Betreut von Anufa
DrachenSabber
Eine sehr verkürzte Geschichte des britischen Heidentums   Teil II

Jack Dark teilt diese humorige (und auch ziemlich kontroverse) Geschichte mit uns, die von Anufa übersetzt wurde.

Er traf im New Forst ein paar Leute, die so etwas ähnliches wie Hexentum betrieben. Deshalb beschloss er, das was er, den Schriften Margaret Murrays folgend,  „Witch Cult“ nannte, wieder zu beleben. Dabei verarbeitete er auch einen Haufen Zeug von den Leuten, die er im New Forest getroffen hatte. Er bat Crowley, ihm einige Rituale zu schreiben (wahrscheinlich) und Crowley wollte dafür Geld haben (wahrscheinlich) und so ward Wicca geboren. Auch gefiel es ihm, sich aus der Wäsche zu werfen, verschnürt und ausgepeitscht zu werden, deshalb fand auch das Eingang in Wicca. Wicca war zu diesem Zeitpunkt „zieeeeemlich“ heidnisch, aber eher ging es um Engel, klassische oder magische Ideen als um das war wir heute unter Heidentum verstehen.

Zur selben Zeit als sich Gardner Wicca einfallen ließ, waren auch andere Leute am Hexentum interessiert und entschieden sich, ebenfalls ihr eigenes uraltes Erbe und ihre eigenen uralten Ausformungen davon zu haben. Einer davon war Robert Cochrane. Mehr zu ihm ein wenig später.


Okay, zurück zum Druidentum

Seit Iolo Dingsbums, gab es etliche Druidengruppen und ein Kollege von Gerald Gardner, Ross Nichols, war ein Mitglied in einer solchen. Er liebte das ganze alte walisische  Dichterzeugs und beschloss deshalb eine neue Druidengruppe zu gründen, die „Order of Bards, Ovates and Druides“, ein bisschen wie Wicca, in dem sie nicht christlich war, aber er bekam viel Inspiration aus dem Walisischen und dem Bardenzeugs, eingeschlossen Ideen über Götter, Geister und Helden aus den alten Geschichten.
Die anderen Druidengruppen blieben bestehen und existieren bis heute, auf die eine oder andere Weise, aber die Schriften von Nichols und die Arbeit, die er geleistet hatte, ist das, was wir unter modernem Druidentum kennen.
Das sollte dann zum Druidentum reichen, denke ich mal. OBOD hat sich gehalten und läuft noch und andere Druidengruppen entschieden sich auch, heidnisch zu sein. Damit teilten sie sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und erfanden Geschichten. Und stritten. Und betranken sich. Immer wieder ad regurgitum …


Witchcraft Act macht´s unmöglich

Als 1951 der Witchcraft Act zurückgeschlagen wurde, veröffentlichte Gardner einige Bücher über Wicca und damit wuchs dessen Bekanntheitsgrad. Wahrscheinlich, weil die Leute dachten, dass sie da ein Runde Bumsen abstauben könnten, einige Leute nackig zu Gesicht bekämen und auch, weil sie dann dafür nicht mehr eingesperrt werden konnten.
Gardner hing dann im Museum of Witchcraft auf der Isle of Man rum und gründete im ganzen Land einige Coven, mit denen er auch arbeitete.


Nun, ähm … Achjaaaa, Doreen!

Doreen Valiente mischte sich in Wicca ein, nachdem sie in dem einem oder anderen fragwürdigen Magazin davon gelesen hatte. Sie traf Gardner und wurde Wicca. Allerdings dachte sie, dass einiges von dem Zeugs darin ein bisschen Kacke war. Vornehmlich war das von Crowley geschrieben worden und Gardner erlaubte ihr das umzuschreiben. Was sie reinschrieb, das war viel heidnischer und auf die Göttin fokussiert. Sie zerstritt sich dann mit Gardner und traf sich daraufhin mit unterschiedlichen Leuten, die angaben, Hexen zu sein – eingeschlossen dem vorher erwähnten Robert Cochrane. Es stellte sich heraus, dass er auch einen Haufen Blödsinn erzählt hatte, zu den unterschiedlichsten Themen, und so zerstritt sie sich mit ihm ebenfalls.
Entlang ihres Weges, Mitglied in unterschiedlichen Gruppen zu werden und sich mit ihnen wieder zu zerstreiten, hinterließ Doreen Valiente bei jedem viel Schriftliches, das viel heidnischer  und wesentlich weniger strikt magisch oder Crowleyanisch war, als das was vorher gewesen war.

Dann erschien Alex Sanders und erzählte, dass ihn seine Oma eingeweiht hätte, als er noch klein war – aber das war auch Blödsinn. Denn eigentlich war er Gardnerian, was aber, wie man munkelt, von Gardner nicht anerkannt worden war, weil Sanders ein kleines bisschen schwul war. Deshalb gründete Sanders seine eigene Tradition und initiierte Massen an Leuten. Das war´s dann mit Wicca.


„Old Craft“

Das kommt von den unterschiedlichsten Menschen und Gruppen, wie Robert Cochrane, der (vielleicht oder vielleicht auch nicht) einige Verbindungen zu früher schon existenten Magiern oder magischen Gruppen hatte, aber auch diese beschlossen heidnisch zu sein und Margaret Murrays Theorien anzuhören.


Dann gibt s noch die Heiden und nordische Traditionen

Die machten nicht dieselben Neuerfindungen oder Änderungen durch, wie die anderen heidnischen Religion es taten. Es gab sie in unterschiedlichsten Formen in Skandinavien und Europa bis sie in den 1960ern eine ernsthafte Wiedergeburt erfuhren. Diese Revivalgruppen zerstritten sich ebenfalls untereinander und teilten sich. Und betranken sich. Und teilten sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und erfanden Geschichten. Und stritten. Und betranken sich usw. …

Irgendwo dazwischen fingen die Leute an Magazine und Newsletter zu drucken. So unterschied sich eine heidnische Szene, die Leute untereinander in Kontakt brachte von der okkulten Szene und Gruppen wie die "Pagan Front" bildeten sich heraus. Die beschlossen, dass offen heidnisch zu sein, eine gute Sache wäre und es dazu eine Art offizielle Anerkennung bräuchte.
Dann dachten sie sich, dass sich „Pagan Front“ zu nennen ein bisschen streitsüchtig klingen könnte und das Benamsen ihres Magazins „The Wiccan“ ein bisschen ausschließend wäre. So benannten sie sich um, in „Pagan Federation“ und „Pagan Dawn“.Dann zerstritten sich die Leute, die das alles ausgehandelt hatten und trennten sich. . Und betranken sich. Und trennten sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und erfanden Geschichten. Und stritten. Und betranken sich.

Irgendwann war dann das alles auch nach Amerika exportiert worden. Dort machten die Amerikaner zwei Sachen. Entweder wurden sie über-streng ob der Regeln und wurden ziemlich fundamentalistisch bezüglich ihres Zugangs zum Heidentum. Oder sie zähmten und zensurierten es restlos womit es scheußlich, wattebauschweich und nett wurde und so wunderbar weibliche Teenager ansprach. Es gab auch Leute wie Starhawk und die Dianischen, die Murrays Hexenkult-Mythos ein bisschen zu ernst genommen haben und als feministisches, politisches Statement ansahen.

Dann wurde das alles wieder nach UK zurück importiert. Cochranes Zeug kam als eine strenge, ziemlich hardcorige Version des Hexentums zurück, und Wicca wurde das eklektische Durcheinander, das wir heute kennen, nachdem es von fürchterlichen New Agern mit Beschlag belegt worden war.

Dann passierte das Internet. Jeder konnte nun etwas übers Heidentum herausfinden. Ein paar blöde Filme und TV Programme klauten seine Sprache und Ideale.


Dann glaubte jeder, Druide, Hexe oder Wicca sein zu können

Eine in UK dachten, dass es großartig wäre. Einige hassten das. Und alle zerstritten sich untereinander. Und betranken sich. Und ihre Gruppen teilten sich. Und reformierten. Und betranken sich. Und hauten sich. Und dachten sich Geschichten aus. Und stritten. Und betranken sich. Und das ist es eigentlich auch schon, wirklich.
Ach ja, abgesehen davon, dass sie sich immer noch zerstreiten, sich betrinken, Gruppen bilden und wieder teilen und streiten. Manchmal, mitten in Alledem, geschieht aber auch etwas Sinnvolles!!


Jack Dark


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