Als Hexen eine Reise nach Slowenien machten...
... und neue Freunde fanden! Wunderschön und interessant war es in Slowenien. Damit auch ihr einen Eindruck davon bekommen könnt - hier mein Reisebericht.

23.3.2003 - 8:30, Spielfeld - Grenze nach Slowenien.
Zlatko begrüßt uns mit einem: "He, da links ist ein altes keltisches Fort und liegt zu einem Teil in Österreich und einem Teil in Slowenien". Spätestens jetzt wissen wir es sicher. Wir sind angekommen, in unserem Nachbarland. Mit nur drei Stunden Schlaf, da wir von einer langen Ostarafeier aus Kärnten kommen, versuche ich Zlatko und seinen Ausführungen über sein Heimatland und das Keltentum zu folgen, ohne Miran der als "Pathfinder" vor mir fährt zu verlieren. Zlatko redet und redet und versucht sein gesamtes weit reichendes Wissen, in mein durch zu wenig Schlaf getrübtes Hirn zu bekommen. Ein kurzer Kaffee an einer der touristischen Heilbäder und auf geht es, hinein in unsere Entdeckungsreise.

Wohin? Der Plan für das Wochenende ist dicht gedrängt und was jetzt wirklich wie passieren soll - wir lassen uns überraschen.
Wir fahren zu einem als Kraftort bekannten Berg, um dort auf eine Reisegruppe zu warten. Wir gesellen uns zu einem ganzen Reisebus voller Menschen, die mit einem bekannten Naturheiler und Geomanten durch Slowenien reisen. An alten Orten der Kraft wollen sie die Energien der Erde wieder wachzurütteln und sich selbst damit verbinden. Sie waren schon den ganzen Tag unterwegs und hier auf diesem Berg soll es darum gehen, die weibliche Energie dieses "Drachenberges" wieder zu erwecken. Dann sollte sie mit der Energie des dazugehörigen männlichen "Drachenberges", der einige Kilometer entfernt aber noch in unserem Blickfeld liegt, verbunden werden.
Auf unserem "Drachenberg" steht eine kleine Kapelle. Wir finden darin etliche Statuen, lauter "Heilige". Ihr denkt jetzt, dass das normal ist? Ja stimmt - aber es sind ausschließlich weibliche Heilige darin zu finden und als einzige Ausnahme nur eine ganz, ganz kleine Jesusstatue.

Die Bus ist endlich da und 60 Leute strömen heraus. Der Gruppenleiter erklärt einiges über den Platz selbst, was uns übersetzt wird. Dann geht es endlich los. Zwei Frauen führen einen Spiraltanz an. Wir stampfen nach einen bestimmten Rhythmus und tanzen in Spiralen auf dem Berg.

Danach haben wir eigentlich genug von so vielen Menschen und fahren mit Zlatko zu Bernadka.
Bernadka ist unsere eigentliche Gastgeberin, da wir bei ihr wohnen und sich auch die ganze Gruppe bei ihr trifft. Bernadka ist die Hüterin der Höhle Adjovska. Bevor wir aber bei Bernadka ankommen besichtigen wir eine alte Burg. Obwohl sie teilweise verwahrlost erscheint, ist sie doch in guten Zustand und es wohnen sogar Menschen darin. Die Bewohner sind arme Leute, Obdachlose, Alkoholiker, Arbeitslose... In Slowenien kann das Land die vielen alten Bauten nicht in stand halten, deshalb gibt man den Armen, die keine Unterkunft haben und durch das soziale Netz gefallen sind, Burgen um darin zu wohnen. Eine unglaubliche Vorstellung für mich, da beispielsweise dieses alte Gemäuer hier, wunderschön an einem Weinberg und neben dem Mausoleum unseres österreichischen Künstlers "Auersperg". In Österreich wäre die Burg bereits in privatem Besitz und touristisch ausgeschlachtet worden. Aber wer weiß, Slowenien kommt jetzt auch zur EU, mal sehen was sich dann für diese Idylle verändern wird.
Im Hintergrund sieht man einen der Drachenberge die sich mitten in der Landschaft erheben.

Doch eigentlich wollte ich ja über Bernadka erzählen. Ihr Haus liegt auf einem romantischen Weinberg. Bienen schwirren herum, da sie selber Honig macht mit ihrer Familie und neben dem Haus steht eine Holzhütte, die der Gemeinschaft als Raum für Rituale, Mahlzeiten, Workshops und Treffen zur Verfügung steht.

Es ist Samstag Nachmittag und wir lernen nach und nach die ganze Gruppe rund um Zlatko und Bernadka kennen. Das ist kein Hexencoven oder Zirkel aber doch ein Kreis der viel Magie in sich birgt. Diese Leute bemühen sich um ihre keltischen Wurzeln und jeder von ihnen bringt sich auf eine andere Art ein, um den anderen etwas zu lehren. Sie teilen ihr Wissen und kämpfen darum alte slowenische Fundstücke die in diversen Museen der Welt liegen wieder in ihre Heimat zu holen. Sie machen Repliken und bauen Instrumente nach keltischen Vorgaben, die ihre Urgroßvater noch kannten. Sie leben in der Natur, mit der Natur und feiern, so wie viele von uns, die acht Jahreskreisfeste.

