Betreut von MartinM
Die Druiden   Teil V

Beide Begriffe, sowohl der des „Druiden“, als auch der des „Kelten“ sind bedürfen zunächst einer Definition, dar sie im heutigen Gebrauch abhängig vom Kontext und – innerhalb der wissenschaftlichen Disziplinen -  vom Forschungsgegenstand in vielfältiger Weise benutzt werden.

Nachwort / Ausblick

Die Beschäftigung mit den Druiden stellt einen durchwegs kontroversen Forschungsgegenstand dar. Bedingt wird dies nicht nur durch das weitestgehende Fehlen von archäologischen Quellen auf Grund der natürlichen Selektion der Funde und Befunde, sondern auch durch die vielfältige Interpretierbarkeit des philologischen Materials und „keltischer“ Funde im fraglichen Raum wie etwa der (gallo-romanischen) Tempelanlage von Rivement-sûr-aronde.
Viele Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Druidenphänomen sind noch zu klären bzw. genauer zu bearbeiten: So konnte etwa bis dato kein tatsächlicher Beweis für die Existenz einer Druidenkaste erbracht werden. Zumindest theoretisch wäre es denkbar dass die antiken, romanischen Autoren und die sich auf weitestgehend dieselben Quellen beziehenden Historiographen des Mittelalters lediglich einen Kunstbegriff zu Vergleichs- wenn nicht sogar Propagandazwecken eingeführt haben könnten[1]. Nichtsdestotrotz erscheint die Existenz von Druiden oder zumindest einer ihnen in Struktur und Aufgaben stark ähnelnden Gruppe sehr wahrscheinlich. Warum hätte zum Beispiel eine artificielle Gruppe gleich drei Mal verboten werden müssen?[2]

Was im Übrigen selbst unter Postulat der Existenz von Druiden eine interessante Frage bleibt: Welche Umstände führten dazu, dass römische Herrscher sich durch die Druiden so stark bedroht fühlten, dass sie ihre Lehre ganz und gar verboten, wo doch im Allgemeinen in römischen Provinzen Religionsfreiheit herrscht. Eine mögliche, jedoch zu überprüfende Antwort hierauf wäre, dass sich die Druiden, wie auch jüdische Aufständische in Israel dem Kaiserkult verwehrten und damit die Missgunst ihrer römischen Herren auf sich zogen.
Weiters bleibt auch fraglich, wodurch sich die Druiden finanzierten und, insbesondere, ob durch eben dieses Finanzierungsproblem nicht doch eine soziale Auswahl contra einem egalitär zugänglichen Druidentum erfolgte.[3]
Auch zum möglichen Über- und Weiterleben von Druiden oder filid in beiden behandelten Gebieten, Irland und Gallien, ist noch Forschungsarbeit offen.[4]
Sowie sich natürlich die Frage ob der Umlegbarkeit etwaiger Erkenntnisse aus dem durch Fremdtexte überlieferten Druidenkulten Galliens und Irlands auf das keltische Zentralgebiet Mitteleuropas besteht. Im Zusammenhang hiermit fragt sich auch, warum Caesar lediglich über die Druiden, nicht jedoch Vaten oder Barden berichtete[5]. War dies durch eine andere Strukturierung der Druiden bedingt, hätte es direkte Auswirkungen auf ebendiese Umlegbarkeit. Geschah dies zu Propagandazwecken hätte es hingegen Einflüsse auf die Glaubwürdigkeit von de bello gallico im Kontext des ethnologischen Diskurses.

Die Frage von möglichen Außenkontakten, wie bei Diogenes Laertios erwähnt[6], wäre ebenfalls noch zu klären und könnte die Forschung unter glücklichen Umständen womöglich sogar auf bisher unbekannte Schriftquellen oder gar archäologisch fassbare Sachgüter lenken.
Doch auch aus dem Blickwinkel der gender studies bedarf das Thema der bandrui bzw. banfilid, der weiblichen Druiden, näherer Betrachtung. Zumindest teilweise, wenn auch nur im Kontext einer größeren, weitergreifenden Arbeit, hat dies Elisabeth Filipovich-Haller[7] bereits getan.

Das Druidenphänomen bietet sich durch die Vielzahl an Fachübergreifenden Fragestellungen für interdisziplinäre Forschungsprojekte geradezu an. Philologen, Historiker und Archäologen verschiedener Disziplinen müssen zur weiteren Erkenntnisfindung Hand in Hand mit Soziologen, Politikwissenschaftlern, Religionswissenschaftlern, Ethnologen, Linguisten und womöglich sogar Rechts- und Medizingeschichtlern zusammenarbeiten. Die Einrichtung eines interdisziplinären Studienganges „Keltologie“ an der Universität Wien war hierzu sicher ein wichtiger Schritt.

