Die Druiden   Teil I

Beide Begriffe, sowohl der des „Druiden“, als auch der des „Kelten“ sind bedürfen zunächst einer Definition, dar sie im heutigen Gebrauch abhängig vom Kontext und – innerhalb der wissenschaftlichen Disziplinen -  vom Forschungsgegenstand in vielfältiger Weise benutzt werden.

Begriffserklärung “Kelte”/”Druide”

In der älteren Forschung der alten Geschichte war das Wort „Kelte“ Synonym für jede schriftlose mitteleuropäische Kultur, wurde also sowohl für das Paläo-, Meso- und Neolithikum als auch die Bronze und vorrömische Eisenzeit verwendet. Im helvetischen Sprachraum bezeichnete der Terminus „Celt“ im alten Sprachgebrauch nicht etwa ein Mitglied der „keltischen“ Kulturen, sondern vielmehr eine neolithisches Steinbeil.

Archäologisch wird das Wort „Kelte“, oft als Synonym für die  späteisenzeitlichen La Tène Kultur  (5.-1. Jhdt. v.Chr. in Mitteleuropa) verwendet. Sie entwickelte sich aus der früheisenzeitlichen Hallstattkultur, welche wiederum eine direkte Entwickelung aus der Urnenfelderkultur darstellt, was viele Forscher dazu veranlasste eine oder beide Vorgängerkulturen als „proto-keltisch“ zu bezeichnen. Zu ihrer Blüte dürfte die „keltische“ La Tène Kultur wohl in der Oppidakultur der letzten beiden vorchristlichen Jahrhunderte gefunden haben, bevor die keltischen Städte, die Oppida, um 80 v.Chr. aus bisher noch ungeklärten Gründen brach fielen.

Die in anderen Forschungsdisziplinen als „keltisch“ beschriebenen Kulturkreise Großbritanniens und Irlands erlebten ihre Blüte erst nach dem Niedergang der La Tène Kultur Mitteleuropas. Wie und wann die materielle und immaterielle Kultur vom Festland  auf den beiden Inseln eintraf ist in der ur- und frühgeschichtlichen Forschung noch strittig. Es gibt aus verschiedenen Gründen, die Auszuführen den Umfang dieser Arbeit sprengen würde, Vertreter der Annahme die irische und britische „keltische“ Kultur stände nur in einem sehr geringen direkten Zusammenhang mit der „keltischen“ La Tène-Kultur Mitteleuropas.

Für die nachfolgende Arbeit soll der Begriff der „Kelten“ weniger die Bevölkerung des La Tène-Kernland Europas beschreiben, sondern vielmehr als Überbegriff für die späteisenzeitlichen „keltischen“ Stämme Irlands und Großbritanniens, sowie Galliens vor der massiven Beeinflussung der autoktonen Kultur durch die Eroberung Cäsars verstanden werden.

Darüber hinaus wird der Begriff des „Galliers“, auf dessen genaue Herleitung hier aus Platzgründen verzichtet wird, für die unter Anderen von Cäsar beschriebenen „keltische“ Stämme Frankreichs, sowie der Begriff „gallo-romanisch“ für nach der Eroberung durch Cäsar beobachtete Phänomene verwendet werden. Letzteres legitimiert sich durch die Entstehung einer gallisch-romanischen Mischkultur, die eine Bezeichnung als „römisch“ ebenso missverständlich machen würde, wie eine Bezeichnung als „keltisch“ oder „gallisch“.

Den Begriff des „Druiden“ kennen wir ebenfalls aus der antiken Literatur. Cäser beschreibt ihn in de bello gallico wie folgt:

„Die Druiden versehen den Götterdienst, besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzung aus. [...] Sie sprechen das Urteil, wenn ein Verbrechen begangen wurde [...] Sie setzen Belohnungen und Strafen fest.“[1]

Hiermit wären die Druiden als religiöse und weltliche Autoritäten mit weitgehenden Befugnissen definiert. Jedoch finden sich in der Literatur – sowohl der antiken Primärliteratur, als auch der zeitgenössischen Sekundärliteratur – im Zusammenhang mit diesen Aufgabenbereichen noch eine Reihe weiterer Begriffe wie etwa den des „equites[2], des „vergobretus[3], „brehons[4] und „filidh“ bzw. „filid[5].

Diesen mannigfaltigen Definitionen Rechnung tragend wird der Begriff des „Druiden“ im Folgenden als Überbegriff für die religiös-weltliche Führungsschicht der keltischen Welt verwendet. Auf die Abgrenzungen der Druiden nach innen und außen wird in einem eigenen Kapitel eingegangen.


Eingrenzung der Fragestellung

Da eine archäologische Betrachtung des Themenkomplexes, vor Allem für den mitteleuropäischen Raum, lediglich zu der Feststellung kommen könnte, dass es aus archäologischer Sicht keinerlei Beweise für die bare Existenz einer Druidenkaste, geschweige denn Anhaltspunkte über ihre Funktion und Organisation gibt, muss diese Arbeit zur Betrachtung der Fragestellung die archäologische Methodik sowie den Kulturraum Mitteleuropas weitestgehend ausklammern.

Vielmehr soll im Folgenden auf die geographischen Räume Großbritanniens, Irlands sowie Galliens eingegangen werden. Zeitlich schwankt der Rahmen zwischen dem letzten Jahrhundert v.Chr. für Gallien, bzw. die Eroberung durch Rom und das Druidenverbot für Gallien und Großbritannien.

Für Irland ist keine genaue zeitliche Einschränkung festmachbar, da sich hier die Wandlung von der keltischen zur irisch-christlichen Kultur sehr schleichend vollzog und viele behandelte Begebenheiten der irischen Mythologie ohnehin durch den Charakter des Textes nur sehr fragwürdig datierbar sind.

Die archäologische nicht-Fassbarkeit der Druiden sowie der Religiosität der Kelten allgemein soll im Nachfolgenden nicht mehr explizit erwähnt werden, wenn sie auch dadurch keinesfalls negiert werden soll und kann. Vielmehr soll hier eine weitestgehende Annährung an das mögliche, aber nicht schlüssig zu beweisende, Wesen des Druidentums im o.g. Raum erfolgen. Hierbei wird sich die Arbeit im Folgenden quellenkritisch philologischer primär- und sekundär-Quellen, sowie mit wissenschaftlicher Methodik arbeitende Quellen aus dem Grenzbereich zur Populärwissenschaft bedienen.

Nichts desto trotz wird diese Arbeit archäologische Quellen fassen wo immer sie greifbar sind und versuchen, mit Hilfe von Indizien die Korrespondenz von archäologischen und philologischen Quellen herbeizuführen.

Auch wird an vielen Stellen lediglich auf den zu geringen Umfang dieser Arbeit, um das Thema auch nur annähernd umfassend behandeln zu können hingewiesen werden können.


[1] de bello gallico, VI, 13/14; Übersetzung nach E. Filipovic-Haller 1998.
[2] siehe z.B. de bello gallico, VI, 13/14., Le Roux/Guyonvarc’h  2002, 39., u.A.
[3] siehe z.B. de bello gallico, I,16,5. u.A.
[4] siehe z.B. Litton 2003, 116., u.A.
[5] siehe z.B. Le Roux/Guyonvarc’h  2002, 39., Litton 2003, 116. u.A.


Magda Pfaffl


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