Betreut von Anufa
DrachenSabber
Es walpurgisnachtet

Wenn der allseits bekannte Hexensabbat wiederkehrt, kehren auch die Medienberichte von dunklen Hexenkulten und verschwörerischen dunklen Ritualen zurück.

Dass es auf Walpurgis zugeht, merkt man nicht nur am Umschwung der Jahreszeiten. Mit der Natur erwachen auch diverseste Medienmenschen zu neuem Leben, gibt es doch neben Naturkatastrophen und Wahlkämpfen noch eine weitere Schlagzeile, die sich immer gut verkauft: Zaubernde Teenager und wahnsinnige Weiber mit roten Mähnen, die sich nackt tanzend des nächtens um Lagerfeuer schaaren.

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Tanz ums Lagerfeuer

Dass Teenager gute Quoten bringen dürfte allseits bekannt sein, sind es doch Kassenschlager wie ModelWGs, Zickenkriege um Startitel oder Schlägereien um schlechtbezahlte Praktikas, die uns allabendliche Unterhaltung versprechen. Mischt man pubertäre Dramen nun mit einer Prise geheimen Kulten und einem Stück magischer Praktiken, resultiert daraus eine dicke, nahrhafte Mediensuppe, die vor allem zu hexischen Hochfesten wie Samhain (Halloween) und Beltane (Walpurgisnacht) gerne aufgewärmt und aufgetischt wird.

Und so begibt es sich, dass sich fleißige Medienleute kurz vor dem jeweiligen Feste auf die Suche nach Interviewpartnern begeben. Bevorzugterweise natürlich nach jungem Fleisch - man beachte die Quote - doch auch älteres Gemüse wird gerne vor das Mikro gebeten, wenn man Potential für ein gutes Süppchen darin erkennt. Und eigentlich ist das Alter ja auch gar nicht so wichtig, wenn eine Deadline sich bedrohlich nähert, schließlich birgt Recherche ein hohes Risiko, vor allem das der anfallenden Arbeit. Eine gute Kommunikation zwischen Drehteam und Schneidebrett zeigt sich an den vielen positiven Beispielen in der Vergangenheit, als das was gezeigt werden sollte, schlussendlich zu dem wurde, was am Ende der Produktion im Mülleimer übrig bleib.

  Hexe, Hexe!
Hexe, Hexe!

Tieropfer bringen die Quoten, ganz gleich ob es sich um magischen Alltag, oder eine geschaffene Illusion des Mediums Fernsehen handelt. Die Zuschauer wollen Blut sehn´ - keine Frauen und Männer, die im Einklang mit der Natur fröhlich singend durch grüne Wiesen spazieren. Immerhin ist der Alltag langweilig genug, da will man halt auch mal ein bisschen Action.

Nicht nur das Fernsehen bietet interessante Berichterstattung zum Thema Hex´und Heid´ - wollen wir mal nicht auf unsere gute alte Zeitung vergessen, die uns allmorgendlich mit allem versorgt, was es in der Welt zu berichten gibt. Wie gut, wenn die Berichterstattung in Punkto Heidentum und Hexen auch dazu genutzt wird ein möglichst genaues, realistisches Ist-Bild aufzuzeigen, welches dazu führt, dass der Morgenkaffee es sich meist auf halbem Weg zum Magen doch nochmal anders überlegt.

Aber immerhin können wir uns glücklich schätzen, dass zumindest hexische Themen einer wirklichen Pressefreiheit unterliegen, die ja vierlerorts bei vielen Themen massig angezweifelt wird.

Aufgrund der schon angesprochenen Probleme in der Vergangenheit bei der Berichterstattung anlässlich der Hexenfeste, machen des sich die Medienleute natürlich immer wieder zum Ziel eine möglichst vorurteilsfreie Abbildung über das Hexentum zu bringen und die Massen über die Realität aufzuklären. In sehr vielen Fällen ist dies ein gerne genutzt Start das Vertrauen der interviewten Person zu gewinnen – wer wollte nicht schon einmal der Held der ganzen Sippe werden, Missstände aufdecken und einen revolutionären Bericht bringen, a la Hollywood.

Hexen für Utopia  
Hexen für Utopia

Und so fand auch ich kürzlich eine derartige Email in meinem Posteingang. Shina, möchtest nicht auch du dazu beitragen das Bild der Hexen zu verbessern und ein Interview mitmachen, das endlich mal was Richtiges ist und nicht nur eine graue Ansammlung von Vorurteilen? Natürlich, naiv wie ich bin, träume auch ich von einem heidnischen Utopia, ohne Vorurteile von außen, aber auch von innen. Ich bin außerdem immer wieder begeistert davon, wenn mir jemand ein Utopia verspricht, und sich sogar noch selbst so ernst und wahrhaftig dafür engagieren möchte, dass er sich nicht vor der Suche nach einer geeigneten Zielgruppe drückt und sich voller Elan daran macht das Wort Hexe in Google einzutippen und die ersten drei Webmaster anzuschreiben, die ihm dabei begegnen.

Nur leider kollidiert meine Naivität da gerne mit meiner Erinnerung an diverse Projekte, bei denen ich zwar nicht involviert, aber als Zaungast anwesend war, und bei denen wie üblich Schema F zum tragen kam. "Unterschreiben Sie bitte hier, hier und dort, die Übertragung kommt dann am so und so vielten um so und so viel Uhr, Rechte auf Änderung oder vorheriger Durchsicht des Materials haben sie natürlich keine, denn diese haben Sie grade eben in vollster Gesamtheit an den Sender abgetreten. Pech, hätten Sie halt das Kleingedruckte lesen müssen. " So schnell ist eine Seele verkauft.

Die Medien wollen nur unser Bestes, das wissen wir doch – das wirklich Böse ist da draußen in den Wäldern, tanzt am 1. Mai um große Lagerfeuer, verführt kleine Kinder, opfert schwarze Katzen und vollführt dunkle Rituale in der Innenstadt. Ganz in Ihrer Nähe, also bleiben Sie wachsam.

  Das Böse lauert am Baumkreis
Das Böse lauert am Baumkreis

Bleibt auch ihr wachsam, liebe Mithexen, Mitheiden und vor allem liebe Teenwitches – lasst die Finger von den bösen Medienleuten, auch wenn sie euch Schokolade und den Weltfrieden versprechen. Im Grunde wollen sie nur eure Seele, wie viele Generationen an Heiden und Hexen schon leidvoll feststellen mussten. Ehrt diese Opfer und wenn ihr das nächste Mal eine Kamera seht, nehmt am Besten die Beine in die Hand und lauft.

(Es sei denn natürlich, der- oder diejenige dahinter ist ein Medienvertreter aus Heidenkreisen, dann ist es natürlich was anderes. Übrigens, auch das WurzelWerk und einige andere Plattformen machen es sich zur Aufgabe über das Hexen- und Heidentum in seiner Vielfalt aufzuklären, wenn du also Lust auf Weltverbesserung hast, versuch es doch mal auf diesem Weg.)

Notausgang  
Notausgang

Sollte es sich bei dir lieber Leser/liebe Leserin um einen Medienvertreter handeln, der oder die sich jetzt negativ angesprochen fühlt, dann überlege woher dieses Gefühl kommt und ob es berechtigt ist. Wenn dem nicht so ist, beweise mir wie sehr ich daneben liebe mit einem medialen Meisterstück und ich werde mich sofort entschuldigen. Bis es soweit ist verbleibe ich aber mit sarkastischen Grüßen und einer gesunden Pressephobie.


Shina Edea


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