Betreut von Anufa
DrachenSabber
Trügerisches Vorbild

Durch viele Synchronizitäten wieder einmal in Bewegung gesetzt, schlucke ich meinen DrachenSabber nicht einfach so hinunter oder verteile ihn live und ungefiltert unter den gerade mehr oder minder zufällig anwesenden, bedauernswerten Opfern sondern ätze ein wenig durch die Bits um eventuell einen kleinen Infektionsherd zu kreieren...

Stellen wir uns vor

An den Stiegen des Podiums steht nach einem sprühenden Vortrag über das neue Zeitalter der gelebten Spiritualität und des Humanismus eine Gruppe begeisterter Zuhörer rund um den charismatischen Referenten ...

Jaja, natürlich bin ich ausgebildeter Kommunikationsfachmann mit eigenem Lehrstuhl auf der Privatuniversität XY. Deshalb wurde ich ja zu diesem Vortragsabend als Referent geladen. Aber nein, es ist absolut kein Hinderungsgrund, dass ich auch an Esoterik interessiert und Reikimeister und -lehrer bin!
Persönlich stehe ich dem Buddhismus sehr nahe. Mir gefällt einfach der Gedanke, an nichts anzuhängen, Meditation und Gleichgewicht als Schwerpunkte zu haben und täglich praktizieren zu können. Natürlich steht der Humanismus und die Liebe zum Menschen genauso im Vordergrund wie meine persönliche Weiterentwicklung  - neben dem ökologischen Bewusstsein, das ich ja auch immer wieder herausstreiche in meinen Vorträgen. Wir müssen unsere Mutter Erde schützen und heilen. Wir haben sie schließlich nur von unseren Kindern geliehen ...
Entschuldigen Sie bitte einen Augenblick, es scheint wichtig zu sein – mein Telefon.

Was heißt sie haben einen Kratzer in mein Auto gefahren, sie Idiot?? Dieser Wagen hat mehr gekostet als sie im Jahr verdienen. Suchen sie sich einen anderen Job, wenn sie nicht in der Lage sind Autos so zu parken, dass sie unbeschädigt bleiben. Dafür mache ich sie voll haftbar!! Das ist mir völlig egal, wem oder was sie da ausweichen mussten - dieser Wagen ist gerade mal drei Monate alt und hat eine Sonderlackierung!! Nein, ich habe keinerlei Verständnis für Unfähigkeit und ich erwarte asap den Anruf ihres Vorgesetzten!!

Entschuldigen Sie bitte, die Unterbrechung, wo waren wir stehen geblieben??

So oder so ähnlich habe ich es schon erlebt und erlebe es in vielen anderen Bereichen immer wieder aufs Neue. Für mich sind solche Erlebnisse ein wichtiger Hinweis darauf, dass es nötig ist sich selber immer gut im Auge zu behalten, bevor billige Tricks sich einschleichen und so festsetzen, dass einem der Blick auf die Realität vernebelt wird.


Alle Jahre wieder steigt die Temperatur

Scheinbar fallen mir Dinge wie Inkongruenz und massive subjektive Fehleinschätzungen immer besonders in den Sommermonaten auf. Da ich das schon seit einigen Jahren beobachte, wundert es mich auch nicht, dass es mir heuer wieder so geht: Kopfschütteln an der Tagesordnung und Wellen des Unverständnisses in meinem Kopf.
Menschen verbalisieren eine Sache und tun etwas völlig anderes. Sie sind subjektiv der Ansicht etwas ganz Bestimmtes zu tun/auszustrahlen/zu kommunizieren aber für den Betrachter/Zuhörer würde sich die Sachlage ohne Erklärung absolut nicht erschließen. Oder sie benehmen sich in einem Bereich ihres Lebens diametral entgegengesetzt anders als sie meinen, dass sie ihr gesamtes Leben organisiert hätten.

Als mir dieses Faktum die ersten Male aufgefallen ist, dachte ich noch, dass es sich vielleicht um eine Zeiterscheinung handeln würde. Nein, weit gefehlt! Dieses Phänomen hat sich ganz im Gegenteil durch die Jahre immer weiter verbreitet und hat immer mehr Raum gegriffen.

Der Arzt, der in der Schreibtischschublade die Whiskyflasche parat hat, gehört genauso in diese Rubrik wie die Lehrerin, die zu Hause mit ihren eigenen Kindern überfordert ist. Diese Dinge kommen vor und wer ohne Tadel wäre, der darf den ersten Stein werfen (contradictio per se, wenn mich jemand fragen würde, aber so heißt es wohl...). Für all jene, die sich dessen bewusst sind, dass sie etwas völlig anderes leben, als sie anderen gegenüber vertreten, empfinde ich ehrliches Mitgefühl. Auch in meinem Leben gibt es Punkte, die ich lieber anders gestalten würde, aber dazu nicht (oder noch nicht) in der Lage bin, obwohl ich es besser wissen würde. Der Knackpunkt ist für mich das Bewusstsein!
Sofern sich jemand bewusst ist, dass etwas im Argen liegt und daran arbeitet, die Situation zu verbessern, ist die Situation noch nicht verfahren.

Was mich aber wirklich ärgerlich und auch nachdenklich macht sind diese Verhaltensweisen in Verbindung mit Ignoranz im, nennen wir es einmal, "Vorbildbereich".


Wohl eher Trugbilder

Ein Beispiel: Wer hat nicht gröbere Verdauungsprobleme bekommen, beim Interview mit dem nun abgesägten BP-Chef, dessen Lächeln die gute alte "LmaA"Einstellung mehr als deutlich repräsentierte und dessen Mund Abhilfe und Unterstützung in der Krise versprach? Auch bin ich mir ziemlich sicher, dass er das absolut ernst meinte, als er mitten in der Krise seinen Urlaub damit kommentierte, dass er durch die Ereignisse der letzten Monate derart ermüdet worden sei, dass der Urlaub quasi unabdingbar war (und was gibt es besseres um sich zu entspannen als einen Segeltörn irgendwo in der unverfälschten Natur).
Noch ein Beispiel: Die Kirchenskandale der letzten Jahre nehmen kein Ende. Meiner Ansicht nach ist das so, weil es heute eben nicht stillschweigend hingenommen wird, dass Wasser gepredigt und Wein gesoffen wurde bzw. noch wird, sondern dass die Menschen den Mund aufmachen und diejenigen zur Verantwortung ziehen, die Unrecht begangen haben (oder es zumindest versuchen).

Bei beiden Beispielen bin ich mir sicher, dass sich kaum jemand als Person irgendeiner Schuld bewusst gewesen ist. Wer bezüglich bestimmter Sachlagen kein persönliches Unrechtsbewusstsein sein Eigen nennt, der ist auch nicht in der Lage reale Schuld zu empfinden und kann deshalb dieses Gefühl auch nicht kongruent transportieren - ganz egal was er körpersprachlich antrainiert oder von Redenschreibern auf den Telepromter gespielt bekommen hat.

Warum regen mich derartige Vorkommnisse immer wieder auf?
Eine Antwort ist, dass es sich bei all diesen Menschen um Leute handelt, die als Sprachrohr fungieren. Jemand, der als Sprachrohr dient - und sei die Gruppe auch nur klein - sollte sich in meinen Augen dessen bewusst sein, dass er sich unweigerlich in einer Vorbildfunktion wiederfindet und dementsprechend gewisse Fähigkeiten mit sich bringen oder so schnell als möglich erwerben sollte. Auch die kleine, dem Leben nachempfundene Episode vom Anfang wäre unter den folgenden Gesichtspunkten wohl kaum möglich gewesen.

1. Selbstreflektion (wie schnell wäre dem Referenten klar geworden, dass es mit der Übersetzung seiner spirituellen Ausrichtung ins Leben heftig hapert, sofern es möglich ist sich nur ein paar Zentimeter vom eigenen Ego zu entfernen und von außen auf dieses "Ich" zu blicken)
2. Kritikfähigkeit (nicht jeder Anwurf ist auch tatsächlich sinnvoll - es könnte aber sinnvoll sein an jeden Anwurf zumindest ein paar Minuten der Selbstreflektion zu verschwenden)
3. Verantwortungsgefühl (sich selber und anderen gegenüber. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern - ist in meinen Augen eine ziemlich billige Methode um sich selber aus der Verantwortung zu entlassen)


Nobody is perfect

Ein ganz wichtiger Zusatzpunkt ist für mich das im Gedächtnis Behalten eines Satzes "nobody is perfect". Es macht in meinen Augen ebenfalls keinen Sinn sich in Perfektionismus zu ergehen und deshalb dann die Umsetzung seiner eigenen Ideen ins Leben nicht zu schaffen. Natürlich muss ich als Schönheitschirurg nicht makellos sein (auch wenn das heute vielfach so dargestellt wird!). Natürlich darf ein Psychologe genauso Probleme haben wie jeder andere Mensch auch und ein Suchttherapeut darf ein paar Kilos zu viel auf den Rippen haben. Das schon erwähnte Bewusstsein spielt eine Hauptrolle. Solange ich mir bewusst bin, was ich wie kommuniziere (auch mir selber gegenüber!!), was genau ich erreichen will und wie sich das in meinem persönlichen Leben (nicht) widerspiegelt oder widerspiegeln soll, ist die halbe Miete schon bezahlt.

Auch Vorbilder sind Menschen und können demnach nicht 100% selbstreflektiert, kritikfähig und verantwortungsvoll sein. Aber sie sollten sich meiner Ansicht nach dessen bewusst sein, dass sie - ob sie das wollen oder nicht - Meinungsbildner und Rollenmodelle sind und dass das Verantwortung mit sich bringt.


Anufa


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