DrachenSabber
Vergesst den 21. Dezember 2012   Teil II

Erst vor wenigen Jahren, am 31. Dezember 1999, ging die Welt, jedenfalls die Welt, die wir bisher kannten, bekanntlich unter. Die meisten von uns haben davon allerdings nicht viel bemerkt. Nun ist bald wieder soweit: am 21. Dezember 2012 endet die "Lange Zählung" des Maya-Kalenders – was, wie führende Paranoiker (für sie) überzeugend darlegen, nur bedeuten kann: Der Welt, jedenfalls der Welt, wir wir sie kennen, droht schon wieder das Ende!

Viele von Euch werden es geahnt haben: das „Orakel des Schattens“ ist kein echte okkulte oder mystische Quelle. Es handelt sich in Wirklichkeit um das 1989 in seiner ersten Fassung vorgestellte Science-Fiction-Rollenspiel Shadowrun und das damit verbundenen literarische Universum. Die „Shadowhelix“ ist tatsächlich ein Online-Lexikon der fiktiven Shadowrun-Welt.


Shadowrun ist selbstverständlich reine Fiktion

Allerdings eine für Rollenspiel- und Roman-Verhältnisse ungewöhnlich gut durchdachte. Wenn auch viel der für das frühe 21. Jahrhundert  in den Shadowrun-Quellenbüchern „vorhergesagten" Ereignisse bisher nicht eintraten - zumindest nicht „termingerecht“ - ist es keineswegs unplausibel, dass die nahe Zukunft ähnlich aussehen wird, wie sie im den Handlungszeiträumen des Spieles, den 50er, 60er und 70er Jahren des 21. Jahrhunderts, geschildert wird.

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass die reale Welt, seitdem die erste Version Shadowruns 1989 erschien, den darin beschriebenen Zuständen deutlich näher gekommen ist.
Mit einem gewissen Sarkasmus lässt sich außerdem sagen: Das nur zu Unterhaltungszwecken erdachte Shadowrun-Universum zeigt sich als Prognoseinstrument nicht nur sämtlichen esoterischen Szenarien, sondern auch den meisten seriösen Zukunftsprognosen überlegen.
Selbst die Szenarien zum „Erwachen der Magie“, die gewöhnlich als das „Fantasy-Element“ in Shadowrun wahrgenommen werden, sind beim näheren Hinsehen meistens weniger phantastisch, als es auf den ersten Blick scheint. Die Darstellung des „Astralraumes“ ist gar  nicht so abwegig – jedenfalls sehe ich die Nicht alltägliche Wirklichkeit ähnlich, und auch die Darstellung von schamanischen Reisen in einigen Shadowrun-Romanen zeigt, dass manche  Autoren genau wissen, wovon sie schreiben. (Andere haben allerdings keinen Schimmer, genau so, wie es Shadowrun-Autoren gibt, die wenig von Computern verstehen, was in einem „Cyberpunk“-Szenario natürlich ungünstig ist.) Ich rechne trotzdem nicht wirklich mit dem Erwachen der Drachen oder damit, dass sich Menschen in Zwerge, Oks, Trolle oder Elfen verwandeln werden ...

Doch zurück zur Konsensrealität bzw. der Alltäglichen Wirklichkeit. Als Asatruar bin der Ansicht, dass es so etwas wie „die Zukunft“ gar nicht gibt. Wen das verwirrt, den verweise ich auf No future! Warum das Germanische keine Zukunft hat von Duke Meyer.

In einem einfachen Bild: wir gehen in unserer „abendländischen“ Kultur normalerweise von einem linear-kausalem Wirklichkeitsbild aus. Aus dem Vergangenen folgt die Gegenwart und daraus wieder die Zukunft. Der „Zeitstrahl“ ist so etwas wie eine Eisenbahnstrecke, die in Richtung „Zukunft“ führt. Der Diskurs in unserer Kultur kreist allenfalls darum, ob „die Zukunft“ determiniert ist, also von Anfang an alles feststeht (alle Weichen sind schon gestellt, der Zug der Zeit kann weder gebremst noch beschleunigt werden) oder ob wir „Weichensteller“ oder „Lokführer“ der Zukunft sein können. In der Weltsicht, der ich anhänge, einer Form des Asatru, die zugleich auch schamanisch und hexisch ist, sich aber auch an der modernen Physik und der modernen Erkenntnistheorie orientiert, gibt es dagegen keine Bahnschienen, sondern nur Spuren, die wir selbst beim Gehen verursachen.

Liegt etwa eine Schlucht auf unserem Weg, dann rauschen wir nicht etwa ungebremst in den Abgrund oder haben, wie in den nicht-deterministischen lineare Zeitmodellen, allenfalls die Möglichkeit vorher auf ein anderes Gleis zu wechseln oder eine Notbremsung zu machen.

Als Fußgänger des Raum-Zeit-Kontinuums können auch seitlich weitergehen oder, wenn wir gute Kletterer sind, langsam den Abgrund hinabsteigen. Daher sind auch „zwingende“ Prognosen niemals sicher. Wem meiner und Dukes Ausdruck „die Zukunft gibt es nicht“ nicht behagt, der mag der Formulierung des österreichisch-englischen Philosophen und Erkenntnistheoretikers Karl Popper „die Zukunft ist offen“ den Vorzug geben. (Diese Formulierung wurde sogar von der deutschen Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Neujahrsansprache zitiert, als Physikerin kennt sie sich natürlich mit Erkenntnistheorie und dem Raum-Zeit-Kontinum aus, leider habe ich den Eindruck, dass das für ihre Politik herzlich wenig Folgen hat und dass sie die Konsequenzen aus dieser Weltsicht gar nicht richtig begreift.)

Es gibt keine sicheren Prognosen, weil es die künftigen Ereignisse noch nicht gibt. Selbst bei so sicheren Wetten wie „auch morgen wird es wieder Tag werden“ handelt es sich um Wahrscheinlichkeiten, deren Eintrittswahrscheinlichkeit gegen „1“ geht - aber nie ganz gleich „1“ sein kann.!

Heute (ich schreibe das am 14. Februar 2011) gibt es den 21. Dezember 2012 noch nicht. Was es allenfalls gibt, sind mögliche Entwicklungen, die im Sein der Welt bzw. im Wyrd angelegt sind, etwa die, dass sich bei uns die Menschen auf das Weihnachtsfest vorbereiten werden. Prognosen, die nicht im Urd - dem Gewordenen - verankert sind, oder die den Prozess des Werdens - Werdani - nicht berücksichtigen, sind soviel Wert, wie nun die Aktien jener Investmentbanken, deren Spekulationen das, was ist, und das, was wird, großzügig dem Wunschdenken unterordneten.

Nun sind die meisten esoterischen Prognosen und Prophezeiungen sehr schlecht im Sein verankert. Sie türmen eine unbewiesene Vermutung auf die andere. Andere Prognosen sind noch schlechter verankert, weil sie z. B. auf Wunschdenken (z. B. überoptimistische Spekulanten), Angst (Weltuntergangpropheten, aber auch z. B. „Sicherheitsexperten“, die ständig von einer „abstrakt erhöhten“ Terrorismusgefahr reden), auf nachweislich falschen Voraussetzungen (z. B. Überlegungen, dass die Erde 2012 mit einem anderen Planeten zusammenstoßen wird - der „Planet X“ wäre längst entdeckt worden) oder schlicht auf Lügen beruhen. Solche Prognosen und Prophezeiungen machen vor allem eines: Blind für das, was wir verändern können!

Ernstzunehmende Propheten und Prognostiker wissen, dass es immer anders kommen kann; dass ihre Vorhersagen sich auf eine mögliche Zukunft beziehen – aber nicht auf „die Zukunft“. Das gilt für prophetische Träume und Visionen ebenso wie für Konjunkturprognosen, Wettervorhersagen oder hochgerechnete Wählertrends.


Martin Marheinecke


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