Druiden und Politik   Teil II
Ein Artikel geschrieben von Philip Carr-Gomm, übersetzt von Witch2b und gestiftet von Emma Restall Orr

Ich schlage vor, wir nähern uns dem Gebiet auf einer anderen Ebene – es gibt schon genug Foren für politische Diskussionen. Stattdessen, denke ich, können wir zwei Worte verwenden und diese als Schlüsselbegriffe sehen: Einer davon ist Gemeinschaft, wie ich schon gesagt habe. Das andere ist Gerechtigkeit – im weitesten Sinn zu sehen. Das Druidentum hat sich immer mit Gerechtigkeit beschäftigt – in alten Zeiten waren Druiden die Richter und Gesetzschreiber. Und wenn wir noch weiter gehen und Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Gerechtigkeit mit hinein nehmen beginnen wir zu sehen, was dieser Begriff wirklich bedeutet.

Manche Leute stoßen sich an dem Konzept der Gerechtigkeitsliebe in den druidischen Gebeten, sie meinen dadurch wird das Druidentum zu einem Verbündeten der unterdrückenden Mächte von Gesetz und Ordnung und der Gesellschaft. Aber man muss nur die Literatur von Amnesty International ansehen oder an die schrecklichen Ungerechtigkeiten denken, die so vielen Menschen auf der Welt widerfahren, um zu verstehen, was mit diesem Gebet wirklich gemeint ist, und wie fundamental für einen Druiden die Liebe zur Gerechtigkeit ist.


Unsere Welt ist so voller sozialer und ökonomischer Ungerechtigkeiten aller Arten, dass es mir scheint als könne eine Spiritualität, in der Gerechtigkeit ein Schlüsselkonzept ist und wo früher Gläubige verantwortlich waren für die Rechtssprechung, berechtigterweise die große Frage stellen „Wie können wir eine gerechtere Welt erschaffen?“

Und diese große Frage wirft sofort eine andere auf: „Wie würde unsere Welt aussehen, wenn es mehr Gerechtigkeit gäbe? Wie würden wir leben?“ Diese Fragen bringen uns zum aufregenden und kreativen Gebiet uns die Zukunft vorzustellen und dazu zu versuchen einen besseren Weg des Zusammenlebens zu schaffen – eine Gemeinschaft.

Natürlich scheint es in Angesicht der tragischen und traurigen Nachrichten aus so vielen Ecken der Welt, wo Krieg, Leid, Armut und Hunger herrschen, eine zu große Aufgabe um überhaupt zu beginnen.
Aber beginnen müssen wir – egal auf welcher kleinen Ebene. Zur Erinnerung: „Keine Schneeflocke fühlt sich je als Auslöser einer Lawine!“


Anfangs habe ich erwähnt, dass wir unsere Füße (Geist und Herzen wären eigentlich die besseren Körperteile) in zwei widersprüchliche Bereiche stecken müssen. Der eine war die Politik und der zweite der Glaube.
Die beiden gehören zusammen, weil man kann keine politischen Ideale und deren praktischen Anwendungen entwickeln ohne Glaube. Und wieder höre ich ein Stöhnen, das ich immer beim Hören des Wortes „Glaube“ von mir gab. Das Druidentum hat mich angezogen, weil es keinen „Glauben“ oder ein „Glaubenssystem“ beinhaltete… und ich habe so großes Leid gesehen bei Leuten, die (oft bis zum Tod) an einem Glauben festhielten, der dem Glauben anderer Leute widersprach. Schon der Gedanke „Wie können wir bessere Gemeinschaften schaffen“ ist kreativer als zu denken „Was sind meine politischen Optionen?“ Also ist die Lösung für mich bezüglich Glauben, mich zu fragen „Was sind meine Werte?“ eher als „Was glaube ich?“

Hinter der Politik steht der Glaube und hinter dem Glauben stehen die Grundwerte. Als ein erster Schritt sich mit diesem Thema zu beschäftigen, glaube ich, wäre es für uns Druiden hilfreich – so unterschiedlich wir auch sind – unsere Grundwerte zu definieren. Als ein Orden haben wir das vor kurzem mit dem Konzept der Liebe gemacht. Jetzt, angesichts der jüngsten Geschehnisse weltweit, haben wir das gleiche für Frieden gemacht und jetzt arbeiten wir daran unsere Werte in Hinsicht auf Gerechtigkeit und „Respekt vor der Natur“ zu klären. – so kommen wir eigentlich zu den Ideen die hinter unseren Kampagnen für Umweltverantwortung und unseren Pflanzenprogrammen stehen.

Natürlich sind das nur sehr kleine Schritte. Aber, wenn man an das magische Konzept glaubt, dass Ideen der Grund für physische Manifestationen sind – dann ist der erste wichtige Schritt unsere Ideen zu ordnen. Wir sehen gerade, dass einige Ideen großes Leid und Konflikte auf der Ganzen Welt verursachen. Denn als menschliche Wesen können wir nicht verhindern, dass wir Ideen und Ideale haben, aber wir können zumindest versuchen, gute zu haben – Ideen und Ideale die zur Schaffung einer besseren Welt führen.
Die Herausforderung für uns Druiden ist es aus der Besenkammer herauszukommen und uns die Zukunft, die wir wollen, klar vorzustellen. Das ist schließlich einer der Zwecke der Magie. Ich denke, es wird ein Zeichen für Reife unserer Bewegung sein, wenn wir beginnen das zu tun – wenn wir über unseren Tellerrand hinausgehen.

Friede allen Wesen
Philip Carr-Gomm /|\

Philip Carr-Gomm ist der gewählte Chief of the Order of Bards Ovates and Druids. Das Büro kann kontaktiert werden unter office@obod.co.uk.
© The Druid


Das WurzelWerk bedankt sich ganz herzlich bei Bobcat, die uns diesen Artikel zur Übersetzung zur Verfügung gestellt hat!


Philip Carr-Gomm


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