Doch hier gibt es kein vorgeschriebenes System oder festgesetzte Riten.
So ist es auch heute - alle gemeinsam arbeiten am Ostarasalat - der wohl der geschmackvollste Salat war, den ich jemals gegessen habe.
Es gibt speziellen Ostaratee, Wein und selbstgemachtes Brot. Mamiza sitzt daneben und beobachtet jeden und alles, damit alles so abläuft wie es soll.
Wir werden beäugt und in Gespräche verwickelt, müssen reden, reden, reden und werden hofiert wie Königinnen. Gastfreundschaft wird groß geschrieben und es vergeht keine Minute, in der wir nicht nach unseren Wünschen gefragt werden.

Heute steht noch die Höhle auf dem Programm. Auf sie haben wir alle schon gespannt gewartet. Wir haben alle das Gefühl, dass sie uns bereits ruft. Wenn man bei Bernadka´s Haus auf dem Hügel sitzt und hinunter sieht in eine kleine Talvertiefung. liegt dort der Höhleneingang. Die Adjovska Jama ruft und lockt mit ihrer süßen Stimme. Sie ist eine weibliche Höhle mit Energie die man schon von Außen wahrnehmen kann. Wir warten auf den Seminarleiter samt seiner Reisegruppe, die wir am Drachenberg kennen gelernt haben. Wir alle gehen gemeinsam in die Höhle. Wir helfen den Leuten über die Absperrung zu klettern, die den Höhleneingang schützt, und leuchten ihnen an glitschigen Stellen mit den Fackeln.

Dann beginnt der Gruppenleiter zu reden.
Da ich alleine an der Kante stehe, um mit meiner Fackel den Abhang ein wenig zu erleuchten, verstehe ich nichts von dem was geredet wird und beginne die wunderbare Energie der Höhle in mich einzusaugen. Meine Chakren beginnen gerade quietschvergnügt zu sprudeln und zu drehen und da passiert es! In einem Augenblick krampfte sich alles in mir zusammen. Ich fahre sofort mein energetisches Schutzschild hoch und halte den Atem an. Eine Frau kippt fast um, die sanfte Stimmung der Höhle schlägt um in Eiseskälte. Was ist geschehen?
Ein in Slowenien angeblich bekannter Schamane und Freund des Seminarleiters wollte für alle eine schamanische Reise trommeln und hat begonnen auf seine Trommel zu schlagen. Doch es waren aggressive, extrem harte Schläge und es war ein Mann der derartig heftig getrommelt hatte. Viele sind geschockt und die ersten Frauen verlassen die Höhle. Ich helfe ihnen wieder über die Barriere und leuchte ihnen den Weg. Der Gruppenleiter steht da und sagt nichts. Die ersten Stimmen erheben sich, eine Diskussion beginnt, und obwohl ich nicht Slowenisch verstehe, weiß ich worum es geht. Ein Mann hat hier versucht sich die Energie der Höhle untertan zu machen. Das in Adjovska, die dich freundlich einläßt, aber auch sehr unfreundlich entlassen kann, wenn du dich nicht entsprechend verhältst.

Im Gespräch danach kommt bei vielen Ärger hoch. So auch bei mir. Ich war neu hier - das erste mal in Slowenien - ich bin eigentlich nur als Gast hier.
Doch da war eben eine Gruppe slowenischer Menschen, unter der Leitung eines angesehenen Heilers, die in eine Höhle gingen. Wir "Neuen" waren es, die ihnen über die Barrikade halfen, wir "Neuen" leuchteten ihnen den Weg und halfen ihnen auch wieder hinaus. Das alles, während der Gruppenleiter in der Höhle stand und wartete. Menschen, die zwar - so wie wir, die Höhle mit Respekt das erste mal betreten haben aber doch unter Führung eines Heilers, der es zuließ, dass in einer weiblichen Höhle mit solch heftiger Energie ein Mann versuchte, anderen etwas aufzuzwingen. Frauen wurde schlecht, Ärger kam hoch und traurig verließen die Menschen die Höhle. Meine Meinung:
Ein Heiler der mit einer Gruppe von Menschen so eine Tour macht, ist für sie auch verantwortlich. Was ich da sah, war in meinen Augen absolut verantwortungslos. Schade, denn ich hatte mir einfach auch mehr von dieser Reisegruppe erwartet. Danach in Bernadka´s Hütte, wo wir Glühwein und Tee trinken, reden einige über das was geschehen ist. Doch der Seminarleiter und der Schamane sitzen bei ihrem Tee und sagen nichts. Als der Reisebus wieder fährt und nur noch die Gruppe um Bernadka und Zlatko übergeblieben ist wird es gemütlich und ums Feuer kreist das Trinkhorn, zum Zeichen unserer neuen Freundschaft .

Die Höhle Adjovska hat uns gezeigt, wer mit der Energie in ihr umzugehen weiß und wer nicht. Sie hat uns deutlich gemacht, wen sie ein- und wieder gehen läßt oder einfach ausspuckt. Wir haben wohl unsere erste Generalprobe in diesem neuen Land gut gemeistert - und waren spätestens ab da nicht mehr die "Neuen" sondern ein Teil der Gemeinschaft. Herzlichen Dank dafür!

Was wir am Sonntag erlebt haben, das erzähle ich euch im zweiten Teil des Artikels!


Lady Purple


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