Im Zusammenhang mit der Bearbeitung der antiken Druiden darf natürlich auch die Existenz von Neo-Druidischen Bewegungen aus dem Kontext von Esoterik und New-Age nicht unerwähnt bleiben. Diese Bewegungen sind im Verlauf des 20. Jahrhunderts, manchmal (angeblich) auch bereits früher entstanden. Sie haben sicherlich zur Verbreitung von romantisiertem Halbglauben rund um die Druiden beigetragen, welcher nicht nur im allgemeinen „Wissen“ seinen Niederschlag gefunden hat, sondern auch in der Literatur sowohl als Romantisierung in einem intentionell geschriebenen Text als auch als übertriebene Härte gegen jede noch so kleine Verklärung.
Intensive Forschung ist die beste Handhabe gegen hier angesammeltes Halbwissen und Wissensmissbrauch. Womöglich könnte sich hieraus in weiterer Folge zumindest teilweise eine fruchtbare Wechselwirkung zwischen Neo-Druidischen Bewegungen und Forschung geben, da es in den Kreisen eben jener durchaus engagierte, belesene Menschen gibt, die überraschenden Input in die Forschung mit eingebracht werden. Intensive Quellenkritik muss hier natürlich erfolgen, doch das muss sie ohnehin bei jeder Quelle von Caesar bis LeRoux.

Ich möchte diese Arbeit mit einem Plädoyer für mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit und Mut in der Forschung neue Wege zu gehen und ungewöhnliche Partnerschaften zu beginnen sowie auch einmal bisher unbeachtete Quellen anzuzapfen beschließen. Nur so wird es möglich sein den Druiden und ihrem Kult und Lebensumfeld signifikant näher zu kommen und ein für alle Mal mit Mythen sowohl vom grausamen Menschen-am-Fließband-opferer als auch vom edlen Helden und Idealbild einer archaischen Gesellschaft aufzuräumen.


Quellen
Bats, Michel: Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. In: Cain, Hans-Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm – fremd – barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 11-14.
Birkhan, H.: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Wien 1997.
Brunaux, Jean-Louis: Priester in Gallien. In: Cain, Hans-Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm – fremd – barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 17-19.
ders.: Wer waren die Druiden? In: Cain, Hans-Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm – fremd – barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 2-6.
Cain, Hans-Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm – fremd – barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002.
Coulon, Gèrard: Das Weiterleben des Druidentums in römischer Zeit. In: Cain, Hans-Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm – fremd – barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 42-47.
Cunliffe, B.: Die Kelten und ihre Geschichte. Bergisch Gladbach 1991.
Filipovic-Haller, Elisabeth: Glaubensvorstellungen und Mythologie der Kelten. Wien 1998, 22-33.
Le Roux, Francoise / Guyonvarc'h, Christian-J.: Die Druiden. Engerda 2002.
ders.: La société celtique. Dans l'idéologie trifonctionelle et la tradition religieuse indo-européennes. Rennes 1991.
Litton, Helen: The Celts. An illustrated History. Dublin 2003.
Markale, J.: Die Druiden. Gesellschaft und Götter der Kelten. München 1989.
Maier, Bernhard: Die Religion der Kelten. Götter – Mythen – Weltbild. München 2001 / Bonn 1998, 153-164
.Perrin, Franck: Diviciacos. Ein Druide aus Bibracte. In: Cain, Hans-Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm – fremd
van Andringa, William: Das Druidenverbot. In: Cain, Hans-Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm – fremd – barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 39-41.


Anhang

„Wie bereits festgestellt [...], hat Caesar in seiner Darstellung der gallischen Götter nicht nur die Unterschiede zu den Germanen stark übertrieben, sondern auch den Gegensatz der regional differenzierten gallischen Kultur zur zentralistischen römischen Religion durch das Postulat eines hierarchisch organisierten gesamtgallischen Pantheons zu verwischen gesucht. Der Verdacht liegt nahe, dass seine Bemerkungen über die Druiden denselben Zweck verfolgten und also in erster Linie die Akkulturationsfähigkeit der Gallierin in ein besonders günstiges Licht rücken sollten. Dass die Germanen keine Priester und keine Opfer gekannt haben sollen, wird durch archäologische Funde, das Zeugnis der Sprachwissenschaft und Bemerkungen des Tacitus (Germania 9,1; 10:1, f.; II,2) so eindeutig widerlegt, dass der von Caesar postulierte Gegensatz zu den Galliern als eine sachlich ungerechtfertigte, künstliche Konstruktion gelten muss. Dass Caesars Charakterisierung der Druiden ein ähnliches Zweckprodukt politisch-militärischer Propaganda darstellt, ist zwar nicht schlüssig zu beweisen, doch fällt auf, dass Caesars ausführliche Schilderung die gallischen Priester für römische Leser in die Nähe der ihnen wohlbekannten pontifices rücken musste.

[...]

Die Möglichkeit, dass Caesar die gallischen Proister – vielleicht unter Mithilfe seines politischen Freundes Diviciacus – absichtlich als Gegenstück der römischen pontifices geschildert hat, um auch hier die Akkulturationsfähigkeit der Gallier gebührend zu unterstreichen, ist nicht von der Hand zu weisen und bei der Einschätzung des Quellenwerts dieser nur hier bezeugten Angaben in Rechnung zu stellen.“

aus: Maier, Bernhard: Die Religion der Kelten. Götter – Mythen – Weltbild. München 2001 / Bonn 1998, 154f.


Das WurzelWerk bedankt sich herzlich bei Mc Claudia für die Vermittlung dieser hervorragenden ArtikelSerie und bei Magda, der Autorin, für die edle Spende!!


Magda Pfaffl


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