Betreut von Anufa
DrachenSabber
Alle Jahre wieder ...

Nein, wir im WurzelWerk steigen nicht in die um sich greifende Konsumhysterie ein und fangen auch nicht an, jetzt schon mit Weihnachtkugeln um uns zu werfen. Ganz im Gegenteil! Genauso wie mit eherner Gewissheit jedes Jahr der Weihnachtsrummel auf uns zukommt, so melden sich die Medien bei vielen von uns Heiden und Neuheiden, die sich zu exotischen Lebenseinstellungen wie Wicca, Hexentum, Asatru oder Ähnlichem bekennen.

KotzkürbisGenau zwei bevorzugte Wochen gibt es da - die eine im Frühjahr, Beltane und die andere im Spätherbst, Halloween.


Worum geht´s denen da wirklich?

Warum gerade diese beiden Zeiten so gefragt sind - wo doch viele von uns acht Jahreskreisfeste feiern, ist einfach erklärt. Zu Beltane geht es den Medien vornehmlich um Sex (von vermeintlichen Tantraritualen bis zu Liebeszaubern und Aphrodisiaka), denn Sex sells. Zu Halloween ist das Hauptthema Grusel (Verstorbene, Geister und Kürbisse aus denen Spinnen krabbeln), denn schließlich verkauft sich neben der sowieso immer gerne gesehenen Skurrilität auch ein bisschen Vorabendhorror nicht schlecht.

Ohne Sensation geht es einfach nicht, weil dann kein Hahn (in diesem Falle, Zuseher, Leser oder Zuhörer) danach kräht und keine besonderen Verkaufs- bzw. Einschaltquoten zu erreichen sind. Vielfach muss die Sensation aber erst in der Nachbearbeitung des Materials zur solchen gemacht werden, weil das was besprochen oder gefilmt wurde einfach zu unspektakulär ist. Das Thema per se ist heute nicht mehr das was es in den Achzigern noch war und allein die Erwähnung von nächtlichen Ritualen im einsamen Wald (oder doch eher im Keller vom Reihenhaus oder Wohnzimmer vom Gemeindebau) reicht schon lange nicht mehr aus um auch nur einen Yorkshire hinter dem Ofen hervor zu locken.


Erstatten wir Bericht?

Vor rund zehn Jahren hatte ich noch die Illusion, dass ich Artikel oder fertig geschnittenes Material vor der Veröffentlichung zu Gesicht bekommen würde. Weil ja Fachfremde doch mit gewissen Sachverhaltsdarstellungen überfordert hätten sein können… Weit gefehlt!
Nach dem eigenhändigen Erstehen der Zeitung, des Magazins (von wegen Gratisexemplar) bekam ich auf meine Nachfrage, wo denn diese oder jene Passage hergekommen wäre, weil ich das ganz sicher nicht als Urheberin zeichnen würde, nicht nur einmal die Ansage zu hören, dass der Chefredakteur gemeint habe, der Artikel wäre ohne Auffettung nicht verwendbar gewesen, weil zu langweilig. Wie oft haben wir (auch das WurzelWerk hat so seine Fernseherfahrungen) uns gefragt, welcher Visionär den Schnitt dieses oder jenes Beitrages verbrochen hatte. Wie oft haben wir uns gefragt, ob wir tatsächlich bei den Aufnahmen dabei und nicht etwa in einer Parallelwelt unterwegs gewesen waren, während unsere Klone zu Dingen nickten, zu denen wir nur der Kopf geschüttelt hätten und haben - während unsere Nicker ganz woanders hingeschnitten worden waren.  Wie oft haben wir uns bei Talk-Shows gefragt, wie viel Honorar die gekauften Stimmungsmacher (natürlich als Diskussionsteilnehmer getarnt) einstecken konnten, während wir uns einen halben Tag für die Aufzeichungen frei nehmen mussten (natürlich auf eigene Kosten) und dann gerade mal wegen Fehlens öffentlicher Verkehrsmittel zu später Stunde die Taxirechnung nachreichen durften.

Den Göttern sei Dank habe ich zwischen all der Sensationsmache auch Redakteure, Reporter oder Interviewer kennen gelernt, die einfach nur Tatsachen berichten oder Informationen weitergeben wollten. Diese Medienleute hatten tatsächlich so etwas wie thematische Vorbereitung und lautere Absichten im Handgepäck und versuchten dementsprechend auch einen etwas ernsthafteren Zugang zum jeweiligen Thema zu wählen. Mensch konnte verlässliche Absprachen treffen, bekam Bildmaterial wieder zurück und sogar die versprochenen Gratismagazine (sogar in Mehrfachausgabe, damit die Oma auch eines an die Wand tackern konnte). Leider sind die aber heftig in der Minderzahl geblieben und vielfach von bereits angesprochenen Marketingstrategien auch nicht verschont und ihre Arbeiten von oben „aufgebessert“ worden.
Wohl auch ein Grund, dass es beliebt zu sein scheint, den Praktikanten oder „Frischgefangenen“ gerade diese Themenkreise als Bewährungsprobe zu übertragen, weil die dann keinerlei Möglichkeit haben, sich zur Wehr zu setzen, wenn jemand ihre Arbeit umschreibt. Ein vergrätzter Praktikant ist eben genauso wenig wert wie ein vergrätzter Heide...


Wir erstatten Bericht!

Nach nun fast zehn Jahren der Medienarbeit im und mit dem WurzelWerk, gibt es wohl kaum etwas, das wir nicht erlebt, gesehen oder gehört hätten. So sehr es uns ein Anliegen war und ist, die Lebenswelt der „alternativ Religiösen“ so authentisch wie nur möglich darzustellen und zu präsentieren, so beinhart mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das mit „normalen“ Medien kaum bis nicht vereinbar ist. Um aus der „Trottel- und Freakecke“ heraus zu manövrieren, würde es einer wesentlich größeren Lobby bedürfen, als wir sie im deutschsprachigen Raum aufzuweisen haben - oder einer wesentlich neutraleren Berichterstattung (die dann aber wieder keinen interessieren würde!). Daran ändern auch die Bemühungen der Einzelkämpfer im Bereich Privatradio, -fernsehen und im Netz noch nicht wirklich etwas und ich fürchte in Anbetracht der Sensationsgier der Zuhörer und -seher, werden sie auch nicht wirklich etwas ändern können.
Nach all den Jahren lesen sich die Kommentare in den online Formaten der Tagespresse genauso wie die vornetzzeitlichen Leserbriefe der Magazine – um zu zitieren „Egal welcher Glaube: Das Ganze ist strohdumm und nicht weiter als zur Zeit der Neandertaler.“ Die einzige, wenn mensch es so nennen will, Weiterentwicklung, die für mich sehr deutlich wahrzunehmen ist, ist die, dass mittlerweile jeglicher Glaube von vielen Schreibern und Lesern als hirnrissig und rückständig definiert wird. Wohl gibt es in einem Segment der Gesellschaft durchaus Interesse an den unterschiedlichsten Spielarten der Spiritualität, aber ich bin mittlerweile wirklich der Ansicht, dass die Majorität leider eher der zuvor genannten Kategorie zuzurechnen ist.

  copyright SixSigma (Beltane Fire Festival Red Man)
© SixSigma (Beltane Fire Festival Red Man)

Randgruppenphänome?

Also gehört heute Spiritualität, besonders wenn sie tatsächlich gelebt wird, in die Rubrik „Randgruppenphänome“? Eine gute Frage, die ich zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlicher Frustrationstoleranz unterschiedlich beantworte. Rein statistisch ist es wohl nicht zu leugnen, dass dem so ist. Wenn ich mir die Mitgliederzahlen so ansehe, die in den diversen Esoterikforen ausgewiesen werden, dann sieht es schon etwas weniger danach aus und wenn ich mir die kommerziellen Angebote aus dem Sektor Esoterik betrachte, dann scheint der Markt ein eher breiter zu sein (oder wie sollten die –zig Anbieter, die allein auf Esomessen zu finden sind, ansonsten ihr Auslangen finden oder die –zigzig Internetshops, mit einschlägigem Angebot auch nur die Servergebühren begleichen können).

Wie das alles zu deuten ist, das wird wohl die Zeit zeigen. Meine Prognosen sind in dieser Hinsicht nicht gerade freundlich, aber ich lasse mich mehr als gerne eines Besseren belehren! Los, lebt ihr Neuheiden, was ihr postet und auf Stammtischen von euch gebt und straft mich Lügen – ich warte drauf… Das nächste Beltane kommt bestimmt und alle Welt kann wieder in den Medien lesen, sehen und hören, wie es ist eine wirkliche Hexe/ein wirklicher Magier zu sein!


Anufa


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