haben in Europa sehr viel und ein Peruaner würde wahrscheinlich nicht einfach beginnen die Jahreskreisfeste auf unsere Art zu feiern. Warum auch? Denn was ich unter all den Vortragenden sah war, dass sie uns die Wurzeln ihrer Traditionen näher brachten. Und ich denke, dass man zuerst seine eigenen Wurzeln kennen und spüren sollte, bevor man beginnen kann sich mit anderen zu beschäftigen, die nie die Eigenen sein werden. Der Austausch bringt Erkenntnisse - Wurzeln aber sind nicht austauschbar!

Meine Hoffnung ist, dass irgendwann einmal Menschen beginnen, nicht von Vernetzung zu sprechen und damit nur andere Kulturen und Länder gemeint sind, sondern sich auch hier in Europa oder im kleinen Wien dieser Herausforderung stellen um ein ganzheitlicheres Bewusstsein schaffen zu können. Ein gemeinsames Auftreten und gemeinsames Arbeiten wäre der erste Schritt dazu ! Würde es nicht sinnvoller und konstruktiver sein gemeinsam im Interesse vieler zu arbeiten und so Spiritualität aufleben zu lassen?


 
Kurt Lussi, Lady Purple, Christian Rätsch

Die Sache mit den Wurzeln
Warum aber ist es für einige Menschen offensichtlich leichter, plötzlich peruanische Rituale zu machen, anstatt hinzusehen, was wir hier in Europa hatten und haben? Macht es Sinn Traditionen aus Nepal in Wien zu zelebrieren oder macht es Sinn eine Ausbildung in peruanischem Schamanismus zu machen? Für mich sind meine Wurzeln hier in Österreich und meine Spiritualität kann sich nur darauf gründen, denn alles andere können nicht meine Wurzeln sein, mit denen ich natürlich energetisch verbunden bin.
Das was ich von anderen Kulturen lerne und sehe, ist oft sehr ähnlich und ich kann Teile davon wunderbar übernehmen und integrieren. Aber ich lebe nicht in den Anden oder in Tibet ergo ist die Kultur, meine soziale Umwelt, die Natur usw. völlig anders als hier in Österreich und ich denke zur Spiritualität gehört es den "Spirit" auch wahrzunehmen, der uns umgibt.
Ich hatte auch das Gefühl, dass den meisten Vortragenden sehr daran lag, uns nicht ihre Spiritualität zu verkaufen, sondern zu zeigen wie ähnlich vieles ist und es an uns liegt bewusster und sensibler mit uns und dem Leben das uns umgibt umzugehen, damit sich etwas ändert. Leider scheint es zu boomen, sich lieber mit "fremder Spiritualität" zu umgeben bevor man sich seiner eigenen Schätze bewusst wird. Aber optimistisch gesehen führt gerade dieser Weg vielleicht einige zurück zu den ureigenen Wurzeln - zu wünschen wäre es!

Über die vier Tage, die ich am Kongress verbracht habe, werden zu den diversen Vortragenden natürlich noch weitere Artikel erscheinen und zu Kurt Lussi und Christian Rätsch wird es Sondersendungen in "Witches on Air" geben.


Lady Purple


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