Betreut von Anufa
DrachenSabber
Süßes Gift

Narzissten haben es auch nicht leicht. Ich meine, hey, Psychoratgeber, Eso-Foren, Frauenklatschblätter und Wirtschaftszeitungen... alles voll von Artikeln über Narzissten, wie soll man denn da bitte noch ungestört seinen Größenwahn ausleben, wenn jeder so schrecklich aufgeklärt ist und sich schon heimlich ins Fäustchen lacht bei der Vorstellung, dass der nächste Burn-out sowieso nicht weit ist.

Größenwahn ist schließlich auch anstrengend. Und ein bisschen out. Da muss man sich schon was Neues einfallen lassen.


Paul Gaugin:
Selbstportrait mit
Heiligenschein (1989)

Wie wär's z.B. mit so einer richtig liebesüberschäumenden Lichtgestalt? Ein Mensch der immer nett, nie aggressiv und immer gutherzig ist, so ein richtiger Engel eben. Vielleicht so ein kleines bisschen Anti-Held, etwas durchgeknallt vielleicht und bisschen Mystik muss auch sein. Das ist gar nicht so schwer, man muss nur seine dunklen Anteile irgendwie externalisieren - der erfahrene Narzisst weiß das ja. Dafür eignen sich z.B. Menschen die aufgrund ihrer Sensibilität so ein kleines bisschen an der Gesellschaft zerbrochen sind - oder an Narzissten. Deren Rest-Empathie dockt meist problemlos am Anti-Helden an und dann kann man erstmal ungestört in den Traumata herumwühlen und all die Verletztheit mit ganz viel "Liebe" hochholen und aufblasen. Ganz wichtig: Bitte immer wieder im Leid bestätigen!! Schließlich wollen wir eine Jammergestalt kultivieren, die fortan die dunklen Anteile der gütigen Lichtgestalt verkörpern darf, gell?!

Es gibt ja sehr sanfte Formen menschlicher Abgründe, durchaus nicht alle Narzissten sind gewalttätig, herrschsüchtig und aggressiv. Aber kleine verklemmte Kontrollfreaks sind sie schon und manipulieren tun sie auch alle sehr gern. Schließlich will das unerträgliche Bedürfnis nach Bestätigung oder der schnöde Drang sein soziales Umfeld einer insulinpflichtigen Hirnwäsche zu unterziehen ja auch irgendwie befriedigt werden.

Nur wie lässt man so ein Wesen, das all diese sanften mit rosa Zuckerguß bezogenen Widerwärtigkeiten verkörpert sozial wirksam in Erscheinung treten? Eine ziemlich unkomplizierte Methode, die aber bisschen Durchhaltevermögen erfordert ist folgende: man designed irgendeine supermysthische, hochspirituelle Persönlichkeit und channelt sie. Wahlweise kann man dazu auch ein weißes Nachthemd anziehen, muss aber nicht sein. Vielleicht wenn man ein wenig Figurprobleme hat. Aber leicht schräge altmodische Klamotten tuns auch. Damit kann man z.B. auch hervorragend kaschieren, dass man keinen Stil hat und vielleicht auch noch markieren, dass man Äußerlichkeiten total unwichtig findet. Das kommt immer gut an! Dieses Channel-Wesen kann dann irgendein Engel sein, Erzengel, wenn man's grade ganz besonders nötig hat. Oder eine lemurische Priesterin. Oder Gott, wenn man sehr mutig ist. Völlig egal, Hauptsache irgendwie nicht von dieser Welt, das hat dann gleich so was überdimensionales und man muss sich nicht mit der kleinkarierten Ethik menschlichen Zusammenlebens abmühen, die man eh noch nie wirklich draufhatte... Sonst wär man ja nicht narzisstisch. Und wer will schon zu diesen erbärmlichen soft-skills-Strebern gehören, die mit ihrer nervtötenden Sozialkompetenz ständig versuchen beständige Beziehungen zu etablieren?


Wie süüüüüß!

Mit Hilfe der Channel-Persönlichkeit kann man dann einfach in Konfliktsituationen - also, wenn die anderen einfach nicht kapieren, dass man was besseres ist - mit verträumten Blick nach leicht schräg oben melodramatisch in die Ferne starren und wirres Zeug von sich geben. Vor allem die eingangs erwähnte Jammergestalt sollte man möglichst intensiv auf diese Weise bearbeiten (mit ein bisschen Glück kommen dann noch weitere hinzu). Dabei kann man z.B. hemmungslos verbraten, was man von der Person und ihren Verletzungen weiss und dabei ein debil-verklärtes Lächeln aufsetzen und mit einer hauchigen Stimme sprechen, damit das alles auch schön gütig rüberkommt. Geschickterweise baut man in diese Zuckerguß-Manipulation alles mit ein, was man seinem Manipulationssubjekt gern überstülpen möchte. Wenn man diese Vorgang häufig wiederholt, am besten mit stundenlangem hirnerweichenden Gelaber und es schafft die Zielperson bisschen in die eigene soziale Isolation zu ziehen, infiltriert man ihre ursprüngliche (und eigentlich authentische) Persönlichkeit irgendwann derart, dass die psychischen Schutzschilde ihrer Integrität sinken. Dann beginnt man dieser so entwaffneten und urteilsunfähigen Person, jenes gewünschte Überstülpbild so lange vor die Nase zu halten, bis sie anfängt zu glauben, sie sähe in einen Spiegel und beginnt sich damit sich ganz von allein damit zu identifizieren. Bestätigen nicht vergessen! Denn das muss man natürlich mit ordentlich viel süßlichen  Feedback verkleistern, sonst hält's ja nicht. Alles als Botschaft aus "einer anderen Welt" versteht sich, bisschen Mystik muss schon sein. Eh voilà, eine nahezu gewaltfreie Manipulation ist gelungen! Natürlich ist Manipulation auch eine Form von Gewalt, aber das muss man ja nicht an die große Glocke hängen, nicht wahr?

Wenn sich dann einer empört über den Stuss den man so von sich gibt, kann man das gnädig hinnehmen und mit einem "Du bist halt noch nicht so weit, aber ich nehme Dich ja sowas von an in Deiner Unvollkommenheit.". Oder man kann man sich einreden, dass der Empörer einfach dieses wunderbare Wesen, dass man da so durch einen durch schwafeln lässt, nicht annehmen kann aufgrund irgendeiner inneren "Unreinheit". Damit wäre quasi auch gleich der Grundstein gelegt, die anderen böse, dunkel und nicht-liebevoll zu schimpfen. Das ist überaus praktisch, denn in diesem Kontext erscheint man dann gleich noch ein bisschen leuchtender.


Candy

Wer sich das mit dem Channel-Geschwafel noch nicht so zutraut - denn da gehört schon echt 'ne gute Portion Selbstbewusstsein dazu - der kann ja mal klein anfangen mit dem Höheren Selbst. Jede spirituell-gedankliche Flatulenz kann man dann ungebremst raushauen und dabei ein kleines bisschen erwacht wirken, wenn man diesen sanftmütigen (Schlafzimmer)Blick halbwegs gut drauf hat und die Stimme etwas weichlich wirken lassen kann. Das kann man dann auch hervorragend als Bescheidenheit verkaufen, denn ein typisch esoterischer Grundtenor ist ja stets, dass man nichts wirklich erreicht haben darf und immer irgendwie "unterwegs" sein muss. Das sieht so schön "reflektiert" aus. Reflektiert wird nämlich grundsätzlich nur Unzulänglichkeit, je mehr Unzulängliches man über sich zu berichten weiß - kann man ja zur Not auch erfinden - umso reflektierter ist man nämlich. Und ganz nebenbei kann man sich dabei zurücklehnen und sich anschauen, was der narzisstische Spiegel Nettes zurückwirft und ihn ab und zu ein bisschen mit neuen überirdischen Botschaften polieren…

Disclaimer:
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich  rein zufällig. Und höchst bedauerlich! Denn dann kennt Ihr ja auch solche Sparbirnen-Erleuchtete und das tut mir echt leid - ehrlich! :(